Austretende Nerven im Lendenwirbelbereich: Anatomie, Funktion und klinische Bedeutung

Die Wirbelsäule ist ein zentraler Bestandteil des menschlichen Körpers und ermöglicht uns aufrechten Gang und flexible Bewegung. Sie besteht aus 24 einzelnen Wirbeln, die über 23 bewegliche Bandscheiben miteinander verbunden sind. Diese Gliederung in stabile (Wirbelkörper) und halbelastische (Bandscheiben) Elemente ermöglicht, dass die Wirbelsäule den menschlichen Rücken zugleich stützen kann und mobil hält. Die Lendenwirbelsäule (LWS) bildet den unteren Abschnitt der Wirbelsäule und trägt eine große Last. In diesem Bereich treten wichtige Nerven aus, die für die Versorgung der unteren Extremitäten und des Beckenbereichs zuständig sind.

Aufbau der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule, auch Columna vertebralis genannt, bildet unsere Körpermitte. Sie ist dafür verantwortlich, dass wir überhaupt aufrecht stehen, gehen und uns bewegen können. Obwohl die Wirbelsäule den zentralen Skelettabschnitt aller Wirbeltiere bildet, hat sie sich im Laufe der Evolution unterschiedlich weiterentwickelt. Beim Menschen besteht sie aus 24 einzelnen Wirbeln, die über 23 bewegliche Bandscheiben miteinander verbunden sind. Diese Gliederung in stabile (Wirbelkörper) und halbelastische (Bandscheiben) Elemente ermöglicht, dass die Wirbelsäule den menschlichen Rücken zugleich stützen kann und mobil hält.

Alle Wirbel, mit Ausnahme des 1. (sog. ‚Atlas’) und 2. Halswirbels (sog. ‚Axis’), bestehen jeweils aus einem Wirbelkörper (sog. ‚Corpus vertebrae’), Wirbelbogen (sog. ‚Arcus vertebrae’) und Dornfortsatz (sog. ‚Proc. spinosus’). Des Weiteren gibt es zwei Querfortsätzen (‚Procc. transversi’ bzw. ‚costales’ bei den Lendenwirbeln) sowie vier Gelenkfortsätzen (sog. Procc. articulares). Diese Gelenkfortsätze dienen Muskeln und Bändern als Ansatz. Insgesamt 24 Wirbel bilden die drei beweglichen Abschnitte der Wirbelsäule. Von oben betrachtet schließt sich an den Wirbelkörper auf jeder Seite ein Querfortsatz an, der über den sogenannten Wirbelbogen mit dem Dornfortsatz, der nach hinten ausgerichtet ist, verbunden ist. Obwohl sich Hals-, Brust- und Lendenwirbel in ihrer äußeren Form voneinander unterscheiden, ist ihnen dieser grundsätzliche Aufbau gemein. Die oben liegenden Halswirbel (kraniale Wirbel) sind eher klein und zarter ausgebildet. Nach unten (kaudale Wirbel) werden die Wirbel größer und stabiler, um den Rücken besser stützen zu können.

Die Wirbelsäule des Menschen wird in fünf Abschnitte mit jeweils unterschiedlicher Anzahl von Wirbeln unterteilt:

  • Halswirbelsäule: 7 Halswirbel (C1-C7)
  • Brustwirbelsäule: 12 Brustwirbel (Th1-Th12)
  • Lendenwirbelsäule: 5 Lendenwirbel (L1-L5)
  • Kreuzbein: 5 miteinander verschmolzene Kreuzbeinwirbel (S1-S5)
  • Steißbein: 3-5 rudimentäre Steißwirbel (Co1-Co3-5)

Wenn der Arzt von einem Bewegungssegment spricht, meint er damit die gelenkige und muskuläre Verbindung zweier benachbarter Wirbel. Ein Bewegungssegment besteht aus einem Wirbel, einer Bandscheibe, paarigen Wirbelbogengelenken, Bändern und Muskeln. Die insgesamt 25 Bewegungssegmente bilden eine Einheit. Störungen in einem bestimmten Bereich wirken sich auf die gesamte Wirbelsäule aus.

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Bandscheiben

Um den einzelnen Wirbeln Mobilität und Beweglichkeit zu ermöglichen, sind diese über die sogenannten Bandscheiben miteinander verbunden. Die Bandscheiben sind an der Ober- und Unterseite sowie am Rand jeweils fest mit dem Wirbelkörper verwachsen. Dabei sind die Bandscheiben deutlich schmaler als die Wirbelkörper selbst und machen insgesamt etwa 25 % der Länge der gesamten Wirbelsäule aus. Die Kombination aus Wirbelkörpern und Bandscheiben wird als ventraler Pfeiler der Wirbelsäule bezeichnet, während man jeweils zwei Wirbelkörper, die durch eine Bandscheibe sowie in das Rückenmark austretende Nervenwurzeln verbunden sind, ein Bewegungssegment nennt. Die beweglichsten Abschnitte der Wirbelsäule sind der Halswirbelbereich und der Lendenwirbelbereich, während der Brustwirbelbereich verhältnismäßig unbeweglich ist.

Die Bandscheiben sind der Grund, warum die Wirbelsäule der starken Belastung, der sie tagtäglich ausgesetzt ist, standhalten kann. Der äußere Faserring aus Knorpel schützt dabei den innen liegenden Gallertkern, der ein hohes Wasserbindungsvermögen besitzt und die gesamte Bandscheibe durch den Druck des Wassers unter Spannung hält. Kommt es an der Bandscheibe zu degenerativen Veränderungen, die mit zunehmendem Alter kaum zu verhindern sind, kann sich der Gallertkern aus der Mitte der Bandscheibe zu einer Seite verlagern.

Jede Bandscheibe weist einen äußeren Faserring (Anulus fibrosus) und einen inneren Gallertkern (Nucleus pulposus) auf. Der äußere Faserring besteht aus Faserknorpel - einzelnen Knorpelzellen, umgeben von einem Hof aus Knorpelgrundsubstanz, die zwischen Bündeln kollagener Fasern liegen. Die Struktur dieses Faserknorpels entspricht der eines straffen Bindegewebes mit ähnlichen mechanischen Eigenschaften - allen voran hoher Zugfestigkeit. Der innere Gallertkern (Nucleus pulposus) jeder Bandscheibe, der unter großem Druck steht, ist weich - bei einer Biegung der Wirbelsäule kann er nach der gedehnten Seite hin ausweichen. Wenn der Discus verletzt wird, quillt der Gallertkern hervor. Der äußere Faserring soll dies verhindern.

Jede Bandscheibe ist mittels einer Knorpelschicht an den Endflächen des darüber und darunter liegenden Wirbelkörpers befestigt. Entsprechend dem immer höher werdenden Druck, der durch das Gewicht des Kopfes und des Rumpfes auf den Wirbeln und den Stoßdämpfern dazwischen lastet, nehmen nicht nur die Wirbelkörper, sondern auch die Bandscheiben von oben nach unten an Höhe zu. In Anpassung an die physiologische Krümmung der Wirbelsäule sind die Disci keilförmig. In der Hals- und Lendenwirbelsäule, die nach vorne gekrümmt sind (Lordose), sind sie an der Vorderfläche höher als an der Rückfläche; in der Brustwirbelsäule, die nach hinten gekrümmt ist (Kyphose), sind die Bandscheiben an der Rückfläche höher als an der Vorderfläche.

Bänder

Die Bänder dienen, wie oben erwähnt, der Stabilisierung der Bewegungssegmente. Die Bänder, die zwischen den Wirbelkörpern über die gesamte Wirbelsäule hinweg verlaufen: das vordere Längsband und das hintere Längsband. Zur anderen Gruppe zählen u.a. die Ligamenta flava.

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  • Vorderes Längsband - Verlauf von der Schädelbasis bis zum Kreuzbein an der Vorderseite der Wirbelkörper.
  • Hinteres Längsband - Verlauf an der Rückseite der Wirbelkörper im Rückenmarkskanal bis zum Os sacrum. Es liegt an der vorderen Wand des Rückenmarkkanals. Das hintere Längsband ist fest mit den Bandscheiben verwachsen und dient der Verstärkung des Faserringes.
  • Ligamenta flava - Zwischen den einzelnen Wirbelbögen zweier benachbarter Wirbel aufgespannt.

Die Bänder insgesamt fördern mit ihrer Stützfunktion die aufrechte Haltung der Wirbelsäule.

Muskulatur

Nicht nur die Wirbelsäule muss einer großen Belastung standhalten: Auch die Muskulatur des Rumpfes kommt bei jeder Bewegung zum Einsatz und ist deshalb eine sehr kräftige Muskulatur des menschlichen Körpers. Sie ist in verschiedene Bereiche gegliedert und bedient Hals und Schultern, die gesamte Länge des Rückens, die Brust, den Bauch und die Flanken sowie den unteren Rücken und den Übergang zum Becken. Die Rückenmuskulatur lässt sich unterteilen in die kurze Nackenmuskulatur und die eigentlichen Rückenmuskeln. Entscheidend für die Gesundheit des Rückens ist das Zusammenspiel von Rücken- und Bauchmuskeln. Bei unzureichender Nutzung und ohne Training kommt es langfristig zu einer Verkümmerung dieser Muskelgruppen.

Faszien

Faszien sind bindegewebige Strukturen, die im gesamten Körper vorkommen. Schätzungsweise machen die Faszien rund 20 kg unseres Körpergewichtes aus, und umspannen Sehnen, Organe und Muskeln. Jeder einzelne Muskel und die Muskelgruppen sind von einer Hülle aus Bindegewebe umgeben. Entsprechend des Vorkommens gib es die Einzelfaszie, die Gruppenfaszie und die Körperfaszie. Das Faszientraining greift genau diesen Punkt auf. Durch Umbauprozesse im Bindegewebe der Faszien soll es zu Verklebungen und Versteifungen kommen, sodass die Verschieblichkeit eingeschränkt wird. In der Folge entstehen u.a. Rückenschmerzen. Um die Verklebungen und Verletzungen zu beheben, wird ein gezieltes Training 2x pro Woche der Faszien empfohlen. Eine der größten Faszien unseres Körpers bildet die sogenannte Fascia thoracolumbalis, die große Rückenfaszie, welche die Schultern mit dem Becken verbindet. In der Faszienforschung gilt Bewegung als ein wichtiger Faktor, um faszienbedingte Rückenschmerzen zu verhindern bzw. diese zu behandeln. Durch regelmäßigen Sport und Dehnung der Muskeln und somit der Faszien soll dem entgegengewirkt werden können.

Austretende Nerven im Lendenwirbelbereich

Entlang der Wirbelsäule verlaufen die Nervenfasern des Rückenmarks. Sie sind sehr empfindlich und müssen vor mechanischer Einwirkung geschützt werden, etwa vor Erschütterungen oder Stößen bei Bewegungen. Hierfür sorgen zum einen der knöcherne Wirbelkanal und zum anderen die Bandscheiben, die sich zwischen den einzelnen Wirbeln befinden (auch Zwischenwirbelscheiben genannt).

Als Nervenwurzel (Radix spinalis, lat. radix „Wurzel“, spina „Rückgrat“) bezeichnet man den Bereich der Spinalnerven, der direkt aus dem Rückenmark austritt (ventrale Nervenwurzel) bzw. eintritt (dorsale Nervenwurzel). Über die Fasern der ventralen Nervenwurzel (Radix anterior) gelangen motorische Impulse (Bewegungsimpulse) zu den Muskeln. Über die dorsale Nervenwurzel (Radix posterior) werden die sensorischen Informationen in Richtung Gehirn geleitet. Zu diesen Informationen gehören z.B. Wärme- und Kälteempfinden, Tastgefühl aber auch wichtige Informationen aus Muskeln und Gelenken.

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Pro Rückenmarkssegment laufen rechts und links im Spinalkanal die Fasern der vorderen und hinteren Wurzel zusammen und bilden auf diese Weise die Spinalnerven. Diese verlassen den Spinalkanal (Rückenmarkskanal) durch das jeweilige Foramen intervertebrale (Zwischenwirbelloch).

Im Lendenwirbelbereich treten die Spinalnerven L1 bis L5 aus. Diese Nerven bilden den Plexus lumbalis, ein Nervengeflecht, das für die Versorgung der vorderen und inneren Oberschenkelmuskulatur, der Haut an der Vorderseite des Oberschenkels und der Innenseite des Unterschenkels sowie Teile des Beckens zuständig ist. Die Nervenwurzeln der Lendenwirbelsäule versorgen folgende Bereiche:

  • L1: Hüftbeugung
  • L2: Hüftbeugung, Oberschenkelinnenseite (Sensibilität)
  • L3: Knieflexion, Oberschenkelvorderseite (Sensibilität)
  • L4: Fußhebung, Unterschenkelinnenseite (Sensibilität)
  • L5: Großzehenhebung, Fußaußenseite (Sensibilität)

Klinische Bedeutung

Die austretenden Nerven im Lendenwirbelbereich sind anfällig für verschiedene Erkrankungen und Verletzungen, die zu Schmerzen, Sensibilitätsstörungen und motorischen Ausfällen führen können.

Bandscheibenvorfall

In Deutschland gibt es ca. 180.000 akute Bandscheibenvorfälle pro Jahr. Aber Bandscheibenvorfall ist nicht gleich Bandscheibenvorfall. Bei einem Bandscheibenvorfall reißt der zähe Faserknorpel der Bandscheibe. Ihr gallertiger Kern tritt in den Wirbelkanal aus. Drückt der Gallertkern auf einen Rückenmarksnerven, leiden Betroffene unter starken Rückenschmerzen, die teilweise bis in Arme und Beine ausstrahlen.

Wenn der degenerativ veränderte Faserring der Belastung nicht mehr standhalten kann, reißt er ein und der Gallertkern tritt in den Wirbelkanal ein oder drückt auf einen austretenden Nerv. Je nach Richtung, in welche der Bandscheibenvorfall drückt, kann nur ein einzelner Nerv oder das komplette Rückenmark zusammengedrückt und geschädigt werden. Durch ein geringes Platzangebot werden die im Wirbelkanal liegenden Nerven durch die Bandscheibe zusammengedrückt und funktionieren dadurch nicht mehr einwandfrei. Die zusammengedrückten Nerven können keine Signale weiterleiten und je nach Versorgungsgebiet des Nervs entsteht ein Taubheitsgefühl im entsprechenden Areal. Steigt der Druck auf den Nerv, werden auch andere Funktionen beeinträchtigt: Die vom Nerv angesteuerten Muskeln verlieren an Kraft. Fällt die Versorgung komplett aus, können Nerven absterben und es tritt eine Lähmung der versorgten Muskulatur auf.

Spinalkanalstenose

Kommt es über meist Jahre hinweg zu einem Verschleiß an der Lendenwirbelsäule und dadurch zu einer Verengung des Spinalkanals (Spinalkanalstenose L4/L5), in dem die Nerven entlang der Wirbelsäule nach unten verlaufen, entstehen die typischen Beschwerden mit einer Verkürzung der Gehstrecke („Schaufensterkrankheit“) und Schmerzen in den Beinen; die Folge ist eine deutliche Minderung der Lebensqualität.

Die ganz typische Symptomatik einer Spinalkanalstenose ist die Verkürzung der Gehstrecke (Claudicatio spinalis) aufgrund meist in beide Beine ausstrahlende Beschwerden wie Schmerzen oder Schwächegefühl und somit ein einfach nicht mehr „Weiterkommen“. Fahrradfahren geht meistens richtig gut -warum ?- durch das Abstützen auf dem Lenker wird der Spinalkanal etwas entlastet und aufgedehnt. Dasselbe Phänomen wie beim Schieben eines Einkaufswagen, auch das wird von den meisten Patienten als Entlastung angegeben, auch hier kommt es durch das Abstützen zu einer Entlastung des Spinalkanals, somit etwas mehr Platz für die Nervenfasern im Kanal und somit eine bessere Gehstrecke. Insgesamt bedeutet aber die verkürzte Gehstrecke meist eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität des Patienten.

Radikulopathie

Bei einer Radikulopathie wird eine Nervenwurzel des Rückenmarks gereizt oder geschädigt. Je nachdem, welche Nervenwurzel betroffen ist, kommt es zu Schmerzen, Missempfindungen oder neurologischen Ausfällen. Auslöser für eine Radikulopathie gibt es viele. Sie reichen vom Bandscheibenprolaps bis zu Wirbelsäulentumoren. Behandelt wird - je nach Ursache - konservativ, interventionell durch Injektionen von Betäubungsmitteln und Kortison oder chirurgisch.

Ischias

Der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) ist der dickste und längste Nerv im menschlichen Körper. Er verlässt den Wirbelkanal im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins. Dann verläuft er über das Gesäß und die Hinterseite des Oberschenkels bis in die Kniekehle, wo er sich verzweigt. Schmerzen im Ischiasnerv entstehen durch Einklemmungen, Verletzungen oder Reizungen des Ischiasnervs oder seiner Wurzeln. Mögliche Ursachen können ein Bandscheibenvorfall, Verletzungen eines Wirbelkörpers oder Entzündungen sein.

Piriformis-Syndrom

Vom Piriformis-Syndrom spricht man, wenn der in der tiefen Hüftmuskulatur lokalisierte Piriformis-Muskel verkürzt oder verspannt ist. Da unterhalb dieses birnenförmigen Muskels der Ischiasnerv verläuft, kann eine Verhärtung des Muskels zu Schmerzen im unteren Rücken und Gesäß führen, die in einigen Fällen bis ins Bein ausstrahlen. Die häufigste Ursache des Piriformis-Syndroms ist eine Überlastung. Daher zielt die Behandlung auf eine Entspannung des Piriformis-Muskels ab. In der Regel sind konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, spezielle Dehnübungen, Massage oder Stoßwellentherapie ausreichend.

Diagnose

Die Vorgeschichte des Patienten und die körperliche Untersuchung geben erste klare Hinweise auf Erkrankungen der austretenden Nerven im Lendenwirbelbereich. Aufgrund der genauen Lokalisation der Schmerzen, der Sensibilitätsstörungen und der Muskelschwächen ist eine relativ gute Eingrenzung des am ehesten betroffenen Wirbelsäulenabschnittes möglich. Die genaue Diagnose wird dann mittels MRT gestellt. Nur noch im Falle einer absoluten Kontraindikation gegen ein MRT (Herzschrittmacher, etc.) ist ein CT sinnvoll. Röntgenbilder der Lendenwirbelsäule im Stand in zwei Ebenen können vor einer Operation wichtige Informationen über die Gesamtsituation der Lendenwirbelsäule liefern (Statik, typischer Aufbau aus fünf Wirbeln oder atypischer Aufbau aus mehr oder weniger Wirbeln) und Hinweise auf eine begleitende Spondylolyse (knöcherner Defekt in einem Wirbel) oder ein Wirbelgleiten liefern.

Therapie

Die Behandlung von Erkrankungen der austretenden Nerven im Lendenwirbelbereich richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden. Konservative Maßnahmen wie Schmerzmittel, Physiotherapie und Injektionen können in vielen Fällen ausreichend sein. Bei schweren Symptomen oder wenn konservative Maßnahmen nicht helfen, kann eine Operation erforderlich sein.

Konservative Therapie

Ein nicht symptomatischer Bandscheibenvorfall muss nicht behandelt werden. Ein Bandscheibenvorfall, der relevante Beschwerden, allerdings noch keine alltagsrelevanten akuten Muskellähmungen hervorruft, sollte zunächst konservativ behandelt werden. Die konservative Therapie beinhaltet eine entlastende Lagerung in der Akutphase, eine optimale Schmerzmedikation, gegebenenfalls mit Injektionen an die betroffene Nervenwurzel, vorsichtige Physiotherapie, kurzzeitig gegebenenfalls ein Sportverbot. Falls die unterste Bandscheibe der Lendenwirbelsäule (L5/S1) betroffen ist, kann ein Vermeiden des tiefen Sitzens zu einer Schonung der Hinterseite der betroffenen Bandscheibe führen und somit sinnvoll sein. Nervennahe Injektionen werden im klinischen Alltag häufig mittels Lokalanästhetikum und Kortison-Präparat durchgeführt, teilweise unter Bildwandler-Röntgenkontrolle oder alternativ CT-Kontrolle als PRT (periradikuläre Therapie). Die Injektion von Kortison an die Nervenwurzel ist nicht zugelassen, wenngleich die klinische Erfahrung zeigt, dass sie sehr erfolgreich ist. Es handelt sich somit um eine sogenannte Off-Label-Anwendung, über die der Patient aufzuklären ist. Konservative Therapiemaßnahmen sollten innerhalb von sechs bis acht Wochen zu einer Besserung führen. 70 bis 90 Prozent der Bandscheibenvorfälle an der Lendenwirbelsäule können erfolgreich konservativ behandelt werden.

Operative Therapie

Führen konservative Maßnahmen nicht zu einer für den Patienten zufriedenstellenden Besserung der Beschwerden, so liegt eine sogenannte relative Indikation zur Operation vor. Liegt eine frische Muskellähmung vor, die durch den Bandscheibenvorfall bedingt ist, sollte eine zeitnahe Operation erfolgen. Das Grundprinzip einer Operation besteht darin, über einen mikrochirurgischen (alternativ endoskopischen) Zugang in den Wirbelkanal einzugehen und dort den Bandscheibenvorfall zu entfernen. Somit wird die komprimierte Nervenwurzel mechanisch sofort entlastet und kann mit ihrem Erholungsprozess beginnen. Ob die Nervenwurzel sich vollständig wieder erholt oder ob ein Rest an Beschwerden verbleibt (zum Beispiel ein leichtes Taubheitsgefühl im Bein oder eine leichte Muskelschwäche), kann im Einzelfall nicht vorhergesagt werden, ebenso wie der zeitliche Verlauf des Erholungsprozesses. Als gesichert gilt allerdings, dass das Ausmaß des Drucks auf eine Nervenwurzel (nicht gleichzusetzen mit der Größe eines Bandscheibenvorfalles im MRT) und die Dauer, über die die Nervenwurzel gedrückt war, Einfluss auf den Erholungsprozess haben. Wird ein Patient mit akuter, seit wenigen Stunden bestehender relevanter Muskellähmung aufgrund eines Bandscheibenvorfalles sofort operativ behandelt, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Lähmung sich nach der Operation wieder bessert, deutlich größer, als wenn er erst zum Beispiel nach zwei Wochen operiert wird. Nach einer operativen Entfernung eines Bandscheibenvorfalles heilt der Defekt in der Bandscheibe langsam aus, wenngleich keine intakte Bandscheibe resultiert. Der Patient sollte sich für einige Wochen körperlich schonen (Sportverbot), um das Risiko eines erneuten Bandscheibenvorfalles über den gleichen Riss (sogenannter Rezidiv-Bandscheibenvorfall) zu minimieren. Im Anschluss ist eine volle Belastbarkeit in der Regel wieder gegeben.

Prävention

Um einem Bandscheibenvorfall vorbeugen zu können, sind Kenntnisse der menschlichen Anatomie erforderlich. Die Wirbelsäule besteht aus Wirbelkörpern und dazwischenliegenden Bandscheiben. Die Bandscheibe besteht aus Knorpel und funktioniert wie ein Stoßdämpfer: Der innere Teil ist mit einer gallertartigen Flüssigkeit ausgefüllt, die sehr viel Wasser speichern kann. Bei Druck auf die Bandscheibe pressen der oberhalb und unterhalb der Bandscheibe gelegene Wirbelkörper auf den Gallertkern und dieser weicht zur Seite aus. Die Bandscheiben werden nicht von Blutgefäßen durchzogen, das heißt die Ernährung und Versorgung der Bandscheibe kann nur mittels Diffusion von außen stattfinden. Bewegung stellt den Nährstofftransport auf Dauer sicher und ist damit auch eine der wichtigsten Grundlagen, um einem Bandscheibenvorfall vorbeugen zu können.

Auch wenn bei einem Bandscheibenvorfall die genaue Ursache ungeklärt bleibt, gibt es einige Risikofaktoren, die das Auftreten begünstigen.

  • Gewicht: Hohes Gewicht erhöht die Belastung der Wirbelsäule und der Bandscheiben. Eine schnellere Abnutzung, bevorzugt im Kreuzbereich, ist die Folge.
  • Rauchen: Rauchen führt zu Verengung und Verstopfung von Blutgefäßen. Davon sind auch die Bandscheiben betroffen. Daraus folgt eine schnellere Degeneration, da die Nährstoffversorgung eingeschränkt ist.
  • Job: Körperlich beanspruchende Arbeiten erhöhen das Risiko für einen Bandscheibenvorfall.

Sie können einem Bandscheibenvorfall mit verschiedenen Übungen vorbeugen. Auch nach einem Bandscheibenvorfall sollten krankengymnastische Übungen durchgeführt werden, um das erneute Auftreten zu verhindern. Hierbei wird auf regelmäßige Bewegung ohne zu starke Belastung gesetzt. Häufig werden Sportarten, in denen eine nach vorn gebeugte Haltung der Wirbelsäule eingenommen wird, als angenehm empfunden. Daneben sollten auch Allgemeinmaßnahmen, die zur Rückenschonung dienen, beachtet werden.

  • Eine falsche Körperhaltung beim Stehen und beim Arbeiten im Sitzen (vor dem PC) führt zu falscher Belastung und sollte korrigiert werden.
  • Gesunde Ernährung: Für gesunde Knochen sind hauptsächlich Vitamin D und Kalzium verantwortlich.
  • Für eine bessere Durchblutung der Bandscheiben und der Knochen ist es sinnvoll mit dem Rauchen aufzuhören.
  • Gesundes Gewicht: Gewicht bedeutet Belastung für Wirbelsäule und Bandscheibe. Sport und Bewegung tun nicht nur der Bandscheibe und Wirbelsäule, sondern dem ganzen Körper gut. Sport und Sportarten mit zu starker und unsymmetrischer Belastung sollten jedoch vermieden werden. Sport sollte möglichst regelmäßig durchgeführt werden. Wichtig vor jeder Bewegung ist ein sinnvolles Aufwärmen.
  • Kraftsport zur Rückenschulung und zum Vorbeugen vor Bandscheibenvorfällen. Die Übungen sollten Sie etwa drei- bis viermal pro Woche für jeweils eine halbe Stunde durchführen, um einem Bandscheibenvorfall vorbeugen zu können. Vorher ist eine Aufwärmung sinnvoll. Zum Unterlegen empfiehlt sich eine weiche Matte. Es ist auf eine richtige Durchführung der Übungen und einen möglichst fließenden Bewegungsablauf zu achten. Zu ruckartige Bewegungen können die Beschwerden verstärken. Beachten Sie zudem die richtige Atmung: Bei Entspannung einatmen, bei Anspannung ausatmen. Führen Sie sechs bis zehn Übungen nacheinander durch, wobei fünf Durchgänge mit etwa 10 Wiederholungen pro Übung sinnvoll sind. Pausen sind wichtig. Nach einem Bandscheibenvorfall ist es sinnvoll die Rückenmuskulatur zu stärken. Hierdurch werden eine gleichmäßigere Belastung und eine Entlastung der Bandscheiben erreicht.

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