Die Post-Zoster-Neuralgie (PZN) ist eine häufige und oft schmerzhafte Komplikation nach einer Gürtelrose (Herpes Zoster). Sie tritt auf, wenn die Schmerzen nach Abheilung des Hautausschlags länger als drei Monate anhalten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und verschiedene Behandlungsoptionen der Post-Zoster-Neuralgie.
Was ist Post-Zoster-Neuralgie?
Die Post-Zoster-Neuralgie (PZN), auch bekannt als Postherpetische Neuralgie, ist definiert als ein chronischer Nervenschmerz, der nach einer Gürtelrose-Erkrankung auftritt. Gürtelrose selbst wird durch die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht, dem gleichen Virus, das auch Windpocken auslöst.
Ursachen und Risikofaktoren
Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus
Die Ursache der PZN liegt in der Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus. Nach einer überstandenen Windpockeninfektion verbleibt das Virus inaktiv in den Nervenzellen des Gehirns oder Rückenmarks. Bei einer Schwächung des Immunsystems kann das Virus reaktiviert werden und entlang der Nervenbahnen zur Haut wandern, wo es den typischen Hautausschlag der Gürtelrose verursacht.
Schädigung der Nervenstrukturen
Während der akuten Gürtelrose verursachen vor allem die entzündlichen Verletzungen der Nervenstrukturen die Schmerzen. Diese Nervenstrukturen können geschädigt werden und vernarben. Die Folge ist ein gestörtes Schmerzempfinden, das sich in den Symptomen der Post-Zoster-Neuralgie äußert. Einige Varicella-Zoster-Viren überdauern nach einer akuten Windpocken-Infektion in bestimmten Nervenknoten (Ganglien) im Gehirn und Rückenmark. Ein intaktes Immunsystem hält die Viren in Schach. Wird es durch bestimmte Erkrankungen, Medikamente oder zunehmendes Lebensalter geschwächt, können die Viren aktiv werden und sich vermehren. Sie wandern entlang der Nervenbahnen in die Haut und schädigen mitunter die Nervenzellen.
Risikofaktoren
Das Risiko, an einer PZN zu erkranken, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
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- Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Während bei den 55- bis 59-Jährigen etwa 30 Prozent der Herpes-Zoster-Fälle zu einer PZN führen, sind bei den über 60-Jährigen bereits 50 Prozent und bei den über 70-Jährigen sogar 70 Prozent betroffen.
- Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
- Betroffene Körperstelle: Das Risiko ist erhöht, wenn die Gürtelrose im Gesicht, an den Augen oder am Steißbein auftritt.
- Starke Schmerzen: Bereits zu Beginn der Gürtelrose auftretende starke Schmerzen können das Risiko für eine PZN erhöhen.
- Geschwächtes Immunsystem: Personen mit einem geschwächten Immunsystem, beispielsweise aufgrund von Erkrankungen wie HIV/AIDS, rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematodes, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, chronischen Lungenerkrankungen, chronischer Nierenerkrankung oder Diabetes mellitus, haben ein erhöhtes Risiko. Auch immunsupprimierende Medikamente können das Risiko erhöhen.
Symptome der Post-Zoster-Neuralgie
Die Symptome der PZN variieren je nach betroffener Nervenregion, umfassen jedoch typischerweise:
- Anhaltende brennende oder bohrende Schmerzen: Charakteristisch ist ein dauerhafter, brennender, teils stechender Schmerz, teilweise mit kurzen heftigen Schmerzattacken.
- Plötzlich einschießende Schmerzen: Die Schmerzen treten häufig plötzlich auf, ähnlich wie ein Stromschlag.
- Heftige Schmerzen bei Berührung (Allodynie): Im Verlauf entwickelt sich oftmals eine starke Berührungsempfindlichkeit im Bereich des vormals betroffenen Areals. Die Haut ist an diesen Stellen überempfindlich und jede Berührung schmerzhaft.
- Missempfindungen: Juckreiz oder Taubheitsgefühle können auftreten.
- Schmerzverstärkung: Der Schmerz kann intensiver werden und sich über die Stellen des ursprünglichen Ausschlags ausbreiten.
Die Schmerzen und Missempfindungen treten im Bereich der vorangegangenen Gürtelrose auf, meist am Rumpf, aber auch an Armen oder im Gesicht. Betroffene haben häufig Probleme, diese Hautregionen zu waschen, sich im Bett zu drehen oder sich zu umarmen. Die Lebensqualität kann durch die Schmerzen erheblich reduziert werden.
Diagnose
Die Diagnose der PZN erfolgt in der Regel klinisch. Der Arzt wird die Krankengeschichte des Patienten erheben, insbesondere im Hinblick auf eine vorangegangene Gürtelrose. Fragen nach der Dauer und Intensität der Schmerzen, dem Impfstatus und eventuellen Begleitsymptomen sind wichtig.
Mithilfe eines standardisierten Fragebogens kann der Patient die Schmerzen auf einer Skala einschätzen. Bei der körperlichen Untersuchung wird das betroffene Hautareal auf Rötungen, Pusteln oder Narben untersucht und die Berührungsempfindlichkeit der Haut geprüft.
In unklaren Fällen kann eine Blutuntersuchung zur Bestimmung der Entzündungswerte und spezieller Antikörper gegen das Varicella-Zoster-Virus durchgeführt werden. Wenn andere Ursachen für die Nervenschmerzen in Frage kommen, kann eine Überweisung an einen Neurologen erfolgen.
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Behandlungsmöglichkeiten
Ziel der Behandlung ist es, die Schmerzen zu lindern, Missempfindungen zu unterdrücken und die Lebensqualität zu verbessern. Da die PZN nicht heilbar ist, konzentrieren sich die Behandlungen auf die Symptomkontrolle. Die Auswahl der Medikamente erfolgt abhängig von der Stärke und der Art der Schmerzen.
Medikamentöse Therapie
Verschiedene Medikamente können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden:
- Nicht-opioid-Analgetika: Bei leichten Beschwerden können einfache Schmerzmittel wie Paracetamol eingenommen werden. Auch Ibuprofen und Metamizol können eingesetzt werden.
- Opioide: In einigen Fällen werden starke, verschreibungspflichtige Schmerzmittel (Opioide) wie Tramadol, Tilidin, Morphin oder Oxycodon eingesetzt.
- Antikonvulsiva: Medikamente gegen Krampfanfälle wie Gabapentin und Pregabalin haben sich in der Schmerztherapie bewährt. Sie machen die Nervenzellen weniger erregbar.
- Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin verhindern unter anderem, dass Schmerzsignale im Rückenmark weitergeleitet werden. Sie können auch die Erregbarkeit der betroffenen Nerven dämpfen.
Die Dosierung der Medikamente wird langsam gesteigert, bis eine ausreichende Schmerzlinderung erreicht ist. Die Behandlung sollte mindestens 3-6 Wochen fortgeführt werden.
Lokale Behandlung
- Lokalanästhetika: Lidocain kann als Salbe oder Pflaster auf den schmerzenden Bereich aufgetragen werden.
- Capsaicin-Pflaster: Hochdosierte Capsaicin-Pflaster wirken betäubend und schmerzlindernd.
Invasive Schmerztherapie
Bei schwer zu behandelnden Schmerzen können Nervenblockaden in Betracht gezogen werden, bei denen bestimmte Nerven mit lokal angewendeten Betäubungsmitteln oder Steroiden „abgeschaltet“ werden. Diese Therapie wird ausschließlich von spezialisierten Schmerzärzten durchgeführt. In seltenen Fällen können rückenmarksnahe Anästhesieverfahren notwendig sein.
Weitere Maßnahmen
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Bei der TENS werden mithilfe von Elektroden auf der Haut die Nerven mit Stromimpulsen angesprochen. Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit dieses Verfahrens fehlen allerdings noch.
- Psychologische Schmerztherapie: Psychologische Verfahren können helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann zur Verbesserung der Beweglichkeit undFunktion beitragen.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, die Schmerzen zu lindern.
Multimodale Schmerztherapie
Besonders bei langwierigen Verläufen wird eine multimodale Schmerztherapie empfohlen. Dabei werden verschiedene therapeutische Disziplinen (z. B. medikamentöse Therapie, Psychotherapie, Physiotherapie, Entspannungstechniken) gleichzeitig und inhaltlich eng aufeinander abgestimmt eingesetzt.
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Prävention
Impfung gegen Windpocken
Eine Impfung gegen Windpocken reduziert auch das Risiko, später an Gürtelrose zu erkranken und eine Post-Zoster-Neuralgie zu entwickeln. Impfungen gegen die Windpocken gehören seit dem Jahr 2004 zu den empfohlenen Impfungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Säuglinge und Kleinkinder. Vor einer geplanten Schwangerschaft sollten Frauen, die in ihrem Leben noch keine Windpocken hatten, ebenfalls gegen Windpocken geimpft werden.
Impfung gegen Gürtelrose
Auch wer schon einmal an Windpocken erkrankt war, kann sich später gegen Gürtelrose impfen lassen, um sein Risiko zu reduzieren. Die STIKO empfiehlt eine Herpes-zoster-Impfung für Menschen ab 60 Jahren, die nicht gegen Windpocken geimpft sind, sowie für besonders gefährdete Menschen (wie etwa chronisch Kranke) ab 50 Jahren. Die Kosten für diese Impfung übernimmt die Krankenkasse. In Deutschland sind zwei Impfstoffe gegen Gürtelrose für Personen ab 50 Jahren zugelassen und verfügbar. Die Impfung mit dem Totimpfstoff ist von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Personen über 60 Jahre empfohlen. Für Patient*innen mit einer Immunschwäche oder einer chronischen Grunderkrankung empfiehlt die STIKO die Gürtelrose-Impfung bereits ab 50 Jahren. Die Impfung wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
Frühzeitige Behandlung der Gürtelrose
Eine frühzeitige Behandlung der Gürtelrose mit antiviralen Medikamenten kann das Risiko einer PZN möglicherweise verringern. Die antivirale Therapie sollte innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Hautausschlags begonnen werden.