Argentum Nitricum: Homöopathische Hilfe bei Nervenschmerzen und mehr

Argentum nitricum, auch bekannt als Silbernitrat oder Höllenstein, ist ein vielseitiges homöopathisches Mittel. Unverdünnt ist Silbernitrat eine giftige Substanz, die zu lang anhaltenden Vergiftungserscheinungen führen kann. In homöopathischer Verdünnung findet es jedoch Anwendung bei diversen Beschwerden, insbesondere im Bereich des Nervensystems. Es wird traditionell zur Behandlung von Nervenschmerzen, Ängsten, Verdauungsproblemen und Entzündungen eingesetzt.

Was ist Argentum nitricum?

Argentum nitricum ist ein homöopathisches Mittel, das aus Silbernitrat (auch salpetersaures Silber genannt) hergestellt wird. Silbernitrat bildet als Lösungsprodukt von Silber in Salpetersäure farblose Kristalle. In Stangenform ist es auch als Höllenstein zum Ätzen bekannt.

Unverdünntes Silbernitrat kann Vergiftungen mit Symptomen wie Speichelfluss, Magenschleimhautentzündung, Eiweißausscheidung im Urin, Ohrensausen, Benommenheit und Gedächtnisschwäche auslösen.

Anwendungsgebiete von Argentum nitricum

Die Anwendungsgebiete von Argentum nitricum entsprechen dem homöopathischen Arzneimittelbild. Dazu gehören Symptome bzw. Beschwerden, die durch eine Störung des Nervensystems infolge einer Überreizung auftreten. Vor allem auf die Psyche scheint Argentum nitricum zu wirken. Der Hauptangriffspunkt ist das Nervensystem und damit beeinflusst es beispielsweise Verdauung und Atmung. Unter anderem soll es stressbedingten Heißhunger dämpfen und so auch beim Abnehmen helfen. Außerdem hat Argentum nitricum eventuell einen Einfluss auf die Schleimhäute.

Argentum nitricum kommt in Frage, wenn die geordnete Funktion des Nervensystems im Sinne einer Überreizung gestört ist, was zu Koordinationsstörungen, Zittrigkeit, Nervosität, aber auch zu Schwindel oder funktionellen Störungen im Bereich der Verdauungsorgane, zum Beispiel als Luftaufstoßen, lautes Rülpsen oder nervöser Durchfall führen kann. Oft gehört auch eine ausgeprägte Tendenz zu Blähungen und Auftreibungen des Bauches zum Bild dieser Arznei.

Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen

Konkret kann Argentum nitricum bei folgenden Beschwerden eingesetzt werden:

  • Nervosität und innere Unruhe: Argentum nitricum wird häufig bei nervösen Unruhen, Lampenfieber oder Prüfungsangst eingesetzt. Körperliche Symptome, die dabei entstehen können, sind Zittrigkeit, Nervosität, Schwindel oder nervöse Verdauungsbeschwerden.
  • Gedächtnisstörungen: Das Mittel kann bei Gedächtnisschwäche und Konzentrationsschwierigkeiten helfen.
  • Schwindel: Argentum nitricum kann bei Schwindelgefühlen, insbesondere bei nervösem Schwindel, eingesetzt werden.
  • Verdauungsprobleme: Argentum nitricum kann bei Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Blähungen und Druckgefühl im Bauch helfen. Es kann auch bei stressbedingtem Heißhunger helfen.
  • Halsschmerzen: Homöopathen verwenden das Mittel auch bei Halsschmerzen. Entzündungen im Rachen, mit dem Gefühl, als würde ein Splitter im Hals stecken.
  • Bindehautentzündungen: Bei Bindehautentzündungen ist die Arznei manchmal eine Alternative zu Pulsatilla. Bindehaut stark gerötet, dunkelrote Augenwinkel. Besserung durch kaltes Auswaschen, gelbliche Absonderung.
  • Kopfschmerzen: mit dem Gefühl, der Kopf sei vergrößert, mit Hitzegefühl im Kopf, mit Schwindel, schlimmer durch Stress und geistige Überanstrengung, häufig ist die rechte Kopfseite betroffen.
  • Schlafstörungen: bei Lampenfieber und vor Prüfungen oder anderen Ereignissen, unruhiger, traumreicher Schlaf; man wirft sich die ganze Nacht im Bett herum.

Der Argentum-nitricum-Typ

In der Homöopathie wird nicht nur das Mittel, sondern auch der Patient betrachtet. Der Argentum-nitricum-Typ wird als extrovertiert und fröhlich beschrieben. Er soll eine fast schon krankhafte Offenheit zeigen und häufig nicht in der Lage sein, seine Gefühle oder Handlungen zu kontrollieren. Deshalb ist er oft impulsiv, beeinflussbar und ängstlich. Der Argentum-nitricum-Typ ist in hohem Maße emotional, weint und lacht gleich darauf, hat Wutausbrüche und vergibt sofort danach großzügig.

Eine weitere Charakteristik sind Ängste wie Klaustrophobie, Höhenangst, Furcht auf Brücken, Furcht vor Krankheiten (Hypochondrie), Angst vor Prüfungen und Angst vorm Alleinsein.

‹Argentum-nitricum-Menschen› rennen und suchen (wie kleine Kinder) immer wieder die Grenzen (zum Beispiel beim Essen von Süssigkeiten). Mit ihren Gedanken sind ‹Argentum-nitricum-Menschen› in der Zukunft, sonderbare, verrückte Vorstellungen beunruhigen sie und treiben zu ständiger Eile an. Zum Beispiel meinen sie, wenn sie irgendwo um eine Strassenecke biegen, falle ihnen ein Ziegelstein auf den Kopf. Oder sie befürchten, die Häuser auf beiden Strassenseiten kämen näher, würden auf sie stürzen, sie erdrücken. Ihre Höhenangst lässt sich ebenfalls durch böse Vorahnungen erklären. Stehen sie auf einem Balkon, stellen sie sich ganz detailliert vor, wie schrecklich es wäre, wenn sie hinunterstürzen würden, blutüberströmt auf dem Boden lägen, von der Ambulanz weggefahren und beerdigt würden. ‹Argentum-nitricum-Menschen› lassen sich nicht gerne einengen, sie leiden unter Platzangst und benötigen einen «Ausweg» (sitzen im Kino in der äussersten Reihe). Sie fürchten sich auf Brücken, besteigen nur ungern (oder nie) einen Fahrstuhl oder ein Flugzeug und meiden Menschenansammlungen. Auch auf der körperlichen Ebene «fallen sie durch», das heisst, sie haben Durchfall vor besonderen Ereignissen oder Prüfungen und kommen dann (trotz ständiger Eile) zu spät. Sehr typisch ist grosses Verlangen nach Süssigkeiten, die aber schlecht vertragen werden.

Anwendung und Dosierung

Argentum nitricum ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter:

Lesen Sie auch: Nervenschaden nach Zahnbehandlung: Symptome und Therapie

  • Globuli (Streukügelchen): Die Globuli sind leicht zu dosieren und können einfach eingenommen werden.
  • Dilutionen (Tropfen): Die Tropfen können in Wasser verdünnt eingenommen werden.
  • Tabletten: Die Tabletten sind eine praktische Alternative zu Globuli und Tropfen.
  • Ampullen zur Injektion: Diese Darreichungsform wird in der Regel von einem Arzt oder Heilpraktiker verabreicht.

Die tiefste lieferbare Potenz beträgt bei Dilutionen D4/C4, bei Globuli und Tabletten D8/C4.

Die übliche Argentum-nitricum-Dosierung ist zwei bis drei Globuli bei jeder Einnahme. Niedrigere Potenzen werden öfter wiederholt als höhere. Hochpotenzen, wie beispielsweise Argentum nitricum C200, sollten Sie nur nach Verordnung durch einen Homöopathen einsetzen.

Allgemeine Dosierungsempfehlungen:

  • Akute Beschwerden: 5 Globuli 2-3 mal täglich einnehmen.
  • Chronische Beschwerden: Rücksprache mit einem Therapeuten halten.
  • Säuglinge bis zum 1. Lebensjahr: Ein Drittel der Erwachsenendosis (nach Rücksprache mit einem Arzt oder Homöopathen).
  • Kleinkinder bis zum 6. Lebensjahr: Die Hälfte der Erwachsenendosis.
  • Kinder zwischen 6. und 12. Lebensjahr: Zwei Drittel der Erwachsenendosis.

Lassen Sie die Globuli im Mund zergehen, um eine optimale Wirkung zu erzielen. 15 Minuten vor und 15 Minuten nach der Gabe möglichst nichts essen und trinken.

Bei Auftreten von Erstverschlimmerungen unterbrechen Sie besser die Einnahme von Argentum nitricum. Bei Selbstmedikation sollen sich die Beschwerden rasch bessern.

Spezifische Dosierungsempfehlungen für bestimmte Anwendungsgebiete:

  • Bindehautentzündung: 3 Globuli Argentum nitricum D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Argentum nitricum D12 zweimal täglich.
  • Halsschmerzen: 3 Globuli Argentum nitricum D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Argentum nitricum D12 zweimal täglich.
  • Kopfschmerzen: 3 Globuli Argentum nitricum D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Argentum nitricum D12 zweimal täglich. Treten die Kopfschmerzen häufig auf: 3 Globuli Argentum nitricum C30, am nächsten Tag bei Bedarf wiederholen.
  • Lampenfieber und Prüfungsangst: 3 Globuli Argentum nitricum C30 einnehmen. Bei Bedarf alle 12 Stunden wiederholen.
  • Durchfall: 3 Globuli Argentum nitricum D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Argentum nitricum D12 zweimal täglich.
  • Magenprobleme: 3 Globuli Argentum nitricum D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Argentum nitricum D12 zweimal täglich.
  • Schlafstörungen: 2 bis 3 Stunden vor dem zu Bett gehen 3 Globuli Argentum nitricum C30 einnehmen. Bei Bedarf 3-4 Tage hintereinander wiederholen.

Wichtige Hinweise

Wenn Sie Argentum nitricum anwenden wollen, sollten Sie zuvor einen in der Homöopathie erfahrenen Therapeuten oder Arzt um Rat fragen.

Lesen Sie auch: Medikamentenfreie Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen

Argentum Nitricum D12 Globuli dürfen nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen einen der Wirkstoffe oder einen der sonstigen Bestandteile bekannt ist. Da keine ausreichenden Erfahrungen zur Anwendung der Argentum Nitricum D12 Globuli in der Schwangerschaft und Stillzeit vorliegen, sollte das Arzneimittel nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt bzw.

Die Wirkung eines homöopathischen Mittels kann durch allgemein schädigende Faktoren in der Lebensweise und durch Reiz- und Genußmittel ungünstig beeinflußt werden.

Bei der Einnahme eines homöopathischen Arzneimittels können sich die vorhandenen Beschwerden vorübergehend verschlimmern (Erstverschlimmerung). In diesem Fall oder bei anhaltenden, unklaren bzw. neu auftretenden Beschwerden sollte ein Arzt befragt werden.

tags: #argentum #nitricum #nervenschmerzen