Dieses Lexikon bietet einen Überblick über neurologische und psychologische Erkrankungen, wobei der Fokus auf Definitionen, Symptomen, Ursachen und diagnostischen Verfahren liegt. Es soll sowohl für medizinische Fachkräfte als auch für Betroffene und Interessierte eine informative Ressource darstellen.
Einführung
Die Unterscheidung zwischen neurologischen und psychischen Erkrankungen ist oft fließend, da beide Bereiche eng miteinander verbunden sind. Neurologische Erkrankungen betreffen das Nervensystem, während psychische Erkrankungen das Denken, Fühlen und Verhalten beeinflussen. Häufig manifestieren sich neurologische Erkrankungen auch in psychischen Symptomen und umgekehrt. In diesem Lexikon werden beide Bereiche berücksichtigt, um ein umfassendes Verständnis zu ermöglichen.
Grundlagen psychischer Störungen
Definition psychischer Störung
Eine psychische Störung ist ein Syndrom, das durch klinisch bedeutsame Störungen in den Kognitionen, der Emotionsregulation oder des Verhaltens einer Person charakterisiert ist. Diese Störungen sind Ausdruck von dysfunktionalen psychologischen, biologischen oder entwicklungsbezogenen Prozessen, die psychischen und seelischen Funktionen zugrunde liegen. Psychische Störungen sind typischerweise verbunden mit bedeutsamem Leiden oder Behinderung hinsichtlich sozialer oder berufs-/ausbildungsbezogener und anderer wichtiger Aktivitäten.
Modelle psychischer Störungen
Es gibt verschiedene Modelle, um psychische Störungen zu verstehen:
- Sozial-normatives Modell: Psychische Störungen sind als auffällig abweichende Erlebens- und Verhaltensweisen charakterisierbar. Die Definition und Diagnostik erfolgt vor dem Hintergrund sozial-normativer und kulturell geprägter Referenzsysteme.
- Medizinisches Modell: Psychische Störungen werden als körperlich, biologisch oder somatisch bedingt angesehen. Externe Faktoren sind eher als auslösende Bedingungen aufzufassen.
- Psychosoziales Modell: Psychische Störungen werden als Extremausprägung normalen menschlichen Erlebens und Verhaltens angesehen. Der soziale Kontext beeinflusst die Entstehung und den Verlauf.
- Bio-psycho-soziales Modell: Psychische Störungen sind durch eine komplexe Beziehung biologischer, psychischer und sozialer Aspekte gekennzeichnet, die nicht isoliert betrachtet werden können.
Psychologische Schulen
Die Modellierung und das Verständnis psychischer Störungen ist darüber hinausgehend durch psychologische Schulen geprägt:
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- Psychoanalyse: Psychische Störungen werden als die Konsequenzen lebensthematischer, unbewusster Konflikte angesehen, die durch unverarbeitete Entwicklungsaufgaben bedingt sind.
- Humanistische Therapien, Gesprächspsychotherapie: Psychische Störungen entstehen, wenn individuelle Persönlichkeitsanteile, die von wichtigen Bezugspersonen nicht wertgeschätzt werden, abgespalten bzw. als inkongruent erlebt werden.
- Behaviorismus, Verhaltenstherapie: Verhaltensstörungen resultieren aus pathogenen Lernprozessen bezüglich gelernter Auslösefaktoren und Verhaltenskonsequenzen.
- Kognitive Modelle: Erwartungen, Attributionen, Selbstregulationsmechanismen sind neben auslösenden Reizkonstellationen und erfahrenen Verhaltenskonsequenzen wesentliche Determinanten psychischer Auffälligkeit.
- Interpersonale Modelle: Psychische Störungen werden als Symptome pathologischer zwischenmenschlicher Beziehungen und Systemstrukturen angesehen.
Psychobiologische und neuropsychologische Ansätze
Psychobiologische und neuropsychologische Ansätze fokussieren insbesondere neuronale, endokrinologische und neuroimmunologische Prozesse, die mit psychischen Störungsbildern einhergehen. Diese können als Ursache, Manifestation oder Konsequenz psychischen Erlebens, Verarbeitungs- und Verhaltensaspekte Gegenstand dieser Betrachtungsperspektive sein. Biologische Grundlagen konnten insbesondere durch neuropsychologische und psychobiologische Grundlagenforschung und die Wirkung psychotroper Substanzen identifiziert werden.
Neurologische Erkrankungen mit psychischen Auswirkungen
Viele neurologische Erkrankungen können psychische Symptome verursachen. Dazu gehören:
- Schlaganfall und Durchblutungsstörungen: Können zu plötzlichen Schwindelsymptomen und vielfältigen Symptomen je nach betroffener Hirnregion führen.
- Multiple Sklerose (MS): Kann schleichend oder wiederholt auftreten und vielfältige Symptome verursachen, abhängig von der betroffenen Region.
- Entzündungen im Gehirn oder den Nervenwasserräumen/Hirnhäuten: Können bei Autoimmunkrankheiten oder Infektionen auftreten.
- Parkinson-Krankheit: Meist einseitiges Zittern in Ruhe, Verlangsamung oder Unsicherheit beim Gehen.
- Epilepsie: Plötzliche Zuckungen von Armen, Beinen oder des ganzen Körpers, teils auch plötzliche Stürze, teils psychische Symptome.
- Polyneuropathie: Langsamer Beginn mit Taubheit oder Missempfindungen/Kribbeln, gelegentlich begleitend Lähmungen. Meist Folge von Stoffwechselstörungen, Vitaminmangel oder Entzündungen.
- Restless-Legs-Syndrom: Missempfindungen mit Bewegungsdrang der Beine, vorwiegend in Ruhe.
Psychiatrische Erkrankungen
Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen (ICD-10: F20-F29)
Das wichtigste Krankheitsbild dieser Gruppe ist die Schizophrenie.
Affektive Störungen (ICD-10: F30-F39)
Die Störungen dieser Gruppe äußern sich in Veränderungen der Stimmung oder der Affektivität, die entweder der Depression zuzuordnen sind oder einem Stimmungshoch. Begleitet wird der Stimmungswechsel in der Regel von einer Veränderung des allgemeinen Aktivitätsniveaus. Auslöser sind oft belastende Ereignisse.
Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren (ICD-10: F50-F59)
Typische Krankheitsbilder dieser Gruppe sind u. a.
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Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (ICD-10: F60-F69)
Die Störungen sind meist länger anhaltend. Sie können Folge sozialer Erfahrungen im frühen Verlauf der individuellen Entwicklung, aber auch erst später im Leben erworben sein.
Intelligenzstörung (ICD-10: F70-F79)
Die Krankheiten dieser Gruppe beruhen auf einer Störung der psychischen Entwicklung.
Entwicklungsstörungen (ICD-10: F80-F89)
Die Störungen beginnen im Kleinkindalter oder in der Kindheit. Sie gehen einher mit einer Einschränkung der Entwicklung bzw. Verzögerung von Funktionen, die mit der biologischen Reifung des zentralen Nervensystems (ZNS) verknüpft sind. Der Verlauf ist stetig. Häufig sind Sprache, Koordination der Bewegung sowie schulische Fertigkeiten betroffen.
Spezifische neurologische und psychologische Erkrankungen im Detail
Gutartiger Lagerungsschwindel
Vielerlei Ursachen möglich, z. B. Gutartiger Lagerungsschwindel, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen, Erkrankungen und Entzündungen des Gleichgewichtsapparates und des Gleichgewichtsnerven, teilweise auch Störungen der Gefühlempfindung an den Beinen.
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Beginn meist im Kindesalter, kann jedoch ins Erwachenenalter überdauern, Behandlungsmöglichkeit u.a.
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Transitorische ischämische Attacke (TIA)
Meist plötzliche Symptome, teils nur flüchtig, z. B.
Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (ICD-10: F10-F19)
Die dieser Gruppe zuzuordnenden Störungen bzw.
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) tritt häufig als Folge auf ein traumatisches Erlebnis auf. Traumatische Erlebnisse sind extrem bedrohliche oder schreckliche Situationen, die das Leben oder die Sicherheit von einem selbst oder anderen bedrohen. Beispiele für solche Situationen sind Naturkatastrophen, schwere Unfälle, Kriege, lebensbedrohliche Erkrankungen sowie körperliche, sexuelle oder auch psychische Gewalt. Dabei können PTBS als Folge einer oder mehrerer traumatischer Situation(en) auftreten, wenn entweder eine Person selbst betroffen ist oder wenn eine Person zum Beispiel Zeuge eines schrecklichen Ereignisses bei anderen Menschen wird (z.B. Ein Kennmerkmal der Posttraumatischen Belastungsstörung ist ein ungewolltes und äußerst lebendiges Wiedererleben von Aspekten des traumatischen Erlebnisses. Dieses Wiedererleben - die sogenannte Intrusion - kann sich in Form von aufdrängenden, belastenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen), als „Flashbacks“, bei denen sich die Betroffenen so fühlen oder so handeln, als seien sie wieder in die Situation hineinversetzt, oder in Form von Albträumen äußern. Reize, die an das Trauma erinnern, können dieses Wiedererleben mit den genannten Folgen und zu körperlichen Reaktionen, wie etwa Anspannung, führen. Daher werden zunehmend Situationen, Aktivitäten oder Personen vermieden, die an das Trauma erinnern. Dieses Vermeidungsverhalten bestand vor dem Trauma nicht. Weiterhin können bei Betroffenen Erinnerungslücken in Bezug auf das traumatische Erlebnis bestehen oder sie weisen anhaltende Symptome einer erhöhten psychischen Erregung auf. Dazu gehören Ein- und Durchschlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhte Wachsamkeit oder erhöhte Schreckhaftigkeit. Letzteres ist die Folge eines Gefühls ständiger Bedrohung. Daneben kann auch emotionale Taubheit ein Symptom der PTBS sein. Die Symptome entwickeln sich meist bereits kurz nach dem traumatischen Erlebnis. Etwa sieben Prozent der Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine PTBS (Frauen:10,4 Prozent, Männer: fünf Prozent). Die Auftretenswahrscheinlichkeit ist dabei abhängig von der Art des Traumas. Nach physischen Angriffen, vor allem auch sexueller Art, entwickeln etwa 50 Prozent der Betroffenen eine PTBS. Diese Art von Traumata sind somit die häufigsten Auslöser einer PTBS. Bei Verkehrsunfällen oder Naturkatastrophen dagegen sind die Zahlen derer, die als Folge eine PTBS entwickeln, deutlich niedriger. Im Mittel entwickeln etwa 25 Prozent aller mit einem traumatischen Erlebnis konfrontierten Menschen eine PTBS. Eine PTBS kann sich nach dem Erleben eines traumatischen Ereignisses in jedem Alter entwickeln. Bei einigen Betroffenen remittiert die PTBS nach einiger Zeit von selbst, bei vielen bleiben die Symptome aber auch über viele Jahre bestehen.
Diagnostische Verfahren
Psychiatrische Untersuchung
Die Erhebung psychiatrisch relevanter Informationen stützt sich überwiegend auf teilstrukturierte ärztliche Untersuchungen wie den psychopathologischen Befund, die Eigen- und die Fremdanamnese. Eine in der Psychiatrie oft angewandte weitere Art der Datengewinnung benutzt Fragebögen mit Selbst- und Fremdratingskalen sowie testpsychologische Verfahren. Daneben nimmt die Bedeutung messbarer biologischer Parameter ständig zu. Als Beispiel hierfür sei die Bestimmung der Medikamentenspiegel genannt, die entscheidende Zusatzinformationen geben kann. Der Gesamtbefund eines psychiatrischen Patienten besteht aus Einzelmodulen, die getrennt dokumentiert werden sollten. Begleitumstände eines Erstkontaktes sind Datum, Uhrzeit, Zuweisungsmodus und Begleitpersonen. Nicht immer sind alle psychiatrisch wichtigen Informationen im Erstgespräch erhebbar, weil z. B. unvermittelt gestellte schambesetzte Fragen länger dauernde Irritationen sowie Trotz, Aggression, Rückzug oder sogar Therapieabbruch zur Folge haben können. Je nach Art des Erstkontaktes ist der Ablauf und die Länge der Exploration sehr variabel. Der Arzt sollte abwechselnd sowohl eine eher passiv zuhörende Haltung als auch eine aktiv gestaltende Rolle einnehmen.
Psychopathologischer Befund
Orientiert an den Grundbegriffen der Psychopathologie sollte der Untersucher aus der Exploration einen kurzen und prägnant abgefassten Befundbericht über den derzeitigen psychiatrischen Zustand des Patienten extrahieren. Neben der Dokumentationspflicht ist ein wesentliches Ziel dieses Berichtes, einem möglichen späteren Untersucher als Vergleichsgrundlage zu dienen. Dazu sollte ein genaues und lebendiges Bild von dem Zustand des Patienten vermittelt werden.
Bewusstseinsstörungen
Quantitative Bewusstseinsstörungen werden auf einer eindimensionalen Skala angegeben (wach, somnolent, soporös, komatös). Qualitative Störungen des Bewusstseins lassen sich in 3 Kategorien einordnen. Im Falle der Bewusstseinstrübung hat der Patient die Schwierigkeit, die verschiedenen Aspekte von sich und der Umwelt zu verstehen, zu verbinden und entsprechend sinnvoll zu handeln. Bei der Bewusstseinseinengung sind innerhalb eines begrenzten Bereichs die psychischen Funktionen relativ gut erhalten, die Ansprechbarkeit auf Reize außerhalb dieses Bereichs ist jedoch stark herabgesetzt.
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
Unter Aufmerksamkeit versteht man die Fähigkeit, das Bewusstsein auf Erfahrungen hin auszurichten. Konzentration meint die Fähigkeit, diese Ausrichtung auf Dauer aufrechtzuerhalten. Klinisch zeigen sich Störungen dieser Funktionen im Gespräch, aber auch im nonverbalen Bereich.
Auffassungsstörungen
Auffassung bezeichnet die Fähigkeit, Erfahrungen in ihrer Bedeutung zu begreifen und sinnvoll verbinden zu können.
Gedächtnisstörungen
Merkfähigkeit meint die Fähigkeit, sich neue Informationen über einen Zeitraum von etwa 10 Minuten merken zu können. Die Funktion des Gedächtnisses jenseits von 10 Minuten kann stichprobenartig für verschiedene Zeiträume getestet werden. Hierbei kann man überraschend auf Amnesien stoßen, auf Störungen des Zeitgitters oder Konfabulationen (der Patient füllt Gedächtnislücken mit freien Erfindungen, die er selbst für Erinnerungen hält).
Denkstörungen
In dieser Kategorie werden Geschwindigkeit, Kohärenz und Stringenz des Gedankenablaufs beurteilt. Meist ist man dabei auf die Beobachtung der Sprache als Ausdruck von Denkprozessen angewiesen. Störungen können mit Eigenschaften wie gehemmt, verlangsamt, umständlich, eingeengt, perseverierend, inkohärent oder zerfahren beschrieben werden.
Zwänge
Zwänge treten auf in Form von Zwangsgedanken (unwillkürliche Gedanken, die nicht losgelassen werden können), Zwangsimpulsen (innere Antriebe, gefährliche, peinliche oder überflüssige Handlungen auszuführen) und Zwangshandlungen (z. B. wiederholte Kontrolle von Gegenständen, übermäßiges Händewaschen). Das Individuum erlebt diese Vorstellungen und Handlungen als sinnlos, wohl aber als der eigenen Person zugehörig.
Wahn
Wahn kann als „Privatwirklichkeit“ verstanden werden, die dem Realitätsverständnis der Umgebung entgegensteht und in hartnäckiger Weise verteidigt wird. Diese Unkorrigierbarkeit einer irrigen Überzeugung ist ein wesentliches Merkmal des Wahns. Wahn kann mit anderen psychischen Prozessen verknüpft sein und dann als Wahnstimmung (etwas Bedeutungsvolles liegt in der Luft), Wahngedanke (kognitive Beschäftigung mit dem Wahn) sowie Wahnwahrnehmung (fehlinterpretierte reale Sinneswahrnehmung) und Wahneinfall (unvermittelt auftretende wahnhafte Überzeugung) in Erscheinung treten.
Sinnestäuschungen
Abweichungen von der normalen Sinneswahrnehmung werden unterschieden in Halluzinationen (Wahrnehmungen ohne vorhandene Reizquelle), Pseudohalluzinationen (wie Halluzinationen, jedoch wird kognitiv die Täuschung als solche identifiziert), illusionäre Verkennungen (eine vorhandene Reizquelle wird falsch interpretiert) und Wahrnehmungsanomalien (ein Objekt wird in bestimmten Aspekten, wie z. B. Größe, verändert wahrgenommen).
Ich-Störungen
Hierzu werden neben der Derealisation und der Depersonalisation (die Umwelt oder die eigene Person wirkt fremdartig und unvertraut) die Störungen der Meinhaftigkeit gerechnet, bei denen eigenes psychisches oder körperliches Erleben in manchmal bizarrer Weise den Charakter des von außen Gemachten annimmt. Beispiele hierfür sind Gedankenausbreitung (andere Menschen haben Anteil an den Gedanken des Patienten), Gedankenentzug und -eingebung (dem Patienten werden von außen Gedanken abgezogen, eingegeben oder verändert), die Beeinflussung des Willens (z. B.
Affektivität
Eine kurz dauernde emotionale Reaktion bezeichnet man als Affekt, einen längerfristigen Gesamtzustand als Stimmung. Affektive Prozesse sind auf das Engste mit der körperlichen Befindlichkeit verbunden. Dies geht nicht selten so weit, dass bei affektiven Störungen das somatische Erleben gegenüber dem psychischen ganz im Vordergrund steht. Man spricht von einer Störung der Vitalgefühle, die sich in der Depression als Schweregefühl, vermehrte Schmerzempfindlichkeit, Kraftlosigkeit oder Druckgefühl äußern kann, in der Manie als Leichtigkeit, Spannkraft und Unempfindlichkeit gegenüber Schmerzen.
Antrieb
Körperliche und psychische Prozesse werden durch den Antrieb moduliert. Dieser kann gesteigert, gemindert oder gehemmt sein und sich dementsprechend z. B. in körperlicher Unruhe oder Stupor, Logorrhö oder Mutismus äußern.
Suizidalität
Der psychiatrische Befund sollte eine Stellungnahme zur Eigen- und, falls vorhanden, auch zur Fremdgefährdung beinhalten. Psychische Erkrankungen bilden einen entscheidenden Risikofaktor für Suizidversuche.
Zusatzuntersuchungen
Jeder psychiatrische Patient muss internistisch und neurologisch untersucht werden. Manche Untersuchungen müssen u. U. mögliche somatische Ursachen…
Bildgebende Verfahren
- Computertomographie des Schädels (Schädel-CT (craniale CT bzw.
- Magnetresonanztomographie des Schädels (Schädel-MRT (craniale MRT bzw.
Therapie
Die Identifikation (neuro-)biologischer Äquivalente zu psychischen Prozessen und Störungen liefert die Basis für fundierte Behandlungskonzepte, die eine reflektierte Entscheidung für die Auswahl von oder die Kombination und Integration pharmakotherapeutischer und psychotherapeutischer ermöglichen.
Medikamentöse Therapie
Aus Platzgründen werden nur die Kontraindikationen, Neben- und Wechselwirkungen aufgeführt, die im Zusammenhang mit der Behandlung psychiatrischer Krankheitsbilder besonders wichtig erscheinen. Die hier nicht genannten unerwünschten Arzneimittelwirkungen gelten selbstverständlich dennoch ohne Einschränkung. Die angegebenen Dosierungen sind in der Regel auf stationär überwachte Patienten ausgelegt. Dies trifft speziell auf das Kapitel über psychiatrische Akutsituationen zu.
Benzodiazepine
Psychopharmaka aus der Gruppe der Tranquilizer mit angstlösender, beruhigender, muskelentspannender und krampflösender Wirkung.
Neuroleptika/Antipsychotika
Psychotherapie
Psychoedukation
Aufklärung von Patienten und Angehörigen über physische und psychische Erkrankungen; kann von Ärzten, Psychologen oder speziell ausgebildetem Pflegepersonal durchgeführt werden.
Glossar
Agitation
Agitation ist ein Syndrom, das durch die Symptome psychomotorische Unruhe, Erregung und Gespanntheit gekennzeichnet ist und das von stillem Negativismus bis hin zu offener Feindseligkeit reichen kann. Eine ausgeprägte Agitation kann zu einer lebensgefährlichen Situation für den Betroffenen und sein Umfeld führen und sollte daher wie ein medizinischer Notfall behandelt werden.
Akathisie
Sitz- oder Stehunruhe, das heißt, der Patient ist nicht in der Lage, längere Zeit still zu sitzen oder zu stehen. Die Bewegungsstörung kann als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten.
Akut
Plötzlich auftretend, schnell, heftig verlaufend (Gegenteil: chronisch)
Alzheimer
Fortschreitende, unheilbare Erkrankung des Gehirns, die zu Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit führen kann.
Delirium/Delir
Akute organische Psychose mit Bewusstseinsstörung, Desorientiertheit, Halluzinationen, affektiven (Angst, Reizbarkeit) und vegetativen Störungen (Schwitzen, Herzrasen) und motorischer Unruhe.
Demenz
Oberbegriff für eine Vielzahl von Krankheitsbildern, bei denen es zu chronisch fortschreitenden degenerativen (funktionsmindernden) Veränderungen des Gehirns mit Verlust geistiger Fähigkeiten kommt.
Dopamin
Botenstoff (Neurotransmitter) des Gehirns, dessen gestörte Aktivität nachweislich mit Schizophrenie zusammenhängt.
GABA
Abkürzung für Gamma-Aminobuttersäure, wichtigster hemmender (inhibitorischer) Botenstoff (Neurotransmitter) im Zentralnervensystem.
Halluzinationen
Sinneswahrnehmungen ohne entsprechenden Sinnesreiz, die für einen wirklichen Sinneseindruck gehalten werden, zum Beispiel Hören real nicht vorhandener Stimmen.
Neurose
Bezeichnung für verschiedene seelische Störungen ohne nachweisbare körperliche Ursachen, bei der im Gegensatz zur Psychose der Realitätskontakt wenig oder gar nicht gestört ist.
Paranoia
Seltene Form der Psychose, in deren Mittelpunkt ein lang andauernder Wahn steht, zum Beispiel Liebes-, Eifersuchts-, Größen- oder Verfolgungswahn; keine anhaltenden Halluzinationen oder schizophrene Symptome.
Psychomotorik
Bezeichnet den Einfluss der Psyche auf alle willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen des menschlichen Organismus. Dazu gehören Bewegungen von Armen und Beinen, Ausdrucksbewegungen (Mimik, Gestik), Reaktivbewegungen (Bewegungen als Reaktion auf äußere Reize) sowie die Körperhaltung.
Psychose
Sammelbegriff für eine Gruppe schwerer psychischer Störungen, die durch einen vorübergehenden weitgehenden Verlust des Bezugs zur Realität und eine weitgehend fehlende Krankheitseinsicht gekennzeichnet sind.
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