Arthrose und Sklerose: Ein Vergleich zweier unterschiedlicher Krankheitsbilder

Arthrose und Sklerose sind zwei unterschiedliche medizinische Begriffe, die oft verwechselt werden. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen Arthrose, einer Gelenkerkrankung, und verschiedenen Formen von Sklerose, wie Multipler Sklerose und Systemischer Sklerose (Sklerodermie). Ziel ist es, ein klares Verständnis der jeweiligen Krankheitsbilder, ihrer Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten zu vermitteln.

Was ist Arthrose?

Arthrose ist eine Erkrankung des Gelenkes, bei der Knorpel, gelenknaher Knochen und die Gelenkkapsel verändert werden. Dies führt zu belastungsabhängigen Schmerzen. Arthrose ist die weltweit häufigste Gelenkerkrankung. Rund 17 % aller Männer und 27 % aller Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an Arthrose, vorwiegend in den Hüft- und Kniegelenken.

Ursachen und Risikofaktoren

Arthrose entsteht oft durch Verschleiß, also durch zu einseitige oder zu starke Belastung von Gelenken. Auch erbliche Faktoren, die Ernährung und der Lebensstil beeinflussen das Arthrose-Risiko. Übergewicht belastet neben dem Herz und dem Kreislaufsystem vor allem die Gelenke, insbesondere das Kniegelenk. Wer zu viele Kilos auf die Waage bringt, erhöht sein Risiko deutlich, bereits im mittleren Alter an Arthrose zu erkranken. Neben dem Alter zählen überschüssige Kilos zu den maßgeblichen Risikofaktoren für Arthrose.

Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Arthrose:

  • Primäre Arthrose: Tritt in Folge von Gelenkverschleiß ohne besonderes Einzelereignis auf.
  • Sekundäre Arthrose: Wird durch andere Krankheiten oder Verletzungen ausgelöst, wie zum Beispiel Bänderrisse, Knochenbrüche oder angeborene Fehlstellungen.

Symptome

Die Hauptsymptome der Arthrose sind Schmerzen, Steifheit, Blockierungsphänomene und zunehmende funktionelle Einschränkungen. Drei Faktoren werden von Patienten als störend empfunden: Schmerz, Bewegungseinschränkung und Blockierungsphänomene. Klassische Arthrose-Symptome sind Schmerzen im betroffenen Gelenk. Im späteren Verlauf sind Einschränkungen der Beweglichkeit und Schmerzen jedoch unvermeidlich.

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Diagnose

Die Diagnose wird grundsätzlich anamnestisch, klinisch und röntgenologisch gestellt. Neben der Anamnese und Klinik ist die röntgenologische Untersuchung fester Teil des diagnostischen Algorithmus bei klinischem Verdacht auf Arthrose. Die deskriptive radiologische Beurteilung sollte nach Kellgren und Lawrence erfolgen:

  • Stadium 1: Geringe Gelenkspaltverschmälerung, spitzzipflige Ausziehung der Eminentia interkondylaris
  • Stadium 2: Osteophyten, Gelenkspaltverschmälerung, aber nicht mehr als 50 %
  • Stadium 3: Gelenkspaltverschmälerung mehr als 50 %, Gelenkspalt aber noch erhalten. Osteophythen
  • Stadium 4: Kompletter Aufbrauch des Gelenkspaltes

Auffällig ist oft eine Diskrepanz zwischen radiologischem Befund und Klinik. Patienten mit fortgeschrittenen radiologischen Veränderungen können nur milde oder gar keine Symptome haben, wogegen Patienten mit diskreten Befunden oft über starke Schmerzen klagen.

Behandlung

Arthrose ist nicht heilbar, da die Medizin keinen Weg kennt, zerstörte Knorpel wiederherzustellen. Ziel der Behandlung ist es, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Konservative Behandlung:

  • Schmerztherapie: NSAR (z.B. Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen) wirken schmerzlindernd und antiphlogistisch. Die topische Applikation von NSAR (Salben) sollte vor der oralen Anwendung stehen.
  • Physiotherapie: Zur Verbesserung von Beweglichkeit und Kraft.
  • Orthopädietechnik: Schuhzurichtungen wie Pufferabsatz, Absatzverbreiterungen, Fußbettungen oder Abrollhilfen werden, wenn korrekt verordnet und kontrolliert, von Patienten mit schmerzhaft eingeschränkter Beweglichkeit im Fuß- und Sprunggelenkbereich sehr geschätzt.
  • Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht.
  • Bewegung: Alle Bewegungen, die unter geringen Schmerzen möglich sind, sollten Sie ausüben, solange es geht. Wird die Arthrose schlimmer, sollten Sie auf ganz besonders gelenkschonende Bewegungsabläufe umsteigen. Mindestens drei Trainingseinheiten pro Woche.

Operative Behandlung:

  • Arthroskopie: Bei akuten Behandlungsbedarf wird durch einen kleinen Schnitt eine Kamera ins Gelenk eingeführt, um den Gelenkschaden direkt zu sehen und zu behandeln.
  • Gelenkkorrektur (Umstellungsosteotomie): Diese Methode kann sinnvoll sein, wenn die Arthrose durch eine Fehlstellung entstanden ist.
  • Gelenkimplantation (Endoprothese): Wenn das Gelenk gar nicht mehr zu retten ist, kann ein künstliches Gelenk (Prothese) Sie dauerhaft von großen Schmerzen erlösen. Dabei gibt es Teilkunstgelenke und Vollkunstgelenke.
  • Gelenkversteifung (Arthrodese): In einigen Fällen sind Implantate nicht möglich.

Multiple Sklerose (MS)

Multiple Sklerose (MS) betrifft das zentrale Nervensystem und kann weitreichende Auswirkungen auf die körperlichen und kognitiven Fähigkeiten haben. MS ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Myelinscheide der Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark angreift.

Ursachen

Die genaue Ursache von MS ist unbekannt. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren und Umweltfaktoren eine Rolle spielen.

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Symptome

MS kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, die von Person zu Person unterschiedlich sein können. Häufige Symptome sind:

  • Fatigue
  • Kognitive Probleme
  • Depressionen
  • Angst
  • Neuropathische Schmerzen (impulsartig, stechend, elektrisierend)
  • Spastik
  • Sehstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Sensibilitätsstörungen

Kognitive Symptome der MS werden in der ärztlichen Praxis häufig unterschätzt oder bleiben unerkannt; für die Betroffenen haben sie jedoch eine hohe Relevanz.

Diagnose

Die Diagnose von MS basiert auf einer neurologischen Untersuchung, MRT-Aufnahmen des Gehirns und Rückenmarks sowie Liquoruntersuchungen.

Behandlung

Die Behandlung von MS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Schubfrequenz zu reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Medikamentöse Therapie:

  • Immunmodulatoren: Interferon-beta, Glatirameracetat, Teriflunomid
  • Immunsuppressiva: Natalizumab, Fingolimod, Ocrelizumab, Cladribin

Symptomatische Therapie:

  • Schmerzmittel: Gegen neuropathische Schmerzen
  • Muskelrelaxantien: Gegen Spastik
  • Antidepressiva: Gegen Depressionen

Weitere Therapien:

  • Physiotherapie: Zur Verbesserung der Beweglichkeit und Kraft
  • Ergotherapie: Zur Verbesserung der Alltagsaktivitäten
  • Psychotherapie: Zur Bewältigung der psychischen Belastung

MS und Rheumatoide Arthritis (RA)

Die gleichzeitige Diagnose von Multipler Sklerose (MS) und rheumatoider Arthritis (RA) stellt in der klinischen Praxis eine therapeutische Herausforderung dar. Pathophysiologisch teilen sich MS und RA einige Gemeinsamkeiten: Beide Erkrankungen zeigen eine Beteiligung von CD4+ T-Zellen (insbesondere Th1- und Th17-Subtypen) und eine zentrale Rolle von B-Zellen. Auch genetische Risikofaktoren - etwa bestimmte HLA-DRB1-Allele - überschneiden sich.

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Für Patienten mit MS und RA kommen vor allem Teriflunomid und Anti-CD20-Antikörper infrage. Besonders kritisch sind TNFα-Inhibitoren, die bei RA sehr effektiv sind, in MS jedoch Krankheitsschübe auslösen können - sie gelten daher bei MS als kontraindiziert.

Systemische Sklerose (Sklerodermie)

Die Systemische Sklerose (Sklerodermie) ist eine seltene Erkrankung, die zu den klassischen immunologischen Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) zählt. Im Vordergrund steht die Verdickung und Verhärtung der Haut mit Vermehrung des Bindegewebes und eine Gefäßentzündung, von der weitere Organe wie die Lungen, der Verdauungstrakt und die Nieren betroffen sein können.

Ursachen

Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt. Das Immunsystem arbeitet fehlerhaft und stimuliert die Fibroblasten, Zellen, die Bindegewebsfasern bilden. Zusätzlich wird das Endothel, die Innenschicht der Gefäße, geschädigt.

Symptome

Die typische Hautbeteiligung fängt meist an den Händen mit diffuser Schwellung, manchmal bläulicher Verfärbung, Hautverdickung und dem Gefühl eines zu engen Handschuhs an. Die Haut wird straffer, Hautfältelungen lassen sich schwer abheben. Oft ist auch das Gesicht betroffen. Dort kann die Hautverdickung die Mimik einschränken. Zudem können im Gesicht und im Dekolleté Teleangiektasien, kleine rot scheinende harmlose Gefäßchen, erscheinen. Auch eine verminderte Mundöffnung und Verkürzung des Zungenbändchens wird beobachtet. Prinzipiell können die Veränderungen überall an der Haut auftreten.

An den Gefäßen beginnt die Erkrankung in den allermeisten Fällen mit einem Raynaud-Syndrom. Es handelt sich um durch Kälte oder auch Stress angeregte Verkrampfungen von Blutgefäßen, die zu einer bläulichen oder weißen Verfärbung einzelner Finger führen. Wenn sich die Gefäße unter Schmerzen wieder öffnen, können sie rot sein. Manche Patienten bekommen an den Fingerspitzen oder Zehen kleine Geschwüre, digitale Ulzera.

Neben der Haut ist die Lunge das zweithäufigst betroffene Organ. Die häufigsten Lungenkrankheiten bei SSc sind eine Lungenfibrose (Vermehrung von Bindegewebe in der Lunge), ein pulmonal arterieller Hochdruck (Der Blutdruck im Lungenkreislauf steigt und kann eine Schädigung des Herzens zur Folge haben), Atemnot und Husten.

Diagnose

Wegweisend sind die Symptome an der Haut, oft verbunden mit der Raynaud-Symptomatik. Im Labor lässt sich häufig eine Erhöhung der Blutsenkung und des CRP nachweisen. Fast alle Betroffenen weisen erhöhte Kernantikörper (ANA) auf. Typisch ist der Nachweis von speziellen Antikörpern, den Anti-Scl-70 (Anti-Topoisomerase-I-) oder den Anti-Zentromer-Antikörpern, der aber nicht bei allen Betroffenen gelingt. Laborwerte weisen auch auf Organbeteiligung hin, zum Beispiel veränderte Nierenwerte oder Muskelenzyme. Eine Lungenbeteiligung ist am besten durch CT nachweisbar.

Behandlung

Die Therapie der SSc richtet sich in erster Linie nach den betroffenen Organen. Eine Therapie der gesamten Erkrankung gibt es leider noch nicht. In hochaktiven frühen Fällen können Medikamente, die das Immunsystem modulieren beziehungsweise supprimieren (zum Beispiel Methotrexat MTX), versucht werden.

Allgemeine Maßnahmen:

  • Hautpflege, sorgsame Behandlungen von Hautverletzungen, Nikotinabstinenz, CO² -Bäder, regelmäßige Bewegungstherapie, auch Ergotherapie, Lymphdrainage und leichte Massagen.
  • Augen und Schleimhäute: regelmäßig mit entsprechenden Präparaten befeuchten
  • Raynaud-Syndrom und Gefäßentzündungen: Blutgefäß erweiternde Substanzen

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