Arlevert bei Neuritis Vestibularis: Wirkung, Anwendung und Besonderheiten

Die Neuritis vestibularis, eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs, kann Betroffene stark beeinträchtigen. Symptome wie akuter Drehschwindel, Übelkeit, Erbrechen und Gangunsicherheit sind typisch. In der Akutphase kommen häufig Glukokortikoide und Antivertiginosa zum Einsatz. Ein Medikament, das in diesem Zusammenhang oft genannt wird, ist Arlevert. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Arlevert bei Neuritis vestibularis und gibt einen Überblick über Wirkung, Dosierung, Nebenwirkungen und weitere wichtige Aspekte.

Was ist Arlevert?

Arlevert ist ein Medikament der Hennig Arzneimittel GmbH & Co., das eine Wirkstoffkombination aus Cinnarizin und Dimenhydrinat enthält. Diese Kombination wird zur Behandlung von Schwindel unterschiedlicher Ursachen eingesetzt.

Wirkung von Arlevert

Die Kombination aus Cinnarizin und Dimenhydrinat wirkt gegen Schwindel verschiedener Ursachen.

Dosierung und Anwendung

Die empfohlene Dosierung beträgt dreimal täglich eine Tablette, die unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit nach den Mahlzeiten eingenommen wird. Zu Beginn der Behandlung und in schweren Fällen kann die Dosis auf bis zu fünf Tabletten täglich erhöht werden.

Die Dauer der Behandlung sollte so kurz wie möglich sein und sich im Allgemeinen auf die Akutbehandlung beschränken. Eine Behandlungsdauer von vier Wochen sollte nicht überschritten werden, ohne dass der Arzt den Zustand des Patienten erneut beurteilt. Eine längere Behandlung sollte nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung erfolgen.

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Zusammensetzung von Arlevert

Arlevert enthält neben den Wirkstoffen Cinnarizin und Dimenhydrinat auch folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile:

  • Maisstärke
  • Croscarmellose-Natrium
  • Hochdisperses Siliciumdioxid
  • Hypromellose
  • Magnesiumstearat
  • Mikrokristalline Cellulose
  • Talkum

Mögliche Nebenwirkungen

Wie alle Medikamente kann auch Arlevert Nebenwirkungen verursachen.

Gelegentliche Nebenwirkungen:

  • Augeninnendruckerhöhung
  • Herzschlagbeschleunigung
  • Verstopfte Nase

Sehr seltene und vereinzelt auftretende Nebenwirkungen:

  • Schwere Hautreaktionen wie Lupus erythematodes und Lichen ruber planus
  • Blutbildveränderungen wie Agranulozytose, Leukopenie, Blutzellschäden

Häufigkeitsangabe (nicht näher spezifiziert):

  • Müdigkeit
  • Erregung
  • Unruhe
  • Konzentrationsstörungen
  • Mundtrockenheit
  • Überempfindlichkeitsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Schwitzen
  • Störungen beim Harnlassen
  • Sehstörungen
  • Grüner Star (Engwinkelglaukom)
  • Veränderungen der Reizleitung am Herzen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Allergische Hautreaktionen
  • Muskelschwäche
  • Schwindel
  • Benommenheit
  • Stimmungsschwankungen
  • Schlaflosigkeit
  • Angststörungen
  • Leberfunktionsstörungen (Gelbsucht)

Besonders zu Beginn der Behandlung können Magen-Darm-Störungen in milder Ausprägung auftreten, die aber im Verlauf der Behandlung meist wieder abklingen. Bei höheren Cinnarizin-Dosen und bei älteren Patienten können Störungen der unwillkürlichen Bewegungsabläufe wie Zittern, erhöhter Spannungszustand der Muskeln und Bewegungsarmut häufiger auftreten. In solchen Fällen sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Behandlung gegebenenfalls abzusetzen oder die Dosis zu reduzieren.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Arlevert kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. Die gleichzeitige Anwendung mit bestimmten Mitteln gegen Depressionen (MAO-Hemmern), trizyklischen Antidepressiva sowie anderen Alpha-Sympathomimetika kann zu einem krisenhaften Blutdruckanstieg führen. Diese Wechselwirkungen können auch auftreten, wenn die Einnahme der MAO-Hemmer weniger als zwei Wochen zurückliegt.

Die Wirkstoffkombination kann die Wirkung von Beta-Blockern und Alpha-Adrenozeptor-Antagonisten sowie die betäubende Wirkung von anderen Antihistaminika, Betäubungsmitteln und Alkohol verstärken.

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Die gleichzeitige Anwendung von Cinnarizin und Dimenhydrinat mit Aminoglykosid-Antibiotika kann eine gehörschädigende Nebenwirkung des Antibiotikums verschleiern.

Blutdrucksenkende Mittel wie Guanethidin oder Betanethidin, als auch blutdrucksteigernde Mittel sollten nur nach besonderer ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung und bei regelmäßiger ärztlicher Blutdruckkontrolle angewendet werden. Eventuell ist eine Dosisanpassung dieser Wirkstoffe durch den Arzt erforderlich.

Die Wirkung von Procarbazin, einem Mittel zur Chemotherapie bei Krebs, wird durch die Wirkstoffkombination verstärkt.

Die Wirkung von entzündungshemmenden Glukokortikoiden sowie blutgerinnungshemmenden Mitteln (Antikoagulantien) wie Heparin kann bei gleichzeitiger Anwendung herabgesetzt sein.

Cinnarizin und Dimenhydrinat schwächen die durch Phenothiazine hervorgerufenen Störungen des Bewegungsablaufs ab. Phenothiazine sind Wirkstoffe, die gegen psychische Erkrankungen, Allergien und Erbrechen eingesetzt werden.

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Bei Allergietests kann es durch die Anwendung der Wirkstoffkombination zu fehlerhaften Testergebnissen kommen.

Die gleichzeitige Anwendung mit Wirkstoffen, die den Herzrhythmus beeinflussen (Verlängerung des QT-Intervalls) wie beispielsweise Antiarrhythmika der Klassen Ia oder III, Antibiotika, Mittel gegen Malaria sowie Neuroleptika zur Behandlung von Psychosen ist zu vermeiden. Der Abstand zwischen beiden Behandlungen muss mindestens 14 Tage betragen, da es sonst zu einem bedrohlichen Blutdruckanstieg kommen kann.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt sollte die Kombination an Patienten mit der Parkinson-Krankheit verabreicht werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Arlevert darf während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da der Wirkstoff Dimenhydrinat vorzeitige Wehen auslösen kann. Auch während der Stillzeit sollte Arlevert nicht angewendet werden, da schädliche Wirkungen auf das gestillte Kind nicht sicher auszuschließen sind und Dimenhydrinat in geringen Mengen in die Muttermilch übergeht.

Anwendung bei Kindern

Arlevert darf Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt verabreicht werden.

Warnhinweise

Die Wirkstoffkombination kann das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol. Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen, bis hin zu Verengung der Atemwege (Asthma). Sollten Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrgenommen werden, sollte umgehend ein Arzt informiert werden.

Weitere Aspekte der Neuritis Vestibularis

Diagnose und Untersuchungen

Die Diagnose einer Neuritis vestibularis wird in der Regel von einem HNO-Facharzt gestellt. Dabei kommen verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz, darunter der kalorische Test und die Frenzelbrille. Der kalorische Test ist ein Goldstandard zur Diagnose der Neuritis Vestibularis. Dabei wird die Reaktion des Gleichgewichtsorgans auf thermische Reize (warmes oder kaltes Wasser) gemessen. Die Frenzelbrille ermöglicht es dem Arzt, Augenbewegungen (Nystagmus) zu beobachten, die auf eine Störung des Gleichgewichtssystems hinweisen können.

Therapie und Rehabilitation

Neben der medikamentösen Behandlung mit Arlevert oder ähnlichen Präparaten spielen Gleichgewichtsübungen eine wichtige Rolle bei der Rehabilitation nach einer Neuritis vestibularis. Diese Übungen helfen dem Gehirn, die Funktionen des ausgefallenen Gleichgewichtsorgans zu kompensieren.

In einigen Fällen kann auch eine Kortisontherapie in Tablettenform oder als Infusion sinnvoll sein, insbesondere in der Akutphase der Erkrankung.

Chronische Beschwerden und Kompensation

Manchmal kann es nach einer Neuritis vestibularis zu chronischen Beschwerden wie Schwindelgefühl bei schnellen Kopf- oder Körperbewegungen kommen. Dies kann Ausdruck einer noch diskreten Funktionsstörung sein und Monate andauern. In solchen Fällen sind kontinuierliche Gleichgewichtsübungen wichtig, um die Kompensation des Gehirns zu fördern.

Differenzialdiagnose

Es ist wichtig zu beachten, dass Schwindel viele verschiedene Ursachen haben kann. Daher ist eine sorgfältige Differenzialdiagnose erforderlich, um andere Erkrankungen auszuschließen. Zu den möglichen Ursachen von Schwindel gehören beispielsweise:

  • Gutartiger Lagerungsschwindel
  • Morbus Menière
  • Neurologische Erkrankungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Psychische Ursachen

Lagerungsschwindel

Der gutartige Lagerungsschwindel ist eine weitere häufige Ursache für Schwindel. Dabei kommt es durch Verlagerung von kleinen Kristallen (Otolithen) im Innenohr zu kurzzeitigen Drehschwindelattacken, die durch bestimmte Kopfbewegungen ausgelöst werden. Die Behandlung des Lagerungsschwindels besteht in der Regel aus speziellen Lagerungsmanövern, die darauf abzielen, die Kristalle wieder an ihren ursprünglichen Platz zu bringen.

Morbus Menière

Morbus Menière ist eine Erkrankung des Innenohrs, die mit Drehschwindel, Hörminderung und Tinnitus einhergeht. Die Ursache von Morbus Menière ist noch nicht vollständig geklärt. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Schwindelattacken zu reduzieren.

Fazit

Arlevert kann bei Neuritis vestibularis zur Linderung von Schwindel eingesetzt werden. Es ist jedoch wichtig, die Dosierungsempfehlungen und Warnhinweise zu beachten und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu berücksichtigen. Die Behandlung der Neuritis vestibularis sollte immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen und kann neben Medikamenten auch Gleichgewichtsübungen und andere therapeutische Maßnahmen umfassen. Es ist wichtig, die Ursache des Schwindels genau zu diagnostizieren, um eine gezielte Therapie einzuleiten. Bei unklaren oder anhaltenden Beschwerden sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.

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