Die Darstellung eines Arztes, der ein Gehirn in den Händen hält, ist ein starkes Symbol, das verschiedene Interpretationen zulässt. Es kann für medizinische Forschung, neurologische Erkrankungen, Fortschritte in der Hirnchirurgie oder auch für die Verletzlichkeit des menschlichen Geistes stehen. Um die Bedeutung dieses Bildes vollständig zu erfassen, ist es wichtig, verschiedene Aspekte des Gehirns, neurologische Erkrankungen und innovative Therapieansätze zu betrachten.
Neurologische Erkrankungen und Autoimmunität
Entzündliche neurologische Erkrankungen können durch Infektionserreger wie Viren, Bakterien oder Pilze verursacht werden. Autoimmunprozesse, die körpereigenes Hirn- oder Nervengewebe schädigen, können ebenfalls eine Ursache sein. Bei einigen Patient:innen können sogenannte neuronale Autoantikörper die Kommunikation zwischen den Nervenzellen beeinträchtigen und so Autoimmunerkrankungen des Nervensystems auslösen.
Die Rolle von Autoantikörpern
Die Forschung deutet darauf hin, dass viele neurologische und psychiatrische Symptome mit fehlgeleiteten Immunprozessen, also Autoimmunität, zusammenhängen könnten. Autoantikörper könnten bei einer Vielzahl von Erkrankungen zusätzliche krankheitsverändernde Auswirkungen haben. Hier besteht ein erheblicher Forschungsbedarf, um die Häufigkeit, die Angriffspunkte und die Funktionen von Autoantikörpern bei neurologischen Erkrankungen zu bestimmen und neue diagnostische Tests und bildgebende Verfahren für das Gehirn sowie innovative Therapien zu entwickeln.
Klinische Forschungsgruppen und personalisierte Ansätze
Klinische Forschungsgruppen, wie "BecauseY" an der Charité und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), widmen sich der Forschung zu Antikörper-vermittelten neurologischen Erkrankungen. Sie begleiten Patient:innen ganzheitlich unter einem personalisierten Ansatz durch den gesamten Krankheitsverlauf und versuchen gleichzeitig, die zugrundeliegenden Autoantikörper nachzubauen, deren Funktionsweise zu verstehen und neue Therapien anzuwenden.
Mögliche Verbindungen zu anderen Erkrankungen
Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Autoantikörper auch eine Rolle bei Erkrankungen spielen könnten, die bisher nicht im Zusammenhang mit Autoimmunität gesehen wurden, beispielsweise dem Schlaganfall, neurodegenerativen Demenzen oder Entwicklungsstörungen.
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Essentieller Tremor: Eine häufige Bewegungsstörung
Ein weiteres wichtiges Thema im Bereich der neurologischen Erkrankungen ist der essentielle Tremor. Dieser äußert sich durch ein rhythmisches Zittern der Hände, des Kopfes oder anderer Körperteile.
Symptome und Ursachen
Der essentielle Tremor ist eine der häufigsten Bewegungsstörungen. Meist beginnt er in den Armen oder Händen und nimmt über Jahre langsam zu. Das Zittern tritt vor allem bei zielgerichteten Bewegungen auf, z. B. beim Schreiben oder Halten einer Tasse. Die Symptome müssen seit mindestens drei Jahren bestehen, ohne dass andere Erkrankungen wie Parkinson, Dystonie oder Ataxie vorliegen.
Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig verstanden. Es wird vermutet, dass genetische Faktoren, Veränderungen im Kleinhirn und Störungen bestimmter Nervenzellen eine Rolle spielen. Menschen mit betroffenen Verwandten haben ein höheres Risiko, selbst einen essentiellen Tremor zu entwickeln.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose wird durch eine gründliche neurologische Untersuchung gestellt. Laboruntersuchungen helfen dabei, andere Ursachen auszuschließen. Nicht jeder Patient benötigt eine Therapie. Häufig helfen Betablocker oder Antiepileptika. In schweren Fällen kommen Verfahren wie tiefe Hirnstimulation oder fokussierter Ultraschall zum Einsatz. Eine vollständige Heilung ist aktuell nicht möglich.
Auswirkungen auf den Alltag
Der Tremor kann je nach Lebenssituation sehr unterschiedlich belasten. Neben den motorischen Einschränkungen spielt die soziale Stigmatisierung eine Rolle. Einfache Tricks und Helfer, wie spezielle „Tremorlöffel“ und „Tremorstifte“, können den Alltag für Menschen mit einem essentiellen Tremor etwas erleichtern. Auch der Verzicht auf Substanzen wie Koffein und der Umgang mit Stress können hilfreich sein.
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Polyneuropathie: Schädigung der peripheren Nerven
Die Polyneuropathie ist eine weitere häufige neurologische Erkrankung, bei der die peripheren Nerven geschädigt sind.
Symptome und Ursachen
Typische Symptome der Nervenkrankheit Polyneuropathie sind Kribbeln, Brennen und Taubheit, die anfangs an beiden Füßen und Beinen auftreten. Ihren Ursprung haben die Gefühlsstörungen in den langen Nerven, die Muskeln, Haut und Organe mit dem Gehirn verbinden. Schäden an den Nerven führen dazu, dass die Weiterleitung von Informationen zwischen Gehirn, Rückenmark und dem Rest des Körpers gestört ist.
Trotz aller diagnostischen Fortschritte bleibt die Ursache in vielen Fällen unklar ("idiopathische Neuropathie"). Häufige Ursachen sind Diabetes, Alkoholmissbrauch oder Medikamente.
Diagnose und Behandlung
Zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit wird Strom durch die Nervenbahnen geschickt. Mit einer Stimmgabel prüft der Neurologe das Vibrationsempfinden. Bei der standardisierten Quantitativen Sensorischen Testung werden durch sieben verschiedene Gefühlstests an der Haut 13 Werte ermittelt. Sie helfen zu erkennen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist.
Hat ein Diabetes schleichend über viele Jahre die Nerven angegriffen, muss der Patient seine Blutzuckerwerte in den Griff bekommen, um die Nervenschädigung zu stoppen. Sind Alkohol oder Medikamente die Ursache, hilft Abstinenz beziehungsweise ein Wechsel der Präparate. Zur Schmerzbekämpfung haben sich Antidepressiva und Medikamente gegen Krampfanfälle (Epilepsie), sogenannte Antikonvulsiva, bewährt. Capsaicin-Pflaster auf der Haut können ebenfalls helfen.
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Gegen die fortschreitende Gangunsicherheit wirkt Gleichgewichtstraining in der Physiotherapie. Die Therapien müssen dauerhaft durchgeführt werden. Eine Pause beeinträchtigt schnell den Behandlungserfolg.
Hirntoddiagnostik: Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls
Die Hirntoddiagnostik ist ein wichtiger Prozess, um den irreversiblen Ausfall der gesamten Hirnfunktionen festzustellen.
Voraussetzungen und Durchführung
Die Hirntoddiagnostik umfasst verschiedene Untersuchungen, mit deren Hilfe geprüft wird, ob die gesamten Hirnfunktionen unumkehrbar erloschen sind. Wurde bei einer Person der Hirntod festgestellt, ist damit der Tod dieser Person nachgewiesen. Die medizinische Behandlung wird dann eingestellt.
Die Hirntoddiagnostik muss von mindestens zwei besonders qualifizierten Fachärztinnen und -ärzten unabhängig voneinander durchgeführt werden. Die drei Schritte der Hirntoddiagnostik sind:
- Prüfung der Voraussetzungen für die Durchführung der Diagnostik
- Feststellung klinischer Symptome des Ausfalls der gesamten Hirnfunktionen
- Prüfung der Unumkehrbarkeit des Ausfalls der gesamten Hirnfunktionen (Irreversibilitätsnachweis)
Klinische Symptome des Hirntods
Die klinischen Symptome des Hirntods sind:
- Tiefe Bewusstlosigkeit (tiefes Koma)
- Ausfall der Hirnstammreflexe
- Atemstillstand (Ausfall der Spontanatmung; Apnoe)
Bedeutung der Hirntoddiagnostik
Die Untersuchungen der Hirntoddiagnostik verhindern eine Verwechslung mit anderen Erkrankungen und Symptomen, zum Beispiel Koma, Wachkoma (apallisches Syndrom) oder Locked-in-Syndrom. Bei diesen Erkrankungen können noch einige Hirnstammreflexe nachgewiesen werden.
Die Bedeutung der Hände im Kontext des Gehirns
Die Hände spielen eine wichtige Rolle in der Verbindung zum Gehirn.
Der Homunkulus und die Bedeutung der Finger
Der Homunkulus, ein Diagramm des kanadischen Neurochirurgen W. Penfield, zeigt, wie viel Gehirnkapazität die einzelnen Sinnesorgane und Körperteile für sich beanspruchen. Für die Bewegung der Finger und des Daumens sind allein zwei Drittel des motorischen Cortex und ein Viertel des somatosensorischen Cortex zuständig. Der Homunkulus hat dementsprechend riesige Hände, die größer sind als der Rest des Körpers.
Handhaltungen und ihre Auswirkungen
Eine richtige Handhaltung kann auch unsere Atmung und unseren Geist tief beeinflussen. Der Daumen ist das Endstück einer der vier so genannten ›Armlinien‹. Eine davon ist die ›Daumenlinie‹, die den Daumen mit der vierten Rippe verbindet. Der Daumen beeinflusst über diese Faszienlinie in seinen Bewegungen direkt den Brustkorb.
Anwendung im Taiji und Qigong
Im Taiji und Qigong ist die Hand wie ein offenes Tigermaul: Daumen und Zeigefinger gehen auseinander, als wolle man mit einer offenen Hand etwas greifen. Die Finger bleiben dabei locker und werden nicht starr gestreckt und abgespreizt. Wenn beide Hände ein solches Tigermaul formen, lassen sie sich immer zu einer bestimmten Mudra zusammenfügen, die gezielt das Qi anregt und dem Atem reguliert.