Arm hochhalten: Ursachen und Behandlung von Nervensystem-Beschwerden

Das Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung unserer Bewegungen und Empfindungen. Beschwerden, die mit dem Nervensystem in Verbindung stehen und sich im Arm manifestieren, können vielfältige Ursachen haben und unterschiedliche Symptome hervorrufen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Erkrankungen und Syndrome, die mit Armbeschwerden einhergehen, ihre Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Schulter-Arm-Syndrom

Das Schulter-Arm-Syndrom, auch Zervikobrachialgie genannt, ist ein Symptomkomplex, der Schmerzen im Nacken, der Schulter und im Arm umfasst. Es handelt sich nicht um eine klar definierte Krankheit, sondern um eine Beschreibung von Beschwerden, die verschiedene Ursachen haben können.

Ursachen

Die Ursachen für das Schulter-Arm-Syndrom sind vielfältig. Häufig sind muskuläre Verspannungen die Hauptursache. Diese Verspannungen können durch ungewöhnlich starke körperliche Belastungen oder, noch häufiger, durch einseitige und lange statische Belastungen entstehen, wie sie beispielsweise bei sitzenden Tätigkeiten am Computer auftreten. Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Verschleißerscheinungen in den Gelenken der oberen Extremität
  • Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule mit Druck auf den Nerv (Radikulär-Syndrom)
  • Muskulär-fasziale Probleme an der Halswirbelsäule: knotige, schmerzende Verspannungen, eine zu hohe Spannung in den Faszien oder ein muskuläres Ungleichgewicht.

Symptome

Das Leitsymptom des Schulter-Arm-Syndroms sind Schulterschmerzen. Diese Schmerzen können in den Oberarm ausstrahlen und das Anheben des Arms über den Kopf oder bestimmte Rotationsbewegungen erschweren. Oftmals treten die Schmerzen auch nachts auf. Weitere Symptome können sein:

  • Ausstrahlende Schmerzen vom Nacken über die Schulter und den Ellenbogen bis in die Hand und die Finger
  • Taubheitsgefühle
  • Schwäche des Arms

Diagnose

Aufgrund der vielfältigen Ursachen ist eine ärztliche Abklärung der Beschwerden empfehlenswert. Die Diagnose umfasst in der Regel:

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  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, um die Art, Lokalisation und Intensität der Schmerzen zu ermitteln.
  • Körperliche Untersuchung: Abtasten der schmerzhaften Region, Überprüfung der Beweglichkeit der Gelenke und der Kraft der Muskulatur.
  • Bildgebende Diagnostik: Röntgen, MRT zur Feststellung von Verschleißerscheinungen oder einem Bandscheibenvorfall.
  • Funktionstests: Zur Beurteilung der Art der Erkrankung.
  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG): Um das RSI-Syndrom vom Karpaltunnelsyndrom zu unterscheiden.

Behandlung

Im Vordergrund der Therapie steht die Schmerzlinderung und die Lockerung der Muskulatur. Dazu können folgende Maßnahmen eingesetzt werden:

  • Wärmetherapie
  • Kinesiotaping
  • Manuelle Medizin (Chirotherapie)
  • Schmerzmedikamente: Kurzfristig bei starken Schmerzen
  • Gezielte Einspritzungen mittels bildgebender Verfahren an der Halswirbelsäule oder dem betroffenen Nerv
  • Operation: In schweren Fällen mit sehr starken Schmerzen und neurologischen Ausfällen der oberen Extremität (Foraminotomie oder Implantation einer Bandscheibenprothese)
  • Krankengymnastische Übungen zur Verbesserung der Körperhaltung und der Kraftausdauer
  • Regelmäßige sportliche Aktivität: Yoga, Pilates, Schwimmen, Nordic Walking, Qigong

Funktionelle Bewegungsstörungen

Funktionelle Bewegungsstörungen sind neurologische Erkrankungen, bei denen Bewegungsstörungen auftreten, ohne dass eine organische Ursache im Gehirn oder Nervensystem nachweisbar ist.

Ursachen

Die genaue Ursache funktioneller Bewegungsstörungen ist sehr individuell. Die Symptome treten oft in Zusammenhang mit anderen körperlichen oder psychischen Belastungen auf. Wichtige psychische Risikofaktoren sind traumatische Erfahrungen. Auch können Bewegungsmuster aus einer vorausgegangenen Problematik entstehen.

Symptome

Funktionelle Bewegungsstörungen können sich auf verschiedene Weise äußern, zum Beispiel durch:

  • Zittern
  • Verlangsamung
  • Ungewöhnliche Bewegungen
  • Gangstörungen
  • Muskelzuckungen
  • Lähmungsgefühle
  • Plötzliche Bewegungsblockaden

Ein wechselhafter Verlauf mit guten und schlechten Tagen ist typisch.

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Diagnose

Erfahrene Fachärzte können die Erkrankung meist durch typische Merkmale erkennen. Gelegentlich werden zusätzliche bildgebende oder elektrophysiologische Verfahren angewandt, um die Diagnose zu stützen.

Behandlung

Ziel der Therapie ist ein "Umlernen", damit sich die unbewusste Bewegungskontrolle schrittweise normalisieren kann. Zum Einsatz kommen dabei unterschiedliche Therapieformen, häufig Physiotherapie, Ergotherapie und psychotherapeutische Begleitung. Eine Heilung ist selten, aber die Beschwerden sind gut beeinflussbar.

Mausarm (RSI-Syndrom)

Der Mausarm, auch RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury) genannt, betrifft Hand, Arm, Schulter und Nacken durch wiederholte Belastung, häufig bei Computernutzung.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache des RSI-Syndroms ist eine chronische Über- und Fehlbelastung. Zu den Risikofaktoren zählen:

  • Sich ständig wiederholende Bewegungsabläufe wie Tippen oder Mausklicks
  • Chronischer Stress
  • Hohe Arbeitsbelastung
  • Ungesunde Körperhaltung (gekrümmter Rücken, angespannter Nackenbereich, statische Haltearbeit)
  • Nicht ergonomischer Arbeitsplatz
  • Verringerte Wahrnehmung der Signale des eigenen Körpers
  • Veränderungen im Gehirn, die Schmerz aufrecht erhalten

Technologische Entwicklungen wie die Einführung von Computern, Handys und anderen elektronischen Kleingeräten haben die monotone Belastung der Arme und Hände verstärkt.

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Symptome

Typisch für einen Mausarm sind:

  • Missempfindungen
  • Muskelschwäche
  • Schmerzen in Hand, Arm, Schulter und Nacken
  • Taubheit oder Kribbeln in den Fingern und Handgelenken
  • Kältegefühl in den Händen und im Unterarm
  • Steife und schmerzende Finger
  • Koordinationsstörungen der Finger
  • Schwellungen der Gelenke des Arms und der Finger
  • Nackenschmerzen und Kopfschmerzen

Diagnose

Die Diagnose wird hauptsächlich auf Basis der Krankengeschichte (Anamnese) gestellt. Wichtig ist, dem Arzt alle Veränderungen zu schildern, die aufgefallen sind. Anschließend findet eine körperliche Untersuchung statt. Verschiedene Funktionstests geben zusätzliche Hinweise auf die Art der Erkrankung. In einem fortgeschrittenen Stadium wird häufig eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) durchgeführt. Bildgebende Verfahren geben keinen Hinweis auf einen Mausarm, da keine anatomischen Veränderungen nachweisbar sind.

Behandlung

Die Behandlung eines Mausarms umfasst verschiedene Maßnahmen:

  • Expositionsprophylaxe: Vermeidung der auslösenden Tätigkeit
  • Physikalische Therapiemaßnahmen: Wärme- und Kältebehandlungen, Gymnastik, Massagen, Bewegungsbäder, Wärmelampen
  • Medikamentöse Maßnahmen: Schmerzmittel, Kortison (nicht als Dauerlösung)
  • Psychotherapie: Vor allem bei chronischem RSI-Syndrom
  • Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes: Ergonomische Tastatur und Maus, regelmäßige Pausen, Übungen für Handgelenke, Finger, Schultern und Nacken
  • Zellbiologische Regulationstherapie (ZRT): Um die Selbstreinigung der extrazellulären Matrix im unterversorgten und verkrampften Gewebe zu unterstützen
  • Tiefenwärme: Um den Zellstoffwechsel und die Regeneration von unterversorgten und deregulierten Geweben zu fördern

Prognose

Die Prognose hängt in erster Linie vom Betroffenen selbst ab. Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung ist die Prognose meist gut. In einem chronischen Stadium ist die Behandlung schwieriger und die Aussicht auf Heilung deutlich schlechter.

Plexusparese (Plexuslähmung)

Die Plexusparese ist eine Schädigung des Plexus brachialis, des Nervengeflechts, das für die Steuerung des Arms und der Hand verantwortlich ist.

Ursachen

Eine Plexusparese entsteht durch eine Schädigung oder Verletzung des Plexus brachialis. Mögliche Ursachen sind:

  • Geburtstrauma: Durch starke Überdehnung oder Zug an der Schulter des Neugeborenen
  • Traumatische Verletzungen: Durch Stürze oder andere schwere Traumata

Symptome

Die Symptome variieren je nach Schwere und Lokalisation der Nervenverletzung und reichen von leichten Bewegungseinschränkungen bis hin zu einer kompletten Armlähmung.

Diagnose

Die Diagnose ist ein komplexer Prozess, der eine genaue Analyse der motorischen, sensorischen und reflektorischen Funktionen des betroffenen Arms erfordert. Dazu gehören:

  • Anamnese: Erhebung der Vorgeschichte
  • Neurologische Untersuchung
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektromyogramm (EMG) und Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG)

Behandlung

Die Wahl der Therapie hängt von der Ursache, dem Schweregrad und der betroffenen Nervenregion ab. Mögliche Behandlungen sind:

  • Physiotherapie: Ziel ist, Muskelabbau zu verhindern und die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten
  • Schmerzmanagement: Medikamente, physikalische Maßnahmen
  • Nervenrekonstruktion: Gesunde Nerven aus anderen Körperregionen werden mit den geschädigten Plexusnerven verbunden
  • Handorthesen: Können bei Funktionseinschränkungen eine wichtige Rolle spielen

Tremor (Zittern)

Ein Tremor ist eine unwillkürliche, rhythmische Muskelbewegung, die zu einem Zittern führt. Er tritt am häufigsten an Händen oder Armen auf, kann aber auch den Rumpf oder den Kopf betreffen.

Ursachen

Die Ursachen für Tremor sind vielfältig. Es gibt verschiedene Arten von Tremor, die unterschiedliche Ursachen haben:

  • Essentieller Tremor: Ein Zittern ohne erkennbare neurologische Grunderkrankung, oft familiär bedingt
  • Parkinson-Tremor: Ein Ruhetremor, der typisch für Parkinson-Patienten ist
  • Verstärkter physiologischer Tremor: Kann durch Stress, Angst, Müdigkeit, Koffein oder bestimmte Medikamente verursacht werden
  • Symptomatischer Tremor: Kann durch verschiedene Erkrankungen verursacht werden, wie z.B. Schilddrüsenüberfunktion, Kalziummangel, Unterzucker oder Vitamin-B12-Mangel

Symptome

Je nach Art des Tremors treten unterschiedliche Symptome auf:

  • Ruhetremor: Zittern in Ruhe, z.B. wenn die Hand auf einem Tisch liegt
  • Haltetremor: Zittern beim Halten einer Position, z.B. beim Halten eines Wasserglases
  • Bewegungstremor: Zittern bei bestimmten Bewegungen, z.B. beim Schreiben oder Klavierspielen
  • Intentionstremor: Zittern, das sich verstärkt, wenn das Ziel einer Bewegung erreicht oder "in greifbarer Nähe" ist

Diagnose

Um die Ursachen des Zitterns auf die Spur zu kommen, beobachtet der Arzt zunächst, ob es sich um einen Ruhe-, einen Halte- oder einen Bewegungstremor handelt. Dabei werden bestimmte Tätigkeiten ausgeführt. Weitere diagnostische Maßnahmen sind:

  • Schreibprobe: Um die Tremor-Form zu bestimmen
  • Laboruntersuchungen: Um zugrunde liegende Stoffwechselstörungen festzustellen

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des Tremors. Einige mögliche Behandlungen sind:

  • Medikamente: Zur Reduktion des Zitterns
  • Physiotherapie: Zur Verbesserung der Koordination und Muskelkraft
  • Ergotherapie: Um den Alltag besser bewältigen zu können
  • Tiefe Hirnstimulation (DBS): Bei schwerem Tremor, der nicht auf Medikamente anspricht

Upper Cross Syndrom (Nacken-Schulter-Arm-Syndrom)

Das Upper Cross Syndrom ist ein orthopädisches Beschwerdebild, das durch muskuläre Dysbalancen im Bereich von Nacken, Schultern und Brustkorb gekennzeichnet ist.

Ursachen

Die Ursache ist eine einseitige Belastung des Körpers sowohl im Alltag als auch im Sport. Insbesondere sitzende Tätigkeiten begünstigen die Entstehung des Syndroms. Durch die Arbeit vor dem Körper neigen wir zu Fehlhaltungen, indem die Schultern und Brustwirbelsäule eingerundet werden. Die Haltemuskulatur des Rückens wird so nicht gefordert und verkümmert, während die Muskulatur der vorderen Kette verkürzt.

Symptome

Typische Symptome sind:

  • Vorgezogene Schultern
  • Runder Rücken
  • Nach vorne geneigter Kopf
  • Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich
  • Schmerzen im Nacken, in den Schultern und im Arm

Diagnose

Die Diagnose wird in der Regel anhand der Körperhaltung und der muskulären Dysbalancen gestellt.

Behandlung

Die Behandlung umfasst:

  • Kräftigung der abgeschwächten Muskeln: Insbesondere der Haltemuskulatur im Rücken und Nacken
  • Dehnung der verkürzten Muskeln: Insbesondere der Brustmuskulatur und der vorderen Schultermuskulatur
  • Mobilisationsübungen: Um die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern
  • Anpassung der Körperhaltung im Alltag: Reduktion der Sitzzeiten, Steharbeitsplatz

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