Ayahuasca, ein psychoaktiver Pflanzensud, der traditionell von indigenen Völkern des Amazonasbeckens für spirituelle und rituelle Zwecke genutzt wird, erlebt weltweit einen wachsenden Boom. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungen von Ayahuasca auf das Gehirn, die damit verbundenen Risiken und die rechtliche Situation in Deutschland.
Ayahuasca: Vom Amazonas in die Welt
Ursprünglich im Amazonasgebiet beheimatet, findet Ayahuasca zunehmend Anhänger in aller Welt. Die indigene Bevölkerung nutzt das Gebräu seit Jahrhunderten im Rahmen schamanischer Rituale.
Zusammensetzung und Wirkmechanismus
Ayahuasca ist ein Sud, der aus zwei Pflanzen gewonnen wird:
- Psychotria viridis: Die Blätter dieser Pflanze enthalten Dimethyltryptamin (DMT), ein halluzinogenes Tryptamin, das Serotonin ähnelt und an ähnliche Rezeptoren im Gehirn andocken kann.
- Banisteriopsis caapi: Die Rinde dieser Liane enthält Alkaloide, die als Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) wirken. Sie blockieren den Abbau von DMT im Körper, wodurch dessen halluzinogene Wirkung ermöglicht wird. Normalerweise würde die Leber versuchen, DMT durch den "First-Pass"-Effekt unschädlich zu machen.
Die Kombination dieser beiden Pflanzenstoffe ist entscheidend für die Wirkung von Ayahuasca.
Wirkung auf das Gehirn
Funktionelle MRT-Studien zeigen, dass Ayahuasca tiefgreifende Veränderungen im Gehirn verursacht. Insbesondere werden Bereiche, die für Planung, Sprache, Gedächtnis, komplexe Entscheidungsfindung und Vorstellungskraft wichtig sind, beeinflusst. Die neuronalen Netzwerke im Gehirn werden "hypervernetzt", was zu einer gesteigerten Vorstellungskraft und veränderten Wahrnehmung führt.
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Die Wirkung von Ayahuasca wird in erster Linie dem Einfluss von DMT auf das stimmungsregulierende serotonerge System zugeschrieben. Es kommt zu einer verstärkten Aktivierung der frontalen und paralimbischen Areale, die für Selbstwahrnehmung und Emotionssteuerung zuständig sind.
Studienleiter Chris Timmermann vom Imperial College London erklärt, dass DMT die grundlegenden Netzwerke des Gehirns aufbricht, sodass sie sich nicht mehr so deutlich voneinander unterscheiden. Die Hauptrhythmen des Gehirns, die eine hemmende Funktion haben, brechen zusammen, wodurch die Gehirnaktivität informationsreicher wird. Dies führt zu einer chaotischeren, flüssigeren und beweglicheren Kommunikation im Gehirn und kurbelt die Vorstellungskraft massiv an.
Eine Studie von Draulio de Araujo von der Universität von Rio Grande do Norte ergab, dass Ayahuasca-Konsumenten die auftretenden Visionen als reale Bilder empfinden können. Unter dem Einfluss der Droge feuerten die Neurone im primären visuellen Kortex ebenso stark wie im rauschfreien Zustand zuvor, als sich die Probanden reale Bilder ansahen.
Mögliche therapeutische Anwendungen
Forscher untersuchen die potenziellen therapeutischen Anwendungen von Ayahuasca, insbesondere bei der Behandlung von Depressionen, Suchterkrankungen und Traumata. Einige Studien deuten darauf hin, dass Ayahuasca helfen kann, sich von Suchtkrankheiten, habituellem Drogenmissbrauch, Alkoholabhängigkeit und Depressionen zu heilen.
Die Droge kann den Konsumenten auch dabei helfen, sich in einen meditativen Zustand zu versetzen. DMT scheint außerdem einen Einfluss auf Proteine zu haben, die für Neuroplastizität, Gedächtnis und sogar die Regeneration verletzter Neuronen zuständig sind.
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Studienleiter Timmermann zeigt sich zuversichtlich, dass die neuen Erkenntnisse künftig bei der Behandlung von Depressionen helfen könnten. „DMT wirkt nur kurz, ist also ein sehr flexibles Mittel im Vergleich zu Psilocybin (dem Wirkstoff in Magic Mushrooms) und LSD, die sechs bis zehn Stunden wirken können“, so Timmermann.
Risiken und Nebenwirkungen
Der Konsum von Ayahuasca ist nicht ohne Risiken. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:
- Übelkeit und Erbrechen: Schamanen sehen diese als Zeichen der körperlichen und seelischen Reinigung.
- Horrortrips: Angst- und Panikzustände während des Rauschs.
- Psychische Nachwirkungen: Fortgesetzte Halluzinationen, Albträume, Angst, Niedergeschlagenheit und Gefühle von Einsamkeit können noch Tage oder Wochen nach der Einnahme auftreten.
- Serotoninsyndrom: Die Kombination von Ayahuasca mit Medikamenten, die das Serotonin-System beeinflussen, kann ein lebensbedrohliches Serotoninsyndrom zur Folge haben.
- Überdosis: Bei einem Pflanzensud lässt sich kaum sagen, wieviel Wirkstoff enthalten ist, was das Risiko einer Überdosierung erhöht.
- Gesundheitliche Risiken: Ayahuasca wirkt auch auf das Herz-Kreislauf-System, wobei vor allem Herzrasen und erhöhter Blutdruck auftreten, aber auch Ohnmacht vorkommen kann. Der Konsum von Ayahuasca kann jedoch auch zu Krampf- und Erstickungsanfällen und lebensbedrohlichen Situationen führen.
In seltenen Fällen kann der Konsum von Ayahuasca sogar zum Tod führen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die halluzinogenen Effekte von Ayahuasca zuweilen mit einer "experimentellen Psychose" verglichen werden, da ähnliche neurologische Wirkmechanismen angenommen werden.
Rechtliche Situation in Deutschland
In Deutschland gehört DMT zu den nicht verkehrsfähigen Betäubungsmitteln im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes. Besitz und Handel DMT-haltiger Zubereitungen sind somit unter Strafe gestellt. Ayahuasca zählt in Deutschland zu den potenziell gesundheitsschädigenden Produkten und ist verboten.
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Ayahuasca als Geschäft
Trotz des Verbots bieten einige Geschäftemacher "Wochenend-Workshops" zur Selbsterfahrung mit Ayahuasca an. Der Psychiater Peter Neu schildert den Fall eines 27-Jährigen, der nach einer Ayahuasca-Zeremonie einen Horrortrip mit todesähnlichen Erlebnissen hatte und anschließend unter psychischen Problemen litt.
Auch im Amazonasgebiet hat sich ein regelrechter Ayahuasca-Tourismus entwickelt, bei dem zahlungskräftige Europäer und Nordamerikaner auf der Suche nach Erleuchtung und Heilung in den Regenwald reisen. Allerdings ist die Bezeichnung "Heiler" in Peru nicht geschützt, und es kommt immer wieder zu Zwischenfällen, sogar mit Todesfolge.