Fitnesstraining im frühen Stadium der Alzheimer-Demenz: Ein umfassender Ansatz

Einführung

Die Alzheimer-Demenz ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Neben den kognitiven Beeinträchtigungen leiden Betroffene oft auch unter altersbedingten körperlichen Einschränkungen. Dieser Artikel beleuchtet, wie gezieltes Fitnesstraining im frühen Stadium der Alzheimer-Demenz dazu beitragen kann, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Körperliche Aktivität als Therapie bei Demenz

Menschen mit Alzheimer-Demenz sind oft mit den typischen Belastungen des Alterns konfrontiert. Dazu gehören eine reduzierte Ausdauerleistungsfähigkeit, Kurzatmigkeit, Verlust von Muskelmasse und Kraft, eingeschränkte Koordination, erhöhte Sturzgefährdung sowie arthrotische und osteoporotische Veränderungen des Skelettsystems. Hinzu kommt die Reduktion der kognitiven Leistungsfähigkeit, die zu einem Verlust an Alltagsfähigkeiten wie Einkaufen, Kochen und Haushalt führen kann. Die motorischen Einschränkungen verstärken sich durch Gangunsicherheit, Verlangsamung der Reaktionsfähigkeit, Abbau der Dual-Tasking-Fähigkeit und ein erhöhtes Sturzrisiko. Die Sturzinzidenz ist bei Demenzerkrankten dreifach erhöht, und die Wahrscheinlichkeit, sich bei einem Sturz schwer zu verletzen, ist sogar vierfach höher.

Es ist daher wichtig zu untersuchen, inwieweit Bewegung diesen Faktoren entgegenwirken und therapeutisch wirksam sein kann. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Alzheimer im Frühstadium von körperlichem Training profitieren können.

Aerobe Kapazität und körperliche Leistungsfähigkeit

Burns et al. verglichen die aerobe Kapazität von gesunden Personen und Personen im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit. Bei einem Laufbandtest erreichten die erkrankten Teilnehmer fast gleiche Werte der Beanspruchungsbewertung, der maximalen Herzfrequenz und der maximalen Sauerstoffkapazität wie die gesunden Teilnehmer. Obwohl sich die Erkrankten weniger bewegten als die gesunden Probanden, profitierten sie im selben Ausmaß von dem körperlichen Training. Auch Schwenk et al. konnten in ihrer Studie mit einem speziell auf Demenzerkrankte abgestimmten Trainingsprogramm einen großen Benefit auf die körperliche Leistungsfähigkeit der Probanden aufzeigen. Die Kraftleistungsfähigkeit steigerte sich um 50 % gegenüber dem Ausgangswert. Als sekundäres Ziel wurde auch die Wirkung auf die kognitive Leistungsfähigkeit untersucht, welche auch signifikant in der Interventionsgruppe zunahm.

Ein aktueller Review von Beydoun et al. betont den Zusammenhang zwischen geringer körperlicher Aktivität und kognitiver Leistung als Risikofaktor für Demenz. Auch ein niedriges Bildungsniveau und ein hoher Homocysteinwert steigern signifikant das Risiko, an Alzheimer zu erkranken.

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Spezifische Trainingsansätze für Demenzerkrankte

In der Praxis ist es sehr sinnvoll, mit kognitiv eingeschränkten Patienten Bewegungstherapie auszuüben. Dabei spielen Gleichgewichts-, Kraft- und Multitasking-Übungen eine zentrale Rolle.

Gleichgewichts- und Balancetraining

Ein wichtiger Bestandteil der Bewegungstherapie ist das Gleichgewichts- und Balancetraining. Mit mehr oder weniger Unterstützung wird der Stand geübt, vom Beidbeinstand über den versetzten Semi-Tandemstand und dem Ballenstand bis hin zum Einbeinstand. Bewusste Störungen durch Armbewegungen können den Effekt verstärken und einen erhöhten Alltagsbezug herstellen. Die Intensität kann durch eine weiche und instabile Unterlage erhöht werden, auch wenn es in der Umsetzung in die Gangsicherheit geht.

Kräftigungstraining

Das Kräftigungstraining sollte nahe an den Alltagsbewegungen gestaltet und mit einer höheren Trainingsintensität von 60-80 % der maximalen Kraftfähigkeit durchgeführt werden. Ideal sind dafür entsprechend dosiert einstellbare Trainingsgeräte für die Beinmuskulatur und den Rumpf.

Multitasking

Im täglichen Leben ist man oft gefordert, zwei oder mehr Dinge gleichzeitig zu machen. Dies wird mit Multitasking-Aufgaben trainiert. So ist während einer sportlichen Bewegung z. B. noch eine Rechenaufgabe zu lösen, das Gegenteil zu vorgegebenen Worten zu finden oder Silben in einem gleichen Rhythmus aufzusagen.

Methodische und didaktische Aspekte

Aus methodischer und didaktischer Sicht sind für die Sport- und Bewegungstherapie bei Demenzerkrankungen einige Punkte zu beachten. Von den Anleitern ist die Fähigkeit zu einer langsamen, deutlichen Vermittlung und einem sehr geduldigen Vorgehen gefordert. Kurze, klare Anweisungen, auch mal verbunden mit Bildern, sind zu beachten. Noch wichtiger ist es, den visuellen Fokus durch deutliche Bewegungsdemonstrationen anzusprechen. Taktile und rhythmische Hilfen können ergänzt werden. Gewohnte und gleiche Räumlichkeiten, ein fester und stabiler Organisationsablauf und eine kleine Gruppengröße mit der Möglichkeit zur Individualisierung sind günstige Rahmenbedingungen.

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Die Akzeptanz und der Erfolg sind sehr von der Integration der Emotion abhängig. Wenn es gelingt, ein klein wenig Freude zu wecken, bleibt die Aufmerksamkeit bei diesem Tun. Dazu kann ein sozialer Rahmen wiederum hilfreich sein. Mit anderen Menschen etwas gemeinsam zu tun weckt Gefühle und verbindet. Erstaunliche Erfahrungen gibt es auch beim Einsatz von Musik. Alte, in der Jugend der Betroffenen aktuelle Stücke rufen oft Erinnerungen hervor, die nicht für möglich gehaltene Bewegung auslösen, manchmal aber auch nur sehr rührende und sentimentale Gefühle.

Bewegungstherapie und Gehirnleistung

Das Gehirn ist das anpassungsfähigste Organ unseres Körpers. Die Veränderungsvorgänge werden unter dem Begriff der Neuroplastizität zusammengefasst. Wie kann die Sport- und Bewegungstherapie diese Veränderungsprozesse stimulieren? Die aktuellen Erklärungsmuster für die neurobiologischen Zusammenhänge von körperlicher Aktivität und zerebraler Leistungsfähigkeit beruhen teilweise auf Tierversuchen, aber auch auf aussagefähigen Untersuchungen mit der funktionellen Magnetresonanz.

Durchblutungssteigerung

Gehirnareale haben bei körperlichen Aktivitäten ein gesteigertes Stoffwechselbedürfnis, wie natürlich auch bei einer kognitiven Leistung. Die Mehrdurchblutung von 14 bzw. 25 % wurde bei Ergometerbelastungen von 25 bzw. 100 Watt nachgewiesen. Schon diese geringe körperliche Aktivität ist mehr als durch jegliche geistige Aktivität allein erreicht werden kann. Zum Vergleich: Gehen in der Ebene entspricht bei einer normalgewichtigen Person etwa 40 Watt.

Sinne schärfen

Die menschlichen Sinne bilden die Voraussetzung für eine Informationsaufnahme aus der Umwelt. Nur wenn diese gefordert werden, entwickeln sich die dazugehörigen Areale im Gehirn entsprechend aus. Daher gilt es, möglichst viele Sinne durch Aktivität zu schärfen. Im Tastsinn wird über die Hände und deren überproportionale Repräsentanz im Gehirn (Humunculus) viel Gehirnaktivität erzeugt. Auch der Hörsinn kann stark im Zusammenhang mit Bewegung sensibilisiert werden, indem Bewegungen mit Lauten, Wörtern und Kommandos kombiniert werden. Die Augen werden oft auch als ausgestülpter Teil des Gehirns bezeichnet. Dem Sehsinn kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu. Hier können mit speziellen Übungen für die Augen im Bereich der Informationsaufnahme und der Weiterverarbeitung viele Verbindungen zwischen ganz unterschiedlichen Gehirnbereichen stimuliert werden. Der Gleichgewichtssinn als grundlegender Input für viele koordinative Leistungen hat für ein sensomotorisches Training eine zentrale Bedeutung. Und gerade im Alterungsprozess ist dies im Sinne der Sturzprophylaxe ein zentrales Thema.

Synapsenverbindungen

Die Verbindungen zwischen Neuronen im Gehirn bauen sich ständig auf und auch ab, je nachdem, ob, und in welchem Ausmaß sie benötigt und gebraucht werden. Daher ist das Gehirn mit möglichst vielseitigen Anforderungen zu konfrontieren, um diese Vernetzung als Maß für die Qualität der Leistungsfähigkeit der Gehirnzellen zu fördern. Je koordinativ komplexer eine Bewegung ist, desto mehr Verstrickungen der Gehirnzellen (bzw. der Dendriten) entstehen. Wichtig ist, dass diese Vernetzung nicht nur in dem Gehirnbereich stattfindet, der für die Körperteile verantwortlich ist, die die Bewegung ausführen. Sondern die Verknüpfungen sollen auch mit Neuronen aus den Motivations-, Aufmerksamkeits- und Emotionszentren entstehen, damit die Gefühle und die Konsistenz mit angesprochen werden. Für eine Nachhaltigkeit ist dies sehr entscheidend. Für dauerhaft stabile Verbindungen ist nachgewiesener Weise die Anzahl der Repetitionen entscheidend. So sollen die Anforderungen einerseits möglichst gleich sein, andererseits immer mit neuen Aufgaben variiert und kombiniert werden.

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Neubildung von Nervenzellen (Neurogenese)

Obwohl sich schon in den ersten 4 Lebensjahren ca. 70 Mrd. Nervenzellen im Gehirn abbauen und sich dies bei Inaktivität oder ungünstigen Lebensgewohnheiten wie Alkoholabusus im weiteren Lebensverlauf fortsetzt, können sich bei entsprechenden Stimuli auch wieder neue Neuronen bilden, was erstmals 1998 beim Menschen im Hippocampus nachgewiesen wurde.

Neurotransmitter steigen

Für die Gehirnleistung sind neben der Anzahl der Synapsen auch die Überträgerstoffe entscheidend. Sie bestimmen das Aktivitätsniveau, die Stimmung, die Vitalität und das Verhalten. Kinder haben einen Überschuss davon, dies begründet ihren ungebremsten Bewegungsdrang und ständigen Wissensdurst als Grundlage für eine optimale Gehirnentwicklung. Bei Ruhe kommt es zum Abbau dieser Überträgerstoffe.

Eine zentrale Bedeutung nimmt an dieser Stelle der Substanzkomplex BDNF (Brain Derived Neurotrophic Factors) ein. Er reguliert die Verästelungen der Axone und Dendriten und steigert somit die Übertragungseffektivität der Synapsen. Es konnte nachgewiesen werden, dass es einen kausalen Zusammenhang von körperlicher Aktivität und der kognitiven Verbesserung durch Steigerung der BDNF gibt.

Weitere Strategien zur Förderung der Hirngesundheit

Neben gezieltem Fitnesstraining gibt es weitere Strategien, die die Hirngesundheit fördern und den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung positiv beeinflussen können.

Geistige Aktivität

Wer geistig aktiv ist, kann die Leistungsfähigkeit seines Gehirns verbessern. Durch Anregung der Nervenzellen können sich diese besser vernetzen und sich die Verbindungen besser festigen. Die kognitive Reserve ist einer von mehreren Aspekten, die den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung beeinflussen können. Typische Alzheimer-Symptome zeigen sich nachweislich später bei Menschen, die ihr Leben lang geistig aktiv waren - zum Beispiel im Beruf oder im sozialen Leben. Auch wer schon älter ist, kann seine geistigen Reserven positiv beeinflussen. Wichtig ist, das Gehirn zu fordern und so die Neuronen zur Vernetzung anzuregen.

Es hilft zum Beispiel nicht, jeden Tag ein Kreuzworträtsel zu lösen, denn dabei wird nur bereits bekanntes Wissen abgefragt. Eine eindeutige Empfehlung, welche Aktivität am besten geeignet ist, um einer Demenzerkrankung wie Alzheimer vorzubeugen, gibt es nicht.

Welche geistigen Aktivitäten das Gehirn besonders gut fordern? Eine Auswahl:

  • Musik - hören oder machen
  • Lesen - Bücher, Zeitschriften, Zeitungen
  • Spiele - Kartenspiele, Gesellschaftsspiele, Puzzles, Computer- und Videospiele
  • Neues lernen - eine Fremdsprache, eine Sportart, ein Hobby

Dabei gilt: Je komplexer die Tätigkeit, desto anregender fürs Gehirn. Wer zum Beispiel tanzt, trainiert gleichzeitig Gedächtnis, Motorik und Koordination - und profitiert zudem vom sozialen Miteinander als Paar oder in der Gruppe. Es gibt wenige Dinge, die das Gehirn so anregen wie Musik. So regt Musik neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn an und hilft so bei der Vorbeugung gegen Alzheimer. Ähnlich wie das Tanzen hat das Musizieren dabei einen der größten Trainingseffekte. Das Erlernen und Üben feinmotorischer Bewegungen, das Lesen von Noten und die Schulung des Gehörs stärken das Gehirn und tragen zur geistigen Fitness bis ins hohe Alter bei. Und es ist nie zu spät, um anzufangen. So fand eine Musikprofessorin der University of South Florida in einer Studie heraus, dass selbst Menschen, die erst im Seniorenalter ein Instrument erlernen, in relativ kurzer Zeit ihre kognitiven Fähigkeiten, wie Gedächtnis und Problemlösen verbessern können. Auch das bloße Musikhören trainiert das Gehirn - vor allem, wenn die Musik für uns neu ist. Ungewohnte Klänge, Melodien oder Akkorde bringen Abwechslung auf die Ohren. Neben gezielten Aktivitäten, die die Hirngesundheit verbessern, sind auch kleine Abwechslungen im Alltag eine gute Maßnahme, um das Gehirn nebenbei zu trainieren. Ein Trend, der durch Corona so richtig an Fahrt aufgenommen hat, sind kleine "Mikroabenteuer", die direkt vor der eigenen Haustür starten, und die ohne große Vorbereitung funktionieren.

Gedächtnistraining

Gedächtnistraining ist auch für Menschen mit einer bestehenden Demenz sinnvoll. Aktivierende Übungen können die kognitiven Funktionen des Patienten länger erhalten, das Langzeitgedächtnis trainieren, soziale Kompetenzen erhalten sowie Sinneswahrnehmungen, Lebensfreude und Selbstwertgefühl stärken.

Bewegung im Alltag

Neben gezieltem Sport hält auch Bewegung im Alltag Körper und Geist fit. Ein Spaziergang, Treppensteigen oder Gartenarbeit - jede Bewegung bringt den Kreislauf in Schwung, versorgt das Gehirn mit Sauerstoff und stärkt die geistige Fitness.

So bringen Sie mehr Aktivität in Ihren Alltag:

  • Öfter zu Fuß gehen oder das Rad nehmen - kurze Strecken aktiv zurücklegen hält in Schwung.
  • Die Treppe nehmen statt den Aufzug - das kräftigt Muskeln und verbessert das Gleichgewicht.
  • Freizeit aktiv gestalten - mit Freunden spazieren, im Garten werkeln oder draußen Zeit verbringen.

Der Einstieg fällt leichter mit kleinen Schritten. Bewegung hält das Gehirn aktiv und kann helfen, den Krankheitsverlauf von Menschen mit Demenz zu verlangsamen. Auch depressive Symptome, die oft als Begleiterscheinung einer Demenz auftreten, können durch Bewegung positiv beeinflusst werden. Wer sich bewegt, fühlt sich sicherer, spürt seinen Körper und bleibt besser in Kontakt mit seiner Umgebung. Besonders in Gruppen kann Aktivität Lebensfreude schenken und das Gefühl stärken, dazuzugehören.

Sportarten und Bewegungsformen

Es gibt keine „beste“ Sportart - wichtig ist, dass sie Spaß macht und regelmäßig ausgeübt wird. Gut geeignet sind:

  • Ausdauersportarten wie Gehen, Radfahren oder Schwimmen für Herz und Kreislauf.
  • Ganzkörpertrainings wie Yoga oder Pilates zur Förderung von Beweglichkeit und Balance.
  • Tanzen oder Tai-Chi zur Stärkung der Koordination und des Gedächtnisses.
  • Krafttraining zur Vorbeugung von Muskelabbau und Stürzen.

Menschen mit Demenz müssen keine neuen Sportarten erlernen - wer schon immer gerne spazieren gegangen ist, sollte dies auch weiterhin tun. Knüpfen Sie an alte Gewohnheiten und Leidenschaften an: Jemand hat früher gern getanzt oder Gymnastik gemacht? Dann kann er oder sie auch mit Demenz davon profitieren.

Es muss nicht perfekt sein - Hauptsache, es fühlt sich gut an. Ein kurzer Spaziergang, ein paar Tanzschritte in der Küche oder gemeinsames Gärtnern: Oft sind es die vertrauten Bewegungen, die Sicherheit geben und Freude machen.

Exergames

Zwei neue Studien der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich zeigen: Eine Kombination aus Denkaufgaben und Bewegungsübungen, sogenannte "Exergames", kann Patienten im Frühstadium einer Demenz helfen. Patrick Manser und sein Team untersuchten rund 40 Menschen, die leicht kognitiv beeinträchtigt und durchschnittlich 73 Jahre alt waren. Zwölf Wochen lang fünf Mal die Woche musste eine Gruppe 24 Minuten lang zu Hause trainieren - mit Bildschirm, Spielesoftware und einer Bodenplatte, die Schritte misst. Die andere Gruppe absolvierte kein Training, sondern setzte die übliche Therapie fort. Die Trainierenden sollten sich eine am Bildschirm angezeigte Einkaufsliste merken und dann durch einen Schritt nach links oder rechts bestätigen, ob ein danach eingeblendetes Produkt dabei ist oder nicht. Das Ergebnis der ersten Studie bei der Trainingsgruppe: 55 Prozent der Teilnehmer zeigten klinisch relevante Verbesserungen ihrer Gedächtnisleistung. Auch im Alltag: beim Einkaufen, bei Gesprächen oder im Umgang mit Stress. Die Probanden berichteten, dass sie sich fitter, klarer und selbstsicherer fühlten. Bei den Teilnehmern ohne Training verschlechterte sich der Zustand. In einer zweiten Studie untersuchten Forscher die MRT-Aufnahmen der Trainierenden und stellten unter anderem ein Wachstum im Hippocampus fest.

Tipps für mehr Bewegung im Alltag

Tim Fleiner, Physiotherapeut und Sportwissenschaftler, gibt drei Tipps, mit denen es Betroffenen und Angehörigen gelingt, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren:

  1. An alte Bewegungen anknüpfen: Fleiner rät Menschen, die einen Demenzfall in der Familie haben: „Knüpfen Sie an die Bewegungsbiografie des Angehörigen an und lassen Sie Bekanntes wiederaufleben.“
  2. Gemeinsam aktiv sein: „Gemeinsame körperliche Aktivität hilft, am Ball zu bleiben“, erklärt der Experte weiter. „Versuchen Sie, Routinen zu schaffen, indem Sie Verabredungen mit Familie und Freunden auch aktiv gestalten, beispielsweise durch Wanderungen oder Spaziergänge“
  3. Es sich einfach machen: Der Experte rät außerdem dazu, es sich möglichst einfach zu machen.

Die Rolle der Bewegung bei der Prävention von Demenz

Fehlende Bewegung ist mit rund 21 % einer der Hauptrisikofaktoren für eine Demenzerkrankung. Laut einer Metaanalyse von 16 unterschiedlichen Studien zu diesem Thema mit insgesamt über 160.000 Teilnehmern lässt sich die Korrelation zwischen Bewegungsmangel und einer Demenzerkrankung bereits im mittleren Alter nachweisen. Anscheinend wird durch Bewegung zum einen der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen im Gehirn verbessert und zum anderen der Wert an gewissen synaptischen Proteinen im Gehirn erhöht.

Sport und Bewegung stimulieren durch das Zusammenspiel von verschiedenen Muskeln das Gehirn ebenfalls. Gleichzeitig erhöht sich der Herzschlag, mehr Blut und Sauerstoff werden durch die Adern gepumpt, welches auch das Gehirn erreicht. Ältere Menschen tun gut daran, sich per se regelmäßig zu bewegen und zusätzliche Sportangebote in der Gruppe zu suchen, um nicht zuletzt auch Einsamkeit entgegenzuwirken. Auch als von Alzheimer Betroffener ist in den ersten Stadien noch tägliche Bewegung möglich und auch nötig.

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