Einführung
Demenz ist ein Syndrom, das durch den Abbau von Gedächtnis und anderen kognitiven Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Die Alzheimer-Krankheit ist mit einem Anteil von etwa 60 % die häufigste Ursache einer Demenz. Die Erkrankten leiden unter Denk-, Konzentrations- und Auffassungsstörungen bis hin zur Unfähigkeit, selbst einfache Handlungen ausführen zu können. Die autonome Neuropathie, eine Schädigung des autonomen Nervensystems, kann eine Vielzahl von Organfunktionen beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen autonomer Neuropathie und Demenz, wobei verschiedene Ursachen, Symptome, Diagnoseverfahren und Behandlungsmöglichkeiten betrachtet werden.
Das Autonome Nervensystem und seine Funktionen
Das Autonome Nervensystem (ANS) steuert eine Vielzahl innerer Organe und reguliert lebenswichtige Funktionen wie Kreislauf, Atmung, Verdauung, Harnentleerung und Schlaf. Störungen dieses Teils des Nervensystems können vielfältige Beschwerden verursachen. Nahezu jede Krankheit, bei welcher Nerven akut oder chronisch erkranken, kann das Autonome Nervensystem mitbetreffen. Da es alle lebenswichtigen Funktionen reguliert, ist es an den häufigsten chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Asthma, Rheuma oder Krebs beteiligt.
Ursachen für Erkrankungen des Autonomen Nervensystems
Die Liste der möglichen Ursachen für eine Erkrankung des Autonomen Nervensystems ist lang und umfasst:
- Vitaminmangel
- Entzündungen
- Infektionen
- Alkoholkonsum
- Medikamenten-Nebenwirkungen
- Akute Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Verletzungen des Gehirns bzw. Rückenmarkes
Unfälle mit Schädel-Hirn-Trauma aber auch traumatische Querschnitt-Syndrome des Rückenmarks können das Autonome Nervensystem bzw. die Regulation vegetativer Nerven vorübergehend oder dauerhaft schädigen.
Symptome einer Erkrankung des Autonomen Nervensystems
Erkrankungen des Autonomen Nervensystems können viele Gesichter zeigen:
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei diabetischer autonomer Neuropathie
- Ohnmacht
- Schwindel
- Blutdruckschwankungen
- Kurzatmigkeit
- Konzentrationsstörungen
- Schlafstörungen
- Reizdarmbeschwerden
- Inkontinenz
- Übermäßiges Schwitzen
- Juckreiz
- Rötungen
- Missempfindungen und Schmerzen
Viele dieser Beschwerden treten in Verbindung mit Nervenerkrankungen in Beinen oder Armen (Polyneuropathien) aber auch in Verbindung mit Erkrankungen des Zentralen Nervensystems (ZNS) wie beispielsweise Schlaganfall, Multiple Sklerose, Parkinson-Erkrankungen oder Demenz-Erkrankungen auf.
Autonome Neuropathie und Demenz: Ein möglicher Zusammenhang
Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass Störungen des autonomen Nervensystems mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden sein könnten. Die Mechanismen, die diesem Zusammenhang zugrunde liegen, sind komplex und noch nicht vollständig verstanden. Einige der möglichen Erklärungen sind:
- Vaskuläre Schäden: Autonome Neuropathie kann die Blutgefäße beeinflussen und zu vaskulären Schäden im Gehirn führen. Diese Schäden können die Entstehung einer vaskulären Demenz begünstigen. Ganze 40 % aller Demenzen lassen sich auf vaskuläre Risikofaktoren zurückführen. Ein großer Teil der Demenzen lässt sich auf vaskuläre Risikofaktoren zurückführen.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Erkrankungen des autonomen Nervensystems können Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und orthostatische Hypotonie verursachen. Diese Erkrankungen sind ebenfalls mit einem erhöhten Demenzrisiko assoziiert.
- Atriale Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung des Vorhofs; Definition: Kriterien sind P-Wellen-Vergrößerung im EKG (mehr als 5.000 Millivolt mal ms), Anstieg des NTproBNP auf über 250 pg/ml und linker Vorhofvolumenindex von 34 ml/m2) - Demenzrisiko war auch erhöht bei Patienten, die noch kein Vorhofflimmern hatten.
- Entzündliche Prozesse: Autonome Neuropathie kann Entzündungen im Körper verstärken, die wiederum zur Schädigung von Nervenzellen im Gehirn beitragen können.
- Eingeschränkte Hirnfunktion: Hohe Blutzuckerwerte über einen längeren Zeitraum können sich nachteilig auf kognitive Funktionen des Gehirns auswirken.
- Schlafstörungen: Nächtliche Atemaussetzer sind nicht nur für eine gestörte Nachtruhe verantwortlich.
Spezifische Erkrankungen und ihr Zusammenhang zu Demenz
Einige spezifische Erkrankungen, die mit autonomer Neuropathie einhergehen, sind besonders relevant im Zusammenhang mit Demenz:
- Diabetes mellitus: Erkrankungen des Nervensystems im Rahmen eines Diabetes mellitus werden sehr häufig beobachtet. Die Neuropathie oder Nervenschädigung ist eine typische Folgeerkrankung des Diabetes mellitus. Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Diabetes mellitus und der Alzheimer-Demenz mehren sich seit einiger Zeit.
- Die diabetische Polyneuropathie ist eine Erkrankung der peripheren Nerven, die infolge eines Diabetes mellitus auftritt. Sie kann sowohl den willentlich gesteuerten Teil des peripheren Nervensystems (somatisches Nervensystem) als auch das autonome Nervensystem (z. B. Regulation von Atmung, Herzfrequenz, Darmbewegungen) betreffen.
- Morbus Parkinson: Die Lewy-Körperchen-Demenz ist nach dem Morbus Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Demenz im Alter und kann sowohl als eigenständige Erkrankung als auch sekundär im Rahmen einer bereits bestehenden Parkinson-Krankheit auftreten.
- Von "Parkinson mit Demenz" spricht man, wenn die Demenz mehr als ein Jahr nach der Parkinson-Symptomatik auftritt. Hierdurch unterscheidet sie sich von der LBD, bei der die Demenz schon vor der Parkinson-Symptomatik auftreten kann.
- Lebererkrankungen: Leberinsuffizienz (Leberschwäche) kann zu hepatischer Enzephalopathie (leberbedingte Gehirnerkrankung) und Leberkoma führen.
Diagnose von Autonomer Neuropathie
Der Weg zur Diagnose dieser Erkrankungen kann besonders frustrierend und langwierig sein, wenn Routine-Untersuchungen von Blut, Herz, Magen, Darm und Blase typischerweise normale Ergebnisse der erbringen. Erfahrungsgemäß helfen dann die neurovegetative Anamnese, Untersuchungen der Herz- und Kreislaufregulation, gastroenterologische Funktionsdiagnostik und urodynamische Untersuchungen bei der Zuordnung der Beschwerden und Diagnose der Erkrankung.
Dank standardisierter Autonomer Funktionsdiagnostik in der ANS Clinic aber auch bei kardiologischen, neurourologischen und neuro-gastroenterologischen Kollegen können Kreislaufreflexe, Magen- und Darmtätigkeit, die Entleerungsdynamik der Harnblase und auch die Schweißdrüsenfunktion beurteilt werden. Missempfindungen und Schmerzen im Rahmen von Erkrankungen der langsam leitenden, kleinkalibrigen, nicht-myelinisierten Nervenfasern (Small Fibres) geben der Diagnostik oft Rätsel auf. Dank standardisierter Quantitativer Sensibilitäts-Tests ist für Patienten mit Small-Fiber-Neuropathien in der ANS Clinic eine geeignete Diagnostik verfügbar. Dies ermöglicht die gezielte Untersuchung von Neuropathien der schmerzleitenden Nervenfasern.
Lesen Sie auch: Diabetes und Nervenschäden
Standardisierte Autonome Funktionsdiagnostik
- Neurovegetative Anamnese: Eine sorgfältige Anamnese der neurovegetativen Funktionen ist für die Diagnose von Erkrankungen des autonomen Nervensystems entscheidend. Gezielt sollte nach Störungen des Kreislaufs, der Verdauung, des Stoffwechsels inklusive Gewichtsveränderungen, sekretomotorischen Störungen inklusive Schwitzen, aber auch Störungen der Blasenfunktion, Darmentleerung und der Sexualfunktionen gefragt werden.
- Untersuchungen der Herz- und Kreislaufregulation: Dank standardisierter Autonomer Funktionsdiagnostik in der ANS Clinic aber auch bei kardiologischen, neurourologischen und neuro-gastroenterologischen Kollegen können Kreislaufreflexe beurteilt werden.
- Gastroenterologische Funktionsdiagnostik: Magen- und Darmtätigkeit kann untersucht werden.
- Urodynamische Untersuchungen: Die Entleerungsdynamik der Harnblase kann beurteilt werden.
- Quantitativer Sensibilitäts-Test (QST): Ermöglicht die gezielte Untersuchung von Neuropathien der schmerzleitenden Nervenfasern.
- Standardisierte Autonomer Funktionsdiagnostik: Hierdurch können Kreislaufreflexe, Magen- und Darmtätigkeit, die Entleerungsdynamik der Harnblase und auch die Schweißdrüsenfunktion beurteilt werden.
- Weitere Untersuchungen: Routinelaboruntersuchung, Liquordiagnostik, Bildgebung (cCT oder cMRT), EEG.
Diagnose von Demenz
Jede Demenzerkrankung sollte frühzeitig syndromal und ätiologisch abgeklärt werden, um von Anfang an die Weichen richtig zu stellen. Dabei muss immer die Einwilligungsfähigkeit des Patienten geprüft und berücksichtigt werden.
Testverfahren zur Einschätzung kognitiver Störungen
- Mini-Mental-Status-Test (MMST) - auch zur Schwergradbestimmung bei Alzheimer-Demenz
- DemTect Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressinsabgrenzung (TFDD)
- Montreal Cognitive Assessment Test (MoCA)
- Der Uhren-Test kann zusätzlich herangezogen werden - ist jedoch alleine nicht aussagefähig genug.
- Neuropsychologische Diagnostik bei fraglicher oder leichtgradiger Demenz zur differenzialdiagnostischen Abklärung möglichst mit standardisierten Instrumenten
- Erfassung von psychischen und Verhaltenssymptomen, z.B.
Bildgebung
Bei jeder Erstdiagnose einer Demenz sollte ein konventionelles cCT oder cMRT durchgeführt werden. FDG-PET (Glukosemetabolismus) und HMPAO-SPECT (zerebrale Perfusion) können bei Unsicherheit in der Differenzialdiagnostik von Demenzen (AD, FTD, VD) zur Klärung beitragen. Ein FP-CIT-SPECT (Dopamintransporter) ist in klinisch unklaren Fällen für die Abgrenzung einer Lewy-Körperchen-Demenz vs.
Liquordiagnostik
Dazu gehört das Liquorgrundprofil mit Zellzahl, Gesamtprotein, Laktatkonzentration, Glukose, Albuminquotient, intrathekale IgG-Produktion und oligoklonale Banden.
Therapieansätze
Behandlung der autonomen Neuropathie
Die Basis einer erfolgreichen Behandlung bildet die Aufklärung der Patienten über die Ursache neurovegetativer Symptome und die Auswirkung der autonomen Funktionsstörung. Bei der orthostatischen Hypotonie sollten Patienten auch atypische Beschwerden wie Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen in Orthostase kennen, damit ungünstige Faktoren wie Volumenmangel oder Immobilisation vermieden werden.
Tab. 1 gibt eine Übersicht zu symptomatischen Therapiemöglichkeiten autonomer Funktionsstörungen. Neben der Behandlung der Symptome erfolgen immunmodulatorische Therapien, das Management von Diabetes oder die Behandlung der Amyloidose. Autonome Neuropathien im Rahmen von Hypovitaminosen wie beispielsweise dem Vitamin-B12-Mangel sind in der Regel nach Behandlung reversibel.
Lesen Sie auch: Ursachen diabetischer Neuropathie
Behandlung von Demenz
Die Behandlungsoptionen bei einer Alzheimererkrankung sind nach wie vor begrenzt.
- Medikamentöse Therapie: Zugelassen bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz (MMST 10-26 Punkte) sind: Donepezil, Galantamin, Rivastigmin. Auch Memantin wirkt positiv auf Alltagsfunktionen, Kognition und Gesamteindruck. Es gibt Hinweise auf die Wirksamkeit von Ginkgo biloba (EGb 761) auf die Kognition bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz oder vaskulärer Demenz sowie auf nicht-psochotische Verhaltenssymptome.
- Psychosoziale Interventionen: Kognitive Verfahren, Reminiszenzverfahren, Ergotherapie, Körperliche Aktivierung, Musiktherapie, Kunsttherapie, Tanztherapie, Sensorische Verfahren.
- Weitere Maßnahmen: Bei Schlafstörungen bekommen Demenzpatienten oftmals Zopiclon oder Zolpidem verschrieben.
Prävention
Da ein großer Teil der Demenzen auf vaskuläre Risikofaktoren zurückzuführen ist, sind präventive Maßnahmen wichtig:
- Den Blutdruck medikamentös auf niedrigem Niveau zu halten, tut offenbar nicht nur dem Herzen gut. Auch das Oberstübchen scheint zu profitieren.
- Körperliche Aktivität in hoher Intensität senkt das Risiko, an Parkinson zu erkranken.
tags: #autonome #neuropathie #demenz