Training bei neuromuskulären Erkrankungen: Ein umfassender Überblick

Neuromuskuläre Erkrankungen umfassen eine Vielzahl von Krankheitsbildern, die das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln beeinträchtigen. Oftmals werden sie vereinfacht als Muskelkrankheiten oder Muskelschwund bezeichnet, wobei Muskelkrankheiten im engeren Sinne nur Erkrankungen des Muskels selbst sind. Zu den neuromuskulären Erkrankungen zählen jedoch auch Erkrankungen der Nervenfasern, die den Muskel innervieren. Diese Erkrankungen können verschiedene Bereiche des neuromuskulären Systems betreffen, einschließlich der Nerven, die Muskeln steuern, die Muskelfasern selbst oder die neuromuskulären Verbindungen zwischen Nerven und Muskeln. Die Folge sind Schwäche, Bewegungsprobleme und andere Symptome, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können.

Was sind neuromuskuläre Erkrankungen?

Neuromuskuläre Erkrankungen beeinträchtigen das Zusammenspiel zwischen dem Nervensystem und den Muskeln. Dabei können verschiedene Bereiche des neuromuskulären Systems betroffen sein, einschließlich der Nerven, die Muskeln steuern, Muskelfasern selbst oder neuromuskuläre Verbindungen zwischen Nerven und Muskeln. Neuromuskuläre Erkrankungen können zu Schwäche, Bewegungsproblemen und anderen Symptomen führen.

Ursachen und Entstehung neuromuskulärer Erkrankungen

Neuromuskuläre Erkrankungen können durch eine Vielzahl von Ursachen ausgelöst werden. Häufig spielen genetische Veränderungen oder Mutationen eine Rolle, die die Funktion von Nerven und Muskeln dauerhaft beeinträchtigen. Andere Formen sind autoimmun bedingt, das heißt, das Immunsystem richtet sich fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen. Auch Infektionen oder entzündliche Prozesse können Auslöser einer neuromuskulären Erkrankung sein. Darüber hinaus kommen Umwelteinflüsse oder Schädigungen des Nervensystems infrage.

Genetisch bedingte Formen können von den Eltern an die Kinder weitergegeben werden und zeigen sich oft schon früh. Andere entstehen durch Infektionen, Entzündungen oder verschiedene äußere Faktoren und können ebenfalls bereits im Kindesalter beginnen. So treten Muskeldystrophien häufig schon in Kindheit oder Jugend auf, während Erkrankungen wie die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) meist erst im Erwachsenenalter sichtbar werden. Das genaue Erkrankungsalter hängt also stark von der jeweiligen Form ab. Manche erblichen neuromuskulären Erkrankungen können sich zudem in unterschiedlichen Lebensphasen manifestieren.

Auswirkungen auf Muskeln und Körper

Je nach Erkrankungsform treten verschiedene Symptome auf, die von Muskelschwäche, Muskelschwund und Schmerzen bis hin zu Beeinträchtigungen von Herz und Atmung reichen können.

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Muskelschwäche

Abnahme von Kraft, Ausdauer und Muskelmasse sowie Veränderungen der Muskulatur können zu Einschränkungen der Gehfähigkeit und anderer wichtiger Funktionen führen. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf Alltagsbewältigung, Teilhabe am sozialen Leben und damit die Lebensqualität haben.

Herz- und Atemprobleme

Je nach Art der neuromuskulären Erkrankung muss auch auf eine mögliche Beteiligung der Herz- und/oder Atemmuskulatur geachtet werden. Dies kann den Verlauf der Erkrankung zusätzlich beeinflussen und erfordert eine besondere medizinische Überwachung.

Schmerzen und Krämpfe

Durch die neuromuskuläre Erkrankung selbst oder durch ihre Folgen, wie Skoliosen oder Gelenkdeformitäten, kann es zu Schmerzen und Krämpfen kommen, die die Belastung für die Betroffenen zusätzlich erhöhen.

Moderne Diagnosestellung

Durch die Fortschritte der Genetik in den letzten Jahrzehnten wurde eine zunehmend differenzierte Diagnosestellung möglich. Unter anderem bei neuromuskulären Erkrankungen ist dies von großer Bedeutung, um den weiteren Verlauf der Erkrankung besser einschätzen und Patienten beispielsweise zur Berufswahl, Familienplanung oder ggfs. Pränataldiagnostik möglichst genau beraten zu können. Auch für die zunehmenden kausalen Therapien ist eine möglichst genaue Diagnosestellung erforderlich. Sie bildet zudem die Grundlage für zielgerichtete Untersuchungen bei spezifischen Komplikationen, die beispielsweise Herz oder Atmung betreffen. Darüber hinaus hilft eine präzise Diagnosestellung, unnötige Untersuchungen zu vermeiden und frühzeitig die passende Therapie einzuleiten.

Behandlungsansätze

Je nach Ursache und Schweregrad kann die Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen variieren und muss individuell angepasst werden. Die Betreuung erfolgt in der Regel durch Spezialisten wie Neurologen, neuromuskuläre Mediziner und Physiotherapeuten. Zu den wichtigsten Ansätzen gehören:

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  • Symptomatische Behandlungen zur Linderung der Symptome
  • Medikamente (meist bei entzündlichen neuromuskulären Erkrankungen)
  • Physiotherapeutische Maßnahmen zur Erhaltung von Beweglichkeit und Kraft
  • Hilfsmittel wie Rollstühle oder Krücken zur Unterstützung der Mobilität
  • Chirurgische Eingriffe (falls notwendig)

Rolle der Physiotherapie

Die Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von neuromuskulären Erkrankungen. Verminderte Muskelkraft und -ausdauer sind die Hauptbeschwerden erwachsener Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen. Sie können generalisiert sein oder bestimmte Körperpartien besonders betreffen. Die Mobilität und Bewegungsfähigkeit im Alltag und Beruf werden dadurch zunehmend eingeschränkt. Als Folge stellen sich Atrophien und gegebenenfalls auch Schmerzsyndrome ein.

Die wichtigste symptomatische Behandlungsmaßnahme ist die Physiotherapie, ergänzt durch Ergotherapie und Logopädie sowie physikalische Maßnahmen zur Optimierung des Muskelstoffwechsels. Da sich eine Muskelerkrankung unterschiedlich äußern kann, sind auch die entstehenden Probleme vielfältig. Muskelaufbau- und -ausdauertraining können je nach Art der Muskelerkrankung besonders angezeigt bis kontraindiziert sein, auf alle Fälle müssen die Behandlungsmethoden und -ziele stets an die jeweilige Krankheitsproblematik des Patienten angepasst werden. Da der Kraftverlust seine Ursache nicht in einem Mangel an Bewegung hat, sondern im Abbau der nervalen oder muskulären Strukturen, stehen die Optimierung von Bewegungsabläufen, Erarbeitung von Kompensationsstrategien sowie die Aktivierung physiologischer Reserven im Vordergrund der symptomatischen Therapie.

Grundlage der Therapie ist dabei nicht die isolierte Anwendung von Einzeltechniken, sondern vor allem die Kombination von funktionellen Behandlungsmethoden mit dem Ziel, den Patienten bei der Bewältigung der Krankheitsfolgen sowie bei der Erhaltung seiner Alltagskompetenzen zu unterstützen. Es werden Krankheitsbilder und Problematiken aus der Praxis erörtert und diskutiert.

Rehabilitative Maßnahmen

Die Maßnahmen zielen darauf ab, dass Betroffene mit einer neuromuskulären Erkrankung ihren Alltag besser bewältigen können und in Familie, Freundeskreis und Beruf möglichst gut integriert bleiben.

Ergotherapie

Funktionen und Fähigkeiten, insbesondere der oberen Extremitäten, können mithilfe von Ergotherapie verbessert oder erhalten werden. Auch die Hilfsmittelversorgung erfolgt in der Regel in spezialisierten Kliniken.

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Logopädie

Die Logopädie ist in das Behandlungskonzept integriert, um die Sprache, das Sprechen und die Stimme zu verbessern. Das Gleiche gilt für Atmung und Abhusten. Eine weitere Domäne der Logopädie ist das Schlucken.

Psychotherapie

In einigen Fällen ist auch eine psychologische Behandlung erforderlich. Diese kann in Einzel- oder Gruppentherapien zu einem konstruktiveren Umgang mit der Erkrankung beitragen.

Sporttherapie

Leichtes bis moderates Kraft- und Ausdauertraining wirkt sich bei neuromuskulären Erkrankungen in der Regel positiv aus und wird meist gut vertragen.

Neuromuskuläre Analyse und Therapie mit dem HUBER 360

Die neuromuskuläre Analyse und Therapie erfolgt auf speziellen Geräten. Beim HUBER 360 steht der Patient auf einer beweglichen Plattform und turnt die vorgegebenen Übungen nach. Währenddessen misst und berechnet das Gerät u. a. die Muskelkraft, die Koordination und das Gleichgewicht. Die neuromuskuläre Analyse und die dazugehörende Therapie werden vor allem bei orthopädischen und neurologischen Erkrankungen genutzt. Die Analyse hilft, muskuläre Dysbalancen und funktionelle Defizite aufzudecken. Darauf aufbauend verbessert ein individuell angepasstes neuromuskuläres Training das Zusammenspiel von Muskulatur und Nervensystem, steigert Stabilität und Gleichgewicht und erhöht die Belastbarkeit.

Mithilfe der neuromuskulären oder sensomotorischen Analyse und Therapie lassen sich muskuläre Dysbalancen, Koordinationsstörungen und Gleichgewichtsschwächen erfassen und behandeln. Diese Form der Diagnostik und Therapie wird bei verschiedenen orthopädischen Krankheitsbildern eingesetzt, z. B. bei chronischen Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall, Osteoporose oder Kreuzbandriss. Sie dient zudem der Sturzprophylaxe und zur Behandlung neurologischer Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson. Insgesamt soll die Behandlung helfen, Bewegungsabläufe effektiver zu koordinieren, das Gleichgewicht zu optimieren und die Muskelkraft zu stärken.

Vor der Therapie wird der Ist-Zustand der Dysbalancen mithilfe einer neuromuskulären Analyse erfasst. Anhand der gewonnenen Daten stellt der Therapeut ein speziell angepasstes Training zusammen.

Propriozeptoren in der Muskulatur bzw. der Sehne: Muskelspindeln messen und melden dem zentralen Nervensystem, wie stark und wie schnell sich ein Muskel dehnt. Zur Sicherung der Stabilität kann das Gehirn je nach Info gegensteuern. Golgi-Sehnenorgane überwachen die Muskelkraft. Bei zu hoher Spannung geben sie Alarm, sodass die Aktivität der Muskeln gedämpft wird.

Bewegung, Kraft, aufrechte Haltung und Gleichgewicht sind das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von Muskeln und Nerven. Eine große Rolle spielt dabei die Propriozeption, d.h. das unbewusste Wahrnehmen der eigenen Bewegung und der Stellung im Raum. Muskelspindeln sind für die Balance Alarmsysteme im Muskelgewebe. Sie melden dem Nervensystem sofort jede Dehnungsänderung - z. B., wenn man im Stehen minimal nach vorne kippt. Auf diese Signale reagiert das Gehirn unmittelbar und passt die Spannung der Haltemuskulatur an. Die Propriozeptoren senden permanent Signale an das zentrale Nervensystem. Im Gehirn werden die eingehenden Informationen analysiert und mit ihrer Hilfe die Koordination von Körperhaltung, Gleichgewicht und bewusster Bewegung ermöglicht.

Bei der neuromuskulären Analyse werden die Funktion und die Koordination dieses Netzwerkes, also des neuromuskulären Systems, gezielt untersucht. Eines der Geräte für die neuromuskuläre Therapie ist der HUBER 360, der auch in der Gelenk-Klinik eingesetzt wird. Dabei handelt es sich um eine motorisierte, um 360° bewegliche Plattform, die in alle Richtungen kippen und sich drehen kann. Sowohl in der Platte als auch in den Griffen sind Sensoren angebracht. Bei der Untersuchung steht der Patient barfuß auf der beweglichen Platte und hält sich an den Griffen fest. Während der Analyse sieht der Patient auf dem Bildschirm vor ihm das visuelle Feedback seiner Bewegungen bei den Spiel- und Bewegungsaufgaben. Während und nach der Analysensitzung wertet die Software des Geräts die Daten aus und macht Dysbalancen, Muskelschwächen und weitere auffällige Befunde sichtbar.

Der Name HUBER 360 ist ein Akronym. Es setzt sich aus HUman Body EquilibRium zusammen, was für das Gleichgewicht und die Balance des menschlichen Körpers steht. Die Zahl 360 bezieht sich auf die Bewegungsmöglichkeiten der motorisierten Plattform, die 360° beträgt.

Das Ergebnis der Analyse mit dem HUBER 360 ist eine individuelle neuromuskuläre Bestandsaufnahme des Patienten. Kraft, Haltung, Dysbalancen und Gleichgewicht werden genau dokumentiert. Anhand dieser Daten arbeitet der Therapeut einen speziell auf den Patienten zugeschnittenen Trainingsplan aus. Ziel der neuromuskulären Therapie ist es, das Zusammenspiel von Muskeln, Nerven und Gleichgewichtssystem zu optimieren. Muskuläre Dysbalancen, Bewegungsstörungen und Muskeldefizite werden gezielt trainiert und ausgeglichen. Kraft, Beweglichkeit, Stabilität und Leistungsfähigkeit werden ebenso verbessert wie die Körperwahrnehmung. Dadurch sinkt das Risiko erneuter Verletzungen und Schmerzen.

Vorteile des HUBER 360

Der HUBER 360 besitzt mehrere Merkmale, die sich zusätzlich positiv auf das Ergebnis auswirken. Durch die Bewegung auf der motorisierten, beweglichen Plattform wird die in der Tiefe liegende Haltemuskulatur gezielt aktiviert und gestärkt. Das Kippen und Drehen aktiviert das Gleichgewichtsorgan, das wiederum das Gehirn über die Lageveränderungen informiert. Das Gehirn sendet über motorische Nervenbahnen Signale an die Muskeln, um den Körper zu stabilisieren und an Lageänderungen anzupassen.

Studien zum HUBER 360

Welchen Nutzen das HUBER-Training bei Patienten mit nichtspezifischen Rückenschmerzen hat, wurde 2023 von einer französischen Arbeitsgruppe geprüft. Von 70 Betroffenen bekamen 35 eine Reha mit Physio- und Balneotherapie sowie Fahrradtraining, die anderen machten zusätzlich überwachte Übungen auf der HUBER-Plattform. In beiden Gruppen besserten sich Stärke und Flexibilität der Rumpfmuskulatur sowie die Beweglichkeit der LWS-Gelenke. Die Patienten der HUBER-Gruppe erzielten zudem eine stärkere Verbesserung im Oswestry Disability Index als die Patienten mit der Standardbehandlung. Dieser Index beschreibt, wie stark Rückenschmerzen den Alltag und die Lebensqualität belasten. In dieser Untersuchung wurden die Behinderungen durch den chronischen Rückenschmerz mithilfe der HUBER-Behandlung also deutlich reduziert.

Anwendungsbereiche des HUBER 360

  • Nach Einsetzen einer Hüftendoprothese kann ein neuromuskuläres Training dabei helfen, die Stabilität rund um das neue Gelenk zu verstärken.
  • Bei chronischen Rückenschmerzen können die oft zugrunde liegenden Haltungsschwächen und muskulären Dysbalancen ausgeglichen und verbessert werden. Insbesondere die tiefliegende autochthone Rückenmuskulatur wird dabei gestärkt.
  • Das neuromuskuläre Training ist auch bei Arthrose günstig. Es entlastet das Gelenk und unterstützt die Beweglichkeit, indem es die Muskulatur stärkt. Ein häufiges Einsatzgebiet sind die Gonarthrose, die Coxarthrose (Hüftarthrose) und die Retropatellararthrose.
  • Auch Patienten mit Fußfehlstellungen wie z. B. dem Knick-Senkfuß profitieren vom neuromuskulären Training, da Stabilität und Balance verbessert werden.
  • Nach künstlichem Gelenkersatz kann die neuromuskuläre Therapie ebenfalls hilfreich sein. Mit speziellen Übungen lassen sich nach dem Einsatz einer Hüft-TEP oder Knie-TEP die Stabilität rund um das neue Gelenk herum verbessern.
  • Bei Osteoporose hilft ein gezieltes Trainieren des neuromuskulären Systems, die Gefahr für Stürze und von nachfolgenden Knochenbrüchen zu verringern.
  • Außerhalb von Erkrankungen des Bewegungsapparates werden neuromuskuläre Therapien ebenfalls eingesetzt. So zum Beispiel zur Besserung von Gleichgewicht und Beweglichkeit bei neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose.

Kontraindikationen

Es gibt einige Patientengruppen, die nicht mit einer neuromuskulären Therapie behandelt werden sollen. So könnte die Bewegung bei akuten Gelenkinfektionen oder entzündlich-rheumatischen Erkrankungen die Entzündungen verschlimmern. Nach frischen Verletzungen oder Operationen ist die Therapie ebenfalls kontraindiziert, weil die Bewegung die Heilungsphase stört. Auch bei Venenthrombosen ist Vorsicht geboten, da ein Risiko besteht, dass sich beim Training Gerinnsel lösen und Embolien auslösen. Weitere Kontraindikationen für neuromuskuläre Therapien sind Schwangerschaft, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Epilepsien.

Ablauf der Therapie mit dem HUBER 360

  1. Analyse: Vor dem Beginn der Trainingstherapie muss zunächst der Ist-Zustand des neuromuskulären Systems des Patienten analysiert werden. Nur wenn die Defizite und Schwächen bekannt sind, kann der Therapeut einen individuellen Trainingsplan erstellen. Für eine solche neuromuskuläre Analyse stellt sich der Patient barfuß auf die motorisierte Platte des Geräts und hält sich an den Griffen fest. Die Platte kippt und bewegt sich dann langsam in verschiedene Richtungen, wobei sich der Patient permanent stabilisiert und balanciert. Die Sensoren in den Griffen und in der Plattform messen die Muskelaktivität, Dysbalancen und Fehlhaltung. Mithilfe der integrierten Software werden die Daten sofort analysiert und auf dem Bildschirm visualisiert. Anhand der gewonnenen Daten erkennt der Therapeut Defizite und Schwächen und stellt einen individualisierten Trainingsplan für den Patienten auf. Dieser besteht aus einer bestimmten Anzahl von Trainingseinheiten auf dem HUBER-Gerät (z. B. 2 bis 3 Sitzungen pro Woche über vier Wochen) und Übungen in Eigenregie zu Hause.
  2. Training: Basis des neuromuskulären Trainings sind die Übungseinheiten auf dem HUBER-Gerät. Dort werden die speziell zusammengestellten Übungen unter Aufsicht des Therapeuten durchgeführt. Wie bei der Analyse steht der Patient auf der Plattform (bei nicht belastbaren Beinen gibt es entsprechende Sitzhilfen) und führt die angesagten Übungen durch. Die Sensoren messen Kraft, Balance und Fehlhaltung und geben unmittelbar ein visuelles Feedback. So lernt der Patient, Fehlhaltungen zu korrigieren und die Bewegungen besser zu koordinieren. Gleichzeitig werden die unbewussten Bahnen des neuromuskulären Systems trainiert und die Tiefenmuskulatur gestärkt. Ob sich durch das Training Gleichgewicht und Stabilität verbessert haben, erkennt der Therapeut an den bei jeder Sitzung gewonnen Daten. Das bedeutet, dass sich der Erfolg der Therapie nicht nur in der subjektiven Verbesserung der Beschwerden niederschlägt. Zusätzlich zu den Übungen auf dem Gerät sollte der Patient auch zu Hause trainieren. Dafür bekommt er in der Regel maßgeschneiderte Übungsanleitungen mit, die regelmäßig durchzuführen sind. Um den Erfolg der neuromuskulären Therapie langfristig beizubehalten, sollte der Patient auch nach Ende der HUBER-Serie zu Hause weiter trainieren.

Vorteile gegenüber konventioneller Krankengymnastik

Das Trainieren mit dem HUBER 360 hat einige Vorteile gegenüber konventioneller Krankengymnastik. Das Wichtigste ist die unmittelbare Rückmeldung der gewonnen Daten, die der Patient in Echtzeit auf dem Bildschirm sieht. Eine solche Art des Trainings ist besonders motivierend. Die regelmäßigen Messungen ermöglichen auch, den Trainingsfortschritt objektiv zu verfolgen und gegebenenfalls anzupassen. Viele Patienten berichten auch, dass die neuromuskuläre Therapie aufgrund der visuellen Anleitungen und Rückmeldungen mehr Spaß macht als eine konventionelle Krankengymnastik.

Kosten

Die Kosten unterscheiden sich je nach Aufwand und danach, wie viele Einheiten geplant sind. Bei acht Therapiesitzungen belaufen sie sich auf etwa 1.200 Euro (Stand 2025). Die Kosten für das neuromuskuläre Training mit dem HUBER 360 werden derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Begründet wird dies damit, dass das nicht standardisierte und über die konventionelle Physiotherapie hinausgehende Verfahren nicht im Leistungskatalog aufgeführt ist. Damit ist es als Zusatzleistung klassifiziert, die vom Patienten selbst bezahlt werden muss. Ob die privaten Kassen die Kosten übernehmen, sollte vor Beginn der Maßnahme abgeklärt werden. Gleiches gilt für die Beamtenbeihilfe, auch hier sollte ein Antrag mit Begründung eingereicht und eine Kostenübernahme geklärt werden.

Weitere Vorteile des neuromuskulären Trainings

  • Das neuromuskuläre Training verbessert Balance, Koordination, propriozeptive Wahrnehmung und Stabilität und kann auf diese Weise das Sturzrisiko nachweislich senken. Die Patienten werden insgesamt stabiler und lernen zudem, schneller zu reagieren - z. B. auf mögliche Stolperfallen in der Wohnung.
  • Biofeedback-Geräte wie z. B. der HUBER 360 sind für das Training besonders gut geeignet, weil sie den Betroffenen sofort Rückmeldung über ihr neuromuskuläres System geben.
  • Neuromuskuläres Training wird im Sport häufig angewendet. Es steigert die Leistung und schützt vor Überlastungsschäden. Nach Verletzungen hilft es, das neuromuskuläre System und den Bewegungsapparat wieder kontinuierlich zu trainieren und aufzubauen.

Sicherheit

Unter therapeutischer Aufsicht und nach einer korrekten Diagnose und Analyse gilt das neuromuskuläre Training mit dem HUBER 360 als ein sicheres Verfahren. Wichtig ist, dass der geschulte Therapeut mit dem Gerät vertraut ist und die korrekten, für den Patienten maßgeschneiderten Einstellungen daran vornimmt und im Verlauf des Trainings auf etwaige Probleme reagiert. Außerdem müssen die genannten Kontraindikationen ( u. a. entzündliche Erkrankungen, frischer Unfall) beachtet werden.

MOTOmed Bewegungstherapie

Eine weitere wichtige Säule im Therapiekonzept bei neuromuskulären Erkrankungen ist die Physio- und Bewegungstherapie. Bei vielen Muskelerkrankungen kann es zu Muskelverkürzungen kommen. Die gleichmäßige MOTOmed Bewegungstherapie mit der Sicherheitsfunktion BewegungsSchutz ermöglicht eine sichere Bewegung. Zudem bietet das motorbetriebene MOTOmed ein Training bei schwacher Muskulatur, das nicht überfordert.

Mit dem MOTOmed Bewegungstherapiegerät können Patienten ein passives oder aktives Bein- und Arm-/Oberkörpertraining absolvieren. Das MOTOmed eignet sich für ein Training vom Stuhl oder Rollstuhl aus.

Bei bereits immobilen Patienten und Rollstuhlfahrern kann vor allem die passive, motorbetriebene Bewegung helfen, den Folgen von Bewegungsmangel gezielt entgegen zu wirken. Sie aktiviert Kreislauf und Stoffwechsel und verbessert die Gelenkbeweglichkeit.

Die motorunterstützte MOTOmed Bewegungstherapie ist in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen als Hilfsmittel anerkannt. Die Kosten können zu 100% übernommen werden.

Therapie-Modi

  • Passiv: Die motorbetriebene Bewegung ohne Kraftaufwand eignet sich zur Regulierung des Muskeltonus, zur Lockerung der Muskulatur und zur Frühmobilisation nach langen Ruhezeiten. Das passive Training fördert die Durchblutung, die Verdauung und die Gelenkbeweglichkeit.
  • Assistiv: Bei der motorunterstützten Bewegungstherapie ermöglicht die Funktion MOTOmed ServoTreten einen leichten Übergang vom passiven zum aktiven Training.

neurotrim Ansatz bei neurologischen Erkrankungen

Der neurotrim Ansatz zielt darauf ab, die sensomotorischen und neuromuskulären Fähigkeiten im Gesamten zu erhöhen. Das Ziel ist es, Bereiche in Gehirn und Nervensystem zu reaktivieren. Wenn dies nicht möglich ist, soll den Patienten geholfen werden, von den gesteigerten Fähigkeiten zu profitieren, auch wenn die Krankheit ihr Potenzial einschränkt.

Anwendungsbereiche von neurotrim

  • Multiple Sklerose: In einigen Fällen konnten Verbesserungen des Gangbildes erzielt und die Koordination verbessert werden. Auch die Fußheberschwäche konnte in einigen Fällen mindern bis ganz eliminieren.
  • Schlaganfälle: Mit hochintensiven Koordinationsübungen zielen wir darauf ab, das Gehirn und Nervensystem zu zwingen neue Lösungen zu finden für dringend benötigte Bewegungsabläufe - und damit Ihre Lebensqualität und Bewegungsfähigkeit wieder voran zu bringen.
  • Parkinson: Durch eine Verbesserung der Balance und auch der Muskelsteuerung teilweise Linderung der Symptome und subjektive Verbesserungen erreichen.
  • Chorea Huntington: Hier wird eine experimentelle Zusammenarbeit angestrebt, um den Patienten bestmöglich zu unterstützen.

Voraussetzungen für das Training mit neurotrim

Um mit neurotrim zu trainieren, sollten die Patienten in der Lage sein, einige wenige Schritte weitgehend selbständig durchführen zu können.

F. A. Q. zu neurotrim

  • Kann neurotrim meinen Krankheitsverlauf positiv beeinflussen? Das Training mit neurotrim ist kein Medikament und keine medizinische Therapie. Das heißt in der Regel auch, dass wir den Krankheitsverlauf an sich nicht beeinflussen können. Wir sind ein Analyse- und Trainingsansatz und unser Ziel ist es, dass wir die sensomotorischen und neuromuskulären Gesamtfähigkeiten im Körper verbessern und damit die dem Körper zur Verfügung stehenden "Ressourcen" in Balance, Koordination und Muskelsteuerung maximieren.
  • Wie kann neurotrim meine Symptome lindern? Eine Verbesserung der Gesamtfähigkeiten in z.B. Balance oder Koordination oder Muskelsteuerung kann dazu führen, dass trotz Einflüsse durch eine Erkrankung dem Körper wieder "mehr" zur Verfügung steht und sich dadurch Symptome lindern oder gar verschwinden.
  • Kann ich neurotrim mit anderen Therapien kombinieren? Ja, bitte! Beenden Sie auf keinen Fall die Zusammenarbeit mit anderen Therapeut:innen, Ärzten und Ärztinnen und fragen Sie nach deren Freigabe zum gemeinsamen Training.
  • Welche Fortschritte sind realistisch? Es gibt keine feste Antwort. Die erwarteten Fortschritte hängen immer von der Ausgangslage, der Krankheit, den Zielen und vielem mehr ab.
  • Wird das Training mit neurotrim von der Krankenkasse übernommen? In der Regel nicht.

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