Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die das tägliche Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Es gibt verschiedene Formen von Migräne, wobei die Migräne mit Aura eine besondere Kategorie darstellt. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und verschiedene Behandlungsansätze der Migräne mit Aura, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis dieser Erkrankung zu ermöglichen.
Was ist Migräne mit Aura?
Migräne ist weit mehr als nur Kopfschmerz. Es handelt sich um eine komplexe neurologische Erkrankung, bei der es zu wiederkehrenden Anfällen mit starken, meist einseitigen Kopfschmerzen kommt, die oft von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sind. Die Migräne belegt weltweit hinter Zahnkaries und Kopfschmerz vom Spannungstyp den 3. Platz der häufigsten Erkrankungen des Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt sie zu den 20 Erkrankungen, die das tägliche Leben am meisten einschränken. In Deutschland leiden etwa 12 bis 14 Prozent der weiblichen und 6 bis 8 Prozent der männlichen Bevölkerung daran.
Man unterscheidet zwei Hauptformen der Migräne: Migräne mit Aura und Migräne ohne Aura. Bei der Migräne mit Aura treten zusätzlich zu den Kopfschmerzen neurologische Symptome auf, die als Aura bezeichnet werden. Diese Aura-Symptome gehen dem Kopfschmerz oft voraus oder begleiten ihn.
Symptome der Migräne mit Aura
Die Symptome einer Migräne mit Aura können vielfältig sein und von Person zu Person variieren. Typischerweise lassen sich die Symptome in verschiedene Phasen einteilen:
Vorbotenphase
Viele Patienten berichten über Anzeichen, die schon einen Tag zuvor die nächste Migräneattacke ankündigen können. Diese Vorboten können sich durch Hyper- oder Hypoaktivität, depressive Verstimmung, vermehrte Gereiztheit, Gähnanfälle oder Heißhunger auf bestimmte Speisen äußern.
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Aura-Phase
Als Aura werden Zeichen bezeichnet, die dem Kopfschmerz direkt vorausgehen. Sie entwickeln sich meist über einen Zeitraum von 5 bis 20 Minuten und halten typischerweise etwa 15 bis 30 Minuten an. Zu den häufigsten Aura-Symptomen gehören:
- Visuelle Störungen: Flimmern, gezackte Linien, helle Punkte oder blinde Flecken im Sehfeld, Verlust des räumlichen Sehens oder unscharfes Sehen. Einige Künstler, wie Vincent van Gogh, litten an Migräne und einige ihrer Bilder entstanden während einer Aura. Einschränkungen des Gesichtsfelds, d.h., das Sehfeld wird kleiner und das räumliche Sehen erschwert.
- Sensorische Störungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schwäche in Armen, Beinen oder im Gesicht.
- Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen von Sprache.
- Weitere Symptome: Schwindel, Gangunsicherheit oder Doppelbilder.
Während einer Aura darf man übrigens nicht selbst Auto fahren. Darauf sollten Sie Kunden, die an Migräne mit Aura leiden, hinweisen, denn nicht alle wissen das.
Kopfschmerzphase
Meistens setzt der Kopfschmerz erst nach dem Ende der Aura ein. Manchmal überlappen sich Aura und Kopfschmerz jedoch. Der meist mittlere bis starke Kopfschmerz wird als pulsierend, pochend oder stechend empfunden. Er kann sich später auf die andere Kopfseite ausdehnen. Etwa jeder fünfte Patient hat Kopfschmerzen auf beiden Seiten.
Eine Migräneattacke dauert zwischen 4 bis 72 Stunden an. Typischerweise treten bei einer Migräne neben den Kopfschmerzen, fast immer Appetitlosigkeit sowie in vielen Fällen Übelkeit (80%) Erbrechen (40 bis 50%), Lichtempfindlichkeit (60%), Lärmempfindlichkeit (50%) bzw. Geruchsempfindlichkeit auf. Jede körperliche Bewegung verschlimmert den Schmerz.
Am Ende der Kopfschmerzphase ändert sich der pulsierende Charakter oft zu einem gleichbleibenden Schmerz.
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Postdromale Phase
Nach der Kopfschmerzphase können sich Betroffene erschöpft, müde oder auch euphorisch fühlen. Konzentrationsschwierigkeiten und Reizbarkeit sind ebenfalls häufig.
Ursachen der Migräne mit Aura
Die genauen Ursachen der Migräne mit Aura sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Die vaskuläre beruht auf der Beobachtung, dass die Blutgefäße während eines Migräneanfalls erweitert sind. In den Wänden dieser Blutgefäße sind Dehnungs- und Schmerzrezeptoren, die aktiviert werden, worauf bestimmte Bereiche im Gehirn reagieren. Klar ist, dass es keinen monokausalen Mechanismus der Migräneentstehung gibt. Hier sind viele Faktoren beteiligt. Offensichtlich scheint es auch eine genetische Prädisposition zu geben, denn die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf.
Mögliche Auslöser
Verschiedene Faktoren können eine Migräneattacke mit Aura auslösen. Zu den häufigsten Auslösern gehören:
- Stress: Sowohl akuter als auch chronischer Stress kann Migräneattacken provozieren.
- Hormonelle Veränderungen: Schwankungen im Hormonhaushalt, beispielsweise während des Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder der Wechseljahre, können Migräne auslösen. Der plötzlich fallende Estrogenspiegel dürfte die Ursache dafür sein.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel und Getränke, wie Alkohol, Käse, Schokolade, Zitrusfrüchte oder koffeinhaltige Getränke, können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
- Schlafstörungen: Unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Schlafmangel oder übermäßiger Schlaf können Migräneattacken begünstigen.
- Umweltfaktoren: Wetterumschwünge, grelles Licht, laute Geräusche oder starke Gerüche können Migräne auslösen.
- Weitere Faktoren: Körperliche Anstrengung, Rauchen oder bestimmte Medikamente können ebenfalls Migräneattacken auslösen.
Diagnose der Migräne mit Aura
Die Diagnose der Migräne mit Aura basiert in erster Linie auf der Anamnese des Patienten und der Beschreibung seiner Symptome. Ein Kopfschmerz-Tagebuch hilft bei der Diagnose von Migräne Hilfreich für Diagnose und Therapie ist es, über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen ein Kopfschmerz-Tagebuch bzw. einen Kopfschmerzkalender zu führen. Der Arzt wird den Patienten deshalb nach möglichen Grunderkrankungen befragen. Die Diagnose Migräne ist nicht immer ganz einfach zu stellen. Es kann sogar sein, dass jemand an Migräne und Spannungskopfschmerz gleichzeitig leidet oder dass sich neben der Migräne ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch entwickelt hat.
Es gibt keine spezifischen Tests, um eine Migräne mit Aura zu diagnostizieren. In einigen Fällen können jedoch neurologische Untersuchungen oder bildgebende Verfahren (z.B. MRT) durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
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Behandlung der Migräne mit Aura
Migräne ist eine chronische Erkrankung, die nicht heilbar ist. Sie kann aber heute so gut behandelt werden, dass die Lebensqualität der Betroffenen weniger eingeschränkt wird. Die Behandlung der Migräne mit Aura zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit und Schwere der Attacken zu reduzieren. Es stehen verschiedene Medikamente gegen den Kopfschmerz und die Begleiterscheinungen einer Migräneattacke wie Übelkeit, Erbrechen etc. zur Verfügung. Zusätzlich zur Medikation sollten Migräne-Patienten während einer Attacke idealerweise vor Reizen geschützt werden und sich in einem ruhigen, abgedunkelten Raum aufhalten. Generell profitieren Patient*innen mit Migräne von einem achtsamen Lebensstil.
Die medikamentöse Therapie verfolgt dabei zwei grundsätzliche Ziele:
- Akuttherapie - die Beschwerden eines einzelnen Anfalls möglichst rasch und vollständig zu lindern, sodass Betroffene schnell wieder funktionsfähig sind.
- Prophylaxe - die Zahl, Schwere und Dauer der Migräneanfälle langfristig zu verringern und dadurch die gesamte Krankheitslast zu senken.
Akuttherapie
Das Ziel einer medikamentösen Migräne-Behandlung ist es, den Kopfschmerz und die Begleitsymptome zu lindern. Die Medikamente wirken am besten, wenn sie frühzeitig im Anfall eingenommen werden - am besten sobald die Kopfschmerzen beginnen.
- Schmerzmittel: Leichte bis mittelschwere Migräneanfälle können oft mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Naproxen oder Acetylsalicylsäure (ASS) behandelt werden. Wichtig ist, dass ausreichend hohe Dosierungen genommen werden und die Einnahme nicht zu häufig erfolgt, um einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu vermeiden. Die empfohlene Dosierung liegt bei ASS etwas höher als bei spannungsbedingtem Kopfschmerz, nämlich bei 900 bis 1000 Milligramm, was zwei (Kau)-Tabletten oder zwei Portionen eines Granulates entspricht. Auch Brausetabletten sind mit 400 Milligramm Wirkstoff pro Einheit auf dem Markt. Sie sind etwas niedriger dosiert, wirken aber dafür schneller, da sie gelöst aufgenommen werden. Bei Ibuprofen bleibt die Empfehlung von 400 Milligramm Wirkstoff in der Einzeldosis bestehen. Eine besonders gute Wirkung attestieren verschiedene Studien der Kombination aus ASS (250 oder 265 mg), Paracetamol (200 oder 265 mg) und Coffein (50 oder 65 mg).
- Triptane: Bei schweren Migräne-Attacken können so genannte Triptane angewandt werden. Wenn einfache Schmerzmittel nicht ausreichen, kommen die Triptane (z. B. Sumatriptan, Rizatriptan, Zolmitriptan, Eletriptan) zum Einsatz. Sie sind spezifische Migränemittel, die Gefäßveränderungen und Entzündungen im Gehirn rückgängig machen und so Kopfschmerzen sowie Begleitsymptome wie Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit wirksam lindern. Sie dürfen allerdings nicht bei Patienten mit bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden. Triptane (Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan, Zolmitriptan) sind die am besten untersuchten Wirkstoffe bei der Akut-Therapie der Migräne, sie wirken auch gegen Übelkeit und Erbrechen. Triptane wirken gegen den Kopfschmerz. Triptane sollten nach der Aura, zu Beginn der Kopfschmerzphase eingenommen werden. Sie können aber auch noch während einer Migräneattacke erfolgreich angewendet werden. Triptane sollten auf keinen Fall an mehr als 10 Tagen im Monat verabreicht werden. Triptan-Präparate sind als Tabletten, Zäpfchen, Nasensprays oder Spritzen zur Selbstinjektion im Handel.
- Antiemetika: Antiemetika (z. B. Metoclopramid oder Domperidon) können zusätzlich gegeben werden, wenn starke Übelkeit oder Erbrechen den Anfall begleiten. Zuerst sollte bei Bedarf immer das Medikament gegen Übelkeit eingenommen werden, dies kann bereits während der Aura erfolgen. Migränemittel können nach Absprache mit dem Facharzt mit Mitteln gegen Übelkeit (Wirkstoffe: Metoclopramid oder Domperidon) und/oder mit Schmerzmitteln (u.a. mit Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Metamizol oder Paracetamol) kombiniert werden.
Prophylaktische Behandlung
Ziel einer medikamentösen, vorbeugenden Behandlung der Migräne ist es, Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken zu vermindern. Eine vorbeugende Behandlung ist sinnvoll, wenn Migräneanfälle sehr häufig auftreten (z. B. mehr als 3-4 pro Monat), sehr schwer verlaufen oder wenn die Akutmedikamente nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden. Ziel ist es, die Anfallshäufigkeit, Schwere und Dauer zu senken und die Lebensqualität zu verbessern.
- Betablocker: Medikamentöse Migräne-Prophylaxe erfolgt mit Medikamenten wie den so genannten, eigentlich zur Blutdrucksenkung verwendeten, Betablockern (Metoprolol, Propranolol).
- Calcium-Antagonisten: Oder dem Calcium-Antagonisten Flunarizin.
- Antiepileptika: Mitteln gegen Epilepsie Valproinsäure oder Topiramat.
- Weitere Wirkstoffe: Wird mit diesen Arzneistoffen keine ausreichende Wirkung erzielt, kann der behandelnde Arzt andere Wirkstoffe wie z.B. Amitriptylin, Naproxen oder Pestwurz verordnen.
- CGRP-Antikörper: Moderne und sehr wirksame Therapien, die monatlich oder vierteljährlich gespritzt bzw. infundiert werden. Sie werden eingesetzt, wenn klassische Medikamente nicht ausreichend helfen oder nicht vertragen werden. Erenumab ist zugelassen zur Migräne-Prophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat. Die Behandlung sollte von Ärzten eingeleitet werden, die mit der Diagnose und Behandlung von Migräne Erfahrung haben. Die empfohlene Dosis beträgt 70 mg Erenumab alle vier Wochen. Manche Patienten können von einer Dosis mit 140 mg alle vier Wochen profitieren, welche in Form von zwei subkutanen Injektionen mit jeweils 70 mg verabreicht wird.
Nicht-medikamentöse Behandlungen
Zusätzlich zur medikamentösen Therapie gibt es verschiedene nicht-medikamentöse Behandlungen, die bei Migräne mit Aura hilfreich sein können:
- Regelmäßiger Lebensstil: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus ist hierfür ebenso unerlässlich wie das Einhalten von festen Mahlzeiten, damit der Blutzuckerspiegel nicht zu sehr schwankt.
- Stressmanagement: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
- Vermeidung von Auslösern: Mit Hilfe eines Kopfschmerz-Tagebuches können Betroffene ihre persönlichen Migräneauslöser ermitteln. Sind diese erkannt, können sie größtenteils vermieden werden. So kann man etwa den Klingelton des Telefons und der Haustür leiser stellen und bei hellem Wetter eine Sonnenbrille tragen.
- Sport: Auch regelmäßiger Sport kann die Häufigkeit der Migräneanfälle reduzieren.
- Akupunktur: Bei einigen Betroffenen kann Akupunktur die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren.
Migräne in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft bessern sich die Symptome oftmals oder die Attacken bleiben vorübergehend ganz aus. Dies berichten etwa 50 Prozent der betroffenen Frauen. Nur eine Minderheit erfährt während der Schwangerschaft eine Verschlechterung. Ausgesprochen selten ist ein Erstauftreten in dieser Zeit. Die Verbesserung tritt in der Regel nach den ersten drei Monaten ein und hält dann die ganze Schwangerschaft über an. Häufig treten dann aber wenige Tage nach der Geburt erneut Anfälle auf.
Während der Schwangerschaft hat sich Paracetamol als am wenigsten problematisch erwiesen. Andere nichtsteroidale Analgetika dürfen im ersten und letzten Trimenon ohnehin nicht gegeben werden.
Medikamenteninduzierter Kopfschmerz
Ein ganz besonderer Fall ist der Übergebrauch von Analgetika, denn hier werden die Kopfschmerzen verursachenden Medikamente ja gerade genommen, um den zuvor bestehenden Kopfschmerz zu behandeln. Arzneistoffe, die relativ häufig zu Kopfschmerzen als Nebenwirkung führen sind: Betablocker, Dipyridamol, das Antiepileptikum Felbamat, die 5-HT3-Antagonisten Ondansetron, Granisetron und Tropisedron, die zur Behandlung von Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie oder postoperativ eigesetzt werden, Immunglobuline, Immunsuppressiva, wie Cyclosporin und Tacrolimus, Interferone, Kalziumantagonisten, Nitroglyzerin und andere Nitrate, Phosphodiesterasehemmer, wie Sildenafil, Protonenpumpenhemmer, Xanthinderivate und Zytostatika.
Übergebrauch ist bei Triptanen und Kombinationsanalgetika definiert als eine Einnahme an 10 oder mehr Tagen pro Monat, bei den oben genannten Schmerzmitteln lautet die Definition 15 oder mehr Tagen pro Monat.
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