Der Zusammenhang zwischen Augenmuskeln, Gleichgewichtsnerv und Schwindel: Ursachen, Diagnose und Behandlungen

Das komplexe Zusammenspiel von Augenmuskeln, Gleichgewichtsnerv und Gehirn ist entscheidend für unser räumliches Orientierungsvermögen und Gleichgewicht. Störungen in diesem System können zu Schwindel, Benommenheit und anderen unangenehmen Symptomen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen diesen Komponenten, die verschiedenen Ursachen für Störungen, die Diagnosemethoden und die verfügbaren Behandlungsoptionen.

Einführung in das Zusammenspiel von Augen und Gleichgewicht

Für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts ist die Zusammenarbeit mehrerer Sinnesorgane entscheidend, wobei das visuelle System eine zentrale Rolle spielt. Störungen oder Veränderungen im Sehen können die Orientierung im Raum erheblich beeinträchtigen und sich direkt auf die Stabilität und Sicherheit bei Bewegung auswirken. Veränderungen im Bereich der Augen führen häufig zu Unsicherheiten beim Zusammenspiel mit dem Gleichgewichtsorgan. Einschränkungen der räumlichen Wahrnehmung oder der Schärfentiefe erschweren die korrekte Einschätzung von Entfernungen und Bewegungen. Dadurch können visuelle Signale nicht mehr optimal mit Informationen aus dem Innenohr oder der Tiefensensibilität abgeglichen werden.

Grundlagen des vestibulookulären Reflexes (VOR)

Der vestibulookuläre Reflex (VOR) ist ein wichtiger Mechanismus, der das Gleichgewicht und die Augenbewegungen koordiniert. Er sorgt dafür, dass wir bei Kopfbewegungen klare und stabile Bilder sehen können. Wenn der VOR gestört ist, kann dies zu Schwindel und Benommenheitsschwindel führen.

Funktion des VOR

Der VOR stabilisiert das Blickfeld, indem er Augenbewegungen kompensiert, die durch Kopfbewegungen verursacht werden. Dies geschieht durch die enge Zusammenarbeit von Gleichgewichtsorganen im Innenohr und den Augenmuskeln. Der Reflex ermöglicht es, dass die Augen sich in die entgegengesetzte Richtung der Kopfbewegung bewegen, um ein stabiles Bild auf der Netzhaut zu gewährleisten.

Störungen des VOR

Wenn der VOR nicht richtig funktioniert, können die Augenbewegungen nicht mehr korrekt mit den Kopfbewegungen synchronisiert werden. Dies kann zu einem Gefühl von Unschärfe, Schwanken oder Drehen führen. Solche Störungen können durch Erkrankungen des Innenohrs, neurologische Störungen oder Augenprobleme verursacht werden. Beispiele sind eine Schwächung des vestibulären Systems durch Alterung, Entzündungen oder Traumata.

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Visuelle Ursachen für Schwindel

Visuelle Probleme können eine erhebliche Rolle bei der Entstehung von Schwindel spielen. Zu den häufigsten visuellen Ursachen von Schwindel gehören:

Augenmuskelstörungen

Wenn die Augenmuskeln nicht richtig arbeiten, kann dies zu falschen visuellen Informationen führen, die das Gehirn nicht korrekt verarbeiten kann. Dies kann zu Schwindel und Gleichgewichtsstörungen führen. Probleme wie Strabismus (Schielen) oder Nystagmus (unwillkürliche Augenbewegungen) sind häufige Ursachen.

Die Bewegungsfähigkeit der Muskeln in allen Blickrichtungen des Raumes wird mit Hilfe des Abdecktestes überprüft. Dabei achtet die Orthoptistin auch auf kleinste Änderungen eines vorliegenden Schielwinkels, um eine Augenmuskelschwäche zu erkennen. Das Abweichen wird genau vermessen, zum einen mit Prismengläsern, zum anderen an der Tangentenskala nach Harms (hier können insbesondere vergleichende Messungen bei Befundkontrollen vorgenommen werden oder verrollte Augenstellungen quantitativ bestimmt werden). Zusatzuntersuchungen wie die subjektive visuelle Vertikale und die Fundusphotographie mit dem Laser- Scanning- Ophthalmoskop ermöglichen ein sicheres Erkennen von zentral bedingtem erworbenem Schielen (also Doppeltsehen, welches durch Störungen des Hirnstamms und Kleinhirns herrührt).

Fehlsichtigkeiten

Unkorrigierte Fehlsichtigkeiten wie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Astigmatismus können das visuelle System überlasten und Schwindel verursachen. Das Tragen einer falschen Brille oder Kontaktlinsen kann ebenfalls ähnliche Probleme verursachen. Fehlsichtigkeiten führen zu einer dauerhaften Anstrengung des visuellen Systems, was wiederum Schwindelsymptome auslösen kann.

Visuelle Überlastung

Längeres Arbeiten am Computer, Lesen oder andere Aktivitäten, die die Augen stark beanspruchen, können zu visueller Überlastung führen. Dies kann das Gleichgewichtssystem stören und Schwindel verursachen. Symptome wie Augenbrennen, Kopfschmerzen und verschwommenes Sehen sind häufige Begleiterscheinungen.

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Störungen der visuellen Verarbeitung

Probleme bei der Verarbeitung visueller Informationen im Gehirn können ebenfalls Schwindel verursachen. Diese Störungen können durch neurologische Erkrankungen oder Verletzungen des Gehirns verursacht werden. Zu den möglichen Ursachen gehören Migräne, Gehirnerschütterungen oder Störungen wie das visuelle Verarbeitungsdefizit.

Nystagmus (Augenzittern)

Mit zu den häufigsten Krankheitsbildern in der Augenheilkunde zählt der Nystagmus, der mit „Augenzittern“ übersetzt wird. Wenn sich die Augen im gleichen Rhythmus, jedoch ohne willentliche Kontrollmöglichkeit in kurzen Zuckungen oder Pendelbewegungn hin und her bewegen, spricht man im Fachjargon von Nystagmus. Das Augenzittern kann angeboren sein, aber auch Hinweis auf eine neurologische Störung oder Stoffwechselerkrankung sein. Abzugrenzen von der krankhaften Form ist der sogenannte optokinetische Nystagmus, der bei jedem gesunden Menschen durch eine schnelle Abfolge vorbeiziehender Bilder ausgelöst wird.

Die Orthoptistin überprüft weiterhin die Genauigkeit und Geschwindigkeit von Blicksprüngen und Blickfolgebewegungen, achtet auf dezente Fixations-entgleisungen oder Nystagmus (Augenzittern). Wenn nötig wird die genaue Aufzeichnung eines solchen Augenzitterns mit Hilfe der Videookulographie durchgeführt.

Formen des Nystagmus

  • Physiologischer Nystagmus: Dieser Nystagmus ohne besonderen Krankheitswert beruht auf einem komplexen Zusammenspiel der verschiedenen Hirnnerven, die am Sehvorgang und der Augenbewegung beteiligt sind. Das ursprüngliche Signal stammt hier entweder aus dem Auge bzw. den Sehnerven selbst oder dem Gleichgewichtsorgan des Innenohrs und wird immer dann ausgelöst, wenn wir ein bewegliches Objekt verfolgen oder wir uns selbst bewegen. Ein optokinetischer Nystagmus dient dazu, sich bewegende Objekte mit den Augen zu verfolgen. Umgangssprachlich spricht man hier auch vom „Eisenbahnnystagmus“, da er beispielsweise dann auftritt, wenn man beim Bahnfahren aus dem Fenster schaut. Es handelt sich um eine rein physiologische Reaktion. Der Beobachter eines vorbeifahrenden Zuges folgt diesem unwillkürlich mit den Augen bis zu einem bestimmten Ablenkungspunkt, dann wird eine schnelle Rückstellbewegung der Augen durchgeführt, der sich wieder die langsamere Folgebewegung anschließt usw.

  • Pathologischer Nystagmus: Ein krankhafter Nystagmus hingegen kann darauf beruhen, dass das Gleichgewichtsorgan oder andere Teile des Gehirns fälschlicherweise eine Bewegung signalisieren. Daher gilt grundsätzlich, dass jeder in Ruhe auftretende Nystagmus krankhaft ist und einer genauen Diagnostik unterzogen werden muss.

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    • Angeborener Nystagmus: Das Krankheitsbild des Nystagmus kann angeboren sein und bereits in den ersten Lebenswochen auftreten. Man spricht hier vom frühkindlichen Nystagmus. Oft ist die Augenbewegung hierbei nicht exakt in der Horizontalebene und kann in verschiedene Richtungen unregelmäßig abweichen. Meist sind beide Augen gleichermaßen betroffen. Die genaue Ursache ist zwar bislang unbekannt, man vermutet jedoch eine Störung im Bereich des Mittelhirns. Nur sehr selten sind Tumore oder andere neurologische Erkrankungen nachweisbar. Der latente Nystagmus wird als Sonderform des frühkindlichen Nystagmus angesehen. Dieser steht im Zusammenhang mit dem Schielen und einer Beeinträchtigung des beidäugigen Sehens. Daher tritt dieser auf, wenn ein Auge verdeckt ist. Wird die Abdeckung wieder entfernt, legt sich auch der Nystagmus.
    • Erworbener Nystagmus: Beim erworbenen Augenzittern liegt die Ursache meist in einer Erkrankung des Gehirns oder des Gleichgewichtsorgans. Auch Drogen wie Ecstasy können Augenzittern auslösen, weil sie zu einer Fehlkoordination zwischen dem Gleichgewichtssinn und dem Sehen führen. Verschiedene neurologische Erkrankungen können einen Nystagmus auslösen. Mögliche Ursache kann hier die Erkrankung eines der beiden Gleichgewichtsorgane sein. Aber auch Erkrankungen des Kleinhirns oder des Hirnstamms können einem Nystagmus zugrunde liegen. Weitere mögliche Ursachen sind Grunderkrankungen des zentralen Nervensystems wie Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Tumore oder zurückliegende Schlaganfälle und Kopfverletzungen. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente wie Antidepressiva oder Beruhigungsmittel können einen Nystagmus auslösen.
    • Vestibulärer Nystagmus: Ein vestibulärer Nystagmus besitzt an sich keinen Krankheitswert. Die Gleichgewichtsorgane (Vestibularorgane) beider Seiten registrieren dabei, dass sich der Körper bewegt. Um trotz dessen ein möglichst ruhiges Bild der Umgebung zu erhalten, bewegen sich die Augen rhythmisch hin und her. Die Gleichgewichtsorgane werden dabei unabhängig vom Gesehenen gereizt, so tritt das Augenzittern beispielsweise auch dann auf, wenn man sich mit geschlossenen Augen auf einem Schreibtischstuhl dreht. Liegen einem Spontannystagmus vestibuläre Ursachen zugrunde, dann spricht man von einem vestibulären Spontannystagmus. Dieser kann dann auftreten, wenn ein Gleichgewichtsorgan ausfällt, wie dies beispielsweise beim Morbus Menière der Fall ist. Auch beim Lagerungsschwindel kann ein Nystagmus auftreten. Ursächlich ist hier eine Störung bestimmter Kristalle im Gleichgewichtsorgan.
    • Fixations- oder Blickrichtungsnystagmus: Fixations- oder auch Blickrichtungsnystagmen sind ebenfalls pathologische, d.h. krankhafte Formen des Augenzitterns. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie durch die Fixierung eines Objektes mit den Augen nicht verbessert, sondern sogar noch verstärkt werden. Ursache können angeborene oder im Laufe des Lebens erworbene Erkrankungen des Gehirns sein. Auch der frühkindliche Nystagmus wird meist zu dieser Art der unwillkürlichen Augenbewegung gezählt.

Symptome bei Nystagmus

Liegen einem Nystagmus vestibuläre Ursachen zugrunde, tritt das Augenzittern oft im Zusammenhang mit Doppelbildern, Schwindel, Kopfschmerzen oder sogar Übelkeit auf. Die Beschwerden entstehen dadurch, dass das Gehirn eine Diskrepanz zwischen dem optisch wahrgenommenen Bild der Umgebung und den Reizen durch das Gleichgewichtsorgan detektiert. Ein frühkindlicher Nystagmus kann zu einer Schiefhaltung des Kopfes führen. Tritt der Nystagmus als Symptom einer Grunderkrankung auf, so können zusätzlich zum Augenzittern und den oben genannten Beschwerden weitere Symptome dieser Erkrankung auftreten.

Um das unruhige Bild auszugleichen, versuchen Betroffene durch Schiefhalten des Kopfes die Augen zu beruhigen. In manchen Fällen gelingt dies auch.

Diagnose bei Nystagmus

Physiologische Formen des Nystagmus besitzen keinerlei Krankheitswert und müssen keiner Diagnostik unterzogen werden. Alle anderen Formen des Nystagmus müssen zwingend genauer untersucht werden. Die Diagnostik beginnt stets mit der Erhebung einer ausführlichen Anamnese. Sind bereits bestimmte Grunderkrankungen bekannt, dann kann dies wichtige Hinweise zur Ursache des Nystagmus liefern. Je nach Verdachtsdiagnose kommen dann verschiedene klinische Tests zur Anwendung.

In vielen Fällen wird die Erregbarkeit des Gleichgewichtsorgans mit der sogenannten kalorischen Testung überprüft. Dabei wird ausgenutzt, dass das Vestibularorgan durch bestimmte Temperaturen beeinflusst werden kann. Hierbei liegt der Patient mit leicht erhobenem Oberkörper auf einer Liege, während der äußere Gehörgang mit einer warmen oder kalten Flüssigkeit gespült wird. Auch Luftströme bestimmter Temperatur können dafür verwendet werden. Anschließend werden die Augenbewegungen des Patienten genau beobachtet. Meist trägt der Patient dafür eine bestimmte Brille, durch die der Patient selbst nicht sehen kann, während der Untersucher die Augen des Patienten vergrößert sieht. Für eine Störung des Vestibularorgans spricht eine Differenz der Augenbewegung zwischen der Reizung beider Gleichgewichtsorgane.

Je nach Ergebnis der kalorischen Testung und erhobener Verdachtsdiagnose, können dann noch weitere neurologische Untersuchungen wie Bildgebungen des Gehirns oder Nerventestungen durchgeführt werden.

Therapie bei Nystagmus

Die Therapie eines Nystagmus richtet sich stets nach der zugrundeliegenden Ursache. Dabei sollte die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund stehen. Wird die Einnahme bestimmter Medikamente als mögliche Ursache vermutet, sollte dieses -wenn möglich- abgesetzt oder durch ein anderes Präparat ersetzt werden.

Sehtraining und eine Brille oder Kontaktlinsen können die Sehbehinderung verbessern. Medikamente und unterstützende Operationen vermögen Frequenz und Stärke des motorischen Nystagmus zu vermindern und tragen dadurch auch zu einem besseren Seheindruck bei. Ziel einer korrigierenden Operation ist auch, die schiefe Kopfzwangshaltung entbehrlich zu machen.

  • Medikamentöse Therapie: Die medikamentöse Therapie des Nystagmus gilt aktuell als umstrittenes Thema. In einigen Fällen kann der Einsatz von Medikamenten, die normalerweise gegen Nervenschmerzen wirken, zu einer Linderung der Beschwerden führen. Hier gilt ganz besonders, dass Nutzen und Risiken sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen.
  • Konservative Therapie: Weitere konservative Therapieansätze sind Änderungen des Lebensstils wie der Verzicht auf Rauchen und Alkohol sowie stressreduzierende Maßnahmen. Auch bestimmte Augenübungen können Patienten dabei helfen, das Augenzittern zu verbessern.
  • Operation: Angeborene Formen des Nystagmus können sich im Laufe des ersten Lebensjahres zurückbilden. Sehr schlimme Formen können jedoch häufig mit konservativen Therapien alleine nicht ausreichend behandelt werden. In diesen Fällen sollte eine Operation erwogen werden, um Folgeschäden zu vermeiden und den Betroffenen eine möglichst hohe Lebensqualität zu ermöglichen. Meist werden dabei die Augenmuskeln der betroffenen Kinder im Rahmen einer Schieloperation so korrigiert, dass wieder ein schielfreies Sehen ermöglicht wird. Zusätzlich kann das zeitweise Abdecken eines Auges oder das Tragen einer Brille notwendig sein.

Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuritis vestibularis)

Die Beschwerden sind unter der Bezeichnung „Entzündung des Gleichgewichtsnervs“ bekannt und werden aufgrund des plötzlich auftretenden, intensiven Drehschwindels als sehr unangenehm empfunden. Neuritis vestibularis ist eine Entzündung des Nervs, der vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr zum Gehirn verläuft. Bei einer Entzündung des Nervs werden die Impulse (Signale) gestört, die durch den Nerv geleitet werden. Diese gestörten Signale kann das Gehirn nicht wie üblich verarbeiten. Dadurch hat die betroffene Person das Gefühl eines Drehschwindels, der Gang wird unsicher.

Ursachen

Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass die Erkrankung durch die Aktivierung eines Virus ausgelöst wird, den die meisten Menschen im Körper haben (Herpes-simplex-Virus), was zu einer Entzündung des Gleichgewichtsnervs (N. vestibularis) führt. Dies wiederum verursacht eine vorübergehende Störung der Nervensignale zwischen dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr und dem Gleichgewichtszentrum im Gehirn.

Symptome

Klassischerweise kommt es zu einem Drehschwindel, bei dem sich die Umgebung zu drehen scheint, zu einer Fallneigung in Richtung der betroffenen Seite und Übelkeit, fast immer begleitet von Erbrechen. Unfreiwillige Bewegungen der Augen können sichtbar sein (Nystagmus). Die Augen gleiten dabei zur gesunden Seite hin und springen dann wieder zurück. Das Gehör ist bei der Entzündung des Gleichgewichtsnervs nicht beeinträchtigt. Die akute Symptomatik dauert selten länger als ein paar Tage, manchmal bis zu ein paar Wochen.

Diagnose

Die Schilderung der typischen Symptome akuter Schwindel, Übelkeit und Fallneigung zu der betroffenen Seite sind wegweisend für die Diagnose. Es können unwillkürliche Augenbewegungen (Nystagmus) beobachtet werden. Eine körperliche Untersuchung inklusive neurologischer Befunderhebung wird durchgeführt, ebenso eine Untersuchung der Gehörgänge und des Trommelfells. Das Hörvermögen muss bei HNO-Ärzt*innen durch einen Hörtest abgeklärt werden, dort erfolgen auch ggf. weitere Tests. Bei einer Neuritis vestibularis ist das Hörvermögen normal. Andere Ursachen für einen Schwindel müssen ausgeschlossen werden, insbesondere ein Schlaganfall. Dafür sind teilweise zusätzliche Untersuchungen notwendig.

Behandlung

Behandlungsziele sind: Symptomlinderung, Verkürzung des Krankheitsverlaufs und Verhindern von bleibenden Folgen. In den ersten Tagen kann die Gabe von Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit) und Antiverginosa (Medikamente gegen Schwindel) in Kombination mit Kortison sinnvoll sein. Anschließend ist es wichtig, frühzeitig ein Rehabilitationsprogramm zu beginnen: Mobilisierung mit Schulung der Gleichgewichtsfunktion im Stehen und Gehen auf ebenen und unebenen Flächen, Training der Fähigkeiten zur Blickfixierung. Diese Aktivitäten verursachen zu Beginn erhöhtes Unwohlsein und Müdigkeit, werden aber auf längere Sicht die Symptome reduzieren, die Funktionsfähigkeit verbessern und zu einer schnelleren Heilung beitragen.

Diagnose von Schwindel in Verbindung mit den Augen

Die Diagnose von Schwindel, der durch visuelle Probleme verursacht wird, umfasst mehrere Schritte:

  • Anamnese: Eine detaillierte Anamnese hilft, die möglichen Ursachen des Schwindels zu identifizieren. Fragen zu den Symptomen, ihrer Dauer und den Umständen, unter denen sie auftreten, sind wichtig.
  • Augenuntersuchung: Eine umfassende Augenuntersuchung kann Fehlsichtigkeiten, Augenmuskelstörungen und andere visuelle Probleme aufdecken. Tests zur Überprüfung der Sehschärfe, des Gesichtsfeldes und der Augenbewegungen sind entscheidend.
  • Gleichgewichtstests: Tests wie der Romberg-Test, der Unterberger-Tretversuch und der Kopf-Impuls-Test können das Gleichgewichtssystem und den VOR überprüfen. Diese Tests bewerten die Fähigkeit des Körpers, das Gleichgewicht in verschiedenen Positionen zu halten.
  • Neurologische Untersuchung: Eine neurologische Untersuchung kann helfen, zentrale Ursachen des Schwindels auszuschließen. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT können verwendet werden, um strukturelle Anomalien im Gehirn zu identifizieren.

Behandlungsmöglichkeiten für Schwindel in Verbindung mit den Augen

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Schwindel, der durch visuelle Probleme verursacht wird. Zu den effektivsten Ansätzen gehören:

  • Korrektur von Fehlsichtigkeiten: Das Tragen der richtigen Brille oder Kontaktlinsen kann viele visuelle Ursachen von Schwindel beheben. Regelmäßige Augenuntersuchungen sind wichtig, um sicherzustellen, dass die Sehkorrektur immer aktuell ist.
  • Augenmuskeltraining: Übungen zur Stärkung der Augenmuskeln können helfen, Augenmuskelstörungen zu beheben. Diese Übungen werden oft von einem Orthoptisten oder Augenarzt angeleitet. Beispiele sind Übungen zur Verbesserung der Augenkoordination und der Augenfolgebewegungen.
  • Visuelles Entlastungstraining: Bei visueller Überlastung können regelmäßige Pausen, ergonomische Arbeitsplätze und Übungen zur Entlastung der Augen hilfreich sein. Das Befolgen der 20-20-20-Regel (alle 20 Minuten eine 20-sekündige Pause einlegen und 20 Fuß in die Ferne schauen) kann die Augen entlasten.
  • Vestibulartherapie: Eine spezielle Therapie zur Verbesserung des Gleichgewichtssystems kann helfen, den VOR zu stabilisieren. Diese Therapie wird oft von Physiotherapeuten durchgeführt und umfasst Übungen zur Verbesserung der Augen-Kopf-Koordination.
  • Medikamentöse Behandlung: In einigen Fällen können Medikamente zur Linderung der Schwindelsymptome verschrieben werden. Dies kann insbesondere bei vestibulären Störungen oder Migräne der Fall sein.
  • Psychologische Unterstützung: Schwindel kann auch psychische Auswirkungen haben, wie Angst oder Depression. Eine psychologische Beratung kann helfen, mit diesen emotionalen Herausforderungen umzugehen.

Orthoptische Therapie

Bei vorliegenden Doppelbildern, Blicklähmungen oder Augenmuskellähmungen kann eine orthoptisch- symptomatische Therapie erfolgen:

  • In der Akutphase kann die Verdeckung eines Brillenglases (z.B. mit einer Mattfolie) helfen die Orientierung im Alltag wiederherzustellen.
  • Bei konstanten Doppelbildern wird der Schielwinkel durch Prismen korrigiert, um wieder beidäugiges Sehen zu ermöglichen.
  • Bei Bewegungsstörungen der Augenmuskeln, welche durch Nervenlähmungen oder Störungen der Steuerzentren bedingt sind, können unterstützend Bewegungsübungen durchgeführt werden.
  • Bei bestimmten Arten des erworbenen Augenzitterns können Medikamente helfen.

Prävention und Selbsthilfe bei Schwindel

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, Schwindel vorzubeugen oder zu lindern:

  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung: Ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz kann helfen, visuelle Überlastung zu vermeiden. Achten Sie darauf, dass Ihr Bildschirm auf Augenhöhe ist und dass Sie eine gute Beleuchtung haben.
  • Regelmäßige Pausen: Regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit oder anderen anstrengenden visuellen Tätigkeiten können helfen, die Augen zu entlasten und Schwindel vorzubeugen.
  • Ausreichend Flüssigkeit: Dehydration kann Schwindel verursachen oder verschlimmern. Stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, Schwindel vorzubeugen. Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen.
  • Moderate Bewegung: Regelmäßige moderate Bewegung kann das Gleichgewichtssystem stärken und Schwindel vorbeugen.
  • Stressmanagement: Stress kann Schwindelsymptome verschlimmern. Techniken wie Meditation, Atemübungen und progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und Schwindel zu lindern.
  • Vermeidung von Auslösern: Identifizieren und vermeiden Sie mögliche Auslöser für Schwindel. Dies können bestimmte Bewegungen, Positionen oder Umgebungen sein.

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