Rückenschmerzen sind weit verbreitet und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Eine Spinalkanalstenose, eine Verengung des Wirbelkanals, ist eine häufige Ursache für solche Schmerzen, insbesondere im Lendenwirbelbereich. Die Diagnose einer Spinalkanalstenose kann für viele Menschen ein Schock sein, besonders wenn eine Operation in Erwägung gezogen wird. Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen der Angst vor einer Spinalkanal-OP und bietet Strategien zur Bewältigung dieser Ängste.
Einführung in die Spinalkanalstenose
Die Spinalkanalstenose ist eine Erkrankung, bei der sich der Wirbelkanal verengt, wodurch Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln ausgeübt wird. Dieser Kanal enthält Nerven und Blutgefäße entlang der Wirbelsäule. Mit zunehmendem Alter kommt es häufiger vor, dass der Kanal im Bereich des unteren Rückens an einer Stelle eingeengt wird. Diese Verengung kann zu Rückenschmerzen führen, die bis in die Beine ausstrahlen, sowie zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln und Gangunsicherheit.
Ursachen der Angst vor einer Spinalkanal-OP
Viele Patientinnen und Patienten fürchten sich, einen Wirbelsäulenchirurgen aufzusuchen. Sich vor einer Operation Sorgen zu machen, ist ganz normal. Auch wenn ein Eingriff die Gesundheit wiederherstellen oder gar lebensrettend sein kann: Fast alle haben zumindest ein mulmiges Gefühl, wenn sie „unters Messer" müssen. Die Angst vor einer Spinalkanal-OP kann verschiedene Ursachen haben:
- Angst vor dem Unbekannten: Viele Menschen haben Angst vor dem, was sie nicht kennen. Sie sind unsicher, was während und nach der Operation passieren wird.
- Angst vor Schmerzen: Die Furcht vor postoperativen Schmerzen ist ein häufiger Grund für Angst.
- Angst vor Komplikationen: Es besteht die Sorge, dass während oder nach der Operation Komplikationen auftreten könnten, wie z.B. Infektionen oder Nervenschäden.
- Angst vor Kontrollverlust: Während der Operation haben Patienten keine Kontrolle über das Geschehen, was zu Angstgefühlen führen kann.
- Angst vor dem Ergebnis: Es besteht die Befürchtung, dass die Operation nicht erfolgreich sein könnte oder dass die Beschwerden nicht ausreichend gelindert werden.
- Negative Erfahrungen: Erzählungen von anderen Personen über negative Erfahrungen mit Rückenoperationen können die Angst verstärken.
Symptome einer Spinalkanalstenose
Die Symptome einer Spinalkanalstenose können unterschiedlich sein. Bei einer Wirbelkanalverengung an der Lendenwirbelsäule (LWS) treten die Beschwerden in den Beinen in der Regel unter Belastung beim Stehen und Gehen auf, wohingegen die Betroffenen in Ruhe weitgehend beschwerdefrei sein. Die Beschwerden einer Spinalkanalstenose treten vor allem beim langsamen Gehen oder im Stehen auf. Denn dabei verstärkt sich die natürliche Vorwärtskrümmung der Wirbelsäule im unteren Rücken (das Hohlkreuz) und der Druck auf die Verengung nimmt zu. Das bedeutet aber nicht, dass Gehen oder Stehen schädlich sind. Die Beine fühlen sich beim Gehen schwer und müde an, eine Gangunsicherheit kann auftreten. Außerdem nehmen die Betroffene häufig eine gebückte und nach vorne geneigte Haltung ein (zum Beispiel Abstützen auf dem Einkaufswagen), da hierdurch der enge Wirbelkanal leicht aufgeweitet wird.
Konservative Behandlungen der Spinalkanalstenose
Eine Spinalkanalstenose im Lendenwirbelbereich, die Beschwerden verursacht, wird meist mit Übungen, manueller Therapie und bei Bedarf mit Medikamenten behandelt. Wichtig ist, herauszufinden, was einem guttut und hilft, mit den Beschwerden im Alltag zurechtzukommen. Bevor eine Operation in Betracht gezogen wird, gibt es verschiedene konservative Behandlungsmöglichkeiten, um die Beschwerden zu lindern:
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- Physiotherapie: Haltungsübungen, Dehnübungen und Kräftigungsübungen können helfen, die Muskeln zu entspannen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Stabilität der Wirbelsäule zu erhöhen.
- Manuelle Therapie: Verspannte Muskeln oder blockierte Gelenke können durch bestimmte Handgriffe gelockert werden.
- Schmerzmittel: Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen können zur Linderung von Rückenschmerzen oder in die Beine ausstrahlenden Schmerzen eingesetzt werden.
- Injektionen: Kortison und / oder örtliche Betäubungsmittel können in die unmittelbare Umgebung der Verengung gespritzt werden, um eine Nervenreizung zu lindern.
Wann ist eine Operation notwendig?
Wenn konservative Behandlungen die Beschwerden nicht ausreichend lindern und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt ist, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Sofortiger ärztlicher Rat ist nötig, wenn Lähmungserscheinungen an den Beinen auftreten oder die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren. Dabei wird der Spinalkanal erweitert, um die betroffenen Nerven zu entlasten. Ob eine Operation die Beschwerden besser lindert als eine konservative Behandlung, ist aber nicht durch Studien nachgewiesen. Wenn die Ärztin oder der Arzt zu einer Operation rät, ist es daher sinnvoll, sich eine zweite ärztliche Meinung einzuholen und erst danach die Entscheidung zu treffen.
Strategien zur Bewältigung der Angst vor einer Spinalkanal-OP
Es gibt verschiedene Strategien, um die Angst vor einer Spinalkanal-OP zu bewältigen:
- Information: Informieren Sie sich umfassend über die Erkrankung, die Operation und den Genesungsprozess. Je besser Sie informiert sind, desto weniger Angst haben Sie vor dem Unbekannten.
- Zweite Meinung: Holen Sie sich eine zweite ärztliche Meinung ein, um sicherzustellen, dass eine Operation die beste Option ist.
- Gespräche: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie und Freunden über Ihre Ängste. Der Austausch mit anderen kann helfen, die Angst zu reduzieren.
- Entspannungstechniken: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie Atemübungen, Meditation oder progressive Muskelentspannung, um Stress und Angst abzubauen.
- Professionelle Hilfe: Wenn die Angst zu stark wird, kann eine Psychotherapie oder ein Schmerzbewältigungstraining helfen, den Umgang mit der Angst zu erlernen.
- Positive Visualisierung: Stellen Sie sich den positiven Ausgang der Operation vor und wie Sie sich danach fühlen werden.
- Ablenkung: Lenken Sie sich mit angenehmen Aktivitäten ab, wie z.B. Lesen, Musik hören oder Spaziergänge in der Natur.
- Unterstützung suchen: Viele Krankenhäuser bieten Ansprechpartnerinnen und -partner wie Seelsorger, Sozialarbeiter oder freiwillig Helfende, die Beistand leisten. Die passende Unterstützung richtet sich auch nach dem Auslöser der Angst - also danach, ob zum Beispiel Angst vor der Narkose im Vordergrund steht oder Furcht vor der ungewohnten Umgebung in der Klinik.
- Musik hören: Mehrere Studien weisen darauf hin, dass Musikhören vor einer Operation die Angst lindern kann. Musik kann dabei helfen, sich zu entspannen und abzulenken.
Postnukleotomiesyndrom (Postdiskektomie-Syndrom)
Als Postnukleotomiesyndrom (Postdiskektomie-Syndrom) bezeichnen Mediziner anhaltende Schmerzen nach einer Operation am Rücken. Sie treten besonders häufig nach einer Bandscheibenoperation auf. Im englischsprachigen Raum sprechen Mediziner vom "failed back surgery syndrome".
Symptome
Das Postnukleotomiesyndrom ist durch anhaltende Schmerzen im Rücken und im Beinbereich gekennzeichnet. Auch Missempfindungen (Parästhesien) treten oft auf. Die Beschwerden sind dabei in manchen Fällen die gleichen wie vor der Operation, in anderen Fällen aber verändert - und möglicherweise sogar stärker als vorher. Gegebenenfalls treten auch neurologische Ausfälle auf. Im Zusammenhang mit den körperlichen Beschwerden entwickeln manche Patienten begleitende Probleme wie Schlafstörungen, Depression, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch sowie - bedingt durch starke körperliche Einschränkungen - soziale oder sogar finanzielle Probleme.
Ursachen und Risikofaktoren
In manchen Fällen entsteht ein Postnukleotomiesyndrom dadurch, dass die Operation nicht die eigentliche Schmerzursache beseitigt hat. Das ist etwa der Fall, wenn sich die betroffene Bandscheibe nicht ausreichend entlasten (dekomprimieren) ließ oder die Ärzte in der falschen Wirbelsäulenhöhe operierten. In anderen Fällen entsteht das Postnukleotomiesyndrom dadurch, dass der Eingriff eine neue Schmerzursache geschaffen hat. Beispiele dafür sind Narbenbildungen, postoperative Instabilität mit Verletzung einer Nervenwurzel oder eine Entzündung der Arachnoidea (Arachnoiditis). Außerdem ist es möglich, dass sich die Wirbelgelenke nach operativer Entfernung geschädigter Bandscheiben schmerzhaft verkeilen und dadurch ein Postnukleotomiesyndrom auslösen. Psychosoziale Faktoren wie Belastungen und Stress im Privatleben oder Job begünstigen eventuell die Entstehung eines Postnukleotomiesyndroms.
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Diagnose und Behandlung
Zur Abklärung eines Postnukleotomiesyndroms befragt der Arzt zunächst ausführlich den Patienten nach dessen Krankengeschichte (Anamnese). Danach folgt eine körperliche (orthopädische) Untersuchung. Dazu gehören auch bildgebende Verfahren: Der Arzt röntgt die Wirbelsäule, wobei oft auch sogenannte Funktionsaufnahmen gemacht werden - also Röntgenbilder der Wirbelsäule in bestimmten Funktionshaltungen wie Beugung oder Seitneigung. Manchmal ist eine spezielle Röntgenaufnahme des Rückenmarkkanals (Myelogramm) angezeigt. Als weitere bildgebende Verfahren sind Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) möglich. Bei neurologischen Ausfällen misst der Arzt zur Abklärung eventuell die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG), beziehungsweise führt eine Elektromyografie (EMG) durch.
Die Ausprägungen und Ursachen eines Postnukleotomiesyndroms sind sehr vielfältig. Daher passen die Mediziner die Behandlung individuell an den Patienten an. Meist versuchen sie, die anhaltenden Beschwerden mit konservativen Maßnahmen zu lindern. Wichtig ist eine angepasste, wirkungsvolle Schmerztherapie. Dafür kommen vor allem schmerzstillende Medikamente (Analgetika) zum Einsatz, die eventuell aus der Gruppe der synthetischen Opioide stammen. Oft bewähren sich Kombinationen von Medikamenten mit verschiedenen Ansatzpunkten, also etwa Schmerzmittel plus Wirkstoffe, wie man sie auch bei psychischen Erkrankungen einsetzt (beispielsweise Antidepressiva). Verhaltenstherapeutische Maßnahmen (wie etwa ein Schmerzbewältigungstraining) helfen oft ebenfalls, die Beschwerden bei einem Postnukleotomiesyndrom zu verringern. Das Gleiche gilt für Physiotherapie-Maßnahmen und Rückenschule (mit gezieltem Aufbau der Rücken- und Bauchmuskulatur). Außerdem sollte bestehendes Übergewicht abgebaut werden, um die Wirbelsäule zu entlasten.
Psychosomatische Aspekte von Rückenschmerzen
Psychosomatische Störungen der Lenden-Becken-Hüft-Region äußern sich häufig in chronischen Schmerzen, muskulären Verspannungen, Bewegungseinschränkungen und zusätzlichen funktionellen Störungen (z. B. Blasen- und Darmfunktionen, sexuelle Funktionsstörungen). Diese Symptome sind oft mit psychosozialen Faktoren korreliert, wobei Stress, Angst, Depression und Traumata eine bedeutende Rolle spielen. Das Schmerzempfinden wird dabei als subjektives psychophysisches Erlebnis betrachtet, das stark von psychologischen und sozialen Faktoren beeinflusst wird.
Chronischer Stress und Angst können Muskelverspannungen und Schmerzen verstärken. Die Internationale Assoziation für das Studium des Schmerzes (IASP) definierte vor 45 Jahren Schmerz als „ein unangenehmes heftiges Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit tatsächlichen oder möglichen Gewebeschäden verbunden ist oder in solchen Kategorien beschrieben wird“.
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