Astrozytom Grad 3: Lebenserwartung, Diagnose und Therapie

ACHTUNG: Die folgenden Informationen zum Thema Hirntumoren werden derzeit überarbeitet und spiegeln möglicherweise nicht den aktuellen wissenschaftlichen Stand wider.

Die astrozytären Gliome stellen mit einem Anteil von über 60 % die häufigsten Gliome dar. Diese Tumoren können in verschiedene Grade eingeteilt werden, wobei Grad 3 (anaplastisches Astrozytom) eine Form mit feingeweblichen Merkmalen der Bösartigkeit darstellt, die auf ein rasches Tumorwachstum hindeuten. Dieser Artikel beleuchtet die Lebenserwartung, Diagnose und Therapie des Astrozytoms Grad 3.

Was ist ein Astrozytom?

Ein Astrozytom ist ein Hirntumor, der von den Astrozyten ausgeht, einer Art von Gliazellen. Astrozyten sind Stützzellen im Gehirn und helfen, die Nervenzellen zu versorgen. Astrozytome werden je nach Malignität nach dem WHO-Schema in verschiedene Grade eingeteilt.

  • Grad I: Pilozytisches Astrozytom - ein gutartiger, gut differenzierter Hirntumor, der in der Regel langsam wächst und gehäuft bei Kindern und Jugendlichen auftritt.
  • Grad II: Diffuses Astrozytom - ebenfalls ein langsam wachsender, gut differenzierter Tumor, der als gering-bösartig bezeichnet wird. Die Zellgrenzen zum gesunden Gewebe stellen sich hier jedoch unschärfer begrenzt dar.
  • Grad III: Anaplastisches Astrozytom - Tumoren mit feingeweblichen Merkmalen der Bösartigkeit, die für ein rasches Tumorwachstum sprechen.
  • Grad IV: Glioblastom - die bösartigste Form der Astrozytome, die in der Regel aufgrund ihres schnellen Wachstums als Neubildung auftreten.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Astrozytomen sind noch nicht hinreichend geklärt. Es gibt jedoch einige bekannte Risikofaktoren:

  • Genetische Faktoren: Bestimmte vererbbare Erkrankungen wie Neurofibromatose Typ 1 und das Li-Fraumeni-Syndrom können das Auftreten von Astrozytomen begünstigen.
  • Strahlung: Eine vermehrte Strahlenbelastung im Rahmen einer Strahlentherapie oder eine starke umweltbedingte Strahlenbelastung kann mit der Ausbildung eines Hirntumors in Zusammenhang stehen.
  • Ionisierende Strahlung: Es gibt Hinweise darauf, dass ionisierende Strahlung in hoher Dosis, wie sie zum Beispiel bei der Strahlentherapie für andere Tumoren im Kopfbereich eingesetzt wird, das Risiko erhöht, an einem Gehirntumor zu erkranken.

Symptome

Die Symptome eines Astrozytoms hängen von der Größe, dem Ort und der Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Gutartige und niedrig-maligne Tumore, die langsam wachsen, werden eher spät symptomatisch, während hoch-maligne Tumore, die schnell wachsen, auch schneller Symptome zeigen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

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  • Kopfschmerzen: Langfristig anhaltende Kopfschmerzen, die nicht auf übliche Schmerzmittel ansprechen. Die Kopfschmerzen sind typischerweise nachts oder am frühen Morgen am stärksten.
  • Hirndruckzeichen: Übelkeit und Erbrechen, die durch den steigenden Druck im Gehirn hervorgerufen werden.
  • Epileptische Anfälle: Neu auftretende Krampfanfälle können auftreten, wenn gesundes Hirngewebe in den Randbereichen des Hirntumors erregt wird.
  • Neurologische Ausfälle: Je nach Lokalisation des Tumors können Seh- und Gleichgewichtsstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Lähmungen sowie hormonelle Störungen auftreten. Es kann z.B. Störungen der Motorik, also der Bewegungsfähigkeit, sowie Lähmungen können auftreten, wenn ein Gliom WHO-Grad 4 in der Nähe von Gehirnarealen wächst, die die Bewegung des Körpers steuern. Empfindungsstörungen können Kälte, Hitze oder Berührungen betreffen.
  • Wesensveränderung: Die Stimmung oder das Verhalten können sich verändern, der Betroffene ist zunehmend „nicht mehr er selbst”. Anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung oder Antriebslosigkeit können auftreten, wenn durch das Gliom WHO-Grad 4 Teile des Frontalhirns geschädigt werden. Es kann auch zu Depressionen oder Angstgefühlen kommen.

Diagnose

Die Diagnosesicherung erfolgt beim Astrozytom mittels bildgebender Verfahren:

  • Magnetresonanztomographie (MRT): Das wichtigste diagnostische Verfahren, um den Tumor zu identifizieren und zu lokalisieren. Zur verbesserten Identifizierung- und Lokalisation des Tumors wird hierbei in der Regel Kontrastmittel verwendet.
  • Computertomographie (CT): Kommt zum Einsatz, wenn eine MRT nicht möglich ist.
  • Hirnbiopsie: Zur endgültigen Diagnosesicherung wird eine Hirnbiopsie aus dem Tumorgebiet entnommen und feingeweblich untersucht.
  • Liquorpunktion: Eine Nervenwasseruntersuchung kann Aufschluss über die Ursache der Raumforderung geben und dient dem Ausschluss von entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems.

Therapie des anaplastischen Astrozytoms (Grad III)

Die Therapie besteht in der Regel aus einer Kombination von Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie.

  • Operation: Ziel ist die möglichst vollständige Entfernung des Tumors unter Schonung wichtiger Hirnfunktionen. Aufgrund des schlecht begrenzten Wachstums ist eine komplette operative Tumorentfernung meist unmöglich.
  • Strahlentherapie: Reduziert das Risiko eines Rückfalls und wird oft nach der Operation eingesetzt.
  • Chemotherapie: Kann bei oligodendroglialen Tumoren auch primär mit PCV (Procarbazin, CCNU, Vincristin) in Frage kommen. Die Kombinationstherapie aus Strahlentherapie und Chemotherapie ist umstritten. Wenn der Tumor nach Operation und Strahlentherapie weiteres Wachstum zeigt, kann auch der Versuch einer Chemotherapie unternommen werden.

Es ist von Vorteil, den Tumor möglichst zeitnah zu entfernen, da dies zumeist in einer verbesserten Prognose resultiert. Die Wahl des Therapieverfahrens und die Entscheidung zur Operation hängen immer individuell vom Zustand des Patienten ab.

Prognose und Lebenserwartung beim Astrozytom Grad 3

Die Prognose und Lebenserwartung beim anaplastischen Astrozytom (Grad III) sind von verschiedenen Faktoren abhängig:

  • Art des Astrozytoms: Astrozytome Grad 4 als IDH-mutierte Tumoren wachsen zwar ebenfalls schnell, haben jedoch eine etwas bessere Lebenserwartung. So sind Glioblastome sogenannte IDH-Wildtyp-Tumoren und wachsen besonders schnell, was in der Regel mit einer geringeren Lebenserwartung verbunden ist.
  • Tumormarker: Bestimmte Tumormarker, wie die IDH-Mutation, können die Prognose beeinflussen.
  • Patientenalter und Gesundheitszustand: Ein junges Patientenalter geht mit einer günstigeren Prognose einher.
  • Ausmaß der Tumorresektion: Die Prognose hängt davon ab, wie viel Prozent der Tumormasse während der Operation reseziert werden kann.
  • Therapieansprechen: Die üblicherweise angewandte Radiochemotherapie kann die Prognose verbessern.

Die Lebenserwartung bei einem Astrozytom Grad 3 liegt durchschnittlich bei zwei bis drei Jahren. Es kommt jedoch bei fortgeschrittenen Tumoren häufig zu Rezidiven, die mit einer deutlich geringeren Lebenserwartung einhergehen. Eine kurative, das heißt heilende Behandlung ist im Regelfall nicht möglich.

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Forschung und neue Therapieansätze

Es wird intensiv an neuen Therapiekonzepten geforscht, die das Langzeitüberleben verbessern sollen. Einige vielversprechende Ergebnisse wurden bereits in klinischen Studien erzielt:

  • Tumorspezifische Immuntherapie: Im Rahmen einer spezifischen Impfung gegen die Tumorzellen soll die körpereigene Immunabwehr zur Zerstörung der Tumorzellen angeregt werden. Diese Immuntherapie setzt an einer bestimmten Genmutation der Tumorzelle an.
  • MGMT-Status: Fachleute diskutieren derzeit über die Bedeutung eines Biomarkers (Methylierung des Promotors des O6-Methylguanyltransferase (MGMT)-Gens) als prädiktiver Marker bei älteren Glioblastom-Patienten. Generell leben die Patienten mit MGMT-Promotor-Methylierung l deutlich länger, wenn sie zusätzlich zur Strahlentherapie mit Temozolomid behandelt werden.
  • Immuntherapien: Nun erweisen sich Immuntherapien gegen Gliome als erfolgversprechend, auch in ersten klinischen Studien.

Leben mit einem Astrozytom Grad 3

Die Diagnose eines Astrozytoms Grad 3 kann eine große Belastung für die Betroffenen und ihre Familien darstellen. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren und professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dazu gehören:

  • Ärztliche Betreuung: Regelmäßige Kontrolluntersuchungen und eine enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt sind wichtig, um den Krankheitsverlauf zu überwachen und die Therapie anzupassen.
  • Psychologische Unterstützung: Eine Psychotherapie kann helfen, mit der Diagnose und den damit verbundenen Ängsten und Belastungen umzugehen.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann hilfreich sein, um Erfahrungen zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen.

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