Der Schlaganfall stellt in Deutschland die dritthäufigste Todesursache dar und ist eine ernstzunehmende Herz-Kreislauf-Erkrankung, die durch eine plötzliche Durchblutungsstörung des Gehirns gekennzeichnet ist. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall, der sich durch Symptome wie starke Kopfschmerzen, Schwindel oder Sprachstörungen äußern kann, ist unverzügliche medizinische Hilfe erforderlich. Betroffene werden in Notaufnahmen oder spezialisierten Stroke Units behandelt. Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt neben der Computertomographie (CT) eine entscheidende Rolle bei der exakten Diagnose der Schlaganfallform.
Schlaganfall: Ischämisch vs. Hämorrhagisch
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Hauptarten von Schlaganfällen:
- Ischämischer Schlaganfall: Hierbei wird eine Hirnregion plötzlich unzureichend mit Blut und somit Sauerstoff versorgt. Ursache ist häufig ein verstopftes Gefäß durch ein Blutgerinnsel. Diese Form stellt die häufigste Variante dar.
- Hämorrhagischer Schlaganfall: Dieser entsteht durch eine Hirnblutung.
Obwohl die Symptome bei beiden Formen identisch sein können, insbesondere wenn die gleiche Hirnregion betroffen ist, ist eine Diagnose ohne bildgebende Verfahren wie CT oder MRT äußerst schwierig.
Die Bedeutung der MRT in der Schlaganfall-Diagnostik
Ein Schlaganfall führt zu unterschiedlichen neurologischen Störungen und Ausfällen, deren Art und Intensität von der betroffenen Hirnregion abhängen. Da ein Schlaganfall immer ein Notfall ist, müssen Patienten schnellstmöglich nach Eintreffen im Krankenhaus behandelt werden.
Während ein CT präzise Informationen über Ort, Ausdehnung und Ursache der Durchblutungsstörung liefert, ermöglicht die MRT eine noch detailliertere Diagnose. Mit der MRT lassen sich kleinste Infarkte, Blutungen und Wasseransammlungen im Gehirn erkennen und lokalisieren. Sie kann auch Frühwarnsymptome bei Risikopatienten aufdecken.
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Vorteile der MRT gegenüber CT
- Höhere Sensitivität: Die MRT ist sensitiver als die CT, insbesondere in der Frühphase eines Schlaganfalls. Sie kann Hirninfarkte besser nachweisen (Infarktnachweisrate MRT ca. 90% vs. CT ca. 64%).
- Bessere Darstellung von Hirnstamm-Infarkten: Schlaganfälle im Bereich des Hirnstamms lassen sich mit einer MRT besser beurteilen als mit einer CCT.
- Keine Strahlenbelastung: Im Vergleich zur CT arbeitet die MRT ohne Röntgenstrahlen, was insbesondere bei wiederholten Untersuchungen von Vorteil ist.
Nachteile der MRT gegenüber CT
- Längere Untersuchungsdauer: Eine MRT-Untersuchung dauert in der Regel länger als eine CT-Untersuchung. Dies kann in Notfallsituationen ein Nachteil sein.
- Nicht für alle Patienten geeignet: Patienten mit bestimmten Metallimplantaten oder Herzschrittmachern können nicht immer mit MRT untersucht werden.
Künstliche Intelligenz (KI) beschleunigt die MRT-Diagnostik
Forscher arbeiten daran, die Untersuchungszeit beim MRT des Gehirns mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) zu reduzieren. Die sogenannte Deep-Learning-Technik ermöglicht es, MRT-Bilder parallel zur Aufnahme zu verarbeiten und künstlich zu verbessern.
Ergebnisse einer Studie in Mainz
Eine prospektive Studie der Universitätsmedizin Mainz hat gezeigt, dass die Untersuchungszeit durch den Einsatz von Deep Learning um das Vierfache reduziert werden kann, von rund 14 Minuten auf etwa drei Minuten. Zudem lieferte die KI-gestützte MRT eine bessere Bildqualität und eine höhere diagnostische Sicherheit bei der Erkennung von akuten ischämischen Infarkten.
Vorteile der KI-gestützten MRT
- Schnellere Diagnose: Die KI-gestützte MRT beschleunigt den Diagnoseprozess erheblich.
- Höhere Bildqualität: Die KI verbessert die Bildqualität und ermöglicht eine zuverlässigere Erkennung von Schlaganfällen.
- Vermeidung von Strahlenexposition: Im Vergleich zur CT wird keine Strahlenexposition verursacht.
Die Rolle der MRT bei der Ursachenforschung
Neben der Akutdiagnostik spielt die MRT auch eine wichtige Rolle bei der Ursachenforschung nach einem Schlaganfall.
Langzeit-Monitoring auf Vorhofflimmern
Ein wichtiger Aspekt ist die Suche nach Vorhofflimmern als möglicher Ursache für einen Schlaganfall. Langzeit-Monitoring mittels eines unter der Haut implantierten Eventrecorders (ICM) kann in vielen Fällen Hinweise auf ein zugrunde liegendes Vorhofflimmern liefern.
Weitere Untersuchungen
Je nach Schlaganfalltyp können weitere Untersuchungen folgen, beispielsweise die Darstellung der Blutgefäße im Gehirn (CT-Angiographie oder MR-Angiographie).
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Schlaganfall-Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für Schlaganfälle sind vielfältig. Die häufigste Ursache sind Durchblutungsstörungen des Gehirns, die oft durch Atherosklerose (Arterienverkalkung) verursacht werden.
Atherosklerose
Atherosklerose beschreibt Gefäßveränderungen mit Ablagerungen von Fetten, Zellen und Kalk in der Gefäßwand (Plaque). Diese Ablagerungen können zu Engstellen (Stenosen) führen, die die Blutzufuhr zum Gehirn verringern. Wenn ein Plaque aufreißt (Ruptur), kann sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) bilden, das ein Gefäß verschließt und einen ischämischen Schlaganfall verursacht.
Risikofaktoren
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen Schlaganfall gehören:
- Bluthochdruck
- Herzrhythmusstörungen (insbesondere Vorhofflimmern)
- Diabetes
- Erhöhte Blutfettwerte
- Rauchen
- Bewegungsmangel
- Übergewicht
- Alter
- Familiäre Vorbelastung
Schlaganfall-Rehabilitation
Trotz moderner Diagnostik und schneller Therapie bleiben bei vielen Schlaganfall-Patienten motorische oder neuropsychologische Einschränkungen zurück. Neben Physiotherapie und Ergotherapie spielen geeignete Hilfsmittel in der Schlaganfall-Rehabilitation eine wichtige Rolle.
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