Bauchschmerzen und Blähungen sind bei Babys keine Seltenheit. Vor allem in den ersten drei Lebensmonaten haben viele Babys mit Blähungen zu kämpfen. Wenn diese Blähungen zu Bauchkrämpfen werden, spricht man von sogenannten Dreimonatskoliken. In dieser Zeit schreien die Babys oft viel und lassen sich nur schwer beruhigen. Auch beim Einführen der Beikost oder während der Kleinkindzeit können Blähungen auftreten. Es gibt aber viele Dinge, die man tun kann, um einem Blähbauch vorzubeugen und die Beschwerden zu lindern.
Ursachen für Bauchschmerzen und Blähungen bei Babys
Blähungen entstehen hauptsächlich, wenn das Kind zu viel Luft schluckt. Dies kann beim hastigen Trinken oder Schreien geschehen. Die Luft sammelt sich im Bauch und kann mit der Milch einen stabilen Schaum bilden, was zu schmerzhaften Bauchkrämpfen führt. Ablenkungen während des Trinkens können ebenfalls dazu führen, dass Babys mehr Luft schlucken. Stress und Unruhe in der Umgebung können sich auch als Bauchschmerzen äußern, da Kinder und Babys sehr sensibel auf Umweltreize reagieren.
Der Einfluss der Darmflora
Ein Neugeborenes muss erst allmählich seine Darmflora aufbauen, um die Nahrung gut verdauen zu können. Die ersten förderlichen Keime, insbesondere Lacto- und Bifidobakterien, erhält es bereits bei der Geburt von seiner Mutter. Dies gilt allerdings nicht bei Kaiserschnittgeburten. Milchsäurebakterien aus der Muttermilch spielen eine Schlüsselrolle bei der Ausreifung der kindlichen Darmflora. Bei regelmäßigem Verzehr verdrängen sie nach und nach genau die Bakterien, die Ihrem Baby Schmerzen machen können. Positive Effekte auf die Darmflora haben natürlich vorkommende Milchsäurebakterien wie der aus der Muttermilch stammende Lactobacillus reuteri. Sind förderliche Bakterien wie der L. reuteri oder andere Muttermilchkeime in ausreichender Menge vorhanden, verbessert dies nicht nur den Aufbau und die Zusammensetzung der Darmflora. Babys können dann auch besser Nährstoffe aufnehmen.
Weitere Faktoren
Luft im Bauch beziehungsweise im Darm tut Ihrem Baby weh, weil sie die Darmwand dehnt und dadurch die Nerven reizt. Ein aufgeblähter Darm kann durch Milchgärungsvorgänge auftreten oder weil das Kleinkind zu viel Luft verschluckt hat.
Vorbeugende Maßnahmen und Tipps
Es gibt verschiedene Maßnahmen und Tipps, die helfen können, Bauchschmerzen und Blähungen bei Babys vorzubeugen:
Lesen Sie auch: Leistenschmerzen in der Schwangerschaft: Was Sie wissen müssen
Ruhe und Nähe
Ruhe und Stille haben eine große Wirkung auf Ihr Kind. Die Mahlzeiten verlaufen entspannter, wenn Sie ungestört sind. Vermeiden Sie Hektik und Stress, indem Sie Radio und Fernseher abschalten und Besuche absagen. Babys brauchen viel Körperkontakt und Nähe. Ein Tragetuch kann beides bieten und hat einen vorbeugenden Effekt auf den Blähbauch, da die aufrechte Position im Tragetuch die Luft schneller als Bäuerchen entweichen lässt.
Ernährung der Mutter in der Stillzeit
Es wird oft empfohlen, dass stillende Mütter auf blähende Nahrungsmittel wie Zwiebeln, Hülsenfrüchte und Kraut verzichten sollten, da die blähenden Substanzen durch die Muttermilch auf das Baby übergehen können. Eine Radikaldiät ist jedoch nicht notwendig. Achten Sie auf eine abwechslungsreiche Ernährung, damit Sie und Ihr Kind alle Nährstoffe erhalten. Nikotin kann ebenfalls Blähungen und Bauchkrämpfe auslösen, da es die Darmmotorik anregt. Achten Sie daher auf eine rauchfreie Umgebung.
Stillen und Füttern
Geben Sie Ihrem Kind die Brust beziehungsweise das Fläschchen, sobald es Hunger bekommt. Wenn Sie die Mahlzeit hinauszögern, wird Ihr Baby aufgeregter und trinkt hastig. Wenn Ihr Baby nur nuckelt, um sich zu beruhigen, geben Sie ihm einen Schnuller. Um einen Blähbauch zu vermeiden, können Sie Ihr Baby häufiger anlegen, sodass es kleinere Mengen aufnimmt.
Medikamente und Heilpflanzen
Bei anhaltenden Blähungen kann Lefax® Pump-Liquid helfen, die im Milchschaum eingeschlossenen Luftbläschen zu lösen. Es wirkt nur im Darm und ist sicher und verträglich. Manche Heilpflanzen wie Kümmel, Fenchel und Kamille enthalten lindernde Inhaltsstoffe. Fenchel- und Kamillentee können Sie bei Flaschenkindern einfach in die Milch mischen. Eine ganze Reihe von Mitteln enthält Simeticon (Entschäumer). Dieser Wirkstoff soll Bläschen auflösen, die sich aus unverdauter Milch oder verschluckter Luft im Magen-Darm-Trakt des Säuglings gebildet haben.
Weitere Tipps
- Legen Sie Ihr Baby so an, dass es mit dem Mund die komplette Brustwarze umschließen kann.
- Stillen Sie nach Bedarf und suchen Sie Hilfe bei Ihrer Hebamme.
- Benutzen Sie einen Sauger mit kleinem Loch.
- Kuscheln Sie viel mit Ihrem Kind und tragen Sie es herum.
- Streicheln Sie das Bäuchlein im Uhrzeigersinn und gönnen Sie ihm öfter mal ein warmes Bad.
- Schützen Sie Ihr Kind vor unnötigem Stress und sorgen Sie für einen geregelten Tagesablauf.
Was tun bei Verdacht auf Laktoseintoleranz oder Kuhmilchallergie?
Verdauungsbeschwerden und Blähungen können auch auf eine Laktoseintoleranz oder eine Kuhmilchallergie hindeuten.
Lesen Sie auch: Diagnose und Therapie von ZNS-Störungen im Säuglingsalter
Laktoseintoleranz
Bei einer Laktoseintoleranz ist das Enzym Laktase inaktiv oder fehlt komplett. Es gibt verschiedene Formen der Laktoseintoleranz:
- Angeborene Laktoseintoleranz: Diese Form ist sehr selten und tritt auf, wenn dem Baby aufgrund eines Gendefekts das Enzym Laktase fehlt.
- Vorübergehende Laktoseintoleranz: Diese Form tritt meist bei Frühgeborenen auf, bei denen im Darm noch keine Laktase gebildet wird. Sie kann auch durch schwere Durchfälle oder entzündliche Darmerkrankungen verursacht werden.
- Laktose-Überbelastung: Diese kann passieren, wenn Still-Babys zwar häufig, aber nur sehr kurz trinken und zu viel von der kalorienarmen Vordermilch und zu wenig von der sättigenden Hintermilch zu sich nehmen.
Wenn Sie den Verdacht auf eine Laktoseintoleranz haben, sollten Sie einen Kinderarzt aufsuchen. Dieser kann einen Bluttest durchführen, um festzustellen, ob eine Laktoseintoleranz vorliegt. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel der Umstieg auf laktosefreie Spezialnahrung oder die Zugabe des Enzyms Laktase zur Muttermilch.
Kuhmilchallergie
Bei einer Kuhmilchallergie reagiert das Baby allergisch auf das Eiweiß in der Säuglingsanfangsnahrung oder Pulvermilch. Auch Stillkinder können betroffen sein, wenn die Mutter sehr viele Milchprodukte zu sich nimmt und das Kuhmilcheiweiß in geringen Mengen in die Muttermilch übergeht.
Wenn Sie eine Kuhmilchallergie vermuten, können Sie versuchsweise Milch und Milchprodukte aus Ihrem Ernährungsplan streichen. Wenn sich die Symptome bessern, liegt wahrscheinlich eine Kuhmilchallergie vor. Ein Allergietest beim Arzt kann dies bestätigen. Bei einer Kuhmilchallergie kann auf laktosefreie Spezialnahrung umgestiegen werden.
Dreimonatskoliken
Fast ein Viertel aller Säuglinge haben zwischen der 2. Lebenswoche und dem 3. Lebensmonat sogenannte Dreimonatskoliken. Das Verdauungssystem und die Darmflora des Kindes sind noch unreif. Lange Zeit dachte man, allein das unausgereifte Verdauungssystem des Kindes sei für einen harten Bauch, Blähungen und heftigen Bauchschmerz verantwortlich. Seit den 1990er-Jahren ist man zunehmend davon überzeugt, dass Koliken eine Mischung aus all diesen unterschiedlichen Faktoren sind. Das Kleinkind kann mit ihnen einfach noch nicht umgehen. Davon abgesehen ist das Baby gesund und gedeiht. Alle Babys schreien, wenn sie Hunger haben, sie sich unwohl fühlen, krank sind oder sich Kontakt wünschen. Und leider ja: Alle Babys in allen Familien schreien im 2. Lebensmonat am meisten - täglich bis zu 3 Stunden. Nach dem 3. Monat weint ein Säugling durchschnittlich nur noch rund 1 Stunde am Tag, daher die Bezeichnung Dreimonatskoliken.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Epilepsie im Mutterleib
Was können Eltern tun?
Eltern sind manchmal aufgrund der längeren Vorgeschichte unsicher, zweifeln an ihren Kompetenzen oder sind einfach nur erschöpft. Wechseln Sie beim Ausprobieren nicht zu oft und nicht zu schnell. Beobachten Sie immer wieder Ihr Kind, manchmal hilft tatsächlich erst einmal gar nichts. Verlieren Sie nicht den Blick für das, was dennoch gut läuft. Ist das Kleine wach, zufrieden und ruhig, kuscheln oder spielen Sie mit Ihrem Baby. Manchmal schütteln Eltern ihr schreiendes Baby aus Stress und Verzweiflung. Tun Sie das niemals! Schon kurzes Schütteln kann schwere gesundheitliche Schäden verursachen und sogar zum Tod führen. Die meisten Babys sind trotz der Schreiattacken gesund und tragen aus dieser Zeit auch keine späteren Schäden davon. Die belastende Zeit geht vorüber und Sie selbst haben ein ausdrückliches Recht darauf, sich zunehmend Pausen und Freiräume zu schaffen.