Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Sie manifestiert sich hauptsächlich in Bewegungsstörungen, Muskelsteifheit, verlangsamten Bewegungsabläufen und Gleichgewichtsstörungen. Neben diesen motorischen Symptomen können im Laufe der Zeit weitere Symptome wie Sprach- oder Schluckstörungen, Depressionen und kognitive Beeinträchtigungen auftreten. Die konventionelle medizinische Behandlung konzentriert sich hauptsächlich auf die Linderung der Symptome durch Medikamente, die den Dopaminspiegel im Gehirn erhöhen. Allerdings können diese Medikamente im Laufe der Zeit an Wirksamkeit verlieren und Nebenwirkungen verursachen.
Ayurveda, ein traditionelles indisches Medizinsystem, bietet einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von Parkinson, der darauf abzielt, die zugrunde liegenden Ungleichgewichte im Körper zu korrigieren und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Im Gegensatz zur universitären Medizin, die die Ursache von Morbus Parkinson im Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen in der Substantia Nigra des Gehirns sieht, betrachtet die ayurvedische Lehre die Ursache in einer Störung der Doshas.
Die ayurvedische Sichtweise auf Parkinson
Ayurveda betrachtet die Ursachen der neurodegenerativen Erkrankung in einer Störung der Doshas. Da Morbus-Parkinson vermehrt im hohen Alter auftritt, ist es naheliegend, dass ein klarer Zusammenhang zwischen dem Vata-Dosha, dass Ihren Körper im fortgeschrittenen Alter dominiert, und der Erkrankung besteht. Vata verkörpert das Element Luft und steht für die Bewegungen Ihres Körpers. Bei Parkinson kommt es zu starker Bewegungseinschränkung oder -störung, die aus ayurvedischer Perspektive durch einen Vata-Überschuss entstehen. Ebenfalls die Blockade mentaler Funktionen hängen eng mit Ihrem Vata-Dosha zusammen, welches ebenfalls Ihr Nervensystem stark beeinflusst. Dennoch kann auch das Kapha-Dosha an der Entstehung von Parkinson beteiligt sein.
Während Patienten mit einem Tremor als Hauptsymptom ganz klar unter einer vatabedingten Parkinsonerkrankung leiden, ist Muskelsteifheit das Symptom einer Kapha-Vata Störung. Viele externe Faktoren rufen ein Ungleichgewicht der Doshas hervor und führen zu einem Überschuss von Vata. Stress, Schlafmangel, Ängste, ungesunde Ernährung, angesammelte Stoffwechselgifte, zu viel körperliche Aktivität und Verletzungen tragen zu einem Vata-Ungleichgewicht bei.
Die ayurvedische Medizin betrachtet den menschlichen Körper als ein Zusammenspiel von strukturellen und funktionellen Komponenten:
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- Strukturelle Komponenten (Dhatus): Sie beziehen sich auf verschiedene Organsysteme wie das Muskel-Skelett-System, das Nervensystem und das Kreislaufsystem.
- Funktionelle Komponenten: Sie umfassen "Agni" (Verdauungs- und Stoffwechselfeuer) und "Doshas" (Vata, Pitta und Kapha), die verschiedene biologische Energien darstellen.
Im Ayurveda wird die Parkinson-Krankheit als "Kampavata" bezeichnet, wobei "Kampa" auf Sanskrit "Zittern" bedeutet. Die Kombination aus Bradykinese, Zittern, Rigor und Haltungsinstabilität wird jedoch eher als "Vata-Syndrom" betrachtet.
Die vorherrschenden Eigenschaften von Vata sind Trockenheit, Leichtigkeit, Kälte, Rauheit, Feinheit und ständige Bewegung. Ein erhöhter Zustand dieser Eigenschaften auf struktureller und funktioneller Ebene führt zu den klassischen Parkinson-Symptomen. Daher zielt die Behandlung darauf ab, das erhöhte Vata und seine einzelnen Eigenschaften zu reduzieren sowie das Agni (Verdauungs- und Stoffwechselfeuer) zu stärken.
Ayurveda bei Morbus Parkinson: diese Behandlungsmethoden helfen
Die Behandlung durch Ayurveda bei Parkinson fokussiert sich vor allem auf die Therapie der Vata-Störung. Bevor jedoch die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und Lebensstilveränderungen zum Einsatz kommen, ist eine Ausleitung der angesammelten Stoffwechselschlacken essentiell. Eine reinigende Ayurveda Kur gegen Parkinson stellt demnach einen sehr wichtigen Pfeiler in der Behandlung der neurodegenerativen Erkrankung dar.
Durch Öl- und Schwitzbehandlungen können die Stoffwechseltoxine aus Ihrem Körper ausgeleitet werden. Ölmassagen, Abhyana und Öl-Einläufe, Vasti, aber auch die Einnahme von Sesamöl reinigt den Körper intensiv, bevor er durch verschiedenste Heilkräutertees und -präparate bei seiner Regeneration unterstützt wird. Außerdem erfolgen alle Behandlungen individuell auf die Symptome des Patienten abgestimmt.
Betroffene mit Tremor erhalten vatareduzierende Therapiemaßnahmen, die den Körper stärken und aufbauen, während Patienten mit Muskelsteifigkeit durch kaphareduzierende und Verdauungsfeuer steigernde Methoden behandelt werden. Anschließend kann eine Ernährungsumstellung und die regelmäßige Einnahme ayurvedischer Kräuter erfolgen. Vor allem die Behandlung der Beschwerden im Frühstadium der Erkrankung erscheint sehr wirksam. Im fortgeschrittenen Stadium kann Parkinson durch Ayurveda nur noch bedingt verlangsamt werden. Eine Behandlungsdauer in einer entsprechenden Ayurveda-Klinik von drei bis vier Wochen ist für die Ayurveda-Therapie von Parkinson sehr zu empfehlen.
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Säulen der ayurvedischen Behandlung von Parkinson
Die ayurvedische Behandlung von Parkinson umfasst in der Regel einen multimodalen Ansatz, der auf die individuellen Bedürfnisse und Konstitution des Patienten zugeschnitten ist. Sie kann als adjuvante Therapie zu den bestehenden Dopamin-Medikamenten durchgeführt werden. Die wichtigsten Säulen der ayurvedischen Behandlung sind:
1. Pflanzliche Arzneimittel
Ayurvedische Kräuter werden eingesetzt, um das neurologische Wohlbefinden zu fördern und die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern. Ashwagandha, Kapikachu, Brahmi, Shatavari, Guduchi und Triphala sind einige häufig verwendete Kräuter. Diese Kräuter verbessern die Lebensqualität aufgrund ihrer neuroprotektiven, antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkung.
- Ashwagandha (Withania somnifera): Wird bei neurologischen Störungen empfohlen und gilt als besonders nützlich zur Regulation der posturalen Instabilität und bei Schlafstörungen.
- Brahmi (Bacopa monnieri): Ist besonders nützlich, wenn auch kognitive Störungen bestehen.
- Juckbohne (Mucuna pruriens): Die Samen der Juckbohne enthalten L-Dopamin und werden zur Stärkung bei Altersbeschwerden sowie zur allgemeinen Stärkung und Förderung der Fertilität eingesetzt.
2. Ayurveda Ernährung
Der Schwerpunkt einer ausgewogenen ayurvedischen Ernährung liegt auf vollwertigen Lebensmitteln, die leicht verdaulich, nahrhaft und förderlich für die allgemeine Gesundheit sind. Ernährungsempfehlungen für Parkinson-Patienten können reichhaltige, nahrhafte Lebensmittel wie gekochte Getreideprodukte, Suppen, Eintöpfe, Gemüse und Kräutertees umfassen. Maßvoller Verzehr, achtsames Essen und geeignete Mahlzeitenkombinationen sind ebenfalls wichtig.
Um Vata zu reduzieren, können Sie Ghee, warme Speisen aus Mungobohnen, Suppen, gedünstetes Gemüse, Vollkornbrote sowie Gewürze und süßes Obst zu sich nehmen. Liegt ebenfalls eine Kapha-Störung vor, gilt es zunächst diese zu beseitigen. Scharfe und bittere Nahrungsmittel helfen Ihnen dabei. Verzichten Sie am besten auch auf Milchprodukte jeglicher Art. Gewürze, wie Knoblauch, Kreuzkümmel, Ingwer und Pfeffer unterstützen Sie bei der Reduktion von Kapha.
3. Lebensstil, Yoga und Meditation
Ayurveda legt großen Wert auf die Bedeutung einer Änderung des Lebensstils, um die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern. Patienten wird empfohlen, einen regelmäßigen Tagesablauf einzuhalten, sich ausreichend auszuruhen und zu schlafen, leichte Yoga-Übungen und Pranayama (Atemübungen) zu praktizieren. Kurze Meditationen helfen dabei, eine optimistische Einstellung und emotionale Widerstandsfähigkeit zu entwickeln.
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Indem Sie Selbstmassagen mit warmen Ölen in Ihren Alltag integrieren, können Sie Ihr Nervensystem beruhigen und Parkinson dadurch verlangsamen. Verwenden Sie dabei hochwertige Öle, die mit heilenden Kräutern angereichert wurden. Durch gezielte Yoga-Übungen können Sie Ihre ayurvedische Therapie begleiten und Ihre Muskelsteifheit lindern sowie Ihr Gleichgewicht schulen. Stress belastet neben Ihrem gesamten Organismus, vor allem Ihr Nervensystem. Damit der Verfall Ihrer Nervenzellen bei Parkinson nicht noch weiter fortschreitet, sollten Sie unbedingt Ihren Stresslevel reduzieren. Gönnen Sie sich ausgiebige Ruhepausen, während denen Sie sich vollständig auf sich konzentrieren. Um Ihr Nervensystem zu beruhigen und dem Fortschritt Ihrer Parkinson-Erkrankung entgegenzuwirken, können Sie Meditation und Atemübungen in Ihren Alltag integrieren. Besonders Übungen, bei denen Sie Ihren Vagus-Nerv stimulieren und dadurch zu tiefer Entspannung finden, sind hilfreich bei Parkinson.
4. Panchakarma-Therapie
Die Ayurveda-Panchakarma-Therapie kann zusammen mit der bestehenden therapeutischen Methode durchgeführt werden und trägt dazu bei, die Wirkung verschiedener Medikamente zu verstärken. Das Ziel der Panchakarma-Behandlung ist es, den Stoffwechsel zu stärken, angesammelte Giftstoffe (Ama) auszuscheiden und die Doshas wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Panchakarma umfasst Ölmassagen (Abhyanga), Kräuterdampfbäder, verschiedene Arten von Stempelmassagen, Matravasthi (Öl-Einlauf), Virechana (Abführen), Nasya (Inhalation von medizinischen Ölen) usw. als Beispiele für Behandlungen.
Durch eine traditionelle Panchakarma Kur erfolgt zuerst die Reinigung Ihres Körpers von angesammelten Stoffwechselschlacken. Ayurveda-Therapeuten lösen diese durch Massagen aus Ihrem Körper und leiten sie anschließend durch entsprechende Ausleitungsverfahren, wie beispielsweise Öl-Einlauf aus. Die Einnahme von ayurvedischen Heilkräutern stärkt Ihren Körper im Anschluss. Vor allem warme Öl-Güsse und Ganzkörpermassagen helfen Ihrem Organismus dabei Vata zu reduzieren.
Die Rolle des Darmmikrobioms
Die Wirkung des Darmmikrobioms gewinnt im Gesundheitsbereich und bei verschiedenen chronischen Krankheiten, darunter neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson, zunehmend an Bedeutung. In der Pathogenese der Parkinson-Krankheit wurde die Rolle des Darms bereits früher festgestellt. In Verbindung mit einem besseren Verständnis des Darmmikrobioms wird ein Zusammenhang mit der Fehlfaltung und Ausbreitung von Alpha-Synuklein über entzündliche Prozesse im Darm diskutiert.
Eine Studie untersuchte das Darmmikrobiom von Parkinson-Patienten und gesunden Kontrollen. Parkinson-Patienten unterzogen sich einer ovo-lakto-vegetarischen Ernährungsintervention mit kurzen Fettsäuren. Einige dieser Patienten erhielten eine zusätzliche Behandlung mit täglichem Stuhleinlauf. Die Ergebnisse zeigten, dass die vegetarische Ernährung und Fäkaleinläufe zu einer Verbesserung des Krankheitszustands und einer Reduktion der Levodopa-äquivalenten Tagesdosis führten. Zusätzlich wurde eine signifikante Assoziation zwischen der Darmmikrobiom-Diversität und dem Krankheitszustand beobachtet.
Ein Fallbeispiel: Michael K.
Ein Beispiel für die erfolgreiche Anwendung von Ayurveda bei Parkinson ist die Geschichte von Michael K., der seit vielen Jahren an Parkinson erkrankt war. Nachdem er von der Parkinson-Spezialklinik der Augusta Kliniken im Evangelischen Krankenhaus Hattingen erfahren hatte, entschied er sich für eine Behandlung, die schulmedizinische Therapie mit einem Ayurveda-Konzept kombiniert.
Die Einbeziehung der 5000 Jahre alten indischen Ayurveda-Medizin brachte für Michael K. einen vollständigen Wechsel des Lebensstils mit sich. Nach anfänglicher Skepsis erlebte er nach einigen Monaten der Behandlung nachhaltige Veränderungen und eine deutliche Verbesserung seiner Lebensqualität.
Prävention nach Ayurveda
Die Ursache der Parkinson-Krankheit ist noch unklar, aber es wird angenommen, dass Umweltfaktoren und Genetik eine Rolle spielen. Forscher versuchen, Methoden zu finden, um die Parkinson-Krankheit zu verhindern oder ihr Fortschreiten zu verlangsamen. Um Parkinson mit Ayurveda zu behandeln, sollten Sie sich in erster Linie mit dessen Ursachen auseinandersetzen. Anders als in der Schulmedizin, die ihren Fokus auf das Behandeln einzelner Symptome des Patienten legt, setzt Ayurveda ganzheitlich an den Auslösern der Krankheit an. Dabei spielt der Ausgleich der Doshas eine zentrale Rolle. Ein aus dem Gleichgewicht geratenes Vata oder Kapha Dosha kann für das unangenehme Zittern, die Muskelsteifheit oder Bewegungsstörungen verantwortlich sein.