Der Film "Still Alice - Mein Leben ohne Gestern" thematisiert auf bewegende Weise das Leben von Dr. Alice Howland, einer renommierten Linguistik-Professorin, die an einer frühen Form von Alzheimer erkrankt. Julianne Moore erhielt für ihre herausragende Darstellung der Alice Howland ihren ersten Oscar und einen Golden Globe. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman der Neurowissenschaftlerin Lisa Genova.
Eine Frau im Zenit ihres Lebens
Alice Howland (Julianne Moore) steht mitten im Leben. Sie ist eine international anerkannte Linguistik-Dozentin an der Columbia University, hat drei erwachsene Kinder und führt mit ihrem Ehemann John (Alec Baldwin), einem erfolgreichen Arzt, eine harmonische Ehe. Doch plötzlich treten erste Anzeichen einer beginnenden Alzheimererkrankung auf.
Mitten in einer Vorlesung fällt Alice ein Wort nicht mehr ein. Beim Joggen verirrt sie sich. Sie vergisst Worte, Endungen und Rezepte. Ein Besuch beim Neurologen bringt die erschütternde Diagnose: Alzheimer.
Der Umgang mit der Diagnose
Zunächst versucht Alice, ihre Krankheit zu verheimlichen. Gelegentliche Orientierungslosigkeit in Manhattan und Schwierigkeiten, einzelne Wörter zu finden, machen ihr das Leben schwer. Doch als sie anfängt, Menschen zu verwechseln, weiht sie ihre Familie ein. Ihr Ehemann John und ihre drei erwachsenen Kinder Anna (Kate Bosworth), Tom (Hunter Parrish) und Lydia (Kristen Stewart) sind schockiert über die Diagnose, dass Alice an einer seltenen, vererbbaren Form von Alzheimer leidet.
Da die Krankheit vererbt werden kann, besteht für die Kinder ein 50-prozentiges Risiko, ebenfalls zu erkranken. Tom und Anna lassen sich testen. Tom trägt das Gen nicht, aber Anna, die zu diesem Zeitpunkt Zwillinge erwartet, erbt das Alzheimer-Gen von ihrer Mutter.
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Alice versucht, so normal wie möglich weiterzuleben. Sie trainiert ihr Gedächtnis und nutzt ihr Smartphone als Gedächtnisstütze. An der Universität kommt es zu Beschwerden von Studenten, so dass sie den Leiter der Universität über ihren Zustand informiert. Ihre Gedächtnisleistung nimmt immer weiter ab.
Neue Bündnisse und Herausforderungen
"Still Alice" zeigt, wie die Krankheit innerhalb der Familie Howland zu neuen Bündnissen führt. Alice nähert sich ihrer jüngsten Tochter Lydia an, die als "Problemkind" der Familie gilt. In ihrem Außenseitertum finden die beiden Frauen eine neue Nähe.
Alice besichtigt ein Heim für Demenzkranke für den Fall, dass sie nicht mehr selbst für sich sorgen kann. Sie lässt sich von ihrem Arzt ein starkes Schlafmittel verschreiben, um sich das Leben zu nehmen, wenn sie mit der Krankheit nicht mehr zurechtkommt. Einmal findet Alice das Video mit den Anweisungen und versucht, diese zu befolgen. Die Haushaltshilfe hindert sie im letzten Moment daran.
Ihr Arzt bittet Alice, einen Vortrag über ihre Erkrankung zu halten. Zuerst zögert sie, lässt sich aber dann überreden, auf einer Veranstaltung über ihre Erfahrungen, Ängste und Sorgen zu sprechen.
Der formale Mut und die Konventionen des Krankheitsdramas
Der Film nimmt uns nicht in emotionale Geiselhaft und zwingt uns nicht, den Kreuzweg einer kranken Frau zu gehen. Er nimmt sich oft zurück und beobachtet genau. Es fehlt jedoch der formale Mut, sich gegen die Konventionen des Krankheitsdramas durchzusetzen und sich zum Beispiel den Rhythmus der Alzheimererkrankung zu eigen zu machen.
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Einmal öffnet der Film die Tür in diese Richtung: Alice spricht vor einer Gruppe Kranker und klammert sich hilfsbedürftig an ihre Notizen. Sie will noch einmal die brillante Rhetorikerin sein, die sie war. In ihrer Rede zitiert sie Elizabeth Bishops Gedicht "Eine Kunst", das auf die Brüchigkeit unseres Lebens verweist, das nur lose von allen Einzelheiten der Wirklichkeit zusammengehalten wird und eine unaufhaltsame Abfolge des Verlierens ist.
Ein berührendes und realistisches Drama
"Still Alice" ist ein Familiendrama, das das Thema Alzheimer und den Verlust der eigenen Identität mit viel Feingefühl und Respekt behandelt. Der Film verzichtet auf übertriebenen Pathos und erzählt die Geschichte von Alice und ihrer Familie in ruhigen und realistischen Bildern.
Trotz des schwierigen Themas ist "Still Alice" kein deprimierender Film. Es gibt eine gute Mischung aus Tragödie und leichtem Humor. Die Weltpremiere des Films war am 8. September 2014 beim Toronto International Film Festival, die Deutschlandpremiere am 5. März 2015.
Julianne Moores herausragende Leistung
Still Alice lässt der sympathischen Julianne Moore durch seine Fokussierung auf die Hauptfigur alle Möglichkeiten für deren umwerfendes Spiel. Julianne Moore verkörpert die Rolle der Alice so eindringlich und verletzlich, dass sie als Favoritin für den Oscar galt und ihn schließlich auch gewann.
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