Bipolare Störungen und Morbus Parkinson sind zwei unterschiedliche neurologische Erkrankungen, die jedoch in bestimmten Fällen miteinander in Verbindung stehen können. In diesem Artikel werden wir den Zusammenhang zwischen diesen beiden Erkrankungen untersuchen und die möglichen Ursachen und Auswirkungen beleuchten.
Einführung in Bipolare Störung
Bipolare Störungen, auch bekannt als affektive Störungen, sind schwere, episodisch verlaufende Erkrankungen, die gewöhnlich lebenslang bestehen. Sie sind durch extreme Stimmungsschwankungen gekennzeichnet, die von manischen (euphorischen) zu depressiven Episoden reichen. Diese Schwankungen können erhebliche Einschränkungen und Behinderungen in der Lebensgestaltung der Betroffenen verursachen.
Historischer Hintergrund
Erste historische Dokumente bipolarer Störungen stammen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., als Aretaeus den Begriff der „Zyklothymie“ einführte. Die wissenschaftliche Erforschung wurde durch die Arbeiten von Emil Kraepelin im frühen 20. Jahrhundert stimuliert.
Epidemiologie
Bipolare Störungen beginnen meist im jungen Erwachsenenalter und haben eine Lebenszeitprävalenz von 3-4 %. Trotzdem werden sie in der klinischen Praxis oft nicht, falsch oder verzögert diagnostiziert. Die Erkrankung ist durch eine hohe Suizidmortalität gekennzeichnet, die bei etwa 10-15 % liegt.
Subtypen und Diagnostik
- Bipolar-I-Störung: Wechsel zwischen Depression und voll ausgeprägter Manie.
- Bipolar-II-Störung: Wechsel zwischen Depression und Hypomanie (leichterer Form der Manie).
- Zyklothyme Störung: Andauernde Instabilität der Stimmung mit zahlreichen Perioden leichtgradiger Depression und leicht gehobener Stimmung über mindestens 2 Jahre.
Die Grenzen des bipolaren Spektrums sind unscharf, insbesondere in Richtung schizoaffektive Störung und Persönlichkeitsstörungen.
Lesen Sie auch: Demenz bei bipolarer Störung
Ursachen
Die Forschung zu den Ursachen bipolarer Erkrankungen hat in den letzten Jahren viele Erkenntnisse gebracht. Es wird von einer multifaktoriellen und polygenen Ätiopathogenese ausgegangen, bei der sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen.
- Genetische Faktoren: Familien-, Zwillings- und Adoptionsstudien haben die Bedeutung genetischer Faktoren unterstrichen. So zeigten Familienstudien ein ca. 10-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko für Verwandte 1. Grades bipolar Erkrankter. Die Heritabilität beträgt etwa 80 %.
- Neurobiologische Faktoren: Post-mortem-Studien und MRT-Untersuchungen haben Veränderungen im Gehirn gezeigt, wie z. B. eine Reduktion von Neuronen im Hippocampus und dorsolateralen frontalen Kortex, Volumenänderungen in Hippocampus, Amygdala und Thalamus sowie Veränderungen im regionalen Blutfluss und Glukosemetabolismus.
- Neurotransmission: Veränderungen der serotonergen, noradrenergen und dopaminergen Neurotransmission wurden festgestellt.
Einführung in Morbus Parkinson
Morbus Parkinson ist eine neurologische, unheilbare Erkrankung, die meist im höheren Lebensalter auftritt. Sie ist durch das Absterben von Nervenzellen in der Substantia Nigra im Gehirn gekennzeichnet, was zu einem Mangel an Dopamin führt.
Symptome
Das Krankheitsbild ist vor allem durch Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamte Bewegungen (Bradykinese) und Gleichgewichtsstörungen gekennzeichnet. Es gibt jedoch auch eine Reihe von nicht-motorischen Symptomen, die die Lebensqualität der Patienten stark beeinträchtigen können.
Nicht-motorische Symptome
Zu den nicht-motorischen Symptomen zählen:
- Affektstörungen: Depressionen, Angststörungen, bipolare Störungen
- Denk- und Wahrnehmungsstörungen: Halluzinationen, Psychosen
- Motivationsstörungen: Apathie, Impulskontrollstörungen
Ursachen
Die genauen Ursachen für das Absterben der Nervenzellen sind nicht vollständig geklärt, jedoch spielen genetische Faktoren eine Rolle. Es gibt verschiedene Parkinson-Syndrome, darunter das idiopathische, genetisch bedingte, atypische und symptomatische Parkinson-Syndrom.
Lesen Sie auch: Was Sie über Bipolare Störung wissen sollten
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose wird in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und ein ausführliches Gespräch bei einem Neurologen gestellt. Die Behandlung umfasst Medikamente wie Levodopa, Dopamin-Agonisten, COMT-Hemmer und MAO-B-Hemmer sowie physiotherapeutische, sprechtherapeutische und ergotherapeutische Maßnahmen. In einigen Fällen kann auch eine tiefe Hirnstimulation eingesetzt werden.
Der Zusammenhang zwischen Bipolarer Störung und Morbus Parkinson
Epidemiologische Studien
Eine Studie aus Taiwan zeigte, dass Patienten mit bipolarer Erkrankung in den Folgejahren häufiger an Morbus Parkinson erkrankten. Eine weitere Studie aus Schweden ergab, dass ältere Menschen, die an einer Depression erkranken, im ersten Jahr nach der Diagnose ein deutlich erhöhtes Risiko auf einen Morbus Parkinson haben. Dieses Risiko steigt mit dem Schweregrad der Depression und geht in den Folgejahren langsam zurück.
Mögliche Erklärungen
- Gemeinsame Pathophysiologie: Es gibt Hinweise darauf, dass beide Erkrankungen gemeinsame neurobiologische Mechanismen haben könnten, insbesondere im Bereich der Dopaminregulation.
- Depression als Frühsymptom von Parkinson: Die Depression könnte ein frühes, unspezifisches Symptom des Morbus Parkinson sein, das den motorischen Symptomen vorausgeht.
- Medikamenteninduziertes Parkinson-Syndrom: Bestimmte Medikamente, die zur Behandlung bipolarer Störungen eingesetzt werden, wie z. B. Lithium, können ein Parkinson-Syndrom auslösen.
- Neuropsychiatrische Komorbidität: Morbus Parkinson geht häufig mit neuropsychiatrischen Komorbiditäten einher, darunter auch affektive Störungen wie Depressionen und bipolare Störungen.
Auswirkungen von neuropsychiatrischen Komorbiditäten auf den Verlauf von Morbus Parkinson
Eine Metaanalyse von 55 Studien mit fast 166.000 Parkinsonpatienten ergab, dass Psychosen, Depressionen und Apathie mit negativen Outcomes assoziiert sind. Psychosen wurden mit kognitiven Einschränkungen und einem Fortschreiten der Krankheit in Verbindung gebracht, während Depressionen eine Verbindung zu Invalidität zeigten.
Neuropsychiatrische Begleiterscheinungen bei Morbus Parkinson
Eine Studie an 225 Parkinsonpatienten in Deutschland zeigte, dass bestimmte neuropsychiatrische Krankheitsbilder bei Morbus Parkinson-Patienten in höherem Maße als in der Normalbevölkerung vorkommen. Die Prävalenz von depressiven Störungen lag zwischen 13% und 50%, die von Dysthymie bei 10%-15%. Bipolare Störungen waren eher selten, während Angststörungen häufig beobachtet wurden.
Medikamente, die Parkinson-Symptome auslösen können
Bestimmte Medikamente, die zur Behandlung anderer Erkrankungen eingesetzt werden, können Parkinson-Symptome auslösen. Dazu gehören:
Lesen Sie auch: Funktion bipolarer Nervenzellen
- Chlorpromazin oder Haloperidol (gegen Psychosen)
- Lithium (gegen bipolare Störungen)
- Metoclopramid (gegen Übelkeit)
- Flunarizin (zur Vorbeugung von Migräne-Anfällen)