Aspirin und Ibuprofen im Vergleich: Was hilft bei Migräne?

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, und Migräne stellt eine besonders belastende Form dar. Viele Menschen greifen zur Selbstmedikation mit rezeptfreien Schmerzmitteln, um die akuten Schmerzen zu lindern. Dabei stellt sich oft die Frage, welches Mittel am besten geeignet ist. Aspirin und Ibuprofen sind zwei gängige Optionen, doch wie wirken sie, und wann sollte man welches Medikament wählen? Dieser Artikel beleuchtet die Wirksamkeit und Anwendung von Aspirin und Ibuprofen bei Migräne, basierend auf aktuellen Erkenntnissen und Empfehlungen von Experten.

Schmerz und seine Entstehung

Schmerz ist ein komplexes Phänomen, das als unangenehmes Empfinden durch tatsächliche oder potenzielle Gewebeschädigung entsteht. Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel erklärt: „Schmerz kann als biologischer Schmerz ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers sein, um auf schädliche Reize aufmerksam zu machen und potenzielle Schädigungen zu vermeiden.“ Die Schmerzwahrnehmung erfolgt im Gehirn, nachdem Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) in Haut, Muskeln, Gelenken oder Organen durch Verletzungen, Entzündungen oder andere Faktoren aktiviert wurden. Jeder Mensch empfindet Schmerz unterschiedlich, sowohl in Intensität als auch in der Art der Wahrnehmung. Es gibt verschiedene Arten von Schmerz, darunter akute, chronische, neuropathische, nozizeptive, psychogene und zentrale Schmerzen.

Rezeptfreie Schmerzmittel: Eine Übersicht

Rezeptfreie Schmerzmittel aus der Apotheke können akute Schmerzen lindern. Die Wirksamkeit hängt von der Art und Stärke der Schmerzen sowie der Dosierung ab. Diese Mittel sind zur Behandlung von leichten bis mittelstarken Schmerzen zugelassen. Zu den häufigsten rezeptfreien Schmerzmitteln gehören:

  1. Ibuprofen: Am besten geeignet bei Entzündungsschmerzen.
  2. Paracetamol: Schmerzstillend, fiebersenkend, hat aber keine entzündungshemmende Wirkung.
  3. Acetylsalicylsäure (ASS): Bei leichten bis mittelschweren Schmerzen.

Wichtige Hinweise zur Einnahme

Auch wenn viele Schmerzmittel rezeptfrei erhältlich sind, sind sie nicht völlig harmlos. Wer zu sorglos mit der Einnahme von Schmerzmitteln umgeht, riskiert Leber- und Nierenschäden, und es kann sich ein Dauerkopfschmerz einstellen. Um das Risiko für Nebenwirkungen zu minimieren, sollten Schmerzmittel nicht höher als nötig dosiert werden. Bei einigen Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure muss die Tagesdosis bei älteren Menschen verringert werden. Zudem ist sie für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet.

  • Einnahme mit Wasser: Nehmen Sie Schmerzmittel mit Wasser ein. Auch Früchte- oder Kräutertees sind möglich. Bei Kopfschmerzen kann auch eine starke Tasse Kaffee die Schmerzen lindern.
  • Einnahme auf nüchternen Magen: Werden Schmerzmittel auf nüchternen Magen eingenommen, wirken sie in der Regel schneller.
  • Magen-Darm-Trakt: Bei der Einnahme mancher Schmerzmittel (NSAR wie Diclofenac, ASS oder Ibuprofen) können - vor allem in hohen Dosierungen - Nebenwirkungen am Magen-Darm-Trakt auftreten. Dazu zählen Magengeschwüre und Magenblutungen. Patienten mit erhöhtem Risiko für Schleimhautentzündungen, Geschwüren oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt wird empfohlen, zusätzlich ein Medikament wie Omeprazol oder Pantoprazol einzunehmen, das den Magen schützt.

Ibuprofen bei Migräne

Ibuprofen ist ein Wirkstoff zur Behandlung von Schmerzen und Fieber und gehört zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Es hemmt im Körper die Cyclooxygenasen (COX), die die sogenannten Prostaglandine herstellen. Ibuprofen gibt es in Deutschland als Tabletten, Weichkapseln, Zäpfchen, Sirup, Suspensionen, Brausegranulate, Gele und Cremes. Der Wirkstoff ist für die rezeptfreie Behandlung von 200 bis 400 mg pro Einzeldosis erhältlich. Die Dosierung sollte bei Erwachsenen maximal 1.200 mg am Tag betragen. Bei Jugendlichen, Kindern und Kleinkindern sollte die Dosierung an das jeweilige Alter und Körpergewicht angepasst werden.

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Ibuprofen wird in einer Übersichtsarbeit von den Experten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft (ÖKSG) und der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft (SKG) als Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Migräneattacken und Spannungskopfschmerzen in Eigenregie empfohlen.

Aspirin (Acetylsalicylsäure) bei Migräne

Aspirin enthält den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) und ist ein Klassiker unter den Schmerzmitteln. Über Jahrzehnte galt ASS bei Kopfschmerzen als Mittel der Wahl. ASS gehört ebenfalls zur Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Die Säure wirkt schmerzlindernd, indem sie die Produktion der Prostaglandine hemmt (COX2-Hemmer). ASS gibt es in Deutschland als Tabletten, Filmtabletten, Brausetabletten, Kapseln und Kautabletten.

Aspirin® Migräne kann bei Migräneanfällen mit und ohne Aura eingenommen werden. Die Aura-Phase bemerken rund 15 bis 20 Prozent aller Migräne-Patienten. Dabei handelt es sich um neurologische Störungen wie Sprachprobleme, das Sehen von Lichtblitzen oder Lähmungserscheinungen. In der Regel geht die Aura-Phase den Migränekopfschmerzen voraus und kann bis zu 60 Minuten andauern. Aspirin® Migräne ist für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene geeignet. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt eine Dosierung von 1000 Milligramm des Wirkstoffs Acetylsalicylsäure für die Akutbehandlung der Migräneattacke.

Innovative Galenik für schnelle Wirkung

Durch eine schnelle und effektive Schmerzlinderung sinkt der Bedarf von Patienten, zusätzliche Medikamente zur Verbesserung der Wirkung einzusetzen, die zu unerwünschten Wirkungen führen könnten. Die Zeit bis zur ersten Schmerzreduktion beziffert eine aktuelle gepoolte, retrospektive Analyse von drei Studien auf 20 Minuten bei ASS und 18,6 Minuten bei Paracetamol. Sowohl in Bezug auf die erste Schmerzreduktion als auch in Bezug auf die effektive Schmerzreduktion sind beide Wirkstoffe vergleichbar und signifikant besser als Placebo.

In zwei der drei Studien, die der gepoolten Analyse zugrunde liegen, war das Studienmedikament eine Tablette mit einer neuen, schnell freisetzenden Galenik. Diese Tabletten zur Einnahme beinhalten den Wirkstoff in mikronisierter Form sowie eine Brausekomponente, bestehend aus Natriumcarbonat. Es hat sich gezeigt, dass diese neue Formulierung für Tabletten zum Einnehmen in vivo die Auflösungszeit und die Zeit bis zur maximalen Plasmakonzentration erheblich verringert. Die kleine Partikelgröße des Wirkstoffs bietet eine größere Oberfläche als die normale ASS-Tablette, was zu einer schnelleren Auflösung und folglich zu einer schnelleren Absorption führt.

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Verträglichkeit von ASS

Eine aktuelle gepoolte, retrospektive Analyse bestätigte die gute Verträglichkeit von ASS 1000 mg als einmalige Gabe. In den ausgewerteten Studien zeigten sich bei 94,7% der Teilnehmer keine gastrointestinalen Nebenwirkungen, im Placebo-Arm blieben 91,4% der Teilnehmer ohne gastrointestinale Nebenwirkungen. In Bezug auf Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen liegen ASS und PCM auf Placebo-Niveau.

Kombination von Aspirin und Ibuprofen: Besser vermeiden

Von einer Kombination von Ibuprofen und Aspirin wird dringend abgeraten, da beide Medikamente ähnliche Wirkungen haben. Ihre gleichzeitige Einnahme kann das Risiko für Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Blutungen, Geschwüre und Nierenschäden signifikant erhöhen. Außerdem kann Ibuprofen die blutverdünnende Wirkung von niedrig dosiertem Aspirin, das zur Vorbeugung von Herzinfarkten eingenommen wird, verringern.

Viele Menschen nehmen regelmäßig Acetylsalicylsäure (ASS) in einer geringen Dosierung ein, um die Blutgerinnung zu hemmen. Wer bei akuten Schmerzen dann zusätzlich zu Ibuprofen greift, sollte darauf achten, dass das ASS entweder eine halbe Stunde vor oder acht Stunden nach dem Ibuprofen eingenommen wird. Ansonsten kann Ibuprofen die thrombozytenaggregationshemmende Wirkung von ASS hemmen. Die zeitlich versetzte Einnahme funktioniert aber nicht bei den ASS-Präparaten, die sich erst im Dünndarm auflösen, nachdem sie den Magen passiert haben.

Alternativen und Kombinationen

Es gibt auch andere Optionen zur Behandlung von Migräne, darunter Triptane, Ergotika und Antiemetika. Eine Studie ergab, dass Triptane fünfmal wirksamer sind als Ibuprofen, Ergotika dreimal wirksamer und Antiemetika zweieinhalbmal wirksamer. Interessanterweise erwies sich eine gängige Kombination von Medikamenten zur Behandlung von Migräne, nämlich Aspirin, Paracetamol und Koffein, als wirksamer als Ibuprofen.

Koffein als Wirkverstärker

Eine besonders gute und schnelle Wirkung bei Kopfschmerzen und Migräne erzielen Kombinationspräparate, die medizinisches Koffein enthalten. Coffein wirkt in den üblichen Dosierungen (50 bis 200 mg) hemmend auf G-Protein-gekoppelte Adenosinrezeptoren, wodurch Ermüdungserscheinungen aufgehoben und die geistige Leistungsfähigkeit erhöht wird. Die positive Wirkung von Coffein bei Kopfschmerzen ist bedingt durch eine Senkung des Liquordrucks und eine Kontraktion von Hirngefäßen.

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In einer Cochrane Analyse wurden fünf Studien (1504 Teilnehmer) verglichen, die den positiven Effekt von coffeinhaltigen Analgetika bei Migräne- und Spannungskopfschmerzen untersuchten. Nach Einnahme eines Analgetikums mit Coffein berichteten 33% der Teilnehmer über eine mindestens 50%ige Schmerzlinderung. Dieser Effekt wurde bei nur 25% der Teilnehmer nach Einnahme des Analgetikums allein berichtet.

Zusammenfassung und Empfehlungen

Sowohl Aspirin als auch Ibuprofen können bei Migräne und Kopfschmerzen wirksam sein, wobei Aspirin in einigen Leitlinien als Mittel der ersten Wahl empfohlen wird. Die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von der Art und Stärke der Schmerzen, individuellen Faktoren und möglichen Risiken ab. Die Kombination von Aspirin und Ibuprofen sollte vermieden werden, um das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren.

  • Leichte bis mittelschwere Migräneattacken: Hier können Aspirin (900-1000 mg) oder Ibuprofen (400-600 mg) als Monotherapie eingesetzt werden.
  • Bei Übelkeit und Erbrechen: Die Zugabe von Metoclopramid zu einem Analgetikum bzw. NSAR ist sinnvoll.
  • Schwere Migräneattacken: Bei schweren Attacken, die nicht auf Analgetika oder NSAR ansprechen, sind Triptane eine wirksame Option.

Es ist wichtig, die Dosierungsempfehlungen zu beachten und Schmerzmittel nicht häufiger als empfohlen einzunehmen, um einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz zu vermeiden. Bei häufigen oder schweren Migräneattacken ist eine ärztliche Beratung und gegebenenfalls eine prophylaktische Therapie sinnvoll.

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