Hirnaneurysma: Ursachen, Symptome und Behandlungsoptionen

Ein Hirnaneurysma ist eine beerenförmige Ausbuchtung einer Schlagader (Arterie) im oder nahe am Gehirn. Normalerweise sind Arterien fest und elastisch, ähnlich wie Schläuche. Wenn die Wand einer Arterie aber an einer Stelle nachgibt, sich nach außen wölbt und eine Ausbuchtung bildet, spricht man von einem Aneurysma. Aneurysmen können an verschiedenen Stellen im Körper entstehen, etwa an der großen Schlagader im Bauch (Bauchaortenaneurysma) oder einer Schlagader im Kopf (Hirnaneurysma). Hirnaneurysmen bilden sich häufig an Verzweigungsstellen der Arterien, die das Gehirn mit Blut versorgen.

Was ist ein Hirnaneurysma?

Ein Hirnarterien-Aneurysma, auch bekannt als Gefäßaussackung im Gehirn, ist eine ernsthafte Erkrankung. Es handelt sich dabei um eine Ausbuchtung der Wand einer Hirnarterie, die platzen und zu einer Blutung im Gehirn führen kann. Die Erkrankung kann lebensbedrohlich werden, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Umgekehrt kann eine frühzeitige Diagnose und Behandlung beziehungsweise ärztliche Überwachung die Risiken eines Hirnarterien-Aneurysmas minimieren und so die Lebensqualität der oder des Betroffenen erhalten bleiben.

Stell dir vor, dein Fahrradreifen ist abgefahren. Irgendwann kommt es dazu, dass sich der Schlauch rausdrückt. Wenn man jetzt nicht aufpasst und über eine kleine Unebenheit fährt, platzt der Reifen und ist platt. Sowas ähnlich passiert bei einem Aneurysma in unserem Gehirn. Ein Blutgefäß weitet sich und platzt, da die Gefäßwände nicht mehr halten.

Viele Menschen bemerken ihr gesamtes Leben lang nicht, dass sie ein Hirnaneurysma haben. Bei anderen verursacht es jedoch Beschwerden - oder sie haben ein erhöhtes Risiko, dass ihr Aneurysma irgendwann reißt und eine lebensbedrohliche Hirnblutung auslöst. Etwa 3 von 100 Erwachsenen haben ein Hirnaneurysma. Bei einigen Menschen entwickeln sich mehrere Aneurysmen im Gehirn.

Ursachen und Risikofaktoren

Ein Hirnaneurysma entwickelt sich meist im Laufe des Lebens, weil an der betroffenen Stelle die Elastizität der Gefäßwand nachlässt. Bei Menschen, die Bluthochdruck haben oder rauchen, bildet sich häufiger ein Hirnaneurysma als bei anderen.

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Frauen haben ein höheres Risiko für Hirnaneurysmen als Männer - ebenso Menschen, die Eltern oder Geschwister mit einem Aneurysma im Kopf haben. Außerdem steigt das Risiko mit zunehmendem Alter. Diese Faktoren machen es auch wahrscheinlicher, dass ein Aneurysma irgendwann reißt.

Indirekt gelten alle eine Arteriosklerose begünstigenden Umstände als Risikofaktoren für eine Hirnblutung. Hierzu zählen neben einem Bluthochdruck der Konsum von Nikotin und Alkohol, ein erhöhter Blutfettspiegel, eine Blutzuckerkrankheit, Bewegungsmangel und Übergewicht.

Dauerhaft erhöhte Blutdruckwerte können die Blutgefäßwände schwächen und so die Entstehung von Aneurysmen begünstigen. Auch aus diesem Grund sollten Sie regelmäßig Ihren Blutdruck kontrollieren und mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über dieses wichtige Thema sprechen. Tabakkonsum ist ein bekannter Risikofaktor für die Entwicklung von Aneurysmen sowie anderer Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Rauchen schädigt die Blutgefäße und kann zu einer Schwächung der Gefäßwände führen. Bei der Atherosklerose, wie Ärzt:innen die Arteriosklerose zumeist nennen, sind Arterien aufgrund von Plaque-Ablagerungen in den Gefäßwänden verengt und verhärtet. Arteriosklerose beeinträchtigt die Blutzirkulation und kann die Gefäßwände schwächen. Diese genetisch bedingte Erkrankung erhöht das Risiko für Hirnarterien-Aneurysmen. Auch eine familiäre Vorgeschichte in Bezug auf Aneurysmen kann das persönliche Risiko für ein Hirnarterien-Aneurysma erhöhen. Sprechen Sie daher bei bekannter familiärer Vorgeschichte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Präventive Maßnahmen

Obwohl nicht alle Aneurysmen verhindert werden können, gibt es doch geeignete Maßnahmen, die zur Risikominimierung und darüber hinaus zur Förderung der allgemeinen Gesundheit beitragen können. Messen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck, idealerweise täglich zur gleichen Zeit, um Schwankungen zu erkennen. Ein normaler Blutdruck liegt unter 120/80 mmHg. Sollten Sie wiederholt erhöhte Werte feststellen, lassen Sie Ihre Blutdruckwerte in Ihrer Hausarztpraxis kontrollieren. Beschränken Sie Ihre tägliche Salzaufnahme auf weniger als 5 Gramm, was etwa einem Teelöffel entspricht. Integrieren Sie mindestens 150 Minuten gemäßigtes oder 75 Minuten intensives Training pro Woche in Ihren Alltag, um normale Blutdruckwerte zu unterstützen. Zudem hilft es bei der Rauchentwöhnung, sich der Situationen bewusst zu werden, die das Verlangen nach einer Zigarette auslösen. Wenn Sie eine familiäre Vorgeschichte von Aneurysmen haben, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die Möglichkeit, regelmäßig bildgebende Untersuchungen durchführen zu lassen. Anhaltender Stress gilt als Faktor für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Bluthochdruck. Achten Sie auf ausreichend Schlaf pro Nacht, um Ihren Körper zu regenerieren und den Blutdruck zu stabilisieren. Indem Sie diese Maßnahmen in Ihren Alltag integrieren, können Sie aktiv dazu beitragen, das Risiko für Hirnarterien-Aneurysmen zu senken.

Symptome

Die meisten Hirnaneurysmen verändern sich nicht, machen nie Beschwerden und bleiben deshalb unbemerkt. Auch wenn ein Aneurysma zufällig entdeckt wird, muss es nicht immer behandelt werden: Zu wissen, dass man ein Hirnaneurysma hat, kann allerdings belastend sein.

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Ein Aneurysma verursacht häufig keine Beschwerden. In diesem Fall wird es als „asymptomatisches“ Aneurysma bezeichnet. Zu Beschwerden kann es kommen, wenn ein Aneurysma besonders groß ist oder ungünstig liegt. Es kann dann auf das Gehirn oder auf Nerven drücken, die vom Gehirn wegziehen - zum Beispiel auf den Sehnerv.

Ein Hirnaneurysma, das mit der Zeit größer wird, kann Beschwerden verursachen. Aneurysmen können reißen. Man spricht dann auch von einer Aneurysma-Ruptur. Durch das Einreißen kommt es zu einer Hirnblutung - genauer gesagt zu einer sogenannten Subarachnoidalblutung. Dies ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der so schnell wie möglich notärztlich behandelt werden muss. Durch die Blutung steigt der Druck im Schädel und das empfindliche Hirngewebe wird geschädigt. Plötzliche sehr starke Kopfschmerzen sind typische Anzeichen. Viele Betroffene sprechen von dem stärksten Kopfschmerz, den sie jemals erlebt haben. Zu Beginn tun oft vor allem der Hinterkopf und Nacken weh.

Weitere Symptome können sein:

  • Nackensteifigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Bewusstseinsstörungen, Bewusstlosigkeit

Die Symptome können je nach Größe, Lage und Zustand des Aneurysmas variieren. Ein Schlaganfall kann die Folge eines geplatzten Aneurysmas sein. Plötzliche und schwere Nackenschmerzen und/oder eine Steifigkeit des Nackens können auf eine Subarachnoidalblutung hinweisen, die durch das Platzen eines Aneurysmas verursacht werden kann. Es ist wichtig zu beachten, dass einige Symptome bei Frauen stärker ausgeprägt sein können beziehungsweise andersartig auftreten können. Frauen berichten häufiger als Männer über Schmerzen zwischen den Schulterblättern, eine plötzliche Atemnot oder über Herzrhythmusstörungen. Wenn Sie vermuten, dass jemand in Ihrer Umgebung akute Symptome eines Hirnarterien-Aneurysmas zeigt, ist es entscheidend, sofort zu handeln.

Diagnose

Viele Menschen erfahren zufällig, dass sie ein Hirnaneurysma haben, weil ihr Kopf wegen einer anderen Erkrankung untersucht wurde. Bei Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Sehstörungen kann die Ärztin oder der Arzt zu einer Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) raten. Besonders gut sichtbar werden Aneurysmen bei der sogenannten digitalen Substraktionsangiografie (DSA). Dabei wird eine Röntgenaufnahme mit und eine ohne Kontrastmittel gemacht. Ein Computer errechnet daraus ein Bild, das nur noch die Blutgefäße zeigt - andere Strukturen wie Knochen sind nicht mehr zu sehen.

Eine möglichst frühzeitige Diagnose ist bei Hirnarterien-Aneurysmen entscheidend, um das Risiko eines Risses beziehungsweise Platzens (Ruptur) und daraus folgender Komplikationen zu minimieren. Unsere Fachärzt:innen bei Asklepios nutzen modernste bildgebende Verfahren, um Aneurysmen präzise aufzuspüren und zu bewerten.

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Diagnostische Verfahren:

  • Digitale Subtraktionsangiografie (DSA): Bei diesem Verfahren führt die Ärztin oder der Arzt einen Katheter in ein Blutgefäß ein. In Kombination mit einem zuvor gespritzten Kontrastmittel können mit dieser Technik Blutgefäße detailliert auf einem Bildschirm dargestellt werden.
  • Magnetresonanzangiografie (MRA): Diese hochmoderne Form der Bildgebung verwendet Magnetfelder und Radiowellen, um detaillierte Bilder der Blutgefäße im Gehirn zu erstellen.
  • Computertomografie-Angiografie (CTA): Die CTA nutzt das Röntgenverfahren der Computertomografie in Kombination mit einem Kontrastmittel, das den Patient:innen injiziert, also gespritzt wird. Dadurch erhalten Ärzt:innen klare und detaillierte Bilder der Blutgefäße im Gehirn.
  • Transkranielle Doppler-Sonografie (TCD): Diese Ultraschalltechnik misst die Blutflussgeschwindigkeit in den Hirnarterien und kann damit Hinweise auf eine Verengung der Hirnarterien infolge eines Vasospasmus geben. Ein Vasospasmus ist ein Gefäßkrampf, der innerhalb von Tagen nach einer Subarachnoidalblutung entstehen kann.
  • Klinische Untersuchung und Anamnese: Auch die diagnostischen Verfahren außerhalb der modernen Bildgebung sind unverändert wichtig. Unsere Ärztinnen und Ärzte führen eine gründliche klinische (körperliche) Untersuchung durch und erheben im Gespräch mit ihrer Patientin oder ihrem Patienten die medizinische Vorgeschichte.

Es ist wichtig zu betonen, dass nicht alle Aneurysmen Symptome verursachen. Manche Aneurysmen werden zufällig bei Untersuchungen entdeckt, die Ärzt:innen aus anderen Gründen vornehmen.

Behandlung

Wer keine Beschwerden hat und kein erhöhtes Risiko, dass das Aneurysma reißt, benötigt nicht unbedingt eine Behandlung. Die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung ist aber oft schwierig, da viele Faktoren eine Rolle spielen - etwa die Lage des Aneurysmas und der allgemeine Gesundheitszustand. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, Risikofaktoren für Komplikationen zu vermeiden - also zum Beispiel einen Bluthochdruck zu behandeln und nicht zu rauchen. Bei einem unbehandelten Aneurysma wird in 1- bis 3-jährigen Abständen ein MRT oder CT gemacht.

Die Behandlung von Hirnarterien-Aneurysmen zielt darauf ab, das Risiko eines Gefäßrisses zu minimieren und die Lebensqualität unserer Patient:innen zu erhalten. Bei Asklepios bieten wir fortschrittliche Therapieoptionen an, die unsere erfahrenen Expert:innen auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Patient:innen abstimmen.

Behandlungsoptionen:

  • Operation: Das Aneurysma wird dabei mit einem kleinen Metall-Clip abgeklemmt.
  • Katheter-Verfahren: Dabei werden meist feine Spiralen aus Platin durch das Blutgefäß bis in das Hirnaneurysma geschoben. Dadurch gerinnt das Blut im Aneurysma und es soll sich verschließen.

Beide Verfahren können dauerhaft verhindern, dass das Aneurysma weiter durchblutet wird. Das beugt einem Reißen vor, ist jedoch selbst mit Risiken verbunden.

Die endovaskuläre Ausschaltung ist eine minimal-invasive, also im Vergleich zu einer offenen Operation sehr gewebeschonende Behandlungsmethode. Unsere Fachärzt:innen bei Asklepios setzen sie in der Behandlung von Hirnarterien-Aneurysmen häufig ein. Dabei führen sie durch die Blutgefäße einen Katheter ein und gelangen damit bis zum Aneurysma. Über den Katheter bringen sie dann sehr kleine Platin-Spiralen (sogenannte Coils) in das Aneurysma ein, die eine Gerinnselbildung anstoßen. Das Aneurysma wird dadurch von der Blutzirkulation ausgeschlossen. Die mikrochirurgische Ausschaltung, auch bekannt als Clipping, ist ein Verfahren, bei dem Operateur:innen über eine Öffnung im Schädel Zugang zum Aneurysma erhalten. Unter dem Mikroskop setzen unsere Neurochirurg:innen einen kleinen Metallclip an der Basis des Aneurysmas an, um es so vom Blutkreislauf auszuschließen. Dadurch können sie ein mögliches Reißen beziehungsweise Platzen des Aneurysmas verhindern. Diese Methode ist besonders effektiv bei Aneurysmen, die wegen ihrer Form oder Lage nicht für eine endovaskuläre Ausschaltung infrage kommen.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass nicht jedes Aneurysma behandelt werden muss. Ob sich Ärzt:innen zusammen mit ihren Patient:innen für oder gegen eine Behandlung entscheiden, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

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