Neuromorphe Chips: Eine Revolution in der Computertechnik und die Rolle analoger und digitaler Signale in Neuronen

Neuromorphe Chips stellen einen Paradigmenwechsel in der Informatik dar, indem sie die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns nachahmen und somit die Effizienz und Leistungsfähigkeit von speziellen Rechenoperationen verbessern sollen. Sie sind eine revolutionäre Neuschöpfung der Computertechnik und unterscheiden sich grundlegend von herkömmlichen Computern, da sie ähnlich arbeiten wie das menschliche Gehirn. Somit sind sie besonders gut geeignet für Aufgaben wie maschinelles Lernen, Bildverarbeitung und autonome Systeme wie selbstfahrende Autos oder lernfähige Roboter. Dieser Artikel erklärt die Grundlagen dieser Chips, was sie sind, wie sie entworfen werden, wie sie funktionieren und welche Möglichkeiten sie in der Zukunft bieten könnten.

Die Grenzen der klassischen Computerarchitektur

In den letzten Jahren hat „Deep Learning“ (dt. „Tiefes Lernen“) enorme Erfolge in Bereichen wie Computer Vision, Verarbeitung natürlicher Sprache, Mensch-Maschine-Spielen und mehr erzielt. Deep Learning ist dabei ein Bereich des maschinellen Lernens, bei dem Computer mithilfe künstlicher neuronaler Netzwerke große Mengen an Daten analysieren und daraus lernen. Diese Netzwerke bestehen aus vielen Schichten (daher „deep“ für engl. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für den Fortschritt im Deep Learning sind sogenannte Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT, Copilot oder Mistral. Diese Modelle basieren auf Transformer-Architekturen und wurden mit riesigen Textmengen aus dem Internet trainiert. LLMs zeigen dabei nicht nur beachtliche Leistungen in der Sprachverarbeitung, sondern demonstrieren auch die enormen Anforderungen moderner KI-Systeme an Rechenleistung und Speicher. Die Entwicklung und der Betrieb solcher Modelle sind eng mit der zugrunde liegenden Hardware verknüpft, was den Bedarf an effizienteren Architekturen und innovativen Lösungen weiter verstärkt.

Inzwischen kann künstliche Intelligenz (KI) das menschliche Niveau erreichen oder in einigen speziellen Anwendungen sogar bereits übertreffen. Während das an sich bemerkenswerte Mooresche Gesetz langsam seine Gültigkeit verliert, ist der Rechenaufwand in KI-Systemen aufgrund des sogenannten Von-Neumann-Flaschenhalses oft nicht mehr umsetzbar. Dieser Von-Neumann-Flaschenhals begrenzt die KI-Performance, weil klassische Computerarchitekturen auf eine strikte Trennung von Speicher (Memory) und Prozessor (CPU/GPU) setzen. Aktuelle Beschleunigerchips stoßen so zunehmend an ihre Grenzen bei der Verarbeitung riesiger Datenmengen.

Neuromorphes Computing als Lösung

Diese Herausforderungen treiben die Erforschung neuer Technologien voran. Diese Technologien können einige wichtige Probleme besser lösen als klassische Rechensysteme, auch wenn ihre Anwendungsbereiche noch begrenzt sind. Eine vielversprechende Option ist die Entwicklung neuromorpher Chips, bei welchen Architektur, Algorithmen und Hardware eng miteinander verknüpft sind. Bereits vor über fünf Jahrzehnten haben sich Wissenschaftler und Ingenieure vom menschlichen Gehirn inspirieren lassen und das Konzept des neuromorphen Computings vorgeschlagen. Dieser Entwurf nutzt analoge Signale, um die elektrischen Eigenschaften von Synapsen, Neuronen, Axonen und Dendriten nachzuahmen. Die neuartige Architektur folgt also den vereinfachten Betriebsregeln des Denkens. Das Gehirn verwendet Signalspitzen, sogenannte „Spikes“, um Informationen zu übertragen und zu verarbeiten. Es arbeitet dabei häufig an der Grenze eines chaotischen Verhaltens.

Seit der Einführung des neuromorphen Computings wurden viele beeindruckende Entwicklungen wie IBMs TrueNorth und Intels Loihi gestartet. Aus der technischen Perspektive heraus wird offensichtlich, dass künstliche Synapsen und Neuronen, die aus mehreren Hundert Transistoren bestehen, teuer, aufwendig und komplex sind. Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung neuromorpher Chips war daher die Verwendung von Memristoren - speziellen Bauelementen, die ihren Widerstandswert basierend auf vorherigen Spannungen speichern und damit die Funktion von Synapsen direkt nachahmen können. Memristoren eröffnen neue Möglichkeiten für die Miniaturisierung von neuromorphen Schaltungen und könnten in Zukunft eine Schlüsselrolle im neuromorphen Computing spielen. In den letzten Jahren gibt es immer mehr Bestrebungen, neuromorphe Architektur mit Quantencomputing-Technologien zu kombinieren. Durch die Fortschritte in der Materialwissenschaft und Nanotechnologie werden neue Materialien entwickelt, die für die Herstellung von neuromorphen Chips verwendet werden können.

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Lernen im Gehirn: Neuronale Plastizität und Signalübertragung

Das Gehirn lernt durch die Anpassung von neuronalen Verbindungen, ein Prozess, der als neuronale Plastizität bekannt ist. Dabei spielt die Signalübertragung in den Synapsen eine entscheidende Rolle. In diesem Prozess werden die Verbindungen zwischen Neuronen durch häufige Nutzung verstärkt oder durch geringe Aktivität abgeschwächt („vergessen“). Die Signalübertragung zwischen Neuronen erfolgt über Neurotransmitter wie Dopamin, die maßgeblich an Lern- und Erinnerungsprozessen beteiligt sind. Dopamin spielt eine wichtige Rolle bei Motivation und Belohnung und beeinflusst dadurch, welche Informationen als relevant abgespeichert werden. Das bedeutet, dass sich Verbindungen zwischen Neuronen verstärken, wenn sie gleichzeitig aktiv sind, wodurch sich stabile Netzwerke zur Speicherung von Informationen bilden. Neben der funktionalen Anpassung kommt es auch zu strukturellen Veränderungen im Gehirn. So können sich neue Dendritenverzweigungen bilden, um eine bessere Kommunikation zwischen Nervenzellen zu ermöglichen.

In diesem Zusammenhang ist es besonders interessant, dass der Nobelpreis für Physik 2024 an John Hopfield und Geoffrey Hinton verliehen wurde. Dabei wurden insbesondere die grundlegenden Entdeckungen und Erfindungen ausgezeichnet, die das maschinelle Lernen mit künstlichen neuronalen Netzen ermöglichen. John Hopfield entwickelte bereits 1982 das nach ihm benannte Hopfield-Netzwerk. Dieses Modell ahmt die Funktionsweise von Nervenzellen nach und ermöglicht ein künstliches assoziatives Gedächtnis, das Muster erkennen und vervollständigen kann.

Die Funktionsweise neuromorpher Chips

Neuromorphe Chips sind spezialisierte elektronische Komponenten, die neuronale Netzwerke in Hardware nachbilden und dabei Eigenschaften biologischer Gehirne imitieren. Die Bezeichnung „neuromorph“ (neuro = Nerv, Nervenzelle/morph = Form, Gestalt) taucht in diesem Zusammenhang erstmals in den 1980er-Jahren auf. Die traditionellen Von-Neumann-Architekturen stoßen schnell an Grenzen, wenn es um datenintensive Anwendungen wie Objekterkennung, Sprachgenerierung oder autonomes Fahren geht. Die Trennung von Prozessor und Speicher (Von-Neumann-Flaschenhals) führt zu hohem Energie- und Zeitverbrauch für den Datentransfer.

Energieeffizienz als Vorteil

Dadurch ergibt sich eine erhebliche Energieeinsparung im Vergleich zu herkömmlichen Computern und sogar zu GPUs (Grafikprozessoren - Graphics Processing Unit). Neuere Studien deuten darauf hin, dass neuromorphe Chips bei bestimmten Aufgaben theoretisch eine Energiereduktion auf bis zu 1/1000 der heutigen Technologie erwarten lassen. In der Praxis sind jedoch eher Reduktionen auf 1/10 bis 1/100 zu erwarten. Dennoch würde man dann anstelle von Kilowatt-Leistungen nur noch mit einigen Watt auskommen. Die käme dem typischen Energieverbrauch eines menschlichen Gehirns von ca. Auch im Vergleich zu GPUs, die für viele KI-Anwendungen eingesetzt werden, bieten neuromorphe Chips das Potenzial für erhebliche Energieeinsparungen. Dies liegt daran, dass neuromorphe Chips speziell für den Einsatz neuronaler Netze entwickelt wurden. Sie arbeiten daher effizienter als GPUs, die eigentlich für allgemeine Grafikberechnungen optimiert sind.

Die Energieeinsparung durch neuromorphe Chips ist allerdings stark von der Art der Anwendung abhängig. Bei Aufgaben, die von Natur aus hochgradig parallel sind und geringere Präzision erfordern, wie z. B. die Bilderkennung oder die Verarbeitung von Sensordaten, können die Energieeinsparungen besonders hoch sein. Bei anderen Aufgaben, die eine hohe Präzision erfordern.

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Übergang von Software zu Hardware in der KI

Neben der Energieeinsparung ist die Hauptmotivation für die Entwicklung neuromorpher Chips der Übergang von Software- zu Hardware-basierten Strukturen in der KI. Bisher wurden praktisch alle KI-Systeme in Software realisiert. Allein der Einsatz von Grafikkarten (GPUs) zeigt, dass dies keine endgültige Lösung sein kann. Moderne Grafikkarten werden für spezielle Anwendungen wie Computerspiele oder CAD-Aufgaben entwickelt und verfügen über massive parallele Rechenleistung. Obwohl derartige GPUs eine gewisse Beschleunigung für bestimmte KI-Aufgaben bieten, sind diese Hardware-Komponenten prinzipiell nicht für die Verarbeitung von Daten in neuronalen Netzen optimiert. Neuromorphe Chips stellen dagegen einen bedeutenden Fortschritt in Richtung „echter“ KI-Hardware dar. Im Gegensatz zu konventionellen Computern und GPUs sind sie von der Struktur und Funktionsweise her dem menschlichen Gehirn nachempfunden. Die neuronale Struktur wird hier sozusagen direkt in „Hardware gegossen“. Ein Umweg über Softwarestrukturen, die auf klassischer und für diesen Zweck eigentlich veralteter und ungeeigneter Hardware laufen, ist nicht mehr erforderlich.

Grundlegende Bestandteile neuromorpher Chips

Künstliche Neuronen: elektronische Einheiten, die Informationen empfangen, verarbeiten und weiterleiten. Elektronische Synapsen: Verbindungen zwischen Neuronen, die die Gewichtung von Signalen ändern können. Diese Bestandteile können auf verschiedene Art und Weise technisch realisiert werden. Künstliche Neuronen werden durch spezielle elektronische Schaltungen realisiert. Diese Schaltungen sind darauf ausgelegt, die grundlegenden Funktionen biologischer Neuronen nachzubilden, wie das Empfangen, Integrieren und Ausgeben von Signalen. Ein wichtiger Aspekt ist die Fähigkeit, sogenannte „Spikes“ zu erzeugen, die den Aktionspotentialen in biologischen Neuronen entsprechen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Computern, die mit kontinuierlichen Werten arbeiten, verwenden neuromorphe Chips oft eine Spike-basierte Kommunikation. Das bedeutet, dass Informationen in Form von kurzen, diskreten Impulsen, den Spikes, übertragen werden. Diese Vorgehensweise ahmt die Art und Weise nach, wie Neuronen im Gehirn miteinander kommunizieren.

Elektronische Synapsen werden beispielsweise durch Memristoren verwirklicht. Memristoren sind Bauelemente, die ihren elektrischen Widerstand in Abhängigkeit von der durch sie fließenden Strommenge ändern können. Diese Eigenschaft ermöglicht es Memristoren, Informationen zu speichern und gleichzeitig die Gewichtung von Signalen zu ändern, was der Funktion biologischer Synapsen sehr ähnelt. Die synaptische Gewichtung, also die Stärke der Verbindung zwischen Neuronen, wird durch den Widerstand der Memristoren dargestellt. Durch das Anpassen des Widerstands können die Chips lernen und sich an neue Informationen anpassen. Memristoren werden oft in sogenannten Crossbar-Arrays angeordnet, um eine hohe Dichte von Verbindungen zwischen Neuronen zu ermöglichen.

Optoelektronische Synapsen stellen eine vielversprechende Alternative zu Memristoren dar. Sie nutzen Licht, um die Verbindung zwischen künstlichen Neuronen zu modulieren, was im Wesentlichen bedeutet, dass die Stärke der Verbindung durch Lichtsignale gesteuert wird. Diese Modulation kann durch verschiedene optische Bauelemente erreicht werden, darunter photonische Kristallwellenleiter und Mikroresonatoren. Photonische Kristallwellenleiter lenken und steuern Licht auf winzigen Skalen, während Mikroresonatoren Licht in winzigen Strukturen einfangen und verstärken können. Der Einsatz von Licht in Synapsen bietet mehrere Vorteile, insbesondere das Potenzial für hohe Geschwindigkeiten und einen geringen Energieverbrauch. Da Lichtsignale sich mit sehr hohen Geschwindigkeiten ausbreiten können, ermöglichen optische Synapsen schnellere Datenübertragungsraten als elektronische Synapsen.

Eine weitere alternative Technologie sind atomare Schalter. Diese Schalter basieren auf der Bewegung einzelner Atome, um elektrische Widerstände zu verändern. Durch die präzise Steuerung der Atompositionen können sehr kleine und energieeffiziente Schalter realisiert werden. Diese Technologie hat das Potenzial, die Miniaturisierung von neuromorphen Chips voranzutreiben und den Energieverbrauch nochmals deutlich zu senken.

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Axonen und Dendriten werden in neuromorphen Chips im einfachsten Fall durch spezielle Leiterbahnen realisiert. Die Übertragung von Signalen zwischen Neuronen erfolgt über Leiterbahnen auf dem Chip, die den Axonen und Dendriten in biologischen Neuronen entsprechen. Diese Leiterbahnen sind so angeordnet, dass sie eine komplexe Vernetzung zwischen den Neuronen ermöglichen. Um sicherzustellen, dass Signale die richtigen Neuronen erreichen, werden Adressierungs- und Routing-Schaltungen verwendet. Diese Schaltungen steuern den Fluss der Signale durch das Netzwerk. Die Vernetzung der Axone und Dendriten ist ein entscheidender Faktor für die Leistungsfähigkeit neuromorpher Chips.

Analoge und digitale Signale in neuromorphen Chips

Neuromorphe Chips können sowohl mit analogen als auch mit digitalen Signalen arbeiten. Besonders interessant ist die Verwendung von analogen Signalpegeln, die nicht auf die digitale Zustände „Null“ und „Eins“ beschränkt sind. Die Informationsübertragung erfolgt dann durch die Spikes, also Pulsfolgen, die eine hohe Ähnlichkeit zu den Aktionspotentialen im Gehirn aufweisen. Sogenannte Spiking Neural Networks (SNNs) arbeiten zeitlich kodiert. Das bedeutet, dass Neuronen nur aktiv sind, wenn sie einen Schwellenwert überschreiten. Dies spart wiederum Energie und beschleunigt die Verarbeitung, da Datenleitungen noch effizienter genutzt werden können. Neuromorphe Chips können damit also sowohl analoge als auch digitale Elemente enthalten, wobei sie oft eine hybride Architektur nutzen, die das Beste aus beiden Welten kombiniert. Analoge Elemente können kontinuierliche Prozesse des Gehirns besser abbilden. Digitale Elemente werden in Bereichen eingesetzt, in denen Genauigkeit und Zuverlässigkeit entscheidend sind.

Neuronale Codierung: Die Übersetzung von Reizen

Neuronale Codierung bezeichnet die Art und Weise, wie neuronale Informationen durch elektrische Signale in Nervenzellen übertragen werden. Diese Signale kodieren Reize und Informationen, die vom Gehirn verarbeitet werden. Die neuronale Codierung ist ein zentraler Prozess im Nervensystem, der es ermöglicht, Informationen aus der Umwelt effizient zu verarbeiten. Sie befasst sich mit der Übersetzung von physikalischen Stimuli in neuronale Signale.

Einige der wesentlichen Konzepte der neuronalen Codierung umfassen:

  • Feuerrate: Die Häufigkeit, mit der ein Neuron Aktionspotenziale generiert, um die Intensität eines Reizes widerzuspiegeln.
  • Spike-Timing: Die zeitliche Struktur der Aktionspotenziale, die zur Erkennung von Mustern verwendet wird.
  • Population-Codierung: Die gleichzeitige Aktivierung mehrerer Neuronen, um komplexe Informationen zu kodieren.

Die Untersuchung der neuronalen Codierung hilft dabei, das Verhalten von Nervenzellen und ihre Reaktion auf verschiedene Umweltstimuli zu verstehen. Ein tieferes Verständnis kann zur Entwicklung künstlicher neuronaler Netze führen.

Analoge und digitale Codierung im Nervensystem

Der Axonhügel spielt eine entscheidende Rolle bei der Umwandlung analoger Signale in digitale Impulse. Die Dauer des postsynaptischen Potentials (PSP) entspricht der Zeit, in der Aktionspotentiale am Axonhügel gebildet werden können. Die chemische Codierung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in diesem Prozess. Diese komplexe Interaktion zwischen analoger und digitaler Codierung ermöglicht es dem Nervensystem, Informationen effizient und präzise zu verarbeiten und weiterzuleiten. An der präsynaptischen Axonmembran erfolgt eine digitale Codierung durch Impulsabfolgen, wobei die Dauer der Erregung der Zeit entspricht, in der Aktionspotentiale gebildet werden. In Dendriten und Zellkörpern findet eine analoge Codierung durch postsynaptische Potentiale (PSPs) statt. Die analoge und digitale Codierung im Nervensystem ermöglicht eine präzise Informationsübertragung.

Unterschiede in der Programmierung

Aber nicht nur auf der Hardware-Ebene unterscheiden sich neuromorphe Technologien von den klassischen Systemen. Auch die „Programmierung“ erfolgt völlig anders als bei Computern oder Mikroprozessoren. An die Stelle der klassischen Programmierarbeit tritt hier die Notwendigkeit, das neuronale Netz für seine Aufgaben zu trainieren. Hierzu wird es mit großen Mengen an Eingabedaten versorgt und die Verbindungen (Synapsen) basierend auf diesen Vorgaben werden angepasst. Ein wesentlicher Unterschied zwischen neuromorphen Chips und herkömmlichen Prozessoren liegt also auch in der Art und Weise, wie Informationen verarbeitet und übertragen werden. Während traditionelle Prozessoren Daten als diskrete Einheiten in Form von Bits speichern und sequenziell bearbeiten, arbeiten neuromorphe Chips mit Ereignissen und Zeitmustern. Diese Spikes-Muster sind die elektrischen Impulse, die den neuronalen Aktivierungen im Gehirn entsprechen. Neuromorphe Chips sind darauf ausgelegt, Lernprozesse nach dem Vorbild des menschlichen zu ermöglichen.

Vergleich mit anderen Kodierungsmethoden

Neuronale Codierung unterscheidet sich von anderen Kodierungsmethoden wie digitaler oder analoger Codierung. Hier sind einige Unterschiede und Gemeinsamkeiten:

KriteriumNeuronale CodierungDigitale Codierung
BasisBiologische NeuronenBinäre Zahlen
SignaltypSpike-Bursts oder FeuerratenBit-Sequenzen
Typische AnwendungBiologische Systeme, KNNComputer, mobile Geräte

Im Gegensatz zur neuronalen Codierung, die biologische Prozesse nachahmt, basiert die digitale Codierung ausschließlich auf logischen und mathematischen Operationen.

Anwendung neuronaler Codierung in den Ingenieurwissenschaften

Die Anwendung der neuronalen Codierung in den Ingenieurwissenschaften eröffnet neue Möglichkeiten, komplexe Probleme anzugehen. Diese Verfahren übertragen Prinzipien der biologischen Informationsverarbeitung auf technische Systeme und bieten dadurch innovative Lösungsansätze für vielfältige Einsatzbereiche.

Einsatzgebiete und Nutzen

Neuronale Codierung findet in verschiedenen Bereichen der Ingenieurwissenschaften breite Anwendung. Zu den wichtigsten Einsatzgebieten zählen:

  • Automatisierung: Einsatz in der Prozesssteuerung und Überwachung, um Systeme effizient zu steuern und zu optimieren.
  • Robotik: Intelligente Steuerung von Robotern durch Verarbeitung sensorischer Eingaben mittels neuronaler Netzwerke.
  • Medizintechnik: Verbesserte Diagnose- und Therapiesysteme durch Analyse von biologischen Daten.

Durch die Nachahmung neuronaler Prozesse können diese Systeme komplexe Aufgaben mit hoher Präzision und Anpassungsfähigkeit bewältigen, was ihre Effizienz und Leistung erheblich steigert.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Die Integration neuronaler Codierung in technischen Systemen bringt einige Herausforderungen mit sich, darunter:

  • Komplexität der Modelle: Neuronale Netzwerke können in ihrer Komplexität schwer nachvollziehbar sein und erfordern eine sorgfältige Auslegung und Optimierung.
  • Datenabhängigkeit: Die Leistungsfähigkeit solcher Modelle hängt stark von der Qualität und Menge der Daten ab.
  • Rechenleistung: Hohe Anforderungen an die Rechenressourcen können die Implementierung erschweren.

Lösungen umfassen die Entwicklung effizienter Algorithmen, die Bereitstellung ausreichender Rechenkapazitäten sowie die Anwendung von Techniken wie Transfer-Learning, um bestehende Modelle anzupassen und zu optimieren. Ein fortschrittlicher Lösungsansatz ist die Verwendung von Quantencomputing zur Überwindung der Rechenleistungsbeschränkungen. Quantenprozessoren biete die Möglichkeit, neuronale Netzwerke wesentlich schneller zu trainieren, indem sie komplexe Berechnungen parallel durchführen. Dies könnte die Adaption neuronaler Codierung in Echtzeitanwendungen drastisch verbessern.

Zukunftsperspektiven

Die Zukunft der neuronalen Codierung in der Technik ist vielversprechend, mit Potenzial in zahlreichen Innovationsbereichen:

  • Smarte Städte: Integration in das städtische Management, um Verkehrsflüsse zu optimieren und Energieverbrauch zu reduzieren.
  • Erweiterte Realität (AR): Verbesserung der Interaktivität und Erfahrung in AR-Systemen durch präzisere Umgebungsanalyse.
  • Klimaforschung: Analyse großer Datenmengen zur Modellierung und Vorhersage von Klimaveränderungen.

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