Das Glaukom, im Volksmund auch als „Grüner Star“ bekannt, ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Augenerkrankungen, die den Sehnerv schädigen. Diese Schädigung führt zu Gesichtsfeldausfällen und kann unbehandelt zur Erblindung führen. In Deutschland sind schätzungsweise fast eine Million Menschen betroffen, wobei die Dunkelziffer vermutlich noch höher liegt.
Was ist ein Glaukom?
Ein Glaukom ist eine Sehnervenschädigung, die meist durch eine Erhöhung des Augeninnendrucks verursacht wird. Der Begriff beschreibt treffend das Aussehen, da ein typisches Anzeichen die blaugraue Eintrübung der Regenbogenhaut (Iris) ist, die infolge einer chronischen Entzündung des Auges auftritt.
Die »Achillesferse« des Sehnervs ist die Papille im Augenhintergrund. Hier treffen die Nervenfasern der Retinazellen zusammen und verlassen das Augeninnere über eine Siebplatte (Lamina cribrosa). Die Blutgefäße, die den Sehnervenkopf und die Retina versorgen, treten durch dieses Nadelöhr ins Augeninnere ein. Dabei müssen sie einen abrupten Anstieg des Gewebedrucks von etwa 5 mmHg auf 15 bis 22 mmHg überwinden.
Wie entsteht ein Glaukom?
Ursache für die Entstehung ist meist ein gestörter Abfluss des Augenkammerwassers, was in der Folge zu einem erhöhten Augeninnendruck führt. Der Sehnerv wird dadurch unzureichend durchblutet und nachhaltig beschädigt.
Der intraokuläre Druck (IOD) resultiert aus der Balance zwischen der Sekretion von Kammerwasser durch den Ziliarkörper und dessen Abfluss (Drainage). Der größte Teil verlässt das Auge über den Kammerwinkel, den Iris und Hornhaut in der vorderen Augenkammer bilden. Hier sickert das Kammerwasser durch das Trabekelmaschenwerk in den ringförmigen Schlemmschen Kanal und wird von dort in das Venengeflecht der Aderhaut (Choroidea) abgegeben.
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Risikofaktoren
- Erhöhter Augeninnendruck
- Alter (Risiko steigt ab dem 40. Lebensjahr rapide)
- Familiäre Vorbelastung
- Starke Kurz- oder Weitsichtigkeit
- Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Durchblutungsstörungen
- Längere Steroidtherapie
Arten von Glaukom
Glaukom ist nicht gleich Glaukom. Es gibt verschiedene Formen, die sich in ihren Ursachen und ihrem Verlauf unterscheiden.
Offenwinkelglaukom
Bei mehr als 90 Prozent aller Glaukomerkrankungen in Mitteleuropa handelt es sich um ein Offenwinkelglaukom. Bei dieser Form bleibt der Kammerwinkel makroskopisch offen, aber der Abflusswiderstand des Kammerwassers steigt aufgrund einer langsamen Degeneration des Trabekelwerks. Ursächlich beteiligt scheint oxidativer Stress durch freie Radikale im Kammerwasser zu sein. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Bei 40- bis 80-Jährigen liegt die Prävalenz des Offenwinkelglaukoms bei 2,5 Prozent. Im Alter von über 80 Jahren leidet bereits mindestens jede/r Zehnte daran. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Normaldruckglaukom
Beim Normaldruckglaukom ist der Augeninnendruck nicht erhöht, dennoch kommt es zu Schädigungen des Sehnervs. Ursache dafür könnten Durchblutungsstörungen am Sehnerven und der Netzhaut sein, die etwa ein zu hoher oder zu niedriger Blutdruck auslöst. Möglicherweise ist auch ein erniedrigter Liquordruck im Subarachnoidalraum des Sehnervs beteiligt, der den Druckgradienten im Bereich der Papille vergrößert. Die gestörte Mikrozirkulation führt nicht nur zu einem Sauerstoff- und Nährstoffdefizit in den Nervenzellen, sondern kann diese auch oxidativ durch freie Sauerstoffradikale schädigen. Neuere Studien deuten darauf hin, dass auch Autoimmunreaktionen gegen körpereigene Hitzeschockproteine in der Retina für die Neurodegeneration verantwortlich sein könnten.
Sekundärglaukom
Bei etwa einem Drittel der Patienten mit einem Offenwinkelglaukom findet sich eine zugrunde liegende Erkrankung oder eine andere Ursache für die okuläre Neuropathie. Man spricht dann von einem Sekundärglaukom.
- Pseudoexfoliationsglaukom (PEX-Glaukom): Rund ein Viertel aller Offenwinkelglaukome in Mitteleuropa geht auf das Pseudoexfoliations-Syndrom zurück. Beim PEX-Syndrom handelt es sich um eine systemische, vermutlich genetisch bedingte Erkrankung, bei der der Abbau elastischer Mikrofibrillen beeinträchtigt ist. Infolgedessen kommt es zu typischen Proteinablagerungen auf der Iris, der Linse und im Kammerwinkel. Diese können das Trabekelwerk verstopfen und den Ablauf des Kammerwassers behindern. Charakteristisch ist ein rascher Anstieg des IOD. Die Prävalenz wird in Deutschland auf 10 bis 15 Prozent bei Über-60-Jährigen geschätzt; in skandinavischen Ländern liegt sie höher. Oft ist das PEX-Syndrom mit arterieller Hypertonie und einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Aortenaneurysma assoziiert.
- Pigmentdispersionsglaukom: Erheblich seltener tritt das Pigmentdispersions-Glaukom auf. Es macht etwa 2 Prozent aller Glaukomerkrankungen aus. Auch hier sind Ablagerungen im Trabekelwerk für den erhöhten IOD und die daraus entstehenden Schäden am Sehnerv verantwortlich. Es handelt sich um Melaninpigmente aus der Iris, die möglicherweise durch Reibung oder aufgrund einer Überproduktion freigesetzt werden. Betroffen sind in erster Linie kurzsichtige Männer zwischen 30 und 40 Jahren. Oft äußert sich die Erkrankung durch verschwommenes Sehen oder Regenbogenphänomene beim Blick in helles Licht.
- Steroidglaukom: Das sogenannte Steroidglaukom entsteht typischerweise zwei bis sechs Wochen nach Beginn einer lokal am Auge applizierten oder systemischen Steroidtherapie. Etwa 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung sind sogenannte Steroidresponder; bei 5 Prozent kommt es dadurch zu einem IOD-Anstieg um 15 mmHg oder mehr. Besonders betroffen sind Menschen, die bereits an einem primären Offenwinkelglaukom leiden. Das höchste drucksteigernde Potenzial hat Dexamethason. Nach Absetzen des Medikaments geht der IOD in der Regel zurück.
- Neovaskularisationsglaukom: Manchmal kommt es zum Beispiel bei Diabetespatienten aufgrund von lokalen Durchblutungsstörungen zu Gefäßneubildungen in der Iris (Neovaskularisations-Glaukom).
Winkelblockglaukom (Engwinkelglaukom)
Anders als beim Offenwinkelglaukom ist der Abfluss des Kammerwassers beim Winkelblockglaukom (Engwinkelglaukom) durch einen anatomisch engen, teilweise auch verschlossenen Kammerwinkel behindert. Ursache ist meistens eine Vorwölbung der Iris in Richtung Hornhaut. Wenn der Raum zwischen Iris und Linse zu schmal ist, kann das Kammerwasser nicht ausreichend in die Vorderkammer fließen und drückt die Iris weiter nach vorne in den Kammerwinkel. Mit einer Prävalenz von 0,4 Prozent kommt diese Form in Europa wesentlich seltener vor. Dennoch ist sie für etwa die Hälfte der glaukombedingten Erblindungen verantwortlich. Frauen sind etwas häufiger als Männer betroffen.
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Wie das Offenwinkelglaukom verursacht auch das Winkelblockglaukom in der Frühphase meist keine Symptome. Bei etwa einem Drittel der Patienten kommt es jedoch zu einem akuten Glaukomanfall (Winkelblock). Die Betroffenen klagen über starke Augen- und Kopfschmerzen, Sehstörungen wie ein verschwommenes Bild und Schleier oder Ringe um Lichtquellen. Oft sind sie von vegetativen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Bradykardie begleitet. Ursache ist eine plötzliche starke Erhöhung des Augeninnendrucks durch aufgestautes Kammerwasser. Dabei handelt es sich immer um einen Notfall! Kommt ein Kunde mit verdächtigen Symptomen in die Apotheke, muss ihn das Team sofort zum Augenarzt schicken. Wenn der akute Winkelblock nicht schnell behandelt wird, drohen irreversible Folgeschäden bis hin zur Erblindung.
Angeborenes Glaukom (Kongenitales Glaukom)
Ursache für ein kindliches oder juveniles Offenwinkelglaukom ist meist ein autosomal-rezessiv vererbter Gendefekt, der zu einer Entwicklungsstörung des Trabekelwerks führt. Mit einer Inzidenz von 1:10.000 bis 1:100.000 Geburten kommt die Erkrankung sehr selten vor. Oft fallen die Kinder bereits bei der Geburt durch »schöne große Augen« auf. Weitere mögliche Symptome sind vermehrter Tränenfluss, Lichtscheu und Lidkrämpfe. Meist sind beide Augen betroffen, oft aber in unterschiedlichem Ausmaß. Sind die angeborenen Schäden weniger ausgeprägt, manifestiert sich das Glaukom unter Umständen erst im späteren Kindes- oder Jugendalter.
Das kongenitale Glaukom ist ein Glaukom, das sich nach der Geburt entwickelt - meist im ersten Lebensjahr. Manchmal besteht es auch schon bei der Geburt. Beim primären kongenitalen Glaukom kann das Kammerwasser des Auges aufgrund einer Fehlentwicklung der Abflusswege nicht richtig abfließen. Das Kammerwasser staut sich in den Augenkammern und der Augeninnendruck erhöht sich oft schon direkt nach der Geburt stark. Der hohe Druck schädigt die Sehnervfasern der Netzhaut.
Die Sklera, die äußere Hülle des Auges, ist bei kleinen Kindern noch weicher als bei Erwachsenen. Durch den erhöhten Augeninnendruck werden Sklera und Hornhaut gedehnt und das Auge vergrößert sich. Diese Vergrößerung des Auges wird als Buphthalmus bezeichnet. Häufig fallen die Kinder durch „große Augen“ auf. Weitere Anzeichen eines kongenitalen Glaukoms können Lichtscheue, Lidkrampf, tränende Augen und eine getrübte Hornhaut sein. Ursache für die Trübung ist ein Hornhautödem, denn durch den erhöhten Druck lagert sich Flüssigkeit in der Hornhaut ab.
Neben dem primären kongenitalen Glaukom gibt es auch sekundäre kongenitale Glaukome. Hier entwickelt sich das Glaukom als Folge einer anderen Augenerkrankung.
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Diagnose
Die Diagnose eines Glaukoms beruht in erster Linie auf einer Untersuchung des Augenhintergrunds (Funduskopie) mit dem Augenspiegel oder einem Spaltlampenmikroskop. Der Sehnervenkopf zeigt dabei eine charakteristische verstärkte Aushöhlung (Exkavation), unter Umständen auch weitere Veränderungen wie Papillenrandblutungen oder Gewebeverluste am neuroretinalen Randsaum. Bei Bedarf kommen weitere bildgebende Verfahren hinzu. In jedem Fall misst der Augenarzt zusätzlich den Augeninnendruck (Tonometrie).
- Augeninnendruckmessung (Tonometrie): Der normale Augeninnendruck liegt im Bereich zwischen 10 und 20 mm Hg. Richtig beurteilen lässt sich der Augeninnendruck aber nur dann, wenn die Dicke der Hornhaut bekannt ist. Denn die Augeninnendruckmessung liefert bei dünnerer Hornhaut zu niedrige Werte, bei dickerer Hornhaut zu hohe - was den Verdacht auf grünen Star fälschlicherweise entkräftet oder bestätigt. Zudem ist die Augeninnendruckmessung nur eine Momentaufnahme - doch der Druck kann im Tagesverlauf stark schwanken. Darum empfehlen Augenärztinnen und Augenärzte bei Verdacht auf ein Glaukom manchmal, in einer Augenklinik ein Tagesdruckprofil erstellen zu lassen: Dazu wird der Augendruck wiederholt zu verschiedenen Tageszeiten gemessen.
- Augenspiegelung (Ophthalmoskopie): Bei der Augenspiegelung ist der Augenhintergrund von außen durch die Pupille sichtbar. Um zu testen, ob ein grüner Star vorliegt, betrachtet die Augenärztin oder der Augenarzt vor allem die Sehnervenscheibe beziehungsweise Papille: Das ist die scheibenförmige Stelle am Augenhintergrund, wo der Sehnerv aus dem Augapfel austritt. In ihrer Mitte zeigt die Papille womöglich eine leichte Aushöhlung (fachsprachlich Exkavation genannt). Grüner Star ist dadurch gekennzeichnet, dass diese Aushöhlung vergrößert und gleichzeitig das Nervengewebe um die Papille herum verschmälert ist. Zudem können kleine Blutungen am Papillenrand zu erkennen sein. Diese sogenannte Glaukompapille ist so typisch für das Glaukom, dass sie wegweisend für die Diagnose ist.
- Gesichtsfeldmessung (Perimetrie): Eine Gesichtsfeldmessung zeigt, ob und inwieweit grüner Star schon zu Sehschäden geführt hat. Dieser Test ist sinnvoll, wenn die Diagnose Schäden am Sehnerv aufgedeckt hat oder der Verdacht auf einen Sehverlust besteht. Beim Glaukom beginnt der Sehverlust typischerweise mit blinden Flecken, die bogenförmig um die zentrale Stelle des Sehbereichs herum auftreten. Mit Hilfe der Perimetrie wird festgestellt, ob bereits Gesichtsfeldausfälle bestehen. Das Gesichtsfeld zeigt die Bereiche auf, die das Auge sehen kann, ohne daß es sich bewegt. Es wird also nicht nur das zentrale sondern auch das periphere Sehfeld gemessen. Mit Hilfe der Messergebnisse können Form und Lage der geschädigten Sehnervenfasern bestimmt werden.
- Pachymetrie (Hornhautdickenmessung): Die Messung des Augeninnendruckes ist abhängig von der Hornhautdicke. Die Dicke der normalen Hornhaut beträgt normalerweise 550µ. Von diesem Wert geht man bei der Bestimmung des Augeninnendruckes aus. Ist die Hornhaut dünner oder dicker als dieser Wert, beeinflußt dies das Messergebnis. Wird beispielsweise bei einem Patient mit sehr dünner Hornhaut ein normaler Augendruckwert von 17 mm Hg gemessen, wird mit Hilfe einer Korrekturtabelle der Wert bezogen auf die Hornhautdicke umgerechnet. Die Messung der Hornhautdicke ist eine wichtige Kenngröße bei der Erkennung des Glaukoms.
- Weitere bildgebende Verfahren: Daneben gibt es noch speziellere Methoden zur Begutachtung des Sehnervs, mit denen sich der Verlauf von grünem Star gut dokumentieren lässt: etwa die optische Kohärenztomographie (OCT) oder die Heidelberg Retina Tomographie (HRT).
Früherkennung
Um die Früherkennung des Glaukoms zu verbessern und Gesichtsfeldverluste zu vermeiden, raten die augenärztlichen Berufsverbände ab dem Alter von 40 Jahren alle fünf, ab 60 alle zwei bis drei Jahre zu Screening-Untersuchungen. Zur Früherkennungsuntersuchung gehören meist eine Funduskopie und Tonometrie. Insbesondere bei jüngeren Menschen ergibt sich dabei häufig ein falsch-positiver Befund.
Die augenärztliche Glaukom-Früherkennung sollte mindestens eine Augeninnendruckmessung und eine Untersuchung der Sehnervenscheibe (Papille) am Augenhintergrund beinhalten. Kommt dabei der Verdacht auf ein Glaukom auf, ist zusätzlich eine Gesichtsfeldmessung sinnvoll.
Therapie
Anders als der Graue Star ist der Grüne Star bislang nicht heilbar. Die einzige nachweislich wirksame Therapie besteht in der Senkung des IOD, um das Fortschreiten der Sehnervenschädigung zu verlangsamen oder aufzuhalten. Dies gilt auch für Normaldruckglaukome. Ausschlaggebend für den Zieldruck sind der gemessene Druck, das Alter des Patienten, der Schweregrad der Erkrankung bei der Diagnose und die Progressionsrate.
Das Ziel einer Therapie des Glaukoms ist die Erhaltung der Sehnervenfasern und die Verhinderung des Fortschreitens eines Gesichtsfelddefektes.
Medikamentöse Therapie
Zur Drucksenkung beim primären Offenwinkelglaukom stehen verschiedene Medikamentenklassen zur Verfügung, die meist topisch angewandt und auch kombiniert werden. Die medikamentöse Senkung des Augeninnendruckes erfolgt über die Gabe von Augentropfen. Diese müssen regelmäßig, oft mehrmals täglich, angewendet werden.
- Prostaglandin-Analoga: Zur Erstbehandlung verschreibt der Arzt oft Augentropfen mit einem Prostaglandin-Analogon wie Bimatoprost, Latanoprost, Tafluprost und Travoprost, die einmal täglich abends appliziert werden. Prostaglandin-Analoga verbessern die Drainage des Kammerwassers über das Trabekelwerk und den uveoskleralen Abfluss und reduzieren den Intraokulardruck am stärksten. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen gerötete Augen, vermehrtes Wimpernwachstum und verstärkte Pigmentierung der Iris.
- Betablocker: Als Alternative bieten sich lokal applizierte Betablocker an, zum Beispiel Timolol und Levobunolol. Sie senken die Produktion des Kammerwassers. In der Regel muss der Patient zweimal täglich tropfen. Häufigste Nebenwirkung sind trockene Augen. Bei Patienten mit Diabetes mellitus kann die Therapie Hypoglykämien verstärken und entsprechende Symptome maskieren.
- α2-adrenerge Agonisten: Platz drei in der Rangfolge der effektivsten IOD-Senker nehmen die α2-adrenergen Agonisten, zum Beispiel Brimonidin, Clonidin und Apraclonidin, ein. Sie senken die Kammerwassersekretion und fördern gleichzeitig den uveoskleralen Abfluss. Ihr Nachteil: Sie müssen zwei- bis dreimal täglich angewendet werden und führen oft zu Augenreizungen. Langfristig lösen sie bei etwa einem Drittel der Patienten Unverträglichkeitsreaktionen aus. Bei einer gleichzeitigen Therapie mit Monoaminoxidase-Inhibitoren, Sympathomimetika oder trizyklischen Antidepressiva sind sie kontraindiziert.
- Carboanhydrasehemmer: Topische Carboanhydrasehemmer (Dorzolamid, Brinzolamid) verringern ebenfalls die Kammerwasserproduktion. Patienten klagen nach der Anwendung oft über brennende und tränende Augen; systemische Nebenwirkungen treten jedoch kaum auf. Bei Bedarf kann der Arzt auch einen systemischen Carboanhydrasehemmer (Acetazolamid) verschreiben. Er bewirkt eine stärkere Senkung des Intraokulardrucks um bis zu 40 Prozent.
- Miotika: Miotika werden in der Erstlinientherapie kaum noch eingesetzt, weil sie oft inakzeptable Nebenwirkungen wie Akkommodationsstörungen und beeinträchtigtes Dämmerungssehen verursachen.
Konservierungsmittelfreie Präparate ohne Benzalkoniumchlorid können die lokale Verträglichkeit verbessern. Generell ist die Adhärenz bei der Glaukomtherapie oft schlecht, weil die Patienten kaum Beschwerden haben und durch die Tropfen keine Besserung, sondern unerwünschte Nebenwirkungen erfahren.
Reicht eine Monotherapie nicht aus, raten die Leitlinien zur Kombination verschiedener Substanzklassen. Sofern möglich sollten Fixkombinationen bevorzugt werden, da sie die Adhärenz verbessern und das Auswaschen der zuerst angewendeten Augentropfen vermeiden.
Operative Therapie
Wenn sich der Zieldruck mit Medikamenten nicht erreichen lässt, kommt eine operative Therapie in Betracht.
- Lasertherapie: Häufig werden laserbasierte Verfahren eingesetzt. Eine Laser-Trabekuloplastik verbessert den Kammerwasserabfluss über den Schlemm-Kanal. Bei 80 bis 85 Prozent der Patienten bewirkt sie eine Drucksenkung um 20 bis 25 Prozent. Das Komplikationsrisiko ist gering. Allerdings lässt der Effekt mit der Zeit nach; bei Bedarf kann der Eingriff mehrmals wiederholt werden.
- Minimalinvasive Chirurgie: In einem minimal invasiven Eingriff lässt sich beispielsweise ein Stent im Schlemm-Kanal implantieren, um den Abfluss über das Trabekelmaschenwerk zu verbessern.
- Trabekulektomie: Häufig erfolgt beim Offenwinkelglaukom eine Trabekulektomie, die einen zusätzlichen Abflussweg für das Kammerwasser aus der Augenvorderkammer unter die Bindehaut schafft.
- Goniotrepanation: Bei der Goniotrepanation (minimalinvasiver Eingriff) wird ein spezieller Trepanationsapparat verwendet, um einen winzigen Kanal in den Trabekelmaschenbereich des Auges zu schaffen. Dadurch wird der Abfluss des Kammerwassers verbessert, was zu einer Senkung des Augeninnendrucks führt.
- Tiefe Sklerektomie: Bei dieser Methode wird der Bereich des verstopften Trabekelmaschenwerkes ausgedünnt, sodass der Kammerwasserabfluss wieder erleichtert wird und der Augeninnendruck sich normalisieren kann. Eine hauchdünne Membran zwischen Vorderkammer und Abflussweg unter die Bindehaut bleibt erhalten.
Ziel jeglicher Glaukomtherapie ist es, eine Erblindung zu vermeiden. Chirurgische Maßnahmen sind in 60% - 90% aller Fälle wirksam.
Therapie des angeborenen Glaukoms
Das primäre Glaukom bei Kindern muss operiert werden. Medikamente reichen nicht aus und sind auf die Dauer nicht wirksam.
Meistens wird eine Sondentrabekulotomie durchgeführt. Bei dieser Operationsmethode führt der Arzt eine Sonde über einen kleinen Schnitt in der weißen Sklera in den Schlemm-Kanal ein. Der Schlemm-Kanal verläuft in der Sklera rings um die durchsichtige Hornhaut verläuft. Der Arzt schwenkt die Sonde im Schlemm-Kanal. Dabei zerreißt er den Schlemm-Kanal auf der Innenseite und das Gewebe des Trabekelmaschenwerks über etwa ein Drittel der Länge. So schafft er eine Verbindung zwischen Vorderkammer und Schlemm-Kanal und das Kammerwasser kann wieder abfließen. Wenn dies nicht ausreicht, um den Druck zu senken, muss an einer zweiten Stelle operiert werden.
Eine neue Operationsmethode ist die 360°-Trabekulotomie. Dabei schiebt der Arzt einen Katheder durch den gesamten Schlemm-Kanal. Durch Zusammenziehen der Kathederenden wird der Schlemm-Kanal und das Trabekelwerk nach innen zur vorderen Augenkammer hin auf ganzer Länge eröffnet.
Bei sekundären kindlichen Glaukomen kommen je nach Befund auch andere Behandlungsmöglichkeiten in Frage, beispielweise Medikamente bei einem Glaukom nach einer Kataraktoperation oder Glaukomdrainage-Implantate.
Prognose
Für alle Glaukomformen gilt: Je früher die Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird, desto höher ist die Chance, dass der fortschreitende Verlust des Sehvermögens aufgehalten werden kann. Die meisten Glaukome bleiben jedoch über lange Zeit symptomlos, weil das Gehirn die Lücken im Gesichtsfeld zunächst mithilfe der Bilder des anderen Auges kompensieren kann. Wenn die Betroffenen die typischen bogenförmigen Ausfälle wahrnehmen, sind im Schnitt bereits 40 Prozent des Sehnervs irreversibel zerstört. In Studien zeigte sich, dass bei der Diagnose 10 bis 20 Prozent der Patienten nicht mehr fahrtauglich sind. Jedes Jahr erblinden etwa 1000 Menschen in Deutschland durch ein Glaukom.
Ohne Behandlung führt ein primäres kindliches Glaukom zur Erblindung. Mit einer Operation lässt sich die Prognose deutlich verbessern: In 80 bis 90 Prozent der Fälle ist eine Operation erfolgreich und der Augendruck normalisiert sich durch die Behandlung.
Vorbeugung
Auch wenn grüner Star durch eine bestimmte Ernährung weder verhindert noch behandelt werden kann, ist es unbestritten, dass einige Vitamine und Mineralstoffe wichtig für die Augen sind. Zum Beispiel Zink, Kupfer, Selen sowie die Vitamine A, C und E. Sich gesund und ausgewogen zu ernähren kann also helfen, die normale Sehkraft zu erhalten.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ab dem 40. Lebensjahr sind entscheidend, um ein Glaukom frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
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