Ein Hydrozephalus, oft auch als „Wasserkopf“ bezeichnet, ist eine Erkrankung, bei der sich übermäßig viel Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit) im Schädelinneren ansammelt. Diese Ansammlung kann zu einem erhöhten Augeninnendruck führen, der wiederum verschiedene Sehstörungen verursachen kann. Es ist wichtig, bei Verdacht auf Hydrozephalus sofort eine Ärztin/einen Arzt aufzusuchen.
Ursachen des Hydrozephalus
Die Hauptursache eines Hydrozephalus ist eine Störung in der Zirkulation des Liquors im Gehirn. Diese Störung kann angeboren sein, wodurch Babys bereits mit dieser Erkrankung zur Welt kommen. Sie kann aber auch im Laufe des Lebens durch bestimmte Ereignisse erworben werden, z. B. durch:
- Infektionen wie Meningitis oder Enzephalitis
- Blutungen im Hirn, besonders bei Frühgeborenen oder im Rahmen einer Subarachnoidalblutung
- Tumore im Gehirn oder im Rückenmark, die die Liquorpassage behindern
- Kopfverletzungen, die den normalen Fluss von Liquor stören
- angeborene Fehlbildungen, die den normalen Fluss von Liquor verhindern
- spinale Zysten oder andere Anomalien
Die Hauptursachen für die übermäßige Ansammlung von Liquor im Gehirn sind:
- Unzureichende Absorption von Liquor: Nachdem der Liquor das Gehirn umspült hat, wird er in das venöse Blutsystem aufgenommen. Ist dieser Prozess gestört, etwa durch Entzündungen oder Blutungen, kann sich Nervenwasser ansammeln. Dies ist die häufigste Ursache.
- Behinderung des Liquorabflusses: Eine Blockade kann verhindern, dass Geirn-Rückenmarksflüssigkeit aus den Hirnkammern abfließen kann. Eine solche Blockade kann durch Tumore, Blutgerinnsel, Membranen (Gewebebrücken) oder Narbengewebe verursacht werden.
- Kommunikationsstörung: Nicht selten fließt der Liquor normal durch die Hirnkammern, kann aber im Subarachnoidalraum nicht richtig zirkulieren, was zu einer Ansammlung führt.
- Verstärkte Produktion von Liquor: In sehr seltenen Fällen wird zu viel Liquor im Gehirn produziert.
Es ist zu beachten, dass die genauen Auslöser des Hydrocephalus in vielen Fällen nicht eindeutig bestimmt werden können, oft wirken auch mehrere Faktoren zusammen.
Arten von Hydrozephalus
Es gibt verschiedene Arten von Hydrozephalus, darunter:
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- Kommunizierender Hydrocephalus (Hydrocephalus communicans): Der Liquorfluss zwischen den Hirnkammern und dem Subarachnoidalraum ist nicht blockiert. Das Problem liegt meist in der unzureichenden Aufnahme des Liquors. Auslöser können etwa Entzündungen, Blutungen oder Infektionen sein.
- Normaldruckhydrocephalus (NPH, Normal Pressure Hydrocephalus; Sonderform des kommunizierenden Hydrocephalus): Wie der Name schon sagt, ist bei dieser Art der Druck im Schädelinneren normal. Die genaue Ursache des NPH ist oft unbekannt. Hauptsymptome sind Gangunsicherheit, Gedächtnisstörungen oder Inkontinenz.
- Nichtkommunizierender Hydrocephalus (Hydrocephalus occlusus oder obstruktiver Hydrocephalus): Der Liquorfluss ist zwischen den Hirnkammern durch eine Blockade oder Verengung gestört. Dies kann beispielsweise durch einen Tumor, eine Fehlbildung oder durch Entzündungsgewebe verursacht werden.
- Hydrocephalus e vacuo: Hierbei handelt es sich nicht um einen Hydrocephalus im eigentlichen Sinne, sondern um die Folgen einer Hirnatrophie, also der Abnahme des Hirnvolumens.
Symptome von Hydrozephalus
Hydrocephalus-Symptome können je nach Alter, Schweregrad und den betroffenen Gehirnregionen variieren.
Hydrocephalus-Symptome bei Säuglingen
Typische Symptome bei Säuglingen, die auf einen Hydrocephalus hinweisen können, sind:
- ein übermäßiges Schädelwachstum sowie (bei starker Ausprägung) das sogenannte „Sonnenuntergangsphänomen“.
- Das übermäßige Schädelwachstum bei Säuglingen ist dabei in den noch offenen Schädelnähten begründet, welche bei einer Druck- und Volumenzunahme im Kopf nachgeben und auseinanderweichen. Damit wird der Kopf größer.
- Beim sogenannten „Sonnenuntergangsphänomen“ ist ein Abwärtsblick der Augen bei geöffneten Lidern gemeint. Der untere Teil der Hornhaut schiebt sich dabei unter das Unterlid des Auges und lässt die Iris mit der darüber befindlichen weißen Sklera („Lederhaut“) wie eine untergehende Sonne wirken.
- Zudem können Säuglinge durch Symptome wie Trinkunlust, wiederholtes Erbrechen, Bewusstseinsstörungen, epileptische Anfälle oder vermehrte Schläfrigkeit bis hin zu Koma-ähnlichen Zuständen, Bradykardie (verlangsamter Herzschlag), mittelfristig Entwicklungsverzögerung auffällig werden.
Treten diese Symptome auf, handelt es sich um einen absoluten Notfall, der einer umgehenden Behandlung in einer auf Hydrocephalus bei Säuglingen spezialisierten Klinik bedarf.
Hydrocephalus-Symptome bei Kindern
Ältere Kinder fallen bei akutem Hirndruck vor allem durch:
- Nüchternerbrechen
- Wesensänderung
- stärkste Kopfschmerzen
- Sehstörungen
- epileptische Anfälle und
- vermehrter Schläfrigkeit bis hin zu Koma-ähnlichen Zuständen
- Bradykardie (verlangsamter Herzschlag)
auf.
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Auch bei dieser Symptomatik sollte eine sofortige Vorstellung in einer Klinik mit kinderneurochirurgischer Anbindung erfolgen.
Sehstörungen im Zusammenhang mit Hydrozephalus
Im Zusammenhang mit Hydrozephalus können verschiedene Arten von Sehstörungen auftreten. Zum Beispiel kann das Auge beziehungsweise die Sehbahn direkt betroffen sein, weil sie nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. In diesem Fall kann es zur Erblindung auf einem Auge kommen. Zum anderen kann eine Region im Gehirn betroffenen sein, in der die Informationen des Auges verarbeitet werden. Das Auge selbst ist also intakt, aber die Informationsverarbeitung im Gehirn funktioniert nicht mehr richtig. Die Wahrnehmung ist gestört. Dies ist häufiger der Fall als eine Erblindung.
Wenn das Gehirn die Informationen, die das Auge weiterleitet nicht mehr richtig aufnehmen kann, kann dies zahlreiche Folgen haben, unter anderem:
- Gesichtsfeldeinschränkungen: Die Gesichtsfeldeinschränkung ist mit Abstand die häufigste Sehstörung nach einer Hirnschädigung. Die Einschränkung kann sehr unterschiedlich ausfallen, von kleinen „blinden Flecken“ (sogenannten Skotome), über einen „Tunnelblick“ bis hin zu dem Ausfall einer kompletten Gesichtshälfte - je nach Größe, Ort und Art der Schädigung im Gehirn. Die führt dazu, dass im Alltag Hindernisse übersehen werden und sich Betroffene zum Beispiel oft stoßen. Da es mit einem eingeschränkten Blickfeld schwieriger ist, sich schnell zur orientieren und einen Überblick zu verschaffen, kann es zu entsprechenden Unsicherheiten kommen - vor allem im öffentlichen Raum und im Straßenverkehr. Auch die Lesegeschwindigkeit ist oft verringert, da Satzanfänge oder -enden übersehen werden.
- Doppelbilder: Doppelbilder oder ein „verschwommenes“ Sehen können Folgen eines Schlaganfalls sein. Dabei können die Doppelbilder auch zu Schwindel führen.
- Herdblick: Der Herdblick kann ein erstes Anzeichen für einen Schlaganfall sein, das häufig nicht als solches wahrgenommen wird. Der Blick „kippt“ zur linken oder zur rechten Seite, der Betroffene kann seine Blickrichtung nicht mehr kontrollieren. In manchen Fällen drehen sich nicht die Augen, sondern der ganze Kopf in eine Richtung.
- Visuell-Räumliche Störungen: Durch eine Hirnschädigung kann es sein, dass die Raumachsen nicht mehr richtig wahrgenommen werden können. Das führt dazu, dass Betroffene zum Beispiel Schwierigkeiten haben, geradeaus zu gehen oder ein Fahrrad oder Rollstuhl zu steuern.
- Neglect: Neglect bedeutet, dass eine Raum- und/oder Körperhälfte nicht mehr wahrgenommen wird. Das heißt, dass der Betroffene seine Aufmerksamkeit einer Raum- oder Körperseite nicht mehr zuwenden kann. Es gibt verschiedene Arten des Neglects, der visuelle Neglect tritt am häufigsten auf. Der Unterschied zwischen einen Gesichtsfeldausfall und einem visuellen Neglect ist manchmal schwierig auszumachen, teilweise tritt auch beides zusammen auf. Grundsätzlich ist ein Neglect eine Störung der Aufmerksamkeit auf eine Raumseite, Ein Gesichtsfeldausfall ist eine Störung des Sehens. Bei einem Gesichtsfeldausfall ist dem Betroffenen in der Regel bewusst, dass die Raumhälfte existiert - er sie selbst allerdings nicht wahrnehmen kann. Bei einem visuellen Neglect lenkt der Betroffene seine Aufmerksamkeit nicht spontan auf die betroffene Seite. So bemerken die Betroffene oft selbst nicht, dass etwas „fehlt“.
- Ptosis: Unter einer Ptosis verstehen wir das vollständige oder auch teilweise Herabhängen eines oder beider Oberlider (Blepharoptosis). Verschiedene Gründe können dazu führen, dass das gesamte Oberlid herabhängt und die Lidspalte verengt. Der Schweregrad der Erkrankung kann von einer leichten Asymmetrie bis zu einer starken Beeinträchtigung des Sehens variieren. Teilweise ist die Sehachse (Pupillenmitte) verlegt oder das Oberlid hängt sogar komplett herab. Die häufigsten Ursachen sind Altersveränderungen mit einer Überdehnung und Erschlaffung der tieferen Lidgewebe (sog. Levator-Aponeurose). Auch das langjährige Tragen von Kontaktlinsen kann ursächlich sein. Angeborene Formen (kongenitale Ptosis) zeigen dagegen eine Schwäche des Lidhebermuskels (Levator). Bei einer kindlichen Ptosis ist die Entwicklung einer Sehminderung (Amblyopie) auch durch zusätzliches Vorliegen einer Hornhautverkrümmung möglich.
Diagnose von Hydrozephalus
Zum Erkennen eines Hydrocephalus (Gehirnwassersucht) sind eine sorgfältige medizinische Untersuchung und spezifische bildgebende Verfahren erforderlich. Die Diagnose basiert auf den Anzeichen der Betroffenen, der Anamnese und den Ergebnissen der bildgebenden Diagnostik. Ein Arzt/eine Ärztin wird zunächst die klinischen Symptome und die medizinische Vorgeschichte der Betroffenen bewerten. Folgende Diagnoseverfahren können zum Einsatz kommen:
- Magnetresonanztomografie (MRT): Eine MRT bietet noch detailliertere Bilder.
- Lumbalpunktion (LP): Bei dieser Prozedur wird eine kleine Menge Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit aus dem Wirbelsäulenkanal entnommen, um den Liquordruck zu messen und den Liquor auf Anomalien zu untersuchen.
In einigen Fällen können zusätzliche Tests durchgeführt werden, um den Liquorfluss zu beurteilen oder die Reaktion des Gehirns auf temporäre Veränderungen im Liquordruck zu bewerten.
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Behandlung von Hydrozephalus
Eine effektive medikamentöse Therapie zur Behandlung des Hydrocephalus ist derzeit nicht bekannt. Die einzige Möglichkeit, die Ursache für einen Hydrocephalus zu beheben, bleibt somit ein chirurgischer Eingriff. Die Ursache kann jedoch meist nicht direkt behoben werden, da beispielsweise ein gestörter Abfluss durch Verklebungen nach Blutungen nicht wiedereröffnet werden kann. Stattdessen werden alternative Abflusswegegeschaffen um somit den Aufstau des Hirnwassers zu beheben.
Hierbei kommen verschiedene Verfahren zur Anwendung:
- Ventrikulo-peritonealer Shunt: Die gängigste Operation bei nachgewiesenem Hydrocephalus ist die Anlage eines sogenannten ventrikulo-peritonealen Shunts. Damit ist ein Schlauchsystem aus Silikon gemeint, welches von einer Hirnwasserkammer, meist einem Seitenventrikel aus unter der Haut bis in den Bauch geleitet wird und das Hirnwasser in den Bauchraum ableitet. In der Bauchhöhle wird das Hirnwasser dann wieder in den Blutkreislauf aufgenommen. Um zu verhindern, dass insbesondere aufgrund der Schwerkraft (beispielsweise beim Hochnehmen des Kindes oder beim Laufen) zu viel Hirnwasser auf einmal abfließt, werden meist Ventile in einem Shuntsystem verbaut. Hierbei gibt es eine Vielzahl von Herstellern und Ventiltypen mit jeweiligen Vor- und Nachteilen. Gute Erfahrung haben wir mit Differentialdruck-, und Gravitationsventilen gemacht. Es gibt fest eingestellte und verstellbare Ventile. Bei den fest eingestellten Ventilen gibt es selbstverständlich angepasste Druckstufen für Kinder. Die Druckstufe wird nach den individuellen Erfordernissen des Kindes ausgewählt. Sollte es nach verschiedenen Bauchoperationen nicht möglich sein den ableitenden Silikonkatheter in den Bauchraum abzuleiten, gibt es auch die Möglichkeit das Hirnwasser über einen ventrikulo-atrialen Shunt, anstatt in den Bauchraum, in den rechten Herzvorhof abzuleiten. Diese Art der Ableitung wird jedoch vergleichsweise selten angewendet, auch aufgrund des schnellen Wachstums der Kinder.
- Externe Ventrikeldrainage“ (EVD): Bei einer frischen Blutung oder Infektion stellt sich das Hirnwasser nach Eingehen in den Ventrikelraum trüb und eiweißreich dar, was zu einem Verstopfen der Schläuche oder Bauteile des Shuntsystems führen kann. In diesem Fall wird das Hirnwasser vorübergehend über eine „Externe Ventrikeldrainage“ (EVD) aus dem Körper hinaus abgeleitet. Sobald das Hirnwasser klar ist und die richtige Druckstufe gefunden wurde, wird das System, wie oben beschrieben, in den Bauch hineingelegt.
- Minimal-invasive endoskopische Operation: In seltenen Fällen, zum Beispiel bei einem Fehlbildungshydrocephalus, speziell einer „Aquäduktstenose“, kann auch eine endoskopische, minimal-invasive Operation durchgeführt werden. Hierbei wird im Gehirn ein neuer, innerer Abflussweg (z.B. per „Ventrikulozisternostomie“) geschaffen. Solche Operationen erfolgen nach gemeinsamer Prüfung der Indikation durch die Kollegen der Neurochirurgie. Hierbei muss jedoch beachtet werden, dass bei kleinen Kindern trotzdem im Verlauf die Anlage eines ventrikulo-peritonealen Shunts notwendig werden kann.
Mögliche Komplikationen
Wie bei jedem chirurgischem Eingriff, sind als Hauptkomplikationen, im Rahmen des Krankenhausaufenthaltes, die Verletzung der Organe, hier des Hirns, Blutungen oder Infektionen zu nennen. Weiterhin können später im Verlauf Materialversagen, die Verstopfung der Bauteile oder eine Fehllage der Bauteile auftreten. Die späten Komplikationen treten am häufigsten im 1. Jahr nach der Operation auf und müssen durch eine Folgeoperation behoben werden.
Nachbehandlung
Die Nachbehandlung findet im Rahmen regelmäßiger Nachkontrollen statt, die während unserer „Shuntsprechstunde“ durchgeführt werden. Aufgrund der bereits erwähnten erhöhten Komplikationsrate und des erheblichen Kopfwachstums im 1. Lebensjahr erfolgt eine ärztliche Vorstellung zu Beginn häufiger in Abständen von 3 bis maximal 6 Monaten. Bei guter Entwicklung erfolgen dann jährliche bis zweijährliche Kontrollen, bei denen vor allem auf die Entwicklung des Kindes, eine noch ausreichende Länge des Katheters im Bauchraum und optimale Ableitung des Hirnwassers geachtet wird. Alle 3 bis 4 Jahre wird außerdem eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes durchgeführt, um die Lage des zentralen Schlauches und die Weite der Hirnwasserkammern zu beurteilen. Zeigt sich der Schlauch im Bauchraum durch das Wachstum des Kindes zu kurz wird der Schlauch in einer Operation verlängert.
Können sich Sehstörungen zurückbilden?
Das ist wie bei allen neurologischen Erkrankungen sehr individuell. Eine Erblindung bildet sich nicht zurück, eine Wahrnehmungsstörung kann sich zurückbilden - teilweise oder vollständig, spontan oder durch spezielle Therapien. Je mehr Zeit nach dem Schlaganfall vergangen ist, desto unwahrscheinlicher wird eine spontane Rückbildung der Symptome.
Prognose bei Hydrozephalus
Zunächst sind die neurologischen Probleme der Kinder Folge der Ursache des Hydrocephalus und nicht der Shuntoperation. Bei rechtzeitiger und zielgerichteter Therapie zeigt sich häufig eine gute Prognose, natürlich in Abhängigkeit der Ursache, sodass die Kinder im weiteren Verlauf eine gute Entwicklung zeigen und möglicherweise keinen zusätzlichen Förderbedarf haben. Wichtig sind jedoch regelmäßige Verlaufskontrollen, hierbei vor allem über unsere „Shuntsprechstunde“. Regelmäßige augenärztliche Untersuchungen sollten ebenfalls durchgeführt werden. Bei möglichem Förderbedarf binden wir unsere mit einem Shuntsystem versorgten Kinder auch an unser Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) an.
Weitere Ursachen für Sehstörungen
Neben dem Hydrozephalus gibt es noch weitere Ursachen für Sehstörungen, die im Zusammenhang mit Hirnblutungen auftreten können. Dazu gehören:
- Direkte Schädigung der Sehbahn: Eine Hirnblutung kann direkt die Sehbahn schädigen, was zu Gesichtsfeldausfällen oder anderen Sehstörungen führen kann.
- Erhöhter Hirndruck: Auch ohne Hydrozephalus kann eine Hirnblutung zu einem erhöhten Hirndruck führen, der den Sehnerv schädigen und Sehstörungen verursachen kann.
- Augenzittern (Nystagmus): Nystagmus ist eine Augenbewegungsstörung, die sich durch schnelle, rhythmische Bewegung der Augen äußert. Das Augenzittern kann in allen Richtungen, sowohl horizontal als auch vertikal auftreten und kann scharfes Sehen beeinträchtigen.
Ursachen für Nystagmus
Die möglichen Ursachen für Augenzittern sind:
- Erkrankungen des Nervensystems: Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Zerebralparese, Enzephalitis, Morbus Parkinson und Muskeldystrophien können zu Nystagmus führen.
- Drogenmissbrauch: Wenn Stimulanz eingenommen wird, kann es zu einer schnellen Augenbewegung kommen, die Nystagmus auslöst.
- Kopfverletzungen: Kopfverletzungen können zu Schädigungen des Gehirns oder des Nervensystems führen, was zu Nystagmus führen kann. Es kann auch ein Ergebnis von Schäden an den Augenmuskeln oder dem Innenohr sein, die durch eine Kopfverletzung verursacht werden.
- Schlaganfall: Nystagmus kann eine Folge eines Schlaganfalls sein. In einigen Fällen tritt der Nystagmus direkt nach einem Schlaganfall auf, in anderen Fällen kann er erst Wochen oder Monate später auftreten. Augenzittern, das durch einen Schlaganfall verursacht wird, kann in jede Richtung auftreten und sich auf ein oder beide Augen auswirken.
- Stress: Stress kann eine Vielzahl von körperlichen und emotionalen Symptomen verursachen, einschließlich Muskelzuckungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Augenzittern. Menschen, die unter chronischem Stress leiden, können sich anfälliger für Nystagmus machen.
- HWS: Nystagmus kann auch durch eine Halswirbelsäulenverletzung verursacht werden. Wenn die Halswirbelsäule geschädigt wird, können sich bestimmte Muskeln des Nackens zusammenziehen und Druck auf das visuelle System ausüben. Das zeigt sich häufig durch anhaltende Kopfschmerzen, Schwindel oder Nackensteifigkeit.
- Mangel an Nährstoffen: Bestimmte Nährstoffe wie Vitamin B12, Folsäure und Jod sind für die Funktion des Nervensystems und des Gehirns notwendig. Wenn diese Nährstoffe nicht in ausreichenden Mengen vorhanden sind, kann das zu Funktionsstörungen des Nervensystems führen.
- Genetische Faktoren: Einige Gene beeinflussen direkt die Struktur und Funktion der Augenmuskeln, andere die Funktion des zentralen Nervensystems, beides kann Nystagmus beeinflussen oder verursachen kann.
- Gehirnerschütterung: Durch eine Gehirnerschütterung kann es zu einer Schädigung des Gleichgewichtsorganes im Innenohr oder des Gleichgewichtszentrums im Gehirn kommt. Der Nystagmus tritt auf, wenn die Augenmuskeln unkoordiniert und ungleichmäßig arbeiten, was zu einer unkontrollierten Bewegung der Augen führen kann. Es kann auch durch eine Schädigung bestimmter Nervenbahnen im Gehirn verursacht werden.
- Albinismus: Albinismus ist eine genetische Erkrankung, die zu einer Fehlfunktion der Melaninproduktion führt, was zu einer Abnahme der Pigmentierung der Haut, der Haare und der Augen führt. Einige Fälle von Albinismus sind mit einem Nystagmus verbunden, da die Fehlfunktion der Melaninproduktion die Sehfähigkeit beeinträchtigt, was wiederum die normalen Augenbewegungen stört.
Arten von Nystagmus
Es gibt verschiedene Arten von Nystagmus, die sich hinsichtlich der Art der Augenbewegung, der Ursache und der Behandlung unterscheiden. Der horizontale Nystagmus ist die häufigste Form, bei dem schnelle und unkontrollierte Schlag- und Pendelbewegungen in horizontaler Richtung festzustellen sind. Man spricht auch von einem Pendelnystagmus. Der vertikale Nystagmus mit rotierenden Bewegungen tritt seltener auf. Grundsätzlich unterscheiden wir auch zwischen einem angeborenen und einen erworbenen Nystagmus.
- Nystagmus bei Kindern: Der angeborene Nystagmus ist eine seltene Erkrankung, die in der Regel in der Kindheit diagnostiziert wird. Es kann auf eine Störung des oculomotorischen Systems oder des visuellen Systems zurückzuführen sein. In einigen Fällen kann es auf neurologische Erkrankungen und Komplikationen der Geburt zurückzuführen sein.
- Nystagmus bei Erwachsenen: Der erworbene Nystagmus kann durch eine Augenerkrankung, eine Kopfverletzung, eine neurologische Erkrankung oder viele andere Auslöser verursacht werden. Es ist wichtig, die Ursache des Augenzitterns zu bestimmen, damit die richtige Behandlung gewählt werden kann.
Behandlung von Nystagmus
Die Behandlung von Nystagmus hängt maßgeblich von der Ursache ab. Wenn die Ursache ein Mangel an Nährstoffen und Vitaminen ist, können Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Einige Medikamente können auch verschrieben werden, um die Symptome zu lindern. In schweren Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um das Augenzittern zu beseitigen. Eine andere Möglichkeit ist die Anwendung eines optischen Gegenmittels, das die Augenmuskeln entspannt und den Nystagmus reduziert. Ein wichtiger Teil der Behandlung von erworbenem Nystagmus kann auch sein Änderungen am Lebensstil anzustoßen, wie zum Beispiel den Konsum von Alkohol, Koffein und anderen Stimulanzien zu reduzieren.
Es ist daher wichtig, dass die Ursache des Augenzitterns abgeklärt wird, bevor eine Behandlung begonnen wird. Ein Augenarzt/ eine Augenärztin kann eine Reihe von Tests durchführen, um die Ursache des Nystagmus herauszufinden. Andere Tests können auch durchgeführt werden, um andere mögliche Erkrankungen auszuschließen. Es ist weiterhin wichtig regelmäßig Augenuntersuchungen durchzuführen, um den Verlauf des Nystagmus zu überwachen.
Weitere Augenerkrankungen
Neben den oben genannten Erkrankungen gibt es noch weitere Augenerkrankungen, die zu Sehstörungen führen können:
- Grauer Star (Katarakt): Beim Grauen Star (Katarakt) trübt sich vor allem in den späteren Lebensjahren die im Auge befindliche Linse und es entsteht der Eindruck vom verschwommen Sehen bzw. eines verschleierten Bilde. Zum Glück gibt es heute die Möglichkeit, mittels eines kleinen operativen Eingriffs die getrübte Linse durch eine Kunststofflinse auszutauschen, wodurch in den meisten Fällen die Sehkraft wieder hergestellt werden kann. Falls eine Operation nicht in Frage kommt, werden vergrößernde Sehhilfen wie Lupen, Bildschirmlesegeräte o.ä.
- Altersbedingte Makula-Degeneration (AMD): Eine der häufigsten Sehbehinderungen im fortgeschrittenen Lebensalter ist die Altersbedingte Makula-Degeneration (AMD), welche in zwei Formen auftreten kann: der trockenen und der feuchten Makula-Degeneration. Folgen der Altersbedingte Makula-Degeneration: die Nervenzellen im Bereich des schärfsten Sehens (der Makula) werden zerstört. Bei der trockenen AMD nimmt die Sehschärfe langsam, aber stetig ab. Um die Folgen der Krankheit zumindest teilweise auszugleichen, kommen vergrößernde Sehhilfen wie Lupen, Bildschirmlesegeräte o.ä. Die feuchte AMD verläuft wesentlich schneller als die trockene AMD. Mit der Einführung der VEGF-Hemmer gibt es seit einiger Zeit Arzneimittel, die gezielt in den Krankheitsfortschritt der feuchten MD eingreifen. Der Wirkstoff wird direkt über eine intravitreale Injektion ins Auge eingebracht. VEGF-Hemmer blockieren den Wachstumsfaktor (Vascular Endothelial Growth Factor) der Gefäße im Auge und versuchen gleichzeitig, seine Arbeitsleistung herunter zu regeln. Dadurch sinkt die Gefahr unerwünschter Gefäßneubildungen bzw. von Flüssigkeitsansammlungen im Auge. Bereits vorhandene Ödeme können nicht mehr weiterwachsen und trocknen aus.
- Grüner Star (Glaukom): Unter dem Begriff „Grüner Star“ (Glaukom) werden verschiedene Augenkrankheiten zusammengefasst, die mit einer Augeninnendruckerhöhung einhergehen. Üblicherweise liegt bei Erwachsenen der Augeninnendruck bei etwa 15 - 20 mm/Hg. Ist dieser Wert stark erhöht, führt dies zu einer irreparablen Schädigung des Sehnervs, die sich durch Gesichtsfeldausfälle bemerkbar macht. Es wird daher eine regelmäßige Untersuchung des Augeninnendrucks empfohlen.
- Diabetische Retinopathie: Mit der starken Zunahme der Krankheit Diabetes mellitus kommt es zwangsläufig auch vermehrt zu einer Schädigung der Augen durch die Diabetische Retinopathie. Bei dauernd erhöhten Blutzuckerwerten lagern sich im Auge Fett- und Eiweißstoffe in den empfindlichen Gefäßwänden ein, die dadurch brüchig werden und platzen können. Dies macht sich für den Betroffenen durch Gesichtsfeldausfälle bemerkbar. Eine Behandlung dieser Sehschädigung ist durch Laser- und Kältetherapie nur sehr bedingt möglich.
- Retinopathia Pigmentosa (RP): Bei der Retinopathia Pigmentosa (RP), die umgangssprachlich meist als „Retinitis Pigmentosa“ bezeichnet wird, handelt es sich um eine Gruppe erblich bedingter Netzhauterkrankungen. Im fortgeschrittenen Stadium wird das Sehfeld, das beim gesunden Auge etwa 120/180 Grad beträgt, oft auf einen kleinen Bereich von nur wenigen Grad eingeschränkt, so dass man nur noch wie durch eine Röhre oder einen Tunnel sehen kann. Dies macht eine räumliche Orientierung praktisch unmöglich. Eine Therapie gegen die Ursachen der RP gibt es bisher nicht. Einige Forschungsprojekte zur Entwicklung von sog. Netzhaut-Implantaten (Retina-Implantat) sind bereits angelaufen.
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