Die neurologische Anamnese ist ein wesentlicher Bestandteil der neurologischen Beurteilung und bildet die Grundlage für eine korrekte Diagnose. Sie ähnelt der ärztlichen Befragung in anderen medizinischen Bereichen, wird jedoch durch spezifische neurologische Fragestellungen ergänzt. Ein umfassendes Verständnis der Anamnese ist sowohl für den erfahrenen Neurologen als auch für den Arzt in Ausbildung von großer Bedeutung.
Das ärztliche Gespräch: Der Schlüssel zur Diagnose
Trotz moderner technischer Untersuchungsverfahren bleibt das ärztliche Gespräch die wichtigste Untersuchungsmethode. Es liefert dem Arzt Informationen über die Beschwerden des Patienten und deren Entstehungsgeschichte. Dabei geht es nicht nur um die aktuellen Symptome, sondern vielmehr um deren Verlauf, Häufigkeit, Stärke und Ausprägung. Begleiterscheinungen, wie Kopfschmerzen in Verbindung mit Übelkeit und Flimmersehen, sowie ähnliche Beschwerden bei anderen Personen im Umfeld des Patienten können wichtige Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung geben.
Die Anamnese dient dazu, den Beschwerden des Patienten einen Namen zu geben, eine Diagnose zu stellen. Obwohl es den Anschein hat, dass Ärzte eine eigene Sprache verwenden, um sich mit dem Schein der Allwissenheit zu umgeben, ist die präzise Beschreibung der Symptome und ihrer Entwicklung entscheidend für die Diagnosestellung.
Struktur der Anamnese
Am Anfang eines Besuchs beim Neurologen steht immer ein ausführliches ärztliches Gespräch (Anamnese). Im Rahmen dieses Gespräches teilt der Patient seine Krankheits(vor)geschichte zu allgemeinen Aspekten (z.B. Vorerkrankungen und Operationen) und seine jetzigen Beschwerden mit. Die neurologische Anamnese ähnelt der Arztbefragung in anderen Bereichen wie der Allgemeinmedizin, ergänzt um neurologische Fragestellungen. Nach dem zunächst die Angaben zur Person bestimmt wurden, geht es im Rahmen der aktuellen Anamnese darum, alles über die Art und Dauer von Symptomen und Beschwerden des Patienten zu erfahren. Durch spezifische Fragen sollten die Art, Dauer, Stärke, Häufigkeit und Auslöser der Symptome geklärt werden. Insbesondere neurologische Funktionsstörungen wie Lähmungen, Sprachstörungen und epileptische Anfälle sind zu berücksichtigen.
Allgemeine Aspekte und Vorgeschichte
Im Rahmen der Anamnese werden zunächst allgemeine Aspekte wie Vorerkrankungen, Operationen und aktuelle Medikamente erfasst. Es ist wichtig zu klären, welche früheren Erkrankungen in der Vergangenheit des Patienten aufgetreten sind. Falls Vorerkrankungen vorliegen gilt es auch zu klären, ob frühere Behandlungen durchgeführt und wenn ja, waren diese erfolgreich. Dabei ist auch zu klären ob aktuell oder früher Medikamente verabreicht wurden und falls ja, in welcher Dosis. Insbesondere frühere psychiatrische und neurologische Erkrankungen sind abzufragen.
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Aktuelle Beschwerden und Symptome
Im Fokus der Anamnese stehen die aktuellen Beschwerden und Symptome des Patienten. Durch gezielte Fragen werden Art, Dauer, Stärke, Häufigkeit und Auslöser der Symptome erfasst. Dabei sind insbesondere neurologische Funktionsstörungen wie Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen (z.B. Doppelbilder oder Ausfall eines Teil des Gesichtsfeldes) und epileptische Anfälle zu berücksichtigen.
Die neurologische Untersuchung
Die neurologische Untersuchung ist nach dem Erheben der Anamnese der nächste Schritt, um Ausfälle und Funktionsabweichungen des Nervensystems zu erkennen. Sie bildet die Grundlage jeder neurologischen Diagnostik. In den meisten Fällen kann sogar eine richtungsweisende Verdachtsdiagnose gestellt werden.
Die neurologische Untersuchung gliedert sich auf in die genaue Betrachtung des Patienten (Inspektion), eine kurze allgemeine internistische Untersuchung, das Untersuchen der Hirnnerven, die Prüfung der Reflexe, die Testung der Muskelkraft und der Bewegungsabläufe, die Sensibilitätsprüfung, die Untersuchung der vegetativen Funktionen und die Feststellung des psychischen Befundes. Jeder Neurologe geht die einzelnen Schritte in einer eigenen Reihenfolge durch.
Inspektion und allgemeine Betrachtung
Beim genauen Betrachten des Patienten kann der Neurologe erkennen, ob z.B. das Gangbild oder die Haltung gestört ist oder eine Störung der Gleichgewichtsfunktion vorliegt.
Untersuchung der Hirnnerven
Hierbei achtet der Neurologe besonders auf die Fähigkeit zu sehen, zu riechen, zu schmecken und das Hören, auf Augenbewegungen, Gesichtsmimik, Schlucken und Sprechen. Der Mensch besitzt 12 Hirnnerven. Bei Hirnerkrankungen oder Verletzungen kann die Funktion dieser Nerven gestört sein. Da jeder Hirnnerv eine ganz bestimmte Aufgabe hat, kann diese mit Funktionstests überprüft werden. Als Beispiel können dienen der Gesichtsnerv (Nervus facialis), der geprüft wird indem der Patient Grimassen schneidet. Für den Riechnerv werden verschiedene Aromastoffe (z.B. Kaffee, Bittermandel) eingesetzt, für das Schmecken Salz und Zucker.
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Reflexprüfung
Reflexe sind unwillkürlich ablaufende Reaktionen des Nervensystems auf einen Reiz. Mit Hilfe eines Hammers kann der Neurologe die so genannten Muskeleigenreflexe oder Muskeldehnungsreflexe (z.B. Achillessehnenreflex oder Patellarsehnenreflex) auslösen, d.h. die reflexartige Kontraktion des Muskels auf eine plötzliche Dehnung. Bei den Fremdreflexen betreffen Reizort und Reizantwort verschiedene Strukturen (z.B. Bauchhautreflexe). Bei diesen Tests achtet der Arzt v.a. auf Abschwächung bzw. das Babinski-Zeichen, das auf eine Nervenschädigung hinweist.
Prüfung der Muskelkraft und Bewegungsabläufe
Hierbei beurteilt der Neurologe den gesamten Bewegungsapparat (Wirbelsäule, Gelenke, Gliedmaßen) und die Muskulatur. Mit dieser Untersuchung kann man z.B. eine Muskelschwäche und das Muster einer Muskelschwäche zu erkennen. Zunächst prüft der Arzt passiv die Beweglichkeit der Gliedmaßen, d.h. der Patient lässt sich bewegen ohne aktiv beteiligt zu sein. Durch Halteversuche (Arm- oder Beinhalteversuch), z.T. mit geschlossenen Augen, kann der Neurologe wichtige Informationen auf latente (d.h. noch nicht ausgeprägte) Lähmungen z.B. im Rahmen der MS gewinnen. Aber auch das Prüfen der Feinbeweglichkeit ist sehr aufschlussreich. Kann ein Patient z.B. nicht mehr Knöpfe schließen oder nicht mehr richtig schreiben, kann dies mitunter der einzige Hinweis auf eine zentrale (d.h. im Gehirn oder Rückenmark gelegene) Störung sein. Mit Hilfe dieser Untersuchung kann sich der Arzt ein gutes Bild vom Zusammenspiel mehrerer Muskeln machen. Dazu bedient er sich u.a. so genannter Zielversuche, bei denen der Patient z.B. im großen Bogen den Zeigefinger zur Nase führen muss (Finger-Nase-Versuch). Es wird beobachtet, wie der Patient stehen und gehen kann, auch mit geschlossenen Augen, wie er rasche Bewegungsabläufe meistert.
Sensibilitätsprüfung
Bei dieser Untersuchung erhält der Neurologe Aufschluss über Schmerz- und Temperaturempfinden sowie über Druck- und Berührungswahrnehmung. Durch Reizung der Haut sucht der Arzt nach Störungen der so genannten Oberflächensensibilität, durch Bestreichen der Haut mit einem Stück Zellstoff oder Watte nach Störungen der Berührungsempfindung, durch spitze Gegenstände nach dem Schmerzempfinden. Das Anhalten einer kräftig angeschlagenen Stimmgabel an verschiedenen Knochenvorsprüngen dient dem Überprüfen der Tiefensensibilität.
Untersuchung des vegetativen Nervensystems
Das vegetative oder auch autonome Nervensystem ist Teil des peripheren Nervensystems. Es ist an der Steuerung von Körperfunktionen beteiligt, auf die der Mensch normalerweise keinen Einfluss hat, z.B. Gefäßsystem, Kreislauf, Atmung, Schwitzen, Wasserlassen und Verdauung.
Psychischer Befund
Bei neurologischen Erkrankungen kann auch der psychische Zustand des Patienten beeinträchtigt sein, sei es durch eine eingeschränkte Merkfähigkeit, verminderte Konzentration, eine geänderte Bewusstseinslage (z.B. Schläfrigkeit) oder eine veränderte Grundstimmung.
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Weitere diagnostische Maßnahmen
Je nach Beschwerdebild kann der Neurologe zusätzliche Untersuchungen veranlassen, um die Diagnose zu sichern. Dazu gehören beispielsweise:
- Elektroenzephalogramm (EEG): Messung der Hirnströme
- Elektromyografie (EMG): Messung der Nerven- und Muskelaktivität
- Elektroneurografie (ENG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit
- Bildgebende Verfahren: Ultraschall der hirnversorgenden Gefäße, Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT)
- Laboruntersuchungen: Blut, Urin oder der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor)
Bedeutung der Anamnese in der Neurologie
Die neurologische Anamnese ist der wesentliche Teil der neurologischen Beurteilung. Im Rahmen der Anamnese teilt der Patient dem Neurologen seine Beschwerden und seine Krankheitsvorgeschichte mit. Die neurologische Anamnese ähnelt der Arztbefragung in anderen Bereichen wie der Allgemeinmedizin, ergänzt um neurologische Fragestellungen. Nach dem zunächst die Angaben zur Person bestimmt wurden, geht es im Rahmen der aktuellen Anamnese darum, alles über die Art und Dauer von Symptomen und Beschwerden des Patienten zu erfahren. Durch spezifische Fragen sollten die Art, Dauer, Stärke, Häufigkeit und Auslöser der Symptome geklärt werden. Sehstörungen (z.B. Doppelbilder oder Ausfall eines Teil des Gesichtsfeldes), Kopfschmerzen, Probleme mit der Konzentration und dem Gedächtnis, Veränderungen beim Sprechen, Schwindel, bestimmte Blasenprobleme (Inkontinenz oder Dranggefühl können neurologische Ursachen haben), Probleme, das Gleichgewicht zu halten oder Bewegungen zu koordinieren, Muskelschwäche, steife Muskeln oder Muskelzucken, Zittern einzelner Körperteile oder des ganzen Körpers, Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Verhaltensänderungen, sind wichtige Hinweise auf eine neurologische Erkrankung. Insbesondere neurologische Funktionsstörungen wie Lähmungen, Sprachstörungen und epileptische Anfälle sind zu berücksichtigen. In der medizinischen Vorgeschichte gilt es zu klären, welche früheren Erkrankungen in der Vergangenheit des Patienten aufgetreten sind. Falls Vorerkrankungen vorliegen gilt es auch zu klären, ob frühere Behandlungen durchgeführt und wenn ja, waren diese erfolgreich. Dabei ist auch zu klären ob aktuell oder früher Medikamente verabreicht wurden und falls ja, in welcher Dosis. Insbesondere frühere psychiatrische und neurologische Erkrankungen sind abzufragen.
Die neurologische Untersuchung beginnt mit genauer Beobachtung des Patienten während der Erhebung der Anamnese. Im Falle der Eigenanamnese ist die Art und Weise, in der der Patient die Geschichte seiner Krankheit erzählt, entscheidend. Sie kann Verwirrung, eine Beeinträchtigung des Gedächtnisses und des Urteils oder Schwierigkeiten beim Verstehen und Ausdrücken von Ideen offenbaren.
Die Kunst der Gesprächsführung
Die Neurologie lebt von der Anamnese, der "Krankengeschichte". Diese Information erhält man durch die Unterhaltung mit dem Patienten. Dafür muss man sich Zeit nehmen, ihn anhören, ihn im Gespräch führen, seine Ausführungen gewichten, gegebenenfalls nachfragen und in der Terminologie hinterfragen - gleiche Worte haben nicht immer den gleichen Inhalt. Dies klingt anfänglich kompliziert, man kommt aber schnell drauf, wie man das Gespräch strukturiert und effizient führt.
Ein Beispiel: Ein Patient erscheint gehend in der Ambulanz. Er gibt an, heftige, kaum erträgliche Kopfschmerzen zu haben und greift sich auch an die Stirn… Der erste Schritt ist sicher nicht, eine Computertomographie oder ein MRT zu machen, da es eine Unzahl von Kopfschmerzen gibt (mehr als 140), wohl aber nur eine bestimmte Form die Ursache ist. Wenn Sie jetzt vorschnell handeln, verlängern Sie unter Umständen den Weg bis zur richtigen Diagnosen und zur effizienten Behandlung. Daher beginnen Sie mit gezielten Fragen. Bei Kopfschmerzen wird man freilich anders fragen als bei Kreuzschmerzen, oder bei Lähmungen, Gefühlsstörungen; das hängt vom eigenen Wissen über die neurologischen Krankheiten ab. Aber ein etwa gleichbleibendes Grundkonzept sollte man sich zurechtlegen, damit man nicht den Lebensroman des Patienten erfährt, ohne auf den Kern seiner Beschwerden zu kommen.
Grundsätzlich kann jeder seine Patientengespräche nach Belieben gestalten. Hält man sich jedoch an eine Struktur, kann man schneller eine Krankheitsbeurteilung erreichen. Besonders in der Neurologie führt eine dezidierte Anamnese in ca. 80% bereits zur richtigen Diagnose. Aber darüber hinaus ist eine gute Arzt-Patienten-Beziehung eine lohnende Angelegenheit.
Anamnese bei speziellen Erkrankungen: Multiple Sklerose (MS)
Auch im Verlauf der Arztbesuche werden immer wieder - wenn auch verkürzte - Anamnesegespräche geführt. Ihr Arzt möchte dann wissen, ob sich Ihre Symptome verschlechtert haben oder neue Symptome hinzugekommen sind. Ziel des Gesprächs ist es, frühzeitig eine mögliche Verschlechterung zu erkennen, damit diese schnell behandelt werden kann. Ebenso wird während der MS-Untersuchung überprüft, ob eventuell eine Therapieoptimierung Sinn macht.
Nach Erhebung der Anamnese und einer Verdachtsdiagnose auf MS führt Ihr Arzt eine gründliche körperliche Untersuchung durch. Ihr Neurologe prüft und erfasst bei der körperlichen neurologischen Untersuchung u. die Sensibilität der Haut mit einem Wattestäbchen und die Reaktion auf unterschiedliche Temperaturen sowie auf Vibration, die Reflexe auf Abschwächung bzw. die Beweglichkeit und Koordination verschiedener Muskeln, z. B. neuropsychologische Störungen, wie z. B. das Lhermitte-Zeichen, das häufig bei MS beobachtet wird. das Babinski-Zeichen, das auf eine Nervenschädigung hinweist. Um andere Erkrankungen sicher auszuschließen bzw.
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