Arthrodese des Sprunggelenks: Nervenverletzungen, Schmerzen und Behandlungsmöglichkeiten

Die Arthrodese des Sprunggelenks ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem ein oder mehrere Gelenke im Fuß oder Sprunggelenk dauerhaft versteift werden. Diese Maßnahme wird in der Regel dann in Betracht gezogen, wenn konservative Behandlungsmethoden ausgeschöpft sind und weiterhin erhebliche Schmerzen und Funktionseinschränkungen bestehen. Obwohl die Arthrodese dazu beitragen kann, Schmerzen zu lindern und die Stabilität des Fußes zu verbessern, ist sie auch mit potenziellen Risiken und Komplikationen verbunden, darunter Nervenverletzungen und anhaltende Schmerzen.

Indikationen für eine Arthrodese des Sprunggelenks

Eine Arthrodese des Sprunggelenks kann bei verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen indiziert sein, darunter:

  • Arthrose: Fortgeschrittene Arthrose im Sprunggelenk, die durch Knorpelabbau und Knochenreiben gekennzeichnet ist, kann zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen.
  • Fehlstellungen: Schwere Fehlstellungen des Rückfußes, wie z.B. ein ausgeprägter Knick-Senkfuß, können durch eine Arthrodese korrigiert werden, um die Stabilität des Fußes wiederherzustellen.
  • Muskellähmungen: Muskellähmungen, die zu Instabilität und Fehlstellungen des Fußes führen, können durch eine Arthrodese stabilisiert werden.
  • Instabilitäten: Chronische Instabilitäten des Sprunggelenks, die trotz konservativer Behandlungsmethoden fortbestehen, können durch eine Arthrodese stabilisiert werden.
  • Traumatische Verletzungen: Nach schweren Verletzungen des Sprunggelenks, wie z.B. Trümmerbrüchen des Fersenbeins, kann eine Arthrodese erforderlich sein, um die Stabilität und Funktion des Fußes wiederherzustellen.

Arten der Arthrodese des Sprunggelenks

Es gibt verschiedene Arten der Arthrodese des Sprunggelenks, die je nach betroffenem Gelenk und Ausmaß der Erkrankung oder Verletzung angewendet werden können:

  • Double-Arthrodese: Bei der Double-Arthrodese werden zwei benachbarte Fußgelenke versteift, in der Regel das Talocalcanear-Gelenk (TCG) zwischen Sprungbein und Fersenbein sowie das Talonavicular-Gelenk (TNG) zwischen Sprungbein und Kahnbein. Dieser Eingriff wird häufig bei Patienten mit schwerer Arthrose oder Fehlstellungen des Rückfußes durchgeführt.
  • Triple-Arthrodese: Bei der Triple-Arthrodese werden alle drei Teilgelenke des unteren Sprunggelenks miteinander versteift: das Talocalcanear-Gelenk (TCG), das Talonavicular-Gelenk (TNG) und das Calcaneocuboidale Gelenk (CCG) zwischen Fersenbein und Würfelbein. Eine Triple-Arthrodese wird zur Korrektur erheblicher Fehlstellungen des Fußes, bei Muskellähmungen und bei Verschleiß durchgeführt.
  • Arthrodese des oberen Sprunggelenks (OSG): Bei dieser Operation wird das obere Sprunggelenk, das zwischen dem Sprungbein und den Unterschenkelknochen gebildet wird, versteift. Sie wird in der Regel bei fortgeschrittener Arthrose oder nach schweren Verletzungen des OSG durchgeführt.
  • Arthrodese des Mittelfußes: Bei der Arthrodese des Mittelfußes werden eines oder mehrere der zahlreichen Gelenke zwischen Vorfuß und Rückfuß versteift, insbesondere die Tarsometatarsalgelenke und die Naviculocuneiformgelenke. Dieser Eingriff wird häufig bei Arthrose oder Fehlstellungen im Mittelfußbereich durchgeführt.

Operationsverfahren

Unabhängig von der Art der Arthrodese des Sprunggelenks umfasst das Operationsverfahren in der Regel die folgenden Schritte:

  1. Zugang zum Gelenk: Der Fußchirurg verschafft sich über einen Hautschnitt Zugang zum betroffenen Gelenk.
  2. Knorpelentfernung: Der komplette Knorpel im Gelenk wird entfernt, um die Knochenflächen freizulegen.
  3. Knochenvorbereitung: Die Knochenflächen werden so vorbereitet, dass sie optimal zusammenpassen. Manchmal wird dafür ein Teil des Knochens entfernt oder geglättet.
  4. Fixierung: Die Knochen werden in der gewünschten Position fixiert, in der Regel mit Schrauben, Platten oder Klammern.
  5. Verschluss: Haut und Weichteile werden wieder vernäht und ein steriler Verband angelegt.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung nach einer Arthrodese des Sprunggelenks ist entscheidend für den Erfolg des Eingriffs. Sie umfasst in der Regel die folgenden Maßnahmen:

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  • Hochlagerung: In den ersten Tagen nach der Operation sollte der Fuß ständig hochgelagert werden, um Schwellungen zu verhindern.
  • Entlastung: Der operierte Fuß darf für mehrere Wochen nicht belastet werden. In dieser Zeit erfolgt die Fortbewegung mit Unterarmgehstützen.
  • Ruhigstellung: Um die Fußgelenke ruhigzustellen, wird der Patient in der Regel mit einem Walker oder einer Unterschenkelorthese versorgt.
  • Mobilisierung: Das obere Sprunggelenk muss sofort mobilisiert werden, um die Beweglichkeit zu erhalten. Allerdings sollte kein Krafttraining gegen Widerstand erfolgen.
  • Physiotherapie: Nach der Ruhigstellungsphase beginnt die Physiotherapie, um die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und das Gangbild zu schulen.
  • Thromboseprophylaxe: Nach der Operation besteht ein erhöhtes Thromboserisiko. Daher werden in der Regel Thrombosespritzen verabreicht, bis die Vollbelastung erreicht ist.

Mögliche Komplikationen

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff können auch bei einer Arthrodese des Sprunggelenks Komplikationen auftreten. Zu den häufigsten Komplikationen gehören:

  • Nervenverletzungen: Während der Operation können Nerven verletzt werden, was zu Taubheitsgefühl, Schmerzen oder Muskelschwäche im Fußbereich führen kann.
  • Wundheilungsstörungen: Es kann zu Wundheilungsstörungen, Nachblutungen, Hämatomen oder Wundinfektionen kommen.
  • Pseudarthrose: In einigen Fällen wachsen die Knochen nicht wie geplant zusammen, sodass ein Falschgelenk (Pseudarthrose) entsteht. Dies kann zu anhaltenden Schmerzen und Instabilität führen und eine weitere Operation erforderlich machen.
  • Thrombose: Nach der Operation besteht ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln in den Beinvenen (Thrombose).
  • Begleitarthrosen: Die Wahrscheinlichkeit von Begleitarthrosen in benachbarten Gelenken, vor allem dem oberen Sprunggelenk, ist vorhanden. Diese Nachbargelenke können zwar stets einen Teil der verlorengegangenen Beweglichkeit kompensieren, allerdings führt das langfristig zu untypischen Belastungen mit der Gefahr der Arthrose.
  • Komplikationen durch Implantate: Implantatversagen.

Nervenverletzungen bei der Arthrodese des Sprunggelenks

Nervenverletzungen sind eine gefürchtete Komplikation bei der Arthrodese des Sprunggelenks. Die Nerven, die den Fuß versorgen, verlaufen in unmittelbarer Nähe der Gelenke, die versteift werden, und können während der Operation verletzt werden. Die häufigsten Nervenverletzungen bei der Arthrodese des Sprunggelenks sind:

  • Nervus tibialis: Der Nervus tibialis ist ein großer Nerv, der durch den Tarsaltunnel hinter dem Innenknöchel verläuft und die Fußsohle versorgt. Eine Verletzung des Nervus tibialis kann zu Taubheitsgefühl, Schmerzen oder Muskelschwäche in der Fußsohle führen. Beim Tarsaltunnelsyndrom handelt es sich - ähnlich wie beim Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk - um eine Nerveneinklemmung, die durch erhöhten Druck verursacht wird. Betroffen ist in diesem Fall der Nervus tibialis (Schienbeinnerv), der durch den Tarsaltunnel im Bereich des Innenknöchels verläuft und die Fußsohle versorgt. Ursächlich sind meist Fußfehlstellungen wie der Knick-Senkfuß oder Verletzungen. Neben Schuheinlagen und Orthesen (Schienen) werden entzündungshemmende Medikamente und der Wirkstoff Kortison zur Behandlung eines Tarsaltunnelsyndroms eingesetzt. Der Druck auf den Tarsaltunnel beeinträchtigt nicht nur die nervöse Versorgung.
  • Nervus peroneus: Der Nervus peroneus verläuft an der Außenseite des Unterschenkels und versorgt die Muskeln, die den Fuß heben und nach außen drehen. Eine Verletzung des Nervus peroneus kann zu einem Fallfuß führen, bei dem der Fuß nicht mehr aktiv angehoben werden kann.
  • Nervus suralis: Der Nervus suralis verläuft an der Rückseite des Unterschenkels und versorgt die Haut an der Außenseite des Fußes und des Knöchels. Eine Verletzung des Nervus suralis kann zu Taubheitsgefühl oder Schmerzen in diesem Bereich führen.

Behandlung von Nervenverletzungen nach Arthrodese des Sprunggelenks

Die Behandlung von Nervenverletzungen nach einer Arthrodese des Sprunggelenks hängt von der Art und Schwere der Verletzung ab. In einigen Fällen können sich die Nerven von selbst erholen, insbesondere wenn die Verletzung nur geringfügig ist. In anderen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Nerv zu reparieren oder von Druck zu entlasten. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind:

  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Nervenblockaden: Nervenblockaden können helfen, die Schmerzen zu lindern und die Funktion des Nervs zu verbessern.
  • Schienen oder Orthesen: Schienen oder Orthesen können helfen, den Fuß zu stabilisieren und die Nerven zu entlasten.

Schmerzen nach Arthrodese des Sprunggelenks

Schmerzen sind eine häufige Beschwerde nach einer Arthrodese des Sprunggelenks. Die Schmerzen können verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Nervenverletzungen: Wie bereits erwähnt, können Nervenverletzungen während der Operation zu chronischen Schmerzen führen.
  • Pseudarthrose: Wenn die Knochen nicht wie geplant zusammenwachsen, kann dies zu anhaltenden Schmerzen und Instabilität führen.
  • Arthrose in benachbarten Gelenken: Die Versteifung eines Gelenks kann zu einer erhöhten Belastung der benachbarten Gelenke führen, was zu Arthrose und Schmerzen führen kann.
  • Narbenbildung: Narbenbildung im Bereich der Operation kann zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen.
  • Chronisches Schmerzsyndrom: In seltenen Fällen kann sich nach einer Arthrodese des Sprunggelenks ein chronisches Schmerzsyndrom entwickeln, bei dem die Schmerzen auch nach Abheilen der Operation fortbestehen.

Behandlung von Schmerzen nach Arthrodese des Sprunggelenks

Die Behandlung von Schmerzen nach einer Arthrodese des Sprunggelenks hängt von der Ursache der Schmerzen ab. Zu den häufigsten Behandlungsmöglichkeiten gehören:

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  • Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und die Schmerzen zu lindern.
  • Nervenblockaden: Nervenblockaden können helfen, die Schmerzen zu lindern und die Funktion des Nervs zu verbessern.
  • Akupunktur: Akupunktur kann helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Schmerzen zu beheben, z.B. um eine Pseudarthrose zu korrigieren oder Narbengewebe zu entfernen.
  • Psychologische Betreuung: Bei chronischen Schmerzen kann eine psychologische Betreuung helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

Kontraindikationen für eine Arthrodese des Sprunggelenks

Obwohl die Arthrodese des Sprunggelenks eine wirksame Behandlungsmethode für verschiedene Erkrankungen und Verletzungen sein kann, ist sie nicht für jeden Patienten geeignet. Zu den Kontraindikationen für eine Arthrodese des Sprunggelenks gehören:

  • Aktive Infektionen: Bakterielle Infektionen der Fußgelenke erhöhen die postoperative Komplikationsrate und stellen eine Kontraindikation dar.
  • Unzureichende Knochenqualität: Eine schlechte Knochenqualität kann die Stabilität der Fixierung beeinträchtigen und das Risiko einer Pseudarthrose erhöhen.
  • Unzureichende Durchblutung: Eine schlechte Durchblutung des Fußes kann die Wundheilung beeinträchtigen und das Risiko von Komplikationen erhöhen.
  • Bestehende Nervenschäden: Bei bereits bestehenden Nervenschäden kann eine Arthrodese die Symptome verschlimmern.
  • Konservative Behandlungsmöglichkeiten: Wenn weniger invasive Behandlungsmöglichkeiten eine gute Erfolgsaussicht bieten, sollten diese bevorzugt werden, bevor eine Arthrodese in Erwägung gezogen wird.
  • Isolierte Gelenkschädigung: Ist nur das Talonavicular- oder nur das Talocalcaneargelenk von einer Gelenkschädigung betroffen, ist eine Double-Arthrodese kontraindiziert. In diesem Fall sollte nur das Einzelgelenk versteift werden.

Alternativen zur Arthrodese des Sprunggelenks

Bevor eine Arthrodese des Sprunggelenks in Betracht gezogen wird, sollten alle konservativen Behandlungsmethoden ausgeschöpft werden. Zu den Alternativen zur Arthrodese des Sprunggelenks gehören:

  • Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und die Schmerzen zu lindern.
  • Einlagen und Schuhzurichtungen: Einlagen und Schuhzurichtungen können helfen, die Belastung des Fußes zu reduzieren und die Fußstellung zu korrigieren.
  • Injektionen: Injektionen mit Kortikosteroiden oder Hyaluronsäure können helfen, die Schmerzen zu lindern und die Entzündung zu reduzieren.
  • Arthroskopie: In frühen Stadien der Arthrose kann eine Arthroskopie helfen, Knorpel anzurauen, Gelenkflächen zu säubern oder Knochenauswüchse zu entfernen.
  • Umstellungsosteotomie: Bei Arthrose mit Achsabweichungen kann eine Umstellungsosteotomie helfen, die Belastung des Gelenks zu normalisieren.
  • Sprunggelenksprothese: Bei fortgeschrittener Arthrose mit noch erhaltener Beweglichkeit kann eine Sprunggelenksprothese eingesetzt werden, um die Funktion des Gelenks zu erhalten.

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