Darm-Nervensystem-Triggerpunkte: Ein umfassender Leitfaden zur Verbindung zwischen Darm und Gehirn

Hast du dich jemals gefragt, wie Stress dein Verdauungssystem beeinflusst oder wie sich dein Bauchgefühl auf deine Stimmung auswirkt? Die Antwort liegt in der komplexen Verbindung zwischen deinem Darm und deinem Gehirn, die als Darm-Hirn-Achse bekannt ist. Diese bidirektionale Kommunikationsstraße spielt eine entscheidende Rolle für deine körperliche und geistige Gesundheit. Dieser Artikel beleuchtet die Darm-Hirn-Achse, Triggerpunkte im Darmbereich und ihre Auswirkungen auf dein Wohlbefinden.

Die Darm-Hirn-Achse: Eine bidirektionale Kommunikationsstraße

Die Darm-Hirn-Achse ist wie eine Autobahn der Kommunikation zwischen deinem Bauch und deinem Kopf. Sie besteht aus Nerven, Hormonen und chemischen Botenstoffen, die in beide Richtungen Signale senden. Das bedeutet, dein Darm "redet" mit deinem Gehirn und umgekehrt. So hat dein Darm einen direkten Einfluss auf deine Emotionen, deine Stimmung und sogar dein Stresslevel. Er spielt eine wichtige Rolle dabei, wie du dich fühlst, und kann auch dein Risiko für Depressionen beeinflussen. Gleichzeitig steuert dein Gehirn viele der Vorgänge, die in deinem Darm ablaufen - eine echte Teamarbeit also.

Ein besonders wichtiger Vermittler in dieser Kommunikation ist der Vagusnerv. Der Vagusnerv ist der längste Nerv im menschlichen Körper und verläuft vom Gehirn bis in den Bauchraum. Sein Name „Vagus“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „umherschweifend“, was gut zu seinen zahlreichen Verzweigungen und Verbindungen zu verschiedenen Organen und Systemen passt: er ist mit fast allen inneren Organen verbunden. Außerdem ist er ein wesentlicher Bestandteil des parasympathischen Nervensystems, das für die Funktionen Ruhe und Verdauung verantwortlich ist. Ein starker Vagusnerv unterstützt die Erholung nach Stress und fördert unseren Kreislauf sowie unser Immunsystem. Unter anderem wird so das Sättigungsgefühl und der Blutzuckerspiegel während der Nahrungsaufnahme reguliert.

Forschende haben die Aufgabenverteilung der Nervenzellen im Vagusnerv genauer untersucht und festgestellt, dass, obwohl die Nervenzellen aus derselben Schaltzentrale stammen, sie unterschiedliche Regionen im Körper ansteuern und dabei gegensätzliche Funktionen bei der Regulation des Sättigungsgefühls und des Blutzuckerspiegels übernehmen. Manche dieser Nervenzellen reagieren auf mechanische Reize der Organe, wie die Ausdehnung des Magens, während andere chemische Signale, also Substanzen aus unserer Nahrung, wahrnehmen. So erkennen unsere Organe nicht nur, wieviel wir essen und wann wir satt sind, sondern auch, was wir essen.

Das Mikrobiom: Ein Universum im Darm

Aber das ist noch nicht alles: Ein großer Teil deines Immunsystems sitzt ebenfalls im Darm. Hier wird entschieden, wie dein Körper auf potenzielle Eindringlinge reagiert. Im Darm steckt ein kleines Universum: das Mikrobiom. Billionen von Mikroorganismen - die sogenannten Darmbakterien - leben dort und leisten beeindruckende Arbeit. Sie unterstützen nicht nur die Verdauung, sondern beeinflussen auch die Stimmung, das Immunsystem und sogar das Gehirn. Etwa 90 % des Serotonins, also des "Glückshormons", werden im Darm produziert. Kein Wunder also, dass ein gesunder Darm auch zu einem glücklichen Geist beiträgt.

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Die Darmschleimhaut übernimmt außerdem eine wichtige Schutzfunktion, indem sie uns vor schädlichen Stoffen bewahrt. Wenn diese Barriere jedoch gestört ist - ein Zustand, der als "Leaky Gut" bekannt ist - können entzündliche Prozesse ausgelöst werden, die sich bis in dein Gehirn auswirken können. Es lohnt sich, etwas Pflege in unsere Darmschleimhaut zu stecken. Forscher haben in den letzten Jahren mehr und mehr spannende Zusammenhänge zwischen Darm und Psyche entdeckt. Beispielsweise zeigen Studien, dass Menschen mit Depressionen oft auch eine gestörte Darmflora haben. Eine gesunde Ernährung, die den Darm unterstützt, kann helfen, depressive Symptome zu lindern. So könnte eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und probiotischen Lebensmitteln eine positive Wirkung auf die Psyche haben. Das liegt daran, dass diese Lebensmittel die Darmbakterien nähren, die für die Produktion von Neurotransmittern wie Serotonin wichtig sind.

Stress und der Darm: Ein Teufelskreis

Kennst du das Gefühl, dass sich dir bei Stress der Magen zusammenzieht? Das ist kein Zufall. Stress hat einen direkten Einfluss auf die Darm-Hirn-Achse. Er kann zum Beispiel:

  • Die Beweglichkeit des Darms beeinflussen (Stichwort: Durchfall oder Verstopfung)
  • Die Barrierefunktion der Darmschleimhaut schwächen
  • Entzündungen fördern, die sich auf deine gesamte Gesundheit auswirken können.

Außerdem kann Stress Histamin freisetzen! Für Menschen mit Histaminintoleranz ist ein funktionierender Darm besonders wichtig. Der Grund? Der Darm ist der Hauptort, an dem Histamin abgebaut wird. Wenn die Darmgesundheit beeinträchtigt ist, kann es zu einer verstärkten Ansammlung von Histamin im Körper kommen, was wiederum die typischen Symptome einer Histaminintoleranz verstärkt. Studien zeigen, dass Stress die Histaminproduktion ankurbeln kann. Das verschärft die Symptome und führt zu einem Teufelskreis: Mehr Stress = mehr Histamin = mehr Beschwerden.

Bei Stress schüttet der Körper das Hormon Cortisol aus, welches das Nervensystem aktiviert und die Hypothalamus-Hypophysen-Achse stimuliert. Dadurch wird der Kampf-oder-Flucht-Modus ausgelöst, der zahlreiche Prozesse in Gang setzt. Der Körper spart Energie, indem er nicht lebensnotwendige Funktionen wie Verdauung, Heilung und Entgiftung herunterfährt. Zellen nehmen keine Nährstoffe, Sauerstoff oder Mineralstoffe mehr auf und geben keine Abbauprodukte ab. Das entstehende Zellmilieu wird toxisch und blockiert Wachstum sowie Reparaturprozesse. Neurotransmitter wie Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin werden freigesetzt, um die Sinne zu schärfen und den Alarmzustand aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig wird das Immunsystem aktiviert, was die Mastzellen zur Ausschüttung von Histamin anregt. Dieses verstärkt den Alarmzustand, indem es sich an Nervenzellenrezeptoren bindet. Der Puls steigt, die Blutgefäße weiten sich, und es wird weiteres Adrenalin ausgeschüttet. Stress führt so zu einem Kreislauf, der noch mehr Stress und Histamin verursacht.

Der Kampf-oder-Flucht-Modus, der in Gefahrensituationen lebensrettend sein kann, wird problematisch, wenn er dauerhaft aktiv bleibt. Dieser physiologische Stress sorgt für eine ständige Histaminausschüttung, die Organsysteme belastet, vor allem das Immunsystem. Ist das „Stressfass“ überfüllt, bricht das schwächste Glied des Körpers - sei es Darm, Haut, Herz oder Psyche - und Krankheiten wie Histaminintoleranz, Allergien oder andere Beschwerden können entstehen. Studien zeigen, dass dieser Zustand oft durch unbewusste Erinnerungen ausgelöst wird. Erinnerungen sind nicht nur im Gehirn, sondern in allen Zellen gespeichert. Rund 90 % dieser Erinnerungen sind unbewusst und können in bestimmten Situationen automatisch das Nervensystem aktivieren. In diesem Moment übernimmt der reaktive Verstand die Kontrolle und schaltet das logische Denken aus, ohne dass dies bewusst gesteuert werden kann. Der Zustand deines Darms spiegelt sich über die Darm-Hirn-Achse somit auch in deiner psychischen Gesundheit wieder. So ist es auch kein Wunder, dass umgekehrt unsere Ernährung einen Einfluss auf unsere Stimmung haben kann - denn die Darm-Hirn-Achse ist keine Einbahnstraße!

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Triggerpunkte im Bauch: Ursachen, Symptome und Behandlung

Hast du schon mal diesen stechenden Schmerz in deinem Bauchbereich verspürt und dich gewundert, was wohl der Auslöser dafür ist? Der Grund könnte in sogenannten myofaszialen Triggerpunkten des Bauches liegen - Knoten in deinem Muskelgewebe, die auf Druck mit Schmerzen reagieren. Stell dir Triggerpunkte als empfindliche Knötchen in deinem Muskelgewebe vor, die du als schmerzhaft wahrnimmst, sobald Druck darauf ausgeübt wird. Oftmals entstehen Triggerpunkte in Körperbereichen, die du stark beanspruchst oder in denen du eine Verletzung erlitten hast.

Der Bereich in deinem Ober- und Unterbauch beherbergt ein komplexes Muskelnetzwerk, das eine wesentliche Rolle für die Stabilität und Flexibilität deines Körpers sowie für die Atmung spielt. Im Zentrum dieses Netzwerks liegt der Musculus rectus abdominis, auch bekannt als „gerader Bauchmuskel“. Auf beiden Seiten des Rectus abdominis befinden sich die schrägen Bauchmuskeln (Obliquen), die der Dehnung und Neigung deines Oberkörpers dienen. Tief unter den schrägen Bauchmuskeln verläuft quer der Musculus transversus abdominis.

Die Bauchmuskulatur ist an unzähligen Bewegungen deines Körpers beteiligt. Entsprechend vielfältig zeigen sich die durch Triggerpunkte im Bauch hervorgerufenen Symptome: Zu den typischen Beschwerden gehören zum Beispiel Schmerzen im Unterbauch und Rücken, Bauchschmerzen „wie Muskelkater“ oder Schmerzen in Leiste und Hüften. Triggerpunkte im Bauch können auch zu Beschwerden führen, die nicht offensichtlich mit der jeweiligen Verknotung in Verbindung stehen. Der Grund dafür liegt in der sogenannten „Schmerzübertragung“: Dabei treten die durch einen bestimmten Triggerpunkt ausgelösten Schmerzen nicht an diesem spezifischen Punkt auf, sondern betreffen benachbarte Muskeln, Gelenke oder Sehnen. Übertragene Schmerzen von Triggerpunkten im Bauch können dadurch Ähnlichkeiten mit Symptomen von Geschwüren oder Gallensteinen aufweisen.

Triggerpunkte im Bauch können aus unterschiedlichen Gründen vorkommen. Außerdem kann deine Bauchmuskulatur durch übermäßige Beanspruchung in Mitleidenschaft gezogen werden. Wiederkehrende Bewegungen wie das Anheben schwerer Gegenstände oder intensive Trainingseinheiten belasten die Muskulatur zusätzlich. Auch Krankheit kann Triggerpunkte im Rectus abdominis verursachen. All diese Beispiele können enormen Stress auf deine Muskeln und deinen Geist ausüben.

Selbstbehandlung von Triggerpunkten im Bauch

Obwohl Triggerpunkte im Bauch ganz schön hartnäckig sein können, gibt es einige Tipps, mit denen du den Ursachen und Begleiterscheinungen in der Regel einfach entgegenwirken kannst:

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  • Bauchatmung: Diese Übung hilft dir dabei, deine Muskeln zu entspannen und Beschwerden durch Triggerpunkte im Bauch zu lindern. Lege dich flach auf den Rücken und positioniere eine Hand auf deinem Bauch. Atme tief ein und konzentriere dich darauf, den Atem in den Bauch zu lenken, sodass deine Hand sich anhebt.
  • Sanfte Bauchmassage: Lege dich auf den Rücken und beginne, deine Bauchmuskulatur mit sanften, kreisenden Bewegungen zu massieren. Beginne in der Mitte des Bauches und arbeite dich langsam zu den Seiten hin. Es ist essenziell, Schmerzen des Rectus abdominis von Schmerzen der darunter liegenden Eingeweide zu unterscheiden. In jedem Fall ist es sinnvoll, bei Schmerzen im Bauchraum deinen Arzt aufzusuchen. Zudem solltest du dich hier nur massieren, wenn du weißt, was du tust. Triggerpunkte im Rectus abdominis massierst du am besten mit deinen Händen.
  • Dehnung der Bauchmuskulatur: Diese Dehnungsübung ist besonders effektiv und kann dazu beitragen, Triggerpunkte im Bauch zu lösen. Begib dich dazu in eine flache Rückenlage und falte deine Hände hinter dem Kopf zusammen. Hebe nun vorsichtig deinen Oberkörper und halte diese Stellung für einige Sekunden, bevor du wieder loslässt.
  • Massagetherapie: Eine der wirksamsten Strategien gegen Triggerpunkte im Bauch ist die Massagetherapie.
  • Akupressurmatte: Auch deine Akupressurmatte eignet sich als wertvolles Hilfsmittel - denn sie fördert die Durchblutung und kann zur allgemeinen Entspannung der Muskeln in deinem Bauchraum beitragen. Sitzungen auf deiner Akupressurmatte und regelmäßiges Bauchtraining unterstützen dich dabei, Triggerpunkte im Bauch loszuwerden und ihnen vorzubeugen.
  • Kräftigungsübungen: Mit den richtigen Kräftigungsübungen werden all diese Muskeln stärker und belastbarer. Das heißt, dass sie nicht mehr so schnell überlasten. Die Selbstmassage ist wunderbar und der einzige Weg Triggerpunkte selbst zu lösen, aber sie hat ihre Grenzen. Um deine Schmerzen ganz und nachhaltig zu lösen, empfehle ich zusätzlich, für deine Beschwerden passende Dehn- und Kräftigungsübungen auszuführen. So behandelst du auch noch weitere Schmerzauslöser in der Muskulatur und beugst der erneuten Entstehung von Triggerpunkten im Rectus abdominis und allen anderen Muskeln vor. Konzentriere dich in einem ersten Schritt auf die Selbstmassage des Rectus abdominis und mache dich damit vertraut. Lege dich dazu auf den Boden.

Reizdarmsyndrom (RDS): Wenn der Darm verrücktspielt

Kennst du das Gefühl, wenn dein Bauch ständig verrücktspielt? Mal Blähungen, mal Durchfall, dann wieder Verstopfung - und das alles ohne erkennbaren Grund? Dann könnte es sein, dass du unter dem sogenannten Reizdarmsyndrom (RDS) leidest. Millionen von Menschen sind von der funktionellen Störung betroffen, und auch wenn es manchmal unangenehm sein kann, gibt es viele Wege, den Darm wieder in Balance zu bringen.

Das Reizdarmsyndrom (RDS) gehört zu den funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen, die den Verdauungstrakt beeinflussen, ohne dass eine strukturelle oder organische Ursache nachweisbar ist. Bei Menschen, die unter RDS leiden, sind die Darmwand und die Darmnerven äußerst empfindlich. Bei auftretenden Symptomen nehmen diese Menschen zum Beispiel Reize wahr, die andere noch gar nicht spüren. Der Begriff Reizdarm wird oft umgangssprachlich verwendet, während Reizdarmsyndrom die medizinische Bezeichnung ist. In beiden Fällen handelt es sich um dieselbe Darmerkrankung, die durch funktionelle Störungen im Verdauungstrakt gekennzeichnet ist. Wenn man von „Syndrom“ spricht, betont man damit die Vielzahl der Symptome und Ausprägungen.

Symptome des Reizdarmsyndroms

Das Reizdarmsyndrom äußert sich bei betroffenen Menschen sehr unterschiedlich, was es manchmal schwer macht, es eindeutig zu erkennen. Häufige Symptome sind:

  • Krämpfe
  • Bauchschmerzen
  • Ein sichtbarer Blähbauch
  • Blähungen
  • Durchfall und/oder Verstopfung

Es kann auch zu allgemeinem Unwohlsein, Müdigkeit und sogar Rückenschmerzen kommen. Jeder Reizdarm ist anders. Sollten die Symptome bei dir länger anhalten, solltest du einen Arzt aufsuchen, um durch verschiedene Tests und Untersuchungen andere Erkrankungen auszuschließen und die Diagnose Reizdarmsyndrom zu bekommen.

Ursachen und Risikofaktoren

Was genau das Reizdarmsyndrom hervorruft, weiß man bis heute nicht genau. Es ist jedoch allgemein anerkannt, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Darmgesundheit und Psyche gibt. Dieser ist auf die so genannte Darm-Hirn-Achse zurückzuführen. Mögliche Ursachen sind überempfindliche Nerven im Darm oder im Immunsystem. Auch die Ernährung kann eine Rolle spielen. Besonders Nahrungsmittel, die den Darm zu schnell oder zu langsam passieren, rufen Beschwerden hervor. Ein weiterer Faktor ist Stress oder eine familiäre Vorbelastung.

Unter bestimmten Bedingungen kommt das Reizdarmsyndrom häufiger vor. So kann zum Beispiel eine bakterielle Darminfektion dieses Syndrom auslösen. Stress erhöht wiederum die Gefahr, dass nach einer Infektion ein Reizdarmsyndrom entsteht.

Das Auftreten eines Reizdarmsyndroms ist wahrscheinlicher, wenn:

  • du unter 50 bist
  • du eine Frau bist
  • das Reizdarmsyndrom bereits in deiner Familie auftritt
  • du unter Angststörungen, Depressionen oder anderen psychischen Problemen leidest

Die Darm-Hirn-Achse und das Reizdarmsyndrom

Es besteht eine enge Verbindung zwischen unserem Gehirn und dem Magen-Darm-Trakt - und praktisch jede Darmfunktion reagiert bei Stress empfindlich. Die meisten von uns haben es schon selbst erlebt, dass unser Verdauungssystem auf Emotionen und psychologische Belastungen reagiert. Man denke an Ausdrücke „Schmetterlinge im Bauch“ oder „Das schlägt mir auf den Magen“.

Der Grund dafür ist, dass zwischen unserem Darm und dem Gehirn eine direkte Verbindung besteht: die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Das zentrale Nervensystem, wozu unser Gehirn und die Nerven gehören, ist in zwei Teile unterteilt: das sympathische und das parasympathische Nervensystem. Dabei steuert das sympathische Nervensystem die Organfunktionen in Stresssituationen, während das parasympathische Nervensystem sie in Ruhe reguliert. Dazu kommt das sogenannte enterische Nervensystem oder Darmnervensystem, das den Darm kontrolliert - umgangssprachlich auch Bauchhirn genannt.

Der Begriff Darm-Hirn-Achse beschreibt die wechselseitige Kommunikation zwischen dem zentralen und dem Darmnervensystem. Wegen der Darm-Hirn-Achse können sich Emotionen auf den Darm auswirken und diesen auf verschiedene Weise beeinflussen. Auch der Darm kann wiederum die Psyche beeinflussen. Verdauungsstörungen können daher auch psychische Störungen wie Panikattacken und Depressionen auslösen. Umgekehrt beeinflussen Angst und Stress unsere Darmflora und unser Wohlbefinden.

Stress, Ärger und Angst aktivieren das zentrale Nervensystem. Die freigesetzten Stresshormone wiederum aktivieren die Nervenzellen in der Darmwand. Das wirkt sich auf die Verdauungsprozesse im Darm aus und Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder Unwohlsein sind die Folge. Auf der anderen Seite kann auch das Reizdarmsyndrom selbst wiederum Stress und Ängste auslösen, was zu einem Teufelskreis führt.

Behandlung des Reizdarmsyndroms

„Manche Betroffene bekommen ihre Beschwerden in den Griff, indem sie ihre Ernährung und ihren Lebensstil ändern und Stress abbauen“, so Experten. Wenn jedoch einfache Änderungen der Lebensweise nicht ausreichen, kann eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie helfen.

Liegen psychische Belastungen vor, kann eine Psychotherapie sinnvoll sein. Effektiv sind insbesondere kognitive Verhaltenstherapie, Hypnose, Entspannungs-. und Achtsamkeitsübungen. Betroffene können mit Hilfe der kognitiven Verhaltenstherapie negative Gedankenmuster und Einstellungen durchdringen und lernen, diese zu verändern, um auf diese Weise Verhaltensweisen zu ändern, die zu körperlichen und psychischen Erkrankungen beitragen können.

Es können auch Entspannungstechniken erlernt werden. „Die Patient:innen beginnen so zu verstehen, wie die Darmsymptome mit ihrer Stressreaktion genau zusammenhängen. Die Forschung zeigt, dass die kognitive Verhaltenstherapie zur Verbesserung von Darmsymptomen und der Lebensqualität hilfreich sein kann und Stress und Ängste abbaut.“

Einige Forschende glauben, dass Patient:innen mit Reizdarmsyndrom unter einer erhöhten Darmempfindlichkeit leiden, die normale Blähungen und den Stuhlgang schmerzhafter macht. Das könnte der Grund sein, warum manche Menschen mit Reizdarmsyndrom Medikamente wie Antidepressiva als hilfreich empfinden. Denn diese verbessern nicht nur die Stimmung, sondern verringern auch die Überempfindlichkeit des Darms und das Schmerzempfinden.

Tipps zur Vorbeugung stressbedingter Reizdarm-Symptome

Experten empfehlen, zunächst die wichtigsten Stressfaktoren zu ermitteln. „Um solche Trigger zu finden, kann es hilfreich sein, jeden Tag ein Tagebuch über die Darmsymptome zu führen und zu sehen, ob es einen Zusammenhang zwischen deinem psychischen Befinden und dem Auftreten von Reizdarmsymptomen gibt“, sagen sie.

Sobald du die Auslöser gefunden hast, kannst du etwas dagegen tun. Aufgrund der engen Verbindung zwischen Gehirn und Darm kann dies zu einer Verbesserung der Symptome oder zu weniger Krankheitsschüben führen.

Hier ein paar Tipps:

  • Ernährung: Achte auf eine ausgewogene und bekömmliche Ernährung mit leicht verdaulichen Lebensmitteln wie Reis, Bananen, Haferflocken und gekochtem Gemüse. Bei Reizdarm Betroffenen kann eine FODMAP-arme Diät Symptome wie Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen reduzieren. Auch hier gelten fermentierte und ballaststoffreiche Lebensmittel, die reich an Pro- und Präbiotika sind als besonders hilfreich.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Atemübungen können in der Behandlung von RDS helfen, den Darm zu beruhigen.
  • Beckenbodentraining: Ein verspannter Beckenboden kann die Symptome eines Reizdarmsyndroms verstärken. Der TMX® Beckenbodentrigger kann dir dabei helfen, Verspannungen im Beckenboden gezielt zu lösen.
  • Stressmanagement: Methoden zur Stressreduktion wie Meditation, Yoga und Atemübungen können helfen, die negativen Auswirkungen von Stress auf die Darm-Hirn-Achse zu minimieren. Achte auf eine gute Schlafhygiene, die die Regeneration des Körpers unterstützt und die Resilienz gegenüber stressbedingten Symptomen erhöhen kann.
  • Probiotika: Die Einnahme von Probiotika (gesundheitsfördernde Darmbakterien) kann helfen, die Darmflora ins Gleichgewicht zu bringen und somit die Kommunikation zwischen Gehirn und Darm zu verbessern.
  • Psychotherapie: Bei starkem Stress oder psychischen Erkrankungen kann eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein.
  • Vermeidung von schädlichen Substanzen: Alkohol, Nikotin und übermäßiger Konsum von raffiniertem Zucker können das Mikrobiom negativ beeinflussen und sollten daher vermieden oder eingeschränkt werden.

Weitere Darmerkrankungen und ihre Auswirkungen

Neben dem Reizdarmsyndrom gibt es noch weitere Darmerkrankungen, die sich auf die Gesundheit und das Wohlbefinden auswirken können:

  • Verstopfung: Die Verstopfung (Obstipation) zählt zu den sogenannten Zivilisationskrankheiten und ist gekennzeichnet durch ein zu langes Verweilen des Stuhls im Darm.
  • Durchfall: Durchfall (Diarrhoe) ist ein Symptom und keine Erkrankung. Man spricht von Diarrhoe bei einer häufigen Entleerung, mehr als drei Mal pro Tag mit einem ungeformten, flüssigen Stuhl, dessen Gewicht über 250 g liegt.
  • Leaky-Gut-Syndrom: Beim Leaky-Gut-Syndrom ist die Darmwand durchlässiger ist als normal, was zu stillen Entzündungen im Körper führen kann.
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Hierbei handelt es sich um eine chronische Entzündung des Darms, wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn.
  • Zöliakie: Bei dieser Erkrankung löst der Verzehr von Gluten eine Immunreaktion aus, die zu Entzündungen der Darmschleimhaut führt.
  • Divertikel/Divertikulitis: Bilden sich an bestimmten Stellen an der Darmschleimhaut kleine sackförmige Ausstülpungen oder Ausbuchtungen, spricht man von Divertikeln. Entzünden sich diese, spricht man von Divertikulitis.

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