Katzen, Epilepsie und Zecken: Ein umfassender Überblick

Jeder Tierhalter kennt die Herausforderungen, seine Lieblinge vor Parasiten und Krankheiten zu schützen. Insbesondere Zecken stellen eine wachsende Bedrohung dar, und es ist wichtig, sich über die verschiedenen Schutzmöglichkeiten und deren potenzielle Auswirkungen zu informieren. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Zecken, Zeckenschutzmitteln und neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie bei Katzen, um Tierhaltern eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.

Die Zeckenplage: Eine wachsende Herausforderung

Die Zeckenpopulationen scheinen von Jahr zu Jahr zuzunehmen und aggressiver zu werden. Dies macht es unerlässlich, sich frühzeitig über den richtigen Zeckenschutz für Hunde und Katzen zu informieren. Es gibt eine Vielzahl von Optionen, von Anti-Zeckensprays über Spot-on-Präparate bis hin zu Tabletten, sowohl auf natürlicher als auch auf chemisch-synthetischer Basis.

Ein Zeckenbiss ist nicht nur lästig, sondern kann auch gefährlich sein, da Zecken Überträger verschiedener Infektionskrankheiten sind. Nach einem Zeckenbiss können Krankheitserreger innerhalb von 24 Stunden in den Blutkreislauf des Wirtes gelangen. Diese Erkrankungen äußern sich durch unterschiedliche Symptome, die oft grippeähnlich sind und mit Übelkeit und Entzündungen, z.B. der Gelenke, einhergehen.

Zeckenschutzmittel: Synthetische Wirkstoffe vs. natürliche Alternativen

Es lässt sich beobachten, dass Zecken zunehmend resistenter gegen Zeckenschutzmittel werden, insbesondere gegen chemisch-synthetische Mittel. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass chemische Mittel über Jahrzehnte hinweg dominant in der Anwendung waren. Aufgrund der zahlreichen Nebenwirkungen und der nicht absehbaren Langzeitfolgen wenden sich jedoch immer mehr Verbraucher natürlichen Alternativen zu.

Chemische Zeckenschutzmittel

Chemische Anti-Zeckenmittel können eine repellierende oder abtötende Wirkung haben. Repellierende Mittel verhindern, dass die Zecke überhaupt beißt, was wichtig ist, da Infektionen teilweise sehr schnell übertragen werden können. Abtötende Präparate wirken erst nach dem Stich und entfalten ihre Wirkung, wenn die Zecke die Körperflüssigkeit des Tieres aufgenommen hat.

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Die aggressive Wirkung chemischer Zeckenschutzmittel beruht auf Insektiziden wie Permethrin, Fiprinol, Dinotefuran und Deltametrin, die Nervengifte darstellen. Diese Stoffe blockieren die Nervenreizleitungen und führen zum Tod der Parasiten. Allerdings können die Nebenwirkungen dieser Insektizide für Hunde und Katzen gravierend sein. Beobachtete Folgen sind Juckreiz, schuppige Haut, stumpfes Fell, Entzündungsreaktionen, Ekzeme, Haarausfall, Verhaltensänderungen, Verwirrtheit, Magen-Darm-Symptome und neurologische Ausfallerscheinungen bis hin zu epilepsieartigen Anfällen.

Hunde-Halsbänder sind beliebt und können bereits bei Welpen ab der 8. Lebenswoche angewendet werden. Sie schützen nicht nur gegen Zecken, sondern halten teilweise auch Mücken und Flöhe fern. Bei gleichzeitiger Haltung von Hunden und Katzen sollte man Hunde-Zeckenhalsbänder jedoch nie bei Katzen verwenden, da diese Pyrethroide nicht abbauen können.

Spot-on-Präparate sind ähnlich breit aufgestellt wie Parasitenhalsbänder und werden äußerlich auf der Haut des Tieres angewendet. Phenylpyrazole, die in einigen Spot-on-Mitteln enthalten sind, gelangen in der Regel nicht in den Organismus des Tieres, sondern belegen nur die erste Hautschicht und die Talgdrüsen.

Zeckentabletten für Hunde sind eine relativ neue Entwicklung und enthalten das synthetische Insektizid und Akarizid Isoxazoline. Zu diesen Tabletten existieren bisher keine Langzeitstudien, und viele Tierärzte und Tierheilpraktiker stehen ihnen kritisch gegenüber. Akute Symptome können Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit und vermehrter Speichelfluss sein.

Natürliche Zeckenabwehrmittel

Viele Tierbesitzer wenden sich zunehmend natürlichen Mitteln zu, da chemische Zeckenabwehrmittel zahlreiche Nebenwirkungen haben und Zecken resistenter gegen Insektizide geworden sind. Es gibt viele Zeckenabwehrmittel auf pflanzlicher Basis, wobei einige ihrer natürlichen Rohstoffe nicht direkt mit Zeckenabwehr in Verbindung gebracht werden. Es ist wichtig zu wissen, dass nicht alle Zeckenschutzmittel für Hunde auch für Katzen geeignet sind, da Katzen einige Enzyme anders verarbeiten und empfindlicher sind.

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Bierhefe ist reich an Vitamin B und kann stumpfes Fell wieder zum Glänzen bringen. Die zeckenabwehrende Wirkung scheint auf den Geruch der enthaltenen B-Vitamine zurückzuführen zu sein. Allerdings kann Bierhefe bei einigen Tieren Magen-Darm-Probleme verursachen und sollte langsam und in kleinen Dosen dem Futter beigefügt werden.

Viele alternative Zeckenabwehrmittel enthalten eine Kombination unterschiedlicher ätherischer Öle. Thymian, Oregano, Wacholder, Grapefruit, Myrrhe, Rosenholz, Teebaumöl und Schwarzkümmelöl haben sich als effektiv gegen Parasiten erwiesen. Insbesondere Geraniol soll den Chitinpanzer von Zecken und Flöhen angreifen und die Tiere austrocknen. Teebaumöl und Citriodiol, der Wirkstoff des Zitronen-Eukalyptus, haben ebenfalls zeckenabwehrende Wirksamkeit. Bei Katzen im Haushalt sollte jedoch auf den Gebrauch von Teebaumöl verzichtet werden. Alle Produkte mit ätherischen Ölen sollten zunächst auf Verträglichkeit getestet werden.

Kokosöl wird von vielen Tierbesitzern als natürlicher Zeckenschutz verwendet. Die enthaltene Laurinsäure scheint für die Parasiten unattraktiv zu sein und sie abzuschrecken. Um eine effektive Abschreckung zu erzielen, muss das Tier jedoch täglich mit einer kleinen Menge Kokosöl eingerieben werden.

Zecken und Epilepsie: Ein möglicher Zusammenhang

Einige Tierbesitzer berichten von einem Zusammenhang zwischen der Anwendung chemischer Zeckenschutzmittel und dem Auftreten von Epilepsie bei ihren Tieren. Insbesondere die Isoxazoline, die in Zeckentabletten enthalten sind, stehen im Verdacht, neurologische Nebenwirkungen auszulösen.

Isoxazoline: Eine kritische Betrachtung

Isoxazoline sind eine relativ neue Wirkstoffgruppe, die seit etwa fünf Jahren auf dem Markt ist. Sie sind systemische Insektizide und Akarizide und wirken gegen Zecken, Flöhe und Milben. Besitzer, die Isoxazoline bei ihren Hunden anwenden, bestätigen oft die Wirksamkeit dieser Mittel.

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Es gibt jedoch unterschiedliche Meinungen unter Tierärzten und Tierheilpraktikern bezüglich der Anwendung von Isoxazolinen. Einige befürworten die Anwendung, während andere sie kritisch sehen oder ablehnen.

Isoxazoline haben keinen repellierenden Effekt und können nicht verhindern, dass eine Zecke, ein Floh oder eine Mücke zubeißt. Der tödliche Effekt tritt erst eine gewisse Zeit nach dem Biss ein. Daher wird die Übertragung von Vektor-Krankheiten nicht in jedem Fall zuverlässig verhindert.

Einige Tierärzte äußern Bedenken hinsichtlich des Wirkprinzips der Isoxazoline, da der gesamte Körper des Tieres rein prophylaktisch für Ektoparasiten giftig gemacht wird. Zudem gibt es Bedenken hinsichtlich der Daueranwesenheit eines noch sehr jungen Wirkstoffes im Körper eines Haustieres, da noch keine Massenanwendungserfahrungen über die gesamte Lebensspanne eines Tieres vorliegen.

In den Beipackzetteln aller Isoxazoline findet sich der Hinweis, dass es selten zu vorübergehenden gastrointestinalen Effekten und sehr selten zu neurologischen Erscheinungen wie Zittern, Ataxie und Krämpfen kommen kann. Es ist wichtig zu beachten, dass Epilepsie eine häufige neurologische Erkrankung bei Hunden ist und der erste Anfall in einem zufälligen zeitlichen Zusammenhang mit einer Isoxazolingabe auftreten kann.

Treten in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Gabe eines Isoxazolin-Produktes Krampfanfälle auf, sollte die Verwendung des Medikaments eingestellt werden. Kommt es nach dem Ende der Wirkdauer zu keinen weiteren Anfällen, ist ein Zusammenhang wahrscheinlich, und man sollte bei diesem Tier nie wieder ein Isoxazolin verwenden.

Alternativen zu Isoxazolinen

Für Tiere, die auf Spot-ons und Halsbänder mit starken Hauterscheinungen reagieren oder bei denen die genannten Mittel nicht ausreichend wirken, können Isoxazoline eine Alternative sein. Es ist jedoch ratsam, ein Produkt mit kürzerer Wirkdauer zu wählen, da Bravecto (Wirkstoff Fluralaner) eine Wirkdauer von bis zu einem Vierteljahr hat und somit höher dosiert ist.

Epilepsie bei Katzen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch unkontrollierte Entladungen von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Ein epileptischer Anfall bei Katzen kann sich durch wilde Bewegungen, unkontrollierte Zuckungen und Lautäußerungen äußern. Es gibt jedoch auch subtilere Anzeichen wie Abwesenheit, Zittern, Winseln, Speicheln und unstillbarer Hunger nach den „verrückten fünf Minuten“.

Es ist wichtig, bei Verdacht auf Epilepsie einen Tierarzt aufzusuchen, da langanhaltende Krampfanfälle lebensgefährlich sein können. Zudem begünstigt jeder Anfall weitere Anfälle. Epileptische Anfälle können durch behandelbare Erkrankungen ausgelöst werden, daher ist eine frühzeitige Diagnose wichtig.

Epilepsie kann verschiedene Ursachen haben:

  • Reaktive Epilepsie: Anfälle, die nicht im Zentralnervensystem ausgelöst werden, z.B. durch Vergiftungen oder Stoffwechselstörungen.
  • Symptomatische Epilepsie: Anfälle, die durch Erkrankungen im Zentralnervensystem ausgelöst werden, z.B. durch Tumore oder Hirnentzündungen.
  • Idiopathische Epilepsie: „Echte“ Epilepsie, bei der keine Ursache gefunden werden kann.

Die Diagnose von Epilepsie bei Katzen ist oft ein Ausschlussverfahren, bei dem andere Ursachen ausgeschlossen werden müssen. Untersuchungen umfassen die Vor- und Familiengeschichte, den Allgemeinzustand, Blut-, Urin- und Kotuntersuchungen, neurologische Untersuchungen und bildgebende Verfahren.

Epileptische Anfälle können mit Medikamenten eingedämmt werden, aber Epilepsie ist nicht heilbar. Es gibt jedoch Fälle von Spontanheilungen. Katzen können in jedem Alter Krampfanfälle bekommen.

Was tun bei einem epileptischen Anfall?

Während eines Anfalls kann man nicht viel tun, aber man kann Vorkehrungen treffen, um Verletzungen zu vermeiden. Räumen Sie alles aus dem Weg, woran sich das Tier verletzen könnte. Nach einem Anfall sollte man dem Tier Zeit geben, sich zu erholen, und es beruhigen.

Es ist hilfreich, ein Video von einem Anfall zu machen und ein Tagebuch über die Anfälle zu führen, um dem Tierarzt bei der Diagnose zu helfen.

Fazit

Die Entscheidung für den richtigen Zeckenschutz ist eine individuelle Frage, die von verschiedenen Faktoren abhängt. Es ist wichtig, sich über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen zu informieren und die potenziellen Risiken und Nebenwirkungen zu berücksichtigen. Bei Tieren mit neurologischen Vorerkrankungen wie Epilepsie ist besondere Vorsicht geboten.

Natürliche Mittel können eine gute Alternative zu chemischen Präparaten sein, aber sie bieten möglicherweise keinen 100%igen Schutz. Eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen, wie z.B. das Absuchen des Tieres nach jedem Spaziergang, kann sinnvoll sein.

Letztendlich ist es wichtig, aufmerksam zu sein und auf die individuellen Bedürfnisse und Reaktionen des eigenen Tieres zu achten. Bei Unsicherheiten sollte man sich von einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker beraten lassen.

Zusätzliche Informationen

Zeckenarten und ihre Verbreitung

In Europa kommen verschiedene Zeckenarten vor, die Hunde und Katzen befallen können. Zu den häufigsten gehören Arten der Gattungen Ixodes, Dermacentor und Rhipicephalus. In Nordeuropa und Großbritannien sind es meist Ixodes oder Dermacentor spp., während Hyalomma-Zecken derzeit nur in Südosteuropa heimisch sind, aber auch nach Deutschland eingeschleppt werden können.

Das Vorkommen und die Dichte von Zecken in einem Gebiet hängen von Klima, Biotop und der Zahl vorhandener Wirte ab. Veränderungen des Klimas oder der Populationsdichte der Wirte sowie der Import von Zecken oder befallener Wirte können das Vorkommen und die geographische Verbreitung verschiedener Zeckenarten beeinflussen.

Zeckenübertragene Krankheiten

Zecken können verschiedene Krankheitserreger übertragen, darunter Babesia spp., Borrelia burgdorferi sensu latu, Acanthocheilonema (Dipetalonema) spp., Bartonellaspp., Ehrlichiaspp., Anaplasma phagocytophilum, A. platys, Rickettsia spp., Flaviviren und andere. Eine Zecke kann mehr als einen Erreger beherbergen, so dass sich unter Umständen klinische Veränderungen ergeben, die für das Vorliegen einer einzelnen Erkrankung untypisch sind.

Prophylaxe und Behandlung

Die Zeckenprophylaxe sollte den gesamten Zeitraum abdecken, in dem Zecken aktiv sind. Je nach individuellem Infestationsrisiko des Tieres und regionalen Vorraussetzungen für vektorübertragene Erkrankungen kann die Prophylaxe eine regelmäßige Untersuchung der Tiere auf Zeckenbefall und/oder eine akarizide Behandlung umfassen.

Werden Zecken auf einem Tier entdeckt, sollten diese umgehend entfernt werden, um eine potenzielle Übertragung von Krankheitserregern möglichst zu verhindern. Zur Entfernung von Zecken sollten geeignete Instrumente wie Zeckenzangen oder -pinzetten verwendet werden. Nach Entfernung der Zecken wird die Anwendung eines Akarizids empfohlen.

Läuse und Haarlinge

Neben Zecken können auch Läuse und Haarlinge Hunde und Katzen befallen. Läuse saugen Blut und können Anämie hervorrufen, während Haarlinge sich von Hautdebris ernähren. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt von Wirt zu Wirt. Befall mit Läusen oder Haarlingen kann Ekzeme, Krusten und Alopezie hervorrufen. Die Diagnose erfolgt durch Inspektion und Nachweis der Adulten oder ihrer Eier (Nissen) im Fell. Die Behandlung erfolgt mit Insektiziden.

Sandmücken

In Europa sind für die Tiermedizin ausschließlich Sandmücken der Gattung Phlebotomus von Bedeutung, die vor allem im Mittelmeerraum verbreitet sind. Sie übertragen Leishmania infantum, den Erreger der Leishmaniose, einer schweren Erkrankung von Hunden und Katzen.

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