Apoplex Fazialisparese: Ursachen, Behandlung und Perspektiven

Die Fazialisparese, auch Gesichtslähmung genannt, ist eine Erkrankung, die durch eine Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskulatur gekennzeichnet ist. Sie entsteht durch eine Schädigung des Nervus facialis (Gesichtsnerv), der die mimische Muskulatur des Gesichts steuert. Die Fazialisparese kann verschiedene Ursachen haben und sich in unterschiedlichen Ausprägungen zeigen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Diagnose, Behandlung und Prognose der Fazialisparese.

Einführung in die Fazialisparese

Die Fazialisparese ist eine Lähmungserscheinung der Gesichtsmuskulatur, die auf eine Schädigung des Nervus facialis zurückzuführen ist. Dieser Nerv ist für die Steuerung der mimischen Muskulatur, die Geschmacksempfindung im vorderen Zungenbereich, die Tränen- und Speichelproduktion sowie die Berührungsempfindung verantwortlich. Eine Schädigung des Nervus facialis kann zu einer teilweisen oder vollständigen Lähmung der Gesichtsmuskulatur führen.

Formen der Fazialisparese: Peripher vs. Zentral

Je nach Lokalisation der Nervenschädigung unterscheidet man zwischen der peripheren und der zentralen Fazialisparese.

  • Periphere Fazialisparese: Bei der peripheren Fazialisparese ist der Nervus facialis außerhalb des Gehirns geschädigt. Dies führt zu einer Lähmung der gesamten Gesichtshälfte, einschließlich der Stirn- und Augenmuskulatur.
  • Zentrale Fazialisparese: Die zentrale Fazialisparese entsteht durch eine Schädigung der Nervenbahnen im Gehirn, die den Nervus facialis steuern. Hierbei ist meist nur der untere Teil des Gesichts betroffen, während die Stirnmuskulatur weiterhin funktioniert.

Zentrale Fazialisparese

Die zentrale Fazialisparese verdankt ihren Namen der zentralen Schädigung des Nervens, nämlich im Bereich des sogenannten Kerngebietes im Hirnstamm. Man kann hier vom Ursprung des Nervens sprechen. Meist ist hier eine Seite betroffen. Da die Nerven bei ihrem Verlauf vom Hirnstamm in die Peripherie jedoch zur jeweils anderen Seite wechseln, zeigt sich die Schädigung des rechten Nervus facialis in der linken Gesichtshälfte und umgekehrt.

Die Symptomatik unterscheidet sich ebenfalls von der einer peripheren Fazialisparese. Die Lähmung zeigt sich dabei im Bereich der Gesichtsmuskulatur unterhalb des Augenlides, weil die Muskulatur oberhalb davon von beiden Gehirnhälften versorgt wird. Obwohl die zentrale Fazialisparese in den meisten Fällen nur von kurzer Dauer ist, so kann sie Symptom einer schwerwiegenden Erkrankung wie eines Hirninfarktes sein. Eine sofortige ärztliche Vorstellung ist daher dringend empfohlen.

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Periphere Fazialisparese

Bei einer peripheren Fazialisparese tritt die Schädigung erst im weiteren Verlauf des Nervens auf. Der Nerv ist dabei an mehreren Stellen der Gefahr ausgesetzt, komprimiert zu werden.

Die periphere Fazialisparese stellt eine relativ häufige Diagnose dar und kann sich in Form verschiedener Symptome äußern. Der klassische Unterschied zur zentralen Fazialisparese in der Symptomatik liegt darin, dass häufig die gesamte mimische Muskulatur einer Gesichtshälfte inklusive der Augen- und Stirnmuskulatur betroffen ist. Des Weiteren zeigt sich eine periphere Läsion des rechten Nervus facialis auch auf der rechten Gesichtshälfte, bei einer linksseitigen Läsion verhält es sich dann entsprechend ebenso.

Ursachen der Fazialisparese

Die Ursachen der Fazialisparese sind vielfältig und können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden.

Periphere Fazialisparese

Eine periphere Fazialisparese kann zahlreiche Ursachen haben; der Großteil der Läsionen bleibt jedoch ätiologisch ungeklärt. Mögliche Ursachen sind z. B.:

  • Idiopathische Fazialisparese (Bell-Parese): In den meisten Fällen (ca. 60-75%) ist die Ursache der peripheren Fazialisparese unbekannt. Man spricht dann von einer idiopathischen Fazialisparese oder Bell-Parese. Es wird vermutet, dass eine Schwellung des Nervus facialis aufgrund eines Reizzustands die Ursache ist. Faktoren wie Stress, Infektionen, Schwangerschaft oder Zugluft können das Auftreten dieses Reizzustands begünstigen.
  • Infektionen: Verschiedene Infektionen können eine Fazialisparese verursachen. Am häufigsten sind die Neuroborreliose (durch Zecken übertragene bakterielle Infektion) oder ein Zoster oticus (Gürtelrose im Ohrbereich) verantwortlich. Weitere mögliche Infektionen sind Influenza B, COVID-19, Zytomegalie, Varizellen/Herpes Zoster, Neuroborreliose oder Mumps. Auch im Kontext des Guillain-Barré-Syndroms, der Diphtherie, anderer entzündlicher Erkrankungen wie einer Otitis media oder der HIV-Infektion wurden Fazialisparesen beobachtet.
  • Traumatische Läsionen: Traumatische Läsionen im Rahmen einer Felsenbeinfraktur oder ein iatrogen gesetzter Schaden während einer Operation können ebenfalls eine Fazialisparese verursachen.
  • Raumforderungen: Raumforderungen im Nervenverlauf des N. facialis (z. B. Schwannome, Meningeome, Cholesteatome oder maligne Tumore) können den Nerven komprimieren und somit schädigen.
  • Andere Ursachen: Seltenere Ursachen für eine periphere Fazialisparese sind Autoimmunerkrankungen (z. B. Sarkoidose, Guillain-Barré-Syndrom), Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus) oder die Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Ciclosporin A).

Erberkrankungen

Eine Gruppe von Erkrankungen, im Rahmen derer eine Fazialisparese auftreten kann, sind Erbkrankheiten, bei denen genetische Faktoren zur Ausbildung eines Krankheitsbildes führen. Dabei kann es sich um Erkrankungen wie das Möbius-Syndrom handeln, bei dem die Gesichtslähmung schon im Säuglingsalter auftritt. In solchen Fällen sind einige Nerven, darunter auch der Nervus facialis, unterentwickelt bzw. durch Entwicklungsstörungen nicht voll funktionsfähig.

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Eine weitere mögliche Erbkrankheit ist das Melkersson-Rosenthal-Syndrom. Es handelt sich hierbei um eine seltene Erkrankung, deren genaue Ursache nicht bekannt ist, bei der man aber vom Vorliegen genetischer Faktoren ausgeht. Die Erkrankung betrifft vorwiegend Patienten zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr und fällt dabei vor allem durch eine Schwellung der Ober- und/oder Unterlippe, eine Faltenzunge und wiederkehrende Fazialisparesen auf.

Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen zeichnen sich dadurch aus, dass durch verschiedene Prozesse die körpereigenen Strukturen durch das Immunsystem angegriffen werden. Einige können dabei eine periphere Fazialisparese auslösen.

In diesem Zusammenhang kennt man vor allem die Sarkoidose (Morbus Boeck oder Morbus Schaumann-Besnier) und das Guillain-Barré-Syndrom als Auslöser einer peripheren Fazialisparese.

Die Sarkoidose ist eine systemische Erkrankung, bei der sich unter anderem die Ohrspeicheldrüse bzw. Tränendrüse entzünden kann. Dies kann im Verlauf dann zu einer Schädigung der umgebenden Nerven führen.

Beim Guillain-Barré-Syndrom kommt es zu entzündlichen Reaktionen verschiedener Nervenenden, die dadurch zerstört werden. Die Erkrankung tritt dann in Form unterschiedlicher Lähmungserscheinungen auf. Diese beginnt meist in den Beinen und breitet sich über den Körper aus, sodass die Gesichtslähmung nur eine Teilerscheinung des Krankheitsbildes ist. Die Lähmung ist dabei aber nicht endgültig, sondern bildet sich mit der Zeit von selbst wieder zurück.

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Tumorerkrankungen

Auch verschiedene Tumorerkrankungen können zu einer Fazialisparese führen. Der häufigste Tumor ist das Akustikusneurinom.

Es handelt sich um einen gutartigen Tumor, der von Zellen des Nervensystems ausgeht. Erste Symptome sind Hör- und Gleichgewichtsstörungen, die durch Beeinträchtigung der entsprechenden Nerven entstehen. Die Symptomatik kann unbehandelt aber auch auf den Nervus facialis übergreifen und ihn schädigen.

Letztlich können sämtliche Tumore, die in anatomischer Nähe zum Ohr und damit dem Hauptstrang des Nervs liegen, zur Ursache für eine Fazialisparese werden.

Zentrale Fazialisparese

Ursachen einer zentralen Fazialisparese sind meist Erkrankungen, die das Gehirn betreffen. Hierzu zählen ebenso wie Tumore auch der Hirninfarkt, Verletzungen des Gehirns, Kinderlähmung oder Multiple Sklerose. Im Gegensatz zur peripheren ist bei der zentralen Parese meist auch ein Arm oder eine komplette Körperhälfte gelähmt.

Risikofaktoren

Einige Faktoren erhöhen das Risiko für die Entwicklung einer idiopathischen Fazialisparese:

  • Schwangerschaft
  • Migräne
  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck
  • Vorangegangene virale Infektion

Symptome der Fazialisparese

Die Symptome einer Fazialisparese können je nach Art und Schweregrad der Lähmung variieren. Typische Symptome sind:

  • Hängender Mundwinkel: Ein herabhängender Mundwinkel auf der betroffenen Seite ist eines der auffälligsten Symptome.
  • Unfähigkeit, die Stirn zu runzeln: Betroffene können die Stirn auf der betroffenen Seite nicht oder nur eingeschränkt runzeln.
  • Unzureichender Lidschluss: Das Augenlid kann auf der betroffenen Seite nicht vollständig geschlossen werden, was zu trockenen Augen und einem erhöhten Risiko für Hornhautentzündungen führen kann.
  • Verminderte Speichelproduktion: Die Speichelproduktion kann auf der betroffenen Seite vermindert sein, was zu Mundtrockenheit führen kann.
  • Geschmacksstörungen: Der Geschmackssinn kann beeinträchtigt sein, insbesondere im vorderen Bereich der Zunge.
  • Hyperakusis: Eine erhöhte Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis) kann auftreten, da der Musculus stapedius, der die Gehörempfindlichkeit reguliert, nicht mehr richtig innerviert wird.
  • Weitere Symptome: In einigen Fällen können auch Schmerzen im Ohrbereich oder Empfindungsstörungen im Gesicht auftreten.

Was sind typische Fazialisparese-Symptome?

Eine Gesichtslähmung tritt in der Regel sehr plötzlich auf - für die Betroffenen meist ein Schock. Innerhalb weniger Stunden entwickeln sich die typischen Fazialisparese-Symptome: Die Muskeln im Gesicht erschlaffen, die Augenbrauen sinken ab, die Haut kribbelt, kommt einem wie taub vor, das Gesicht fühlt sich steif an. Bei vielen Betroffenen schmerzt das Ohr und auch der Geschmackssinn ist gestört. In schweren Fällen ist es den Betroffenen nicht mehr möglich, das Augenlid zu schließen oder den Mundwinkel zu bewegen.

Das führt zu weiteren Beschwerden: Der Mund ist ständig trocken, ebenso die Augen. Zusätzlich reagieren die Betroffenen empfindlicher auf Geräusche. Auch das Sprechen und die Fähigkeit, über Mimik ihre Gefühle auszudrücken, leiden bei einer Gesichtslähmung. Das verursacht zusätzlich psychische Belastungen.

In den meisten Fällen sind die Fazialisparese-Symptome jedoch nur vorübergehend - Ärzte und Ärztinnen sprechen dann von einer transienten Fazialisparese. Innerhalb von sechs Monaten heilt eine Gesichtslähmung in der Regel wieder vollständig aus. Nur etwa bei jedem fünften Betroffenen kommt es zu anhaltenden Beschwerden. Trotzdem sollten sie sich während dieser Zeit in ärztliche Behandlung begeben. Wenn nach einem halben Jahr noch Anzeichen einer Lähmung vorhanden sind, ist es ratsam, sich in einem spezialisierten Zentrum untersuchen zu lassen.

Symptome einer Fazialisparese

Der komplizierte Verlauf und die vielen Funktionen des Nervens sind dafür verantwortlich, dass sich eine Schädigung je nach Lokalisation in unterschiedlichen Symptomen äußert.

Das sogenannte Kerngebiet des Nervens, also der Ort, von dem aus die Nervenzellen mit ihren langen Nervenfasern zu den verschiedenen Bereichen des Versorgungsgebietes ziehen, liegt im Hirnstamm. Über einen knöchernen Kanal zieht sich der Nerv vom Hirnstamm zur Schädelwand nahe dem Ohr und verzweigt sich von dort zu den entsprechenden Gesichtspartien. Auf seinem Verlauf gibt der Nerv verschiedene Äste ab, die dann unterschiedliche Funktionen erfüllen.

Das Leitsymptom der Fazialisparese ist die schlaffe Lähmung der Gesichtsmuskulatur. Diese äußert sich beispielsweise im Herabhängen des Augenlides, der fehlenden Fältelung der Stirn oder dem nicht mehr funktionierenden Lidschlag. Diese Einschränkung wird vor allem beim Sprechen deutlich.

Der Nerv versorgt des Weiteren zahlreiche Speicheldrüsen, sodass es zum Beispiel durch Beeinträchtigung der Tränendrüsen zu Trockenheit im Bereich der Augen oder zu Mundtrockenheit kommen kann. Zudem ist der Nervus facialis an der Geschmacksempfindung der vorderen zwei Drittel der Zunge beteiligt, sodass auch diese beeinträchtigt sein kann.

Ein Ast des Nervus facialis versorgt sehr kleine Muskeln im Bereich des Ohres, deren Aufgabe vor allem darin liegt, sehr laute Töne für das Gehör zu dämpfen. Besteht eine Schädigung im Bereich dieses Nervenanteils oder vor Abgabe dieses Astes, können die Betroffenen von einer sogenannten Hyperakusis betroffen sein. Dabei werden Geräusche und Töne als unangenehm laut empfunden.

Diagnose der Fazialisparese

Die Diagnose der Fazialisparese basiert auf einer Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und gegebenenfalls weiteren diagnostischen Maßnahmen.

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich des Beginns und der Art der Symptome,Vorerkrankungen und eingenommene Medikamente.
  • Klinische Untersuchung: Bei der neurologischen Untersuchung wird die Funktion der Gesichtsmuskulatur überprüft. Der Patient wird gebeten, verschiedene Gesichtsausdrücke zu machen (z. B. Stirn runzeln, Augen schließen, Zähne zeigen), um die Stärke und Symmetrie der Muskelbewegungen zu beurteilen. Es sollte auf etwaige weitere Hirnnervenläsionen und Begleiterscheinungen neben der motorischen Symptomatik geachtet werden. Zur Unterstützung der klinischen Untersuchung kann das sog. Wartenberg-Zeichen geprüft werden: Der Untersuchende legt die Fingerkuppen auf die geschlossenen Augen des Betroffenen und bittet darum, dass die Augen geöffnet werden.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Zur Beurteilung des Schweregrads und der Prognose kann ggf. eine Nervenstimulation in der Elektroneurographie herangezogen werden. Zudem kann die eine Elektromyographie hilfreich sein, bei der ein neuropathisches Muster (pathologische Spontanaktivität, verlängerte Potentiale motorischer Einheiten, gelichtetes Aktivitätsmuster mit hoher Amplitude) für eine Schädigung des Nervens spricht.
  • Bildgebung: Eine Bildgebung ist bei klinisch eindeutiger peripherer Nervenschädigung eigentlich nicht indiziert, in der Praxis wird häufig dennoch ein cCT (vor allem vor einer evtl. Lumbalpunktion zur Ursachenabklärung) durchgeführt. Bei atypischen Symptomen wird ein MRT empfohlen, da hier die Strukturen um den Verlauf des N. facialis herum genauer dargestellt werden können.
  • Laborchemische Diagnostik: Die laborchemische Diagnostik sollte neben einem Differentialblutbild eine Borrelien-Serologie, eine Varizella-Zoster-Serologie und ggf. die Bestimmung von Gangliosid-Autoantikörpern bei Verdacht auf ein Guillain-Barré -Syndrom beinhalten.
  • Lumbalpunktion: Die Indikationsstellung für eine Lumbalpunktion ist Gegenstand aktueller Diskussionen. Die aktuelle Leitlinie zur Fazialisparese weist darauf hin, dass sich in einer Lumbalpunktion bei 80-90% der Patienten ein Normalbefund ergibt. In Abwägung der Risiken und Nutzen kann die Punktion dennoch durchgeführt werden, um diagnostische Sicherheit zu erhalten. Bei Kindern und klinischem Verdacht auf eine nicht-idiopathische Genese sollte eine Lumbalpunktion in jedem Fall durchgeführt werden.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Gesichtslähmung?

Obwohl ein erfahrener Arzt eine halbseitige Gesichtslähmung meist schon durch eine Blickdiagnose erkennen kann, sollte die Diagnostik einer systematischen Gliederung folgen.

An erster Stelle des Patientengespräches steht dabei die ausführliche Anamnese. Interessant sind dabei vor allem Informationen zu möglichen Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und eine möglichst zeitlich-genaue Einordung über das Auftreten der ersten Symptome. In diesem Gespräch und in der anschließenden körperlichen Untersuchung ergibt sich dann meist ein markantes klinisches Erscheinungsbild: Der Mundwinkel steht offen, Speichel fließt aus, die Sprache wirkt schwer verständlich und das Augenlid schließt nur teilweise oder gar nicht.

Nach Ausschluss von Symptomen, die auf ein akut gefährliches Krankheitsgeschehen hinweisen und eine sofortige Intervention erfordern, folgt im Anschluss meist eine Blutentnahme. Ziel hierbei ist es, virale oder bakterielle Infektionen auszuschließen.

Die neurologische Untersuchung prüft die Funktionstüchtigkeit der zentralen und peripheren Nerven. Bei einer peripheren Lähmung ist es wichtig, die Schädigung des Nervs zu lokalisieren. Abhängig davon, ob die Schädigung der Nerven innerhalb oder außerhalb des Schädels liegt, ist die Lähmung unterschiedlich stark ausgeprägt: so können nur die Gesichtsmuskeln gelähmt sein oder aber bei einer Schädigung innerhalb des Schädels auch Geschmack, Empfindung oder Speichelfluss beeinträchtigt sein.

Man unterteilt die Fazialisparese nach Schwere ihrer Ausprägung in sechs Grade, wobei Grad 1 „keine Lähmung“ bedeutet und Grad 6 „komplette Lähmung“. Bei der Diagnose ist die Bestimmung von Grad 2 und Grad 3 besonders kritisch, da der Gesichtsausdruck des Betroffenen unauffällig ist, der Nerv aber dennoch bereits leicht geschädigt ist.

Bei dem Verdacht auf eine periphere Schädigung wird eine Elektromyographie herangezogen. Durch diese Methode lässt sich unterscheiden, ob eine Muskellähmung durch eine Schädigung des Muskels an sich oder durch eine Nervenschädigung verursacht wird.

Um eine zentrale Fazialisparese zu diagnostizieren, kommen verschiedene bildgebende Verfahren wie eine MRT-, CT- oder Röntgenuntersuchung zum Einsatz, die das Gehirn und den Schädel darstellen, sodass mögliche Verletzungen lokalisiert werden können.

Therapie der Fazialisparese

Die Therapie der Fazialisparese richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung.

Idiopathische Fazialisparese

Die idiopathische Fazialisparese sollte mittels oralen Glukokortikoiden (60mg Prednisolon p. o. für 5 Tage, anschließend tägliche Reduktion um 10mg, oder 2 x 25mg Prednisolon für 10 Tage) behandelt werden. Pathophysiologisch erhofft man sich durch die Steroidgabe eine abschwellende Wirkung und dadurch Dekompression des Nervens. Die Wirksamkeit einer Glukokortikosteroidtherapie zur Behandlung der idiopathischen Fazialisparese bei Kindern ist momentan noch nicht ausreichend belegt und Gegenstand aktueller Studien.

Eine generelle antivirale Medikation wird aktuell aufgrund einer unsicheren Datenlage in der aktuellen Leitlinie nicht pauschal empfohlen, kann aber in Einzelfällen erwogen werden. Sie ist aber in der Regel indiziert, wenn es sich bei der Fazialisparese z. B. um die Folge einer Varicella-Zoster-Infektion handelt.

Symptomatische Therapie

Bei einer symptomatischen Fazialisparese, d.h. einer Fazialisparese mit bekannter Ursache, steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.

  • Infektionen: Eine Neuroborreliose sollte antibiotisch mit Doxycylin p.o. oder alternativ Ceftriaxon i. v. behandelt werden. Bei einer Varicella-Zoster-Infektion kommen antivirale Medikamente zum Einsatz.
  • Tumore: Raumforderungen im Nervenverlauf müssen in der Regel operativ entfernt werden.
  • Traumatische Läsionen: Traumatische Läsionen können je nach Schweregrad konservativ oder operativ behandelt werden.

Supportive Maßnahmen

Unabhängig von der Ursache der Fazialisparese sind supportive Maßnahmen wichtig, um die Symptome zu lindern und Komplikationen vorzubeugen.

  • Augenpflege: Symptomatisch sollte zudem das Auge der betroffenen Seite vor Austrocknung geschützt werden: Künstliche Tränen, Hornhautschutz durch Dexpanthenol-Augensalbe und ein nächtlicher Uhrglasverband kommen bei unzureichendem Lidschluss zur Anwendung. Sollte es im Rahmen von Folgeschäden zu einem längerfristig mangelhaftem Augenschluss kommen, gibt es die Möglichkeit des sog. „Lidloadings“, bei dem in Lokalanästhesie kleine Gold- oder Platingewichte unter den M. orbicularis implantiert werden.
  • Physiotherapie: Eine Physiotherapie kann helfen, die Gesichtsmuskulatur zu trainieren und die Regeneration des Nervus facialis zu fördern.
  • Weitere Maßnahmen: Bei Bedarf können weitere Maßnahmen wie Logopädie (bei Sprachstörungen) oder psychologische Betreuung (bei psychischen Belastungen) in Anspruch genommen werden.

Fazialisparese Therapie: Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Aufgrund der vielfältigen Ursachen, die zu einer Gesichtslähmung führen können, lässt sich kaum ein einheitliches Behandlungskonzept beschreiben. Vielmehr richtet sich der behandelnde Spezialist nach dem jeweiligen zugrundeliegenden Krankheitsbild. Sowohl medikamentöse als auch operative Therapieverfahren kommen dabei zur Anwendung.

Eine Fazialisparese, deren Ursache in einem Schlaganfall liegt, muss sofort in einer dafür vorgesehenen Klinik behandelt werden: Verschlossene Hirnarterien müssen sofort geöffnet, Hirnblutungen unterbunden und ein erhöhter Hirndruck schnellstmöglich reduziert werden.

Kann als Ursache ein bakterieller oder viraler Infekt identifiziert werden, so erfolgt hier eine antibakterielle bzw. antibiotische oder antivirale medikamentöse Therapie.

Im Fall der sehr besonders häufigen Bell-Parese bestehen auch unbehandelt sehr gute Genesungschancen. Etwa 60 Prozent der Betroffenen gesunden von selbst. Bei den übrigen Patienten versucht man meist, der Entzündung der Nerven mit einer Kortisontherapie entgegenzuwirken.

Zusätzlich muss ein Austrocknen der Augen bei fehlendem Lidschluss verhindert werden. Hierbei kommen zum Beispiel Salben oder nächtliche Verbände zum Einsatz.

Auch eine begleitende Physiotherapie zur Übungsbehandlung der mimischen Muskulatur kann den Betroffenen helfen.

In einigen Fällen kann auch eine operative Therapie sinnvoll sein. Je nach Ausprägung der Nervenschädigung kann hierbei beispielsweise eine Rekonstruktion des Nervens oder eine Fusion der Fasern des Nervus facialis mit denen eines anderen noch funktionstüchtigen Gesichtsnerven verbunden werden, sodass die Muskeln wieder angesteuert und bewegt werden können.

Weitere interventionelle Therapiemöglichkeiten

Weitere interventionelle Therapiemöglichkeiten umfassen z. B. die mikrochirurgische Reinnervation durch eine Nervenanastomose mit einem anderen Hirnnerven (z. B. als Hypoglossus-Fazialis-Jump-Nervennaht) oder die Rekonstruktion des Nervens mit einem intakten Nerven der Gegenseite (sog.

Prognose der Fazialisparese

Die Prognose der Fazialisparese ist abhängig von der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Insgesamt ist die Prognose jedoch gut.

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