Eingeklemmter Nerv beim Atmen: Ursachen, Symptome und Behandlungen

Ein eingeklemmter Nerv, insbesondere im Zusammenhang mit Atembeschwerden, kann verschiedene Ursachen haben. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte dieses Problems, von den anatomischen Grundlagen des Brustkorbs bis hin zu spezifischen Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten. Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für Betroffene und Interessierte zu schaffen.

Einführung

Rückenschmerzen beim Atmen können beunruhigend sein, sind aber oft harmlos und gut behandelbar. Es ist jedoch wichtig, organische Ursachen auszuschließen. Ein eingeklemmter Nerv kann sich durch stechende Schmerzen äußern, die oft zu einer flachen Atmung führen. Diese Schmerzen können beim Ein- und Ausatmen auftreten und verschiedene Ursachen haben, von harmlosen Erkältungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen.

Anatomische Grundlagen des Brustkorbs

Der Brustkorb (Thorax) besteht aus zwölf Rippenpaaren, die an den Brustwirbeln (BWS) ansetzen. Jede Rippe geht in den Rippenknorpel über, der mit dem Brustbein (Sternum) verwachsen ist. Die Rippen sind über Gelenke und die Interkostalmuskulatur (Zwischenrippenmuskulatur) verbunden, was die Bewegung des Brustkorbs beim Atmen ermöglicht.

Die Brustwirbelsäule (BWS)

Die Brustwirbelsäule besteht aus 12 Wirbeln (Th1 bis Th12), die den längsten Abschnitt der Wirbelsäule bilden. An den Querfortsätzen der Wirbel Th1 bis Th10 befinden sich Gelenkflächen für die Rippen. Die BWS schützt das Rückenmark und stabilisiert den Rumpf.

Die Rippen

Der Mensch hat 24 Rippen, jeweils eine links und rechts an den Brustwirbeln. Die ersten 10 Rippenpaare sind vorne mit dem Brustbein verbunden. Die Rippen bestehen aus einem Rippenknochen und einem Knorpelabschnitt. Die Rippen 8 bis 10 sind indirekt mit dem Brustbein verbunden und formen einen Rippenbogen.

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Muskeln und Atemmechanik

Verschiedene Muskeln, insbesondere die der Brust-, Bauch- und Rückenmuskulatur, sind für die Stabilität des Brustkorbs und die Atmung verantwortlich. Die autochthonen Rückenmuskeln verlaufen entlang der gesamten Wirbelsäule und verbinden die Wirbel.

Das Zwerchfell, ein großer Atemmuskel, ist am Brustkorb befestigt und bildet eine Kuppel hinter den Rippen. Es stabilisiert den Rumpf und unterstützt die Atmung. Es gibt zwei Arten der Atmung:

  • Brustatmung: Die äußeren Zwischenrippenmuskeln ziehen sich zusammen, wodurch sich der Brustkorb hebt.
  • Bauchatmung: Das Zwerchfell zieht sich zusammen und flacht ab, wodurch sich der Bauch bläht.

Ursachen für eingeklemmte Nerven beim Atmen

Ein eingeklemmter Nerv im Brustbereich kann verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, die genaue Ursache zu ermitteln, um eine angemessene Behandlung einzuleiten.

Interkostalneuralgie

Bei einer Interkostalneuralgie (auch Intercostalneuralgie) leiden Patienten unter Nervenschmerzen zwischen den Rippen. Verschiedene Erkrankungen können dabei zu Nervenschädigungen oder -reizungen führen. Die Schmerzen werden oft als ziehend oder stechend beschrieben und können durch Atmen, Husten, Druck auf den Brustkorb oder Bewegung verstärkt werden.

Mögliche Ursachen der Interkostalneuralgie

  • Altersbedingte Wirbelsäulenerkrankungen wie Spondylitis (Wirbelsäulenentzündung) oder Osteochondrose (Degeneration von Knochen und Knorpel).
  • Gürtelrose (Herpes Zoster-Virus).
  • Rippenfrakturen.
  • Rippenfellentzündung (Pleuritis).
  • Muskelverhärtungen rund um die Rippen.
  • Lungenentzündungen.
  • Mechanische Schädigung der Zwischenrippennerven, z.B. bei Rippenbruch oder Operationen am Brustkorb.
  • Neurologische Erkrankungen.
  • Lang anhaltender Stress.
  • Verhärtungen und Verspannungen im Zwerchfell sowie der Brust- oder Rückenmuskulatur.
  • Selten Tumore im Bereich des Brustkorbs sowie Erkrankungen der Leber oder des Herzens.

BWS-Syndrom

Das BWS-Syndrom beschreibt verschiedene Beschwerden und Schmerzen rund um die Brustwirbelsäule. Häufige Ursachen sind muskulär-fasziale Probleme wie verhärtete Muskulatur, Muskelverspannungen und spröde Faszien.

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Faktoren, die das BWS-Syndrom begünstigen

  • Fehlhaltungen.
  • Bewegungsmangel.
  • Einseitige Bewegungen im Alltag.
  • Sitzende Tätigkeiten.

Erkrankungen, die zu einem BWS-Syndrom führen können

  • Skoliose (seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule).
  • Morbus Scheuermann (krankhafte Veränderung und Verkrümmung der Brustwirbelsäule bei Jugendlichen).
  • Entzündungen an der Brustwirbelsäule (durch Viren, Bakterien oder Autoimmunerkrankungen).
  • Rheumatoide Arthritis.
  • Axiale Spondyloarthritis.
  • Kostochondritis/Tietze-Syndrom (Entzündung des Rippenknorpels im Bereich der Brustbein-Rippen-Gelenke).
  • Osteoporose (Knochenschwund).

Zwerchfelllähmung

Eine Zwerchfelllähmung kann ebenfalls zu Atembeschwerden führen. Sie betrifft meistens den Zwerchfellnerv und tritt oft einseitig auf.

Ursachen für Zwerchfelllähmung

  • Tumoren, die den Zwerchfellnerv bedrängen.
  • Unfälle.
  • Armplexusneuritis (neuralgische Schulteramyotrophie).
  • Virusinfektionen.
  • Guillain-Barré-Syndrom (GBS).
  • Muskeldystrophien.
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS).
  • Verletzungen, z.B. Querschnittlähmung.
  • Operationen an Herzen oder Thymus.

Symptome der Zwerchfelllähmung

  • Atemnot, besonders im Liegen.
  • Schlafstörungen.
  • Müdigkeit.
  • Wiederholte Lungenentzündungen.
  • Paradoxe Zwerchfellbewegung.

Weitere Ursachen

  • Spinalkanalstenose: Verengung des Wirbelkanals, die Druck auf das Rückenmark oder die Nerven ausübt.
  • Bandscheibenvorfall: Teile der Bandscheiben drücken auf die Nerven.
  • Piriformis-Syndrom: Der Piriformis-Muskel im Gesäß drückt auf den Ischiasnerv.
  • Karpaltunnelsyndrom: Ein Nerv wird im Karpaltunnel am Handgelenk eingeklemmt.
  • Sulcus-ulnaris-Syndrom: Ein Nerv wird im Bereich des Ellenbogens eingeklemmt.
  • Formveränderungen des Brustkorbs: Skoliose oder Trichterbrust können die Atmung behindern.

Symptome eines eingeklemmten Nervs beim Atmen

Die Symptome können je nach Ursache und betroffenem Nerv variieren. Typische Anzeichen sind:

  • Stechende oder ziehende Schmerzen im Brustkorb, die sich bei Bewegung, Atmen oder Husten verschlimmern.
  • Schmerzen, die gürtelförmig um den Brustkorb herum auftreten.
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln.
  • Muskelschwäche.
  • Atemnot.
  • Eingeschränkte Beweglichkeit.
  • Knacken oder Knirschen am Brustkorb.

Diagnose

Eine gründliche Diagnose ist entscheidend, um die Ursache des eingeklemmten Nervs zu ermitteln und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und sich nach Vorerkrankungen, Operationen, Verletzungen und aktuellen Beschwerden erkundigen. Bei der körperlichen Untersuchung wird der Brustkorb abgetastet, um Triggerpunkte und Schmerzreize zu identifizieren.

Neurologische Untersuchung

Ein Neurologe kann den Schweregrad des eingeklemmten Nervs bestimmen und entsprechende Therapieverfahren vorschlagen.

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Bildgebende Verfahren

  • Röntgenbild: Zur Darstellung von Brüchen oder knöchernen Fehlstellungen im Brustraum.
  • MRT (Magnetresonanztomografie) oder CT (Computertomografie): Zum Ausschluss von Organerkrankungen als Ursache der Beschwerden.
  • Ultraschall: Beurteilung der Zwerchfellbewegung.

Weitere Untersuchungen

  • Spirometrie: Atemmessungen zur Quantifizierung der Beeinträchtigung.
  • Neurographie, Elektromyographie: In seltenen Fällen zur Bestätigung und Charakterisierung der Nervenschädigung.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des eingeklemmten Nervs und den individuellen Bedürfnissen des Patienten.

Konservative Behandlung

  • Schmerzlinderung: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs), Antidepressiva, Antiepileptika oder Opioide bei starken Schmerzen.
  • Physiotherapie: Übungen zur Lösung von Muskelverspannungen im Rücken- und Brustbereich.
  • Wärme- oder Kälteanwendungen: Zur Linderung von Muskelverspannungen oder Entzündungen.
  • Entlastung: Vermeidung von starker Belastung und Fehlhaltungen.
  • Bewegung: Regelmäßige Dehnübungen und moderate körperliche Aktivität.
  • Entspannungstechniken: Autogenes Training, progressive Muskelentspannung.
  • Akupunktur: Kann ergänzend zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.

Medikamentöse Behandlung

  • Schmerzmittel: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) wie Ibuprofen oder Diclofenac.
  • Muskelrelaxanzien: Zur Entspannung der Muskulatur.
  • Kortisonspritzen: Zur Reduzierung von Entzündungen.
  • Spezielle Medikamente für Nervenschmerzen: Bei chronischen Nervenschmerzen.

Operative Behandlung

  • Entlastung des Nervs: In seltenen Fällen kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein, um den Nerv zu entlasten.
  • Zwerchfellraffung: Bei Zwerchfelllähmung kann das Zwerchfell operativ gerafft werden.

Spezifische Therapien

  • Interkostalneuralgie: Infiltrationstherapie mit Schmerzmitteln direkt an die betroffene Stelle.
  • BWS-Syndrom: Muskelaufbau und Dehnübungen zur Verbesserung der Körperhaltung und Stabilität.
  • Zwerchfelllähmung: Atemtherapie und gegebenenfalls Schrittmacherbehandlung (phrenic-nerve-stimulation, PNS).

Übungen zur Linderung von Schmerzen beim Atmen

Verschiedene Übungen können helfen, die Muskulatur zu dehnen und zu stärken, die für die Atmung wichtig ist.

  • Tiefe Atemübungen: Tief durch die Nase einatmen und Bauch und Brustkorb weiten.
  • Dehnübungen für die Brustmuskulatur: An einer Wand stehen, Arm im 90-Grad-Winkel anlegen und den Oberkörper von der Wand wegdrehen.
  • Übungen mit dem Theraband: Arme auf Brusthöhe nach vorne strecken und das Theraband diagonal auseinanderziehen.
  • Kruzifix-Stretch: Arme in einem 90-Grad-Winkel zur Seite strecken und die Arme durchgestreckt etwas nach hinten ziehen.
  • Faszienrolle für die Brustwirbelsäule: Auf die Faszienrolle legen und den oberen Rücken oder die Brust dehnen.
  • Rückenretter: Übungen zur Bekämpfung hoher muskulär-faszialer Spannungen in der Körpervorderseite.
  • Zwerchfell-Übungen: Tief ein- und ausatmen, Nase und Mund zuhalten und versuchen, einzuatmen, um ein Vakuum zu erzeugen.

Vorbeugung

Die gezielte Vorbeugung eines eingeklemmten Nervs beim Atmen ist aufgrund der Vielzahl der Ursachen kaum möglich. Dennoch gibt es einige Maßnahmen, die helfen können, das Risiko zu minimieren:

  • Gesunde und aktive Lebensweise: Regelmäßige Bewegung, Sport und gesunde Ernährung stärken die Abwehrkräfte und beugen Wirbelsäulenerkrankungen und Muskelverspannungen vor.
  • Vermeidung von Fehlhaltungen: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung beim Sitzen und Stehen.
  • Stressmanagement: Vermeiden Sie lang anhaltenden Stress und sorgen Sie für ausreichend Entspannung.
  • Regelmäßige Dehnübungen: Halten Sie Ihre Muskeln und Faszien geschmeidig.
  • Stärkung der Rumpfmuskulatur: Trainieren Sie Ihre Rücken- und Bauchmuskeln, um den Rumpf zu stabilisieren.

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