Ein Hirntumor ist eine schwerwiegende Erkrankung, die durch das unkontrollierte Wachstum von Zellen im Gehirn entsteht. Die Ursachen für eine Krebserkrankung im Gehirn sind Stand der jetzigen Forschung weitgehend unbekannt. Expertinnen und Experten vermuten, dass sie hauptsächlich zufällig (sporadisch) entstehen - beispielsweise durch Fehler in der Zellteilung. Auch die Risikofaktoren für eine Entstehung von Hirntumoren sind bisher weitestgehend unklar. Die Behandlung von Hirntumoren erfordert oft ein multidisziplinäres Team von Fachleuten, darunter Neurochirurgen, Neurologen, Strahlentherapeuten, Onkologen und Pflegepersonal.
Blutwerte können bei der Diagnose und Behandlung eine wichtige Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet, welche Blutwerte bei Hirntumoren auffällig sein können, welche Ursachen dies hat und wie diese Erkenntnisse in der Diagnostik und Therapie genutzt werden können.
Hirntumoren: Eine Übersicht
Ein Hirntumor ist eine abnorme Zellwucherung im Gehirn. Diese Tumoren können in verschiedenen Teilen des Gehirns entstehen, einschließlich des Hirnstamms, des Kleinhirns und der Hirnhäute. Unter primären Tumoren des Gehirns und Rückenmarks versteht man alle gut- und bösartigen Neubildungen, die im zentralen Nervensystem entstehen, d.h. die von der Gehirn- bzw. Rückenmarksubstanz selbst oder den sie umgebenden Hirnhäuten ausgehen. Primäre Hirntumoren entstehen direkt im Gehirn, während sekundäre Hirntumoren durch Metastasen von Krebszellen anderer Körperregionen wie Lunge oder Brust entstehen.
Symptome von Hirntumoren können je nach Größe, Lage und Art des Tumors variieren. Ein Hirntumor bleibt dem Betroffenen manchmal längere Zeit verborgen, da er zunächst oft keinerlei Beschwerden verursacht. Sollten Sie unter solchen Beschwerden leiden, ist es dringend geboten, einen Neurologen aufzusuchen, der die erforderlichen diagnostischen Schritte einleitet. Kopfschmerzen, die auf einen Hirntumor zurückzuführen sind, werden im Verlauf von wenigen Tagen bis Wochen immer heftiger und lassen sich mit herkömmlichen Schmerzmitteln nur zeitweise oder gar nicht bekämpfen. Der Charakter und die Intensität des Schmerzes werden als neu empfunden. In manchen Fällen treten keine Kopfschmerzen auf.
Die Prognose des Behandlungserfolgs von Hirntumoren variiert je nach Art, Größe und Lage des Tumors sowie dem Stadium der Erkrankung. Einige Hirntumoren können erfolgreich behandelt und geheilt werden, während andere fortschreitend und lebensbedrohlich sein können.
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Da bis auf Patienten mit sehr seltenen Erberkrankungen (Neurofibromatose, von Hippel-Lindau, Li-Fraumeni-Syndrom) keine Risikogruppen benannt werden können, gibt es keine Empfehlungen zur Vorbeugung eines Hirntumors. Früherkennungsprogramme gibt es ebenfalls nicht. In Familien mit einer der seltenen Erberkrankungen werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt.
Diagnose von Hirntumoren
Ein Hirntumor kann auf verschiedene Weise diagnostiziert werden, je nach Art und Lage des Tumors.
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt beginnt die Diagnose, indem er die Symptome des Patienten und dessen medizinische Vorgeschichte ausfragt. Die präzise Schilderung der Beschwerden und die Erhebung der Krankengeschichte geben wichtige Informationen, die zur richtigen Diagnose führen können.
- Bildgebende Verfahren: Die am häufigsten verwendeten bildgebenden Verfahren sind Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT). Diese Verfahren können detaillierte Bilder des Gehirns erzeugen und helfen, den Ort und die Größe des Tumors zu bestimmen. Zur Abklärung von Raumforderungen im Schädelinnenraum eignen sich die Computertomographie (CT) und in erster Linie die Magnetresonanztomographie (MRT). Untersuchungsverfahren der Wahl zum Nachweis und zur Darstellung eines Hirntumors ist allerdings die Kernspintomographie (MRT). Diese hat im letzten Jahrzehnt die Computertomographie in der Diagnostik von Hirntumoren verdrängt, da sie Unregelmäßigkeiten im Gehirn noch detaillierter sichtbar macht als die Computertomographie. Sie wird selbst dann durchgeführt wenn die Computertomographie trotz entsprechenden Verdachts keinen auffälligen Befund erbracht hat.
- Biopsie: Eine Biopsie ist eine Entnahme von Gewebeproben aus dem Tumor. Der Arzt kann eine Biopsie durchführen, um die Art des Tumors und dessen genaue Lokalisation zu bestimmen. Eine Biopsie kann durch eine kleine Öffnung in der Schädeldecke oder durch ein Verfahren namens stereotaktische Biopsie durchgeführt werden.
- Lumbarpunktion: Bei einer Lumbarpunktion wird eine Nadel in den Rücken eingeführt, um eine Probe von Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit zu entnehmen.
- Blutuntersuchungen: In einigen Fällen können auch Blutuntersuchungen durchgeführt werden, um bestimmte Blutwerte zu überprüfen, die auf einen Hirntumor hinweisen können. Allerdings sind diese Marker nicht spezifisch für Hirntumoren und können auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein. Eine Blutuntersuchung kann auch Informationen über die allgemeine Gesundheit des Patienten liefern und ist oft Teil einer umfassenden Diagnose.
Neben den genannten diagnostischen Methoden gibt es noch weitere wie z.B. das Elektroencephalogramm (EEG) und die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor). Mit dem EEG ist eine grobe Lokalisation eines Hirntumors möglich und kann die Anfallsgefährdung ermittelt werden. Die Liquor-Untersuchung dient in manchen Fällen zum Ausschluss einer entzündlichen Erkrankung des Nervensystems.
Ein Hirntumor kann auch zufällig bei einer Untersuchung aufgrund anderer Beschwerden oder einer Verletzung diagnostiziert werden.
Bedeutung von Blutwerten bei Hirntumoren
Ein Hirntumor kann Auswirkungen auf verschiedene Körperfunktionen haben und auch bestimmte Blutwerte verändern. Aus diesem Grund sind Blutkontrollen zur Ermittlung Ihrer Blutwerte unverzichtbarer Teil Ihrer Behandlung gegen Krebs. Die Blutabnahme ist Teil einer Routine- oder Vorsorgeuntersuchung, aber auch die erste Maßnahme zur Abklärung von Beschwerden. Außerdem lassen sich Mangelerscheinungen oder Hinweise auf mögliche Ursachen einer Krankheit erkennen.
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Es gibt jedoch keine spezifischen Tumormarker, die einen Hirntumor eindeutig diagnostizieren können. Die Interpretation von Blutwerten bei Hirntumoren ist komplex und sollte immer in Kombination mit anderen Diagnosetests durchgeführt werden.
Wichtige Blutwerte im Überblick
- Tumormarker: Die Messung des Alpha-Fetoproteins (AFP) und des Beta-HCGs kann nützlich sein, um zu überprüfen, ob der Hirntumor aus einer Keimzelle stammt. Ein weiterer wichtiger Tumormarker bei Hirntumoren ist das Lactatdehydrogenase (LDH).
- Entzündungsindikatoren: Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und das C-reaktive Protein (CRP) sind allgemeine Entzündungsindikatoren und können auch bei Hirntumoren erhöht sein.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Normalwerte variieren je nach Geschlecht und Alter.
- Der Normbereich für den Tumormarker AFP beträgt bei Erwachsenen 0-15 ng/ml und bei Kindern 0-10 ng/ml.
- Der Normbereich für das Beta-HCG liegt bei Männern und nicht schwangeren Frauen unter 5 mIU/ml, bei schwangeren Frauen variiert es je nach Schwangerschaftswoche.
- Der Normbereich für LDH beträgt 240-480 U/l bei Männern und 180-400 U/l bei Frauen.
- Der Normbereich für CYFRA 21-1 liegt bei 0-3,3 ng/ml.
- Der Normalbereich für das S-100B liegt bei unter 0,1 µg/l.
- Die BSG-Normalwerte sind abhängig vom Alter und Geschlecht und liegen zwischen 1 und 20 mm/h.
Veränderungen im Blutbild durch den Tumor selbst
Der Tumor hat nicht nur Auswirkungen auf die Zellen im Gehirn, sondern auch auf spezielle Zellen im Blut, wie beispielsweise die roten und weißen Blutkörperchen sowie Blutplättchen.Obwohl es beim Glioblastom wie gesagt zu Veränderungen im Blut kommen kann, geben diese keinen konkreten Hinweis auf diesen Tumor. Deshalb lassen sich aktuell aus dem Blut keine Informationen zur Aktivität eines Glioblastoms gewinnen.
Veränderungen im Blutbild durch die Therapie
Am häufigsten treten Blutbildveränderungen in Folge der Krebstherapie auf. Es handelt sich hierbei um sogenannte therapieassoziierte Nebenwirkungen. Die Behandlung von Krebserkrankungen mit Zytostatika (“Chemotherapie”) zerstört neben den Krebszellen auch andere sich schnell teilende Zellen im Körper. Zu ihnen gehören auch teilungsfähige Stammzellen des Knochenmarks, das für die Entwicklung von Blutzellen verantwortlich ist. Dadurch kann die Bildung von Blutzellen vermindert werden. Wie stark die Veränderung ist, ist abhängig von den eingesetzten Wirkstoffen und von Patient zu Patient verschieden. Typischerweise wird unter Therapie ein verminderte Zahl von Blutzellen beobachtet (rote Blutkörperchen: “Anämie”, weiße Blutkörperchen: “Leukozytopenie”, Blutplättchen: “Thrombozytopenie”). Diese Verminderung ist reversibel, d.h. die Zellzahl erreicht nach einigen Tagen ihr Minimum (“Nadir”) und erholt sich dann langsam wieder. Deshalb sollten Ihre behandelnden Ärzte und Sie selbst Ihre Blutwerte immer im Blick haben, um Dosis und Intervall der Therapie anpassen und ggf.
Durch die Krebstherapie mit Zytostatika können verschiedene behandlungsbedürftige Blutbildveränderungen auftreten.
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- Bei einer Leukopenie ist die Anzahl Ihrer Leukozyten, der weißen Blutkörperchen, im Blut zu gering. Dies führt zu einer Schwächung des Abwehrsystems im Körper und Krankheitserreger können leichter eindringen und sich ausbreiten.
- Blutarmut entsteht durch einen Mangel an roten Blutkörperchen, das eisenhaltige Hämoglobin. Hämoglobin bindet den Sauerstoff und transportiert ihn in die Körpergewebe. Ist nicht ausreichend Hämoglobin vorhanden, fehlt dem Körper Sauerstoff und Betroffene fühlen sich kraftlos und erschöpft. Eine Blutarmut kann mithilfe von eisenhaltiger Ernährung, sowie Supplementierung mithilfe von Eisenpräparaten erreicht werden.
- Bei einer Thrombozytopenie handelt es sich um zu wenig Blutplättchen (<150.000 /µl) im Blut.
Behandlungsablauf bei Hirntumoren
Ein Hirntumor ist eine bösartige Veränderung des Gehirns, die oft eine komplexe Behandlung erfordert. Welche Behandlung bei dir infrage kommt, ist abhängig von verschiedenen Faktoren. Dazu gehören neben den Eigenschaften des Tumors (Ursprungsgewebe, Mutationen, Stadium und Wachstumsgeschwindigkeit) auch seine Lage sowie dein Alter, dein Gesundheitszustand und eventuelle Begleiterkrankungen.
- Chirurgie: Eine Operation ist oft der erste Schritt bei der Behandlung eines Hirntumors. Der Chirurg versucht, den Tumor so vollständig wie möglich zu entfernen, ohne dabei umgebendes gesundes Gewebe zu beschädigen. Eine Operation ist meist der erste Behandlungsschritt. Sie hat das Ziel, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass keine umliegenden Hirnregionen beschädigt werden, damit es nicht zu neurologischen Beeinträchtigungen kommt. Deswegen werden Hirnoperationen nicht immer unter Vollnarkose durchgeführt. So kann während der Operation z. B.
- Strahlentherapie: Strahlentherapie kann verwendet werden, um verbleibende Tumorreste nach einer Operation zu behandeln oder als primäre Behandlung, wenn eine Operation nicht möglich ist. Da bei einem Hirntumor nicht wie bei anderen Krebserkrankung großzügig umliegendes Gewebe entfernt werden kann, müssen diese Tumorzellen anderweitig bekämpft werden. Manchmal kann auch nicht alles sichtbare Tumorgewebe aufgrund der Lokalisation im Gehirn entfernt werden. Beides könnte sonst zu neurologischen Beeinträchtigungen führen. Eine Option ist dann die Strahlentherapie.
- Chemotherapie: Chemotherapie wird oft in Kombination mit Strahlentherapie verwendet.
- Zielgerichtete Therapien: Diese Therapien richten sich gezielt an spezifische Merkmale der Tumorzellen, wie z.B. spezifische Proteine oder Gene.
- Immuntherapie: Die Immuntherapie nutzt das Immunsystem des Körpers, um Tumorzellen zu bekämpfen.
Zukünftige Forschungsansätze
Neuere Forschungsansätze wie die sogenannte Liquid Biopsy befassen sich mit der Möglichkeit, Krebszellen oder deren DNA im Blut nachzuweisen. Sind die Forschungen erfolgreich, könnte diese Methode dazu beitragen, Krebs selbst dann zu entdecken, wenn die Betroffenen noch keinerlei Symptome zeigen. Die Therapie kann somit zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt eingeleitet werden, was die Erfolgsaussichten deutlich erhöht. Eine Krebserkrankung im Blut zu erkennen wird derzeit intensiv erforscht. Um Krebszellen im Blut zu erkennen, gibt es bereits einige vielversprechende Ansätze, wie beispielsweise die Entnahme einer flüssigen Biopsie (Liquid Biopsy). Anstelle einer klassischen Gewebeentnahme wird bei einer Liquid Biopsy auf eine Blutprobe zurückgegriffen. Hierbei werden winzige Fragmente von Krebszellen aus dem Blut entnommen, die sogenannten zirkulierenden Tumorzellen (CTCs). Sie können Hinweise auf den Tumor und seine Eigenschaften geben. Ein weiterer wichtiger Einsatzzweck für eine Liquid Biopsy ist die Analyse bekannte Treibermutationen bei der Therapiewahl. So können beispielsweise Treibermutationen in den Genen EGFR, KRAS oder NRAS einen Einfluss auf die Therapie nehmen. Neben der Liquid Biopsy dienen Biomarker und Tumormarker dazu, den Behandlungserfolg einer Therapie zu überwachen. Nicht für alle Krebserkrankungen stehen Biomarker zur Verfügung. Außerdem sind sie nicht spezifisch für Krebs, sondern können unter bestimmten Umständen auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein. Für verschiedene Krebserkrankungen werden unterschiedliche Tumormarker eingesetzt.
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