Sehstörungen können vielfältige Ursachen haben und den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Von verschwommenem Sehen über Lichtempfindlichkeit bis hin zu Doppelbildern - die Auswirkungen sind vielfältig und können belastend sein. Ein eingeklemmter Sehnerv kann eine mögliche Ursache für solche Beschwerden sein. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Themas "Sehnerv eingeklemmt", einschließlich Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze.
Ursachen für Sehstörungen und einen eingeklemmten Sehnerv
Die Ursachen für Sehstörungen können vielfältig sein. Oftmals sind es harmlose Gründe wie Müdigkeit, Stress oder eine ungünstige Schlafposition. In manchen Fällen kann jedoch auch eine ernstzunehmende Erkrankung dahinterstecken.
Ein eingeklemmter Sehnerv kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:
- Fehlstellungen der Halswirbelsäule (HWS): Der Atlaswirbel (C1) spielt eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung des Kopfes und der Beweglichkeit des Halses. Fehlstellungen der HWS können Nervenbahnen beeinträchtigen, die mit den Augen verbunden sind, was zu Sehstörungen führen kann.
- Muskelverspannungen: Verspannungen im Nackenbereich können ebenfalls zu HWS-bedingten Sehstörungen führen.
- Degenerative Erkrankungen: Arthritis oder Bandscheibenvorfälle können die HWS beeinträchtigen und Sehstörungen verursachen.
- Erhöhter Augeninnendruck: Ein zu hoher Augeninnendruck, wie er beispielsweise beim Grünen Star (Glaukom) auftritt, kann den Sehnerv schädigen.
- Entzündungen: Eine Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis) kann ebenfalls zu Sehstörungen führen. Sie kann durch Autoimmunreaktionen, Infektionen oder andere entzündliche Prozesse im Körper ausgelöst werden.
- Diabetes: Unbehandelter oder schlecht eingestellter Diabetes mellitus kann die Blutgefäße im Auge schädigen und zu Sehstörungen führen.
- Psychische Belastung: Dauerstress kann zu einer erhöhten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol führen, was die Durchblutung der Augen beeinträchtigen und Sehstörungen verursachen kann.
- Weitere Ursachen: Auch andere Faktoren wie Verletzungen, Tumore oder Vergiftungen können den Sehnerv schädigen und Sehstörungen verursachen.
Symptome eines eingeklemmten Sehnervs
Die Symptome eines eingeklemmten Sehnervs können vielfältig sein und sich in ihrer Intensität und Ausprägung unterscheiden. Häufige Symptome sind:
- Verschwommenes Sehen: Betroffene können eine plötzliche oder allmähliche Verschlechterung des Sehvermögens erleben. Das Sehen kann unscharf oder verschwommen erscheinen.
- Doppelbilder: Das Sehen von Doppelbildern kann auf eine Beeinträchtigung der Augenmuskeln oder Nerven hindeuten.
- Lichtempfindlichkeit: Eine erhöhte Lichtempfindlichkeit oder Blendungsempfindlichkeit kann auftreten, insbesondere bei hellem Licht.
- Verlust des Farbsehens: Ein auffälliges Symptom ist der Verlust der Fähigkeit, Farben korrekt wahrzunehmen. Dies betrifft oft das Erkennen von Rot-Grün-Kontrasten.
- Zentrale Gesichtsfeldverluste: Ein zentrales Gesichtsfeld, das in der Mitte des Blickfeldes liegt, kann beeinträchtigt sein, was zu einem "tunnelartigen" Blickwinkel führt.
- Augenschmerzen: Einige Betroffene können Schmerzen oder Unbehagen rund um das betroffene Auge verspüren, insbesondere wenn sie es bewegen.
- Kopfschmerzen und Migräne: Sehstörungen im Zusammenhang mit der HWS können auch mit Kopfschmerzen oder Migräne einhergehen.
- Nackenschmerzen und Steifheit: Oft treten Sehstörungen im Zusammenhang mit der HWS in Verbindung mit Nackenschmerzen oder Steifheit auf.
- Schwindelgefühle und Gleichgewichtsstörungen: Ein weiteres häufiges Symptom von HWS-bedingten Sehstörungen sind Schwindelgefühle und Gleichgewichtsstörungen.
- Augenzucken: Unwillkürliche Zuckungen im Gesicht, insbesondere an den Augenschließmuskeln, können auftreten.
- Müdigkeit der Augen: Viele Menschen empfinden Müdigkeit an den Augen, die sie dann häufig kaum offen halten können.
- Trockene oder tränende Augen: Verspannungen in Muskulatur und Bindegewebe rund um die Augen können die Funktion der Tränendrüse beeinträchtigen.
Diagnose eines eingeklemmten Sehnervs
Die Diagnose eines eingeklemmten Sehnervs erfordert eine umfassende Untersuchung durch einen Augenarzt oder Neurologen. Diese umfasst in der Regel:
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- Anamnese: Der Arzt wird ausführlich nach der Krankengeschichte, den Symptomen und möglichen Risikofaktoren fragen.
- Augenuntersuchung: Eine gründliche Untersuchung der Augen, einschließlich Prüfung des Sehvermögens, der Pupillenreaktion, des Gesichtsfelds und anderer Parameter.
- Farbseh-Test: Ein Test des Farbsehens kann helfen, Veränderungen im Sehnerv zu erkennen.
- Untersuchung des Augenhintergrunds (Funduskopie): Der Arzt beurteilt die Netzhaut und den Sehnervenkopf (Papille).
- Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie): Das Gesichtsfeld wird getestet, um Einschränkungen oder Ausfälle zu erkennen.
- Messung der Sehnervleitgeschwindigkeit (Visuell evozierte Potentiale, VEP): Diese Untersuchung misst, wie schnell Signale über den Sehnerv zum Gehirn gelangen.
- Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) eingesetzt werden, um den Sehnerv und umliegende Strukturen genauer zu beurteilen und andere Ursachen für die Sehstörungen auszuschließen.
- Lumbalpunktion (Liquoruntersuchung): In einigen Fällen kann eine Lumbalpunktion durchgeführt werden, um den Gehalt bestimmter Zellen oder Proteine im Rückenmarksflüssigkeit zu untersuchen, was Hinweise auf eine Entzündungsreaktion liefern kann.
- Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht kann der Arzt weitere Untersuchungen anordnen, wie beispielsweise Bluttests, um Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen auszuschließen.
Behandlungsmöglichkeiten bei einem eingeklemmten Sehnerv
Die Behandlung eines eingeklemmten Sehnervs richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:
- Behandlung der Grunderkrankung: Wenn die Sehstörung durch eine Grunderkrankung wie Diabetes, Multiple Sklerose oder eine Entzündung verursacht wird, steht die Behandlung dieser Erkrankung im Vordergrund.
- Physiotherapie: Bei HWS-bedingten Sehstörungen kann Physiotherapie helfen, Fehlstellungen zu korrigieren, Muskelverspannungen zu lösen und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule zu verbessern.
- Manuelle Therapie: Osteopathie oder Pohltherapie können eingesetzt werden, um Blockaden und Verspannungen im Bereich der Wirbelsäule und des Beckens zu lösen und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
- Medikamentöse Therapie:
- Entzündungshemmende Medikamente (Kortikosteroide): Bei einer Optikusneuritis werden häufig Kortikosteroide eingesetzt, um die Entzündung des Sehnervs zu reduzieren.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel zur Linderung von Augenschmerzen oder Kopfschmerzen eingesetzt werden.
- Muskelrelaxantien: Bei Muskelverspannungen können Muskelrelaxantien helfen, die Muskeln zu entspannen.
- Immunsuppressiva: In einigen Fällen können immunsuppressive Medikamente verschrieben werden, um das Immunsystem zu unterdrücken und die Entzündung zu kontrollieren.
- Botulinumtoxin (Botox): Bei unwillkürlichen Zuckungen der Augenlider kann Botulinumtoxin eingesetzt werden, um die Muskeln zu entspannen.
- Sehhilfen: Bei bleibenden Sehstörungen können Sehhilfen wie Brillen oder Kontaktlinsen helfen, die Sehfähigkeit zu verbessern.
- Visuelle Rehabilitation: Nach einer Sehnerventzündung kann die Sehkraft beeinträchtigt sein. Eine visuelle Rehabilitation, die von einem Optometristen oder Orthoptisten durchgeführt wird, kann helfen, die verbleibende Sehkraft zu maximieren und dem Patienten bei der Anpassung an mögliche Sehveränderungen zu unterstützen.
- Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Sehnerv zu entlasten oder andere Ursachen für die Sehstörungen zu beheben.
- Pohltherapie®: Bei Schmerzen hinter den Augen kann primär der Splenius-Capitis-Muskel behandelt werden. Zusätzlich können alle Muskel- und Bindegewebspartien, die bei Kopfschmerzen und bei Nackenschmerzen verspannt sind, behandelt werden.
- Alternative Behandlungen: Einige Betroffene berichten von positiven Erfahrungen mit alternativen Behandlungen wie Akupunktur oder Yoga. Diese Methoden können helfen, Stress abzubauen und die Entspannung zu fördern.
Selbsthilfemaßnahmen und Vorbeugung
Neben den ärztlichen Behandlungen können Betroffene auch selbst einiges tun, um ihre Beschwerden zu lindern und die Heilung zu unterstützen:
- Regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit: Gönnen Sie Ihren Augen regelmäßige Pausen und machen Sie Übungen zur Augenentspannung.
- Ausreichend Schlaf: Achten Sie auf ausreichend Schlaf, um Müdigkeit und Stress abzubauen.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse kann die Augengesundheit unterstützen.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft fördert die Durchblutung und kann Verspannungen lösen.
- Stressabbau: Versuchen Sie, Stress abzubauen, beispielsweise durch Entspannungsübungen, Meditation oder Yoga.
- Korrekte Haltung: Achten Sie auf eine korrekte Haltung beim Sitzen, Stehen und Gehen, um die Belastung der Halswirbelsäule zu reduzieren.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz ergonomisch, um Fehlhaltungen und Verspannungen zu vermeiden.
- Augenärztliche Kontrollen: Gehen Sie regelmäßig zur augenärztlichen Kontrolle, um mögliche Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und behandeln zu lassen.
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