Muskelzucken und Armzittern können vielfältige Ursachen haben. Oft sind sie harmlos und auf Stress, Schlafmangel oder Mineralstoffmangel zurückzuführen. In manchen Fällen können sie jedoch auch Anzeichen für ernsthaftere Erkrankungen sein, wie beispielsweise das Karpaltunnelsyndrom, das Kubitaltunnelsyndrom, Morbus Parkinson oder eine Radialisparese. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Armzucken, die diagnostischen Möglichkeiten und die entsprechenden Behandlungsansätze.
Muskelzucken: Harmlos oder Warnsignal?
Muskelzucken, auch als Faszikulationen bezeichnet, sind unwillkürliche, plötzliche Kontraktionen der Muskulatur. Sie können in unterschiedlicher Intensität auftreten und nahezu jeden Muskel im Körper betreffen. Besonders häufig sind Muskeln in den Extremitäten und im Gesicht betroffen. In den meisten Fällen ist Muskelzucken harmlos und wird durch Faktoren wie Mineralstoffmangel, Stress, übermäßigen Koffeinkonsum oder Schlafmangel verursacht. Mediziner sprechen in solchen Fällen von einem benignen Faszikulationssyndrom.
Allerdings kann Muskelzucken auch ein Symptom ernsthafterer Erkrankungen sein. Ein Warnsignal ist, wenn das Zucken vermehrt auftritt oder von anderen Symptomen begleitet wird. Beispielsweise kann bei Parkinson-Patienten ein Muskelzittern in Ruhe (Ruhe-Tremor) beobachtet werden. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) können sich durch Muskelzucken äußern.
Karpaltunnelsyndrom: Eingeklemmter Nerv am Handgelenk
Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch eine Einengung des Mittelarmnerven (Nervus medianus) im Karpaltunnel, einer anatomischen Engstelle auf der Innenseite des Handgelenks. Diese Einengung führt zu Handschmerzen, Taubheitsgefühl im Bereich von Daumen, Zeige- und Mittelfinger und kann in schweren Fällen Lähmungserscheinungen der Hand verursachen.
Ursachen und Symptome
Die Beschwerden beim Karpaltunnelsyndrom werden durch einen andauernden Druck auf den Nervus medianus ausgelöst. Im Karpaltunnel verlaufen neben dem Nerv auch die Sehnen der Fingerbeuger und des Daumenbeugers. Durch verschiedene Ursachen kann es im Karpaltunnel zu eng werden, beispielsweise durch Verdickung der Sehnenscheiden oder des Karpalbands (Ligamentum carpi transversum). Auch knöcherne Fehlstellungen nach einem Bruch der Hand können zu einer Einengung führen.
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Betroffene leiden unter Handschmerzen, Gefühlsstörungen und sogar Lähmungen im Bereich des Daumens, Zeige- und Mittelfingers. Zu Beginn der Erkrankung treten die Symptome oft nur zeitweise unter Belastung auf und verschwinden dann wieder. Betroffene verspüren oft ein Kribbeln in den Fingern, ähnlich wie bei "eingeschlafenen" Körperteilen. Je länger das Karpaltunnelsyndrom unbehandelt bleibt, desto mehr wächst die Gefahr einer dauerhaften Nervenschädigung. In späteren Krankheitsstadien nehmen die Schmerzen zu und treten auch in Ruhe auf (Ruheschmerzen). Dann kommt es zu Missempfindungen und Kraftverlust, wodurch alltägliche Tätigkeiten wie das Schließen eines Hosenknopfes oder das Drehen des Autolenkrads zur Herausforderung werden. Feinmotorische Aufgaben gestalten sich für Betroffene schwieriger und die Hand wird insgesamt ungeschickter. Das Nervenkompressionssyndrom kann in Einzelfällen sogar zu Lähmungen im Bereich der Hand und der Finger führen.
Diagnose
Die Diagnose des Karpaltunnelsyndroms erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und neurologischer Untersuchung. Bei der körperlichen Untersuchung kann der Arzt eine zurückgebildete Daumenballenmuskulatur feststellen. Der Phalen-Test, bei dem der Patient die Handinnenflächen und anschließend die Handrückseiten zusammenlegt, kann Gefühlsstörungen in den Fingern auslösen und somit auf ein Karpaltunnelsyndrom hindeuten.
Eine wichtige diagnostische Methode ist die Elektroneurografie (ENG), bei der die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen wird. Dabei werden Elektroden an zwei Hautstellen des Patienten geklebt, die vom Medianusnerv versorgt werden. Nun stimuliert der Arzt den Nerv mit einem schwachen elektrischen Impuls. Bei einer Druckschädigung des Nerven zeigt sich eine verminderte Nervenleitungsgeschwindigkeit im Vergleich zur normalen Nervenfunktion.
Behandlung
Die Behandlung des Karpaltunnelsyndroms erfolgt in der Regel zunächst konservativ. Physikalische Behandlungen mittels Kälte können Entzündungen des Nerven dämpfen und schmerzlindernd wirken. Auch Schienen (Orthesen), die das Handgelenk in einer neutralen Position ruhigstellen, entlasten den Nervus medianus. Diese Maßnahme hilft vor allem bei nächtlichen Schmerzen, indem der Druck auf das Handgelenk reduziert wird. Auch physiotherapeutische Maßnahmen wie Tapen, Koordinations- und Dehnungsübungen oder das Training mit einer Faszienrolle können die Beschwerden eines beginnenden Karpaltunnelsyndroms lindern.
Eine weitere konservative Therapiemöglichkeit ist die Infiltration des Karpaltunnels mit einem lokal wirkenden Schmerzmittel oder Kortison. Diese Maßnahme wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und abschwellend.
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Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Bei der Operation, einer sogenannten Neurolyse, entfernt der Arzt einengende Gewebestrukturen wie übermäßig gewachsenes Bindegewebe, um den Nerv zu entlasten. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung ambulant und kann entweder als offene Operation oder endoskopisch (minimalinvasiv) durchgeführt werden.
Kubitaltunnelsyndrom: Eingeklemmter Ellennerv am Ellenbogen
Das Kubitaltunnelsyndrom, auch als Sulcus-ulnaris-Syndrom (SUS) bezeichnet, entsteht durch eine Einengung des Ellennervs (Nervus ulnaris) auf Höhe des Ellenbogens. Diese Einengung führt zu Sensibilitätsstörungen und Bewegungseinschränkungen bis hin zu Lähmungen.
Ursachen und Symptome
Der Ellennerv verläuft an der Innenseite des Oberarms zum Ellbogenhöcker und von dort zu den Fingern. Anders als die meisten anderen Nerven im Körper liegt er oberflächennah und recht ungeschützt im Arm. Auf seinem Weg vom Rückenmark bis zur Hand muss der Ellennerv mehrere Engstellen passieren. Eine davon ist der Kubitaltunnel an der Innenseite des Ellenbogens. Dabei handelt es sich um eine knöcherne Rinne (Sulcus ulnaris), deren obere Seite durch ein festes Band aus Bindegewebe abgedeckt ist. Aus unterschiedlichen Ursachen kann dieses „Dach“ so straff werden, dass es den Nerv komprimiert.
Die Druckerhöhung führt zu den typischen Beschwerden des Kubitaltunnelsyndroms: Sensibilitätsstörungen und Bewegungseinschränkungen bis hin zu Lähmungen. Betroffene verspüren oft ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Bereich des kleinen Fingers und des Ringfingers. Auch Schmerzen im Ellenbogenbereich können auftreten.
Diagnose
Die Diagnose des Kubitaltunnelsyndroms erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und neurologischer Untersuchung. Bei der körperlichen Untersuchung kann der Arzt durch vorsichtiges Abklopfen der Innenseite des Ellenbogens feststellen, an welchen Stellen der Nerv klemmt.
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Eine wichtige diagnostische Methode ist die Elektroneurografie (ENG), bei der die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen wird.
Behandlung
Die Behandlung des Kubitaltunnelsyndroms erfolgt in der Regel zunächst konservativ. Dabei werden Maßnahmen ergriffen, um den Druck auf den Ellennerv zu reduzieren. Dazu gehören beispielsweise das Vermeiden von Tätigkeiten, die den Ellenbogen belasten, das Tragen einer Schiene, um den Ellenbogen ruhigzustellen, und physiotherapeutische Übungen, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Bei der Operation wird der Kubitaltunnel erweitert, um den Druck auf den Ellennerv zu reduzieren.
Radialisparese: Schädigung des Speichennervs
Die Radialisparese ist eine Lähmung des Speichennervs (Nervus radialis), der für die Streckung von Handgelenk und Fingern verantwortlich ist. Sie entsteht meist durch eine vorübergehende Einklemmung des Nervs, beispielsweise durch eine ungünstige Schlafposition oder durch Druck von außen.
Ursachen und Symptome
Der Radialisnerv verläuft vom Hals abwärts durch den Arm und in die Finger. In dem Nerv verlaufen sowohl Fasern, die Sinneseindrücke (sensorische Signale) vom Arm übertragen, als auch Fasern, die Informationen vom zentralen Nervensystem zur Muskulatur (motorische Signale) übertragen.
Eine Radialisparese kann auf unterschiedliche Weise entstehen. Meistens wird der Nerv im Arm eingeklemmt oder geschädigt, z.B. bei einer ungünstigen Schlafposition. An bestimmten anatomischen Lokalisationen ist das Risiko für eine Radialisschädigung erhöht. Im Bereich der Achselhöhle tritt sie häufiger bei Menschen auf, die Unterarm-Gehstützen benutzen, sich die Schulter ausgekugelt oder den Oberarm gebrochen haben. Im mittleren Drittel des Oberarms liegt der Nerv dem Knochen sehr eng an und ist besonders bei Knochenbrüchen gefährdet. Die sog. Schlaf- oder Parkbanklähmung tritt häufig im Tiefschlaf unter Alkoholeinwirkung auf, wenn Betroffene für längere Zeit auf dem Arm liegen oder ihn ungünstig auf der Bettkante auflegen. Eine andere Prädilektionsstelle ist der sog. Radialtunnel, wo der Nerv das Ellenbogengelenk überkreuzt. Auch im Bereich des Unterarms und des Handgelenkes kann der Nerv eingeklemmt werden, z. B. durch zu enge Armbänder oder auch Handschellen. Daher stammt auch die Bezeichnung des Syndroms als „Arrestantenlähmung" oder „Fesselungslähmung".
Ein typisches Symptom ist die sog. Fallhand: Handgelenk und Finger können nicht mehr gestreckt werden. Bei Schädigungen, die weiter oben am Arm lokalisiert sind, kann auch der Trizeps gelähmt sein, sodass keine Ellenbogenstreckung mehr möglich ist. Darüber hinaus ist eine Störung der Gefühlswahrnehmung im seitlichen Ober- und Unterarm sowie dem Handrücken (Daumen bis Mittelfinger) möglich. Einige Reflexe am Arm können abgeschwächt sein.
Diagnose
Die Diagnose der Radialisparese erfolgt in der Regel durch eine klinische Untersuchung. Manchmal ist die Diagnose dennoch schwierig, z. B. bei Schmerzen im Ellenbogen. In diesem Fall ist die Radialisparese nur schwer von einem Tennisarm zu unterscheiden. Bei Unsicherheit in Bezug auf die Diagnose oder bei einem schlechten Genesungsprozess ist möglicherweise eine MRT-Untersuchung des Arms zu empfehlen. In Ausnahmefällen können auch Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit und der Muskelfunktion erforderlich sein.
Behandlung
Die Radialisparese verschwindet normalerweise innerhalb weniger Wochen von selbst. Man bemerkt eine schrittweise Verbesserung der Funktion. In dieser Zeit kann das Tragen einer Schiene sinnvoll sein, die das Handgelenk leicht gestreckt hält, um die Anwendung der Hand zu erleichtern. In seltenen Fällen bleibt die Parese bestehen. Bei langanhaltenden Schmerzen, deren Ursache das Einklemmen des Nervs ist, z. B. im Bereich des Ellenbogens, kann ein operativer Eingriff nötig werden, um für eine Druckentlastung zu sorgen.
Schulter-Arm-Syndrom: Ausstrahlende Schmerzen
Das Schulter-Arm-Syndrom beschreibt einen ausstrahlenden Schmerz, welcher meist vom Nacken ausgeht und über die Schulter und den Ellenbogen teilweise bis zur Hand und in die Finger ausstrahlt. Die Ursache der Schmerzen kann unterschiedliche Gründe haben. Neben Verschleißerscheinungen in den Gelenken der oberen Extremität kommen meist muskuläre Verspannungen als Hauptursache der Beschwerden in Betracht. Diese können durch ungewöhnlich starke körperliche Belastungen auftreten. Viel häufiger beobachtet wird diese Erkrankung allerdings bei einseitigen und langen statischen Belastungen, wie zum Beispiel die sitzende Tätigkeit am Computer.
Ursachen und Symptome
Kommt es gleichzeitig zu Taubheitsgefühlen oder gar zu einer Schwäche des Armes muss differentialdiagnostisch auch an einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule mit Druck auf den Nerven (Radikulär-Syndrom) gedacht werden.
Diagnose
Da die Leiden sehr stark sind und die Ursache festgestellt werden sollte, empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung der Beschwerden, ggf. mit einer bildgebenden Diagnostik (Röntgen, MRT).
Behandlung
Im Vordergrund der Therapie steht die Schmerzlinderung durch Lockerung der Muskulatur. Hier hilft die Wärmetherapie, das Kinesiotaping und die manuelle Medizin (Chirotherapie). Bei starken Schmerzen können kurzfristig auch Schmerzmedikamente eingenommen werden.
Sollten Verschleißerscheinungen oder ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule verantwortlich für die Schmerzausstrahlung in den Arm bis in die Finger sein, können gezielte Einspritzungen mittels bildgebender Verfahren an der Halswirbelsäule, bzw. dem in seiner Funktion eingeschränkten Nerv die Beschwerden lindern. In schweren Fällen mit sehr starken Schmerzen und neurologischen Ausfällender oberen Extremität besteht die Möglichkeit einer OP mit Freilegung des eingeklemmten Nervs (Foraminotomie) oder des Ersatzes der betroffenen Bandscheibe (Implantation einer Bandscheibenprothese).
Im schmerzgelinderten Intervall stabilisiert sich die Genesung idealerweise durch die Verbesserung der Körperhaltung und der Kraftausdauer. Krankengymnastische Übungen und regelmäßige sportliche Aktivität (Yoga, Pilates, Schwimmen, Nordic Walking, Qigong, uvm.) werden empfohlen. Hierbei gilt die Regel, den Sport zu betreiben, welcher Spaß macht und welcher von den Beschwerden her möglich ist.
Tremor: Zittern als neurologisches Symptom
Muskelzittern kann auf eine Erkrankung der Nerven hindeuten - einen sogenannten Tremor. In der Neurologie gehört der Tremor zu den häufigsten Symptomen. Das Zittern kann in Ruhe oder in Bewegungen auftreten. Bei Morbus Parkinson zittern die Betroffenen vor allem in Ruhe. Sobald sie ihre Hand gebrauchen, zum Beispiel einen Stift halten, schreiben oder Klavier spielen, zittern sie kaum noch. Beim sogenannten Spiraltest zeichnen sie die Spirale allerdings oft kleiner als die Vorlage.
Ursachen und Symptome
Hinweise auf die Tremor-Ursachen gibt eine umfangreiche Diagnostik: Durch eine klinische Untersuchung, Blutuntersuchungen und Aufnahmen des Gehirns lassen sich viele Erkrankungen ausschließen. Bei einem essenziellen Tremor sind Hirnareale überaktiv, die für die Steuerung von Bewegungen zuständig sind. Die Ursachen sind unbekannt. Bei einem essenziellen Tremor sind immer zunächst die Hände betroffen, im weiteren Verlauf kann sich das Zittern auch auf den Kopf, die Stimme und die Beine ausbreiten. Menschen mit einem essenziellen Tremor können die Hände in Ruhe oft noch still im Schoß halten.
Behandlung
Es gibt keine zielgerichtete Therapie für den essenziellen Tremor, da die Ursache nicht bekannt ist. Verschiedene Medikamente können das Zittern aber vermindern oder unterdrücken, damit Betroffenen im Alltag weniger beeinträchtigt sind. Wer die Medikamente nicht verträgt und unter sehr starken Symptomen wie zitternder Stimme oder Kopfzittern leidet, kann von der sogenannten tiefen Hirnstimulation profitieren. Ein unter dem Schlüsselbein implantierter Impulsgeber wird über Kabel mit den Elektroden verbunden und gibt, ähnlich wie ein Herzschrittmacher, Impulse ab - und zwar an den sogenannten Thalamus. Die Hirnregion ist für die unbewusste Steuerung willkürlicher Bewegungen zuständig und auch für die Entstehung des Tremors verantwortlich.
Inzwischen gibt es in einigen Behandlungszentren ein neues Verfahren, das bei einem essenziellen Tremor helfen kann: Dabei werden aus mehreren Richtungen hochintensive Ultraschallwellen gebündelt und präzise gesteuert auf einen kleinen Punkt im Gehirn gerichtet, der für das Zittern mit verantwortlich ist. Durch die an diesem Punkt entstehende Hitze wird die Erregungsleitung unterbrochen und das Zittern verringert.
Rigor: Muskelsteifheit bei Morbus Parkinson
Der Rigor zählt, neben der Akinese und dem Tremor, zu den häufigsten motorischen Symptomen bei Morbus Parkinson und somit zu den sogenannten Parkinson-Trias. Ähnlich wie auch die Spastik beschreibt der Begriff den Kontrollverlust über ganze Muskelgruppen. Insbesondere im Anfangsstadium sind sie oft schwer voneinander abzugrenzen. Die Symptome des Rigors können auch als „Muskelsteifheit“ zusammengefasst werden. Die Anspannung von Streck- und Beugemuskeln der Gliedmaßen ist dauerhaft erhöht. Dadurch, dass diese beiden Gegenspieler gleichzeitig angespannt sind, wird die Ausführung von Bewegungen deutlich erschwert, was die Lebensqualität und Bewegungsfreiheit von Betroffenen stark einschränken kann. Typischerweise äußert sich der Rigor durch Missempfindungen und Schmerzen infolge von - durch die dauerhaft angespannten Muskeln - eingeklemmten Nerven.
Ursachen und Symptome
Morbus Parkinson ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der es zu einem Mangel an Dopamin kommt. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der Informationen vom Gehirn zum zentralen Nervensystem überträgt. Wenn die Informationsübertragung gestört ist, erhalten die Muskeln keine oder falsche Signale, was auf Dauer zu einer Muskelsteifheit führen kann. Beim Rigor sind sowohl Beuge- als auch Streckmuskeln betroffen, was zu einer typischen gebeugten Haltung führen kann.
Diagnose
Charakteristisch ist, dass die Symptome bei passiven Bewegungen zunehmen, also dann, wenn zum Beispiel ein Arm oder Bein des Betroffenen durch den Arzt oder die Ärztin ohne eigenes Zutun der Patientinnen und Patienten bewegt wird.
Das Zahnradphänomen ermöglicht als typisches Parkinson-Anzeichen eine Methode, um einen Rigor im fortgeschrittenen Stadium zu erkennen. Hierbei versuchen die Ärztinnen und Ärzte, den Arm der Patientinnen und Patienten zu bewegen, zum Beispiel an Ellenbogen oder Handgelenk. Durch den Rigor ist dies nur ruckartig und in kleinen Abständen möglich, als könnte die Bewegung jeweils nur bis zum Einrasten des Gelenks in der nächsten Kerbe eines imaginären Zahnrads ausgeführt werden.
Behandlung
Entscheidend für die Behandlung ist, dass die eigentliche Ursache identifiziert wird. Denn der Rigor kann auch bei anderen Erkrankungen als Morbus Parkinson auftreten. Zwar ist er nicht heilbar, jedoch kann eine zielgerichtete Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung die Symptome lindern. Neben Physio- und Ergotherapie können auch Medikamente zur Behandlung von Rigor und Spastik beitragen. Eine mögliche Behandlungsmethode ist das Injizieren von Botulinumtoxin, da es bei beiden Erkrankungen eine schnelle Wirkung zeigt und die Muskelanspannung reduziert.
Bei der Physiotherapie werden Bewegungen großräumig und schwungvoll durchgeführt, um die Beweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern. Dehnungsübungen vorab sind dabei wichtig. Eine weitere Möglichkeit der Physiotherapie ist die Vibrationstherapie, die auch zu Hause durchgeführt werden kann. Die Ergotherapie kann helfen, den Umgang mit Hilfsmitteln zu erlernen und somit die Selbstständigkeit zu erhalten. Auch eine medikamentöse Behandlung kann in Erwägung gezogen werden, um die Intensität des Rigors zu verringern und die Lebensqualität zu steigern. Wenn der Rigor eine Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten ist, sollten diese unter ärztlicher Begleitung abgesetzt werden.
Wann zum Arzt?
Treten Muskelzucken oder Armzittern häufiger auf oder werden sie von anderen Symptomen begleitet, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine entsprechende Behandlung einzuleiten. Besonders wichtig ist ein Arztbesuch bei heftigen Myoklonien, die mit schmerzhaften Krämpfen einhergehen, sowie bei Anzeichen für eine neurologische Erkrankung wie Parkinson oder ALS.
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