Baclofen: Linderung von Spastik und seine Nebenwirkungen

Baclofen ist ein Muskelrelaxans, das zur Behandlung von Spastizität eingesetzt wird, insbesondere bei Multipler Sklerose (MS), Rückenmarkserkrankungen oder -verletzungen und zerebraler Spastizität. Es wirkt, indem es die Nervenübertragung im Rückenmark hemmt und so die Muskelspannung reduziert. Obwohl Baclofen wirksam sein kann, ist es wichtig, sich der potenziellen Nebenwirkungen bewusst zu sein und die Behandlung sorgfältig mit einem Arzt zu besprechen.

Was ist Spastik?

Spastik ist eineForm von erhöhter Muskelspannung, die zu Steifheit und Verkrampfungen führen kann. Bei Kindern mit Zerebralparese kann es zu Verkrampfungen der Zehen kommen, die extrem schmerzhaft sein können. Bei MS kann eine Spastik die Mobilität erheblich einschränken und sogar die Körperpflege beeinträchtigen. Es ist wichtig zu beachten, dass Spastik auch positive Auswirkungen haben kann, z. B. die Stabilisierung eines gelähmten Beins und die Ermöglichung des Gehens. Daher wird sie nicht immer behandelt.

Anwendungsgebiete von Baclofen

Baclofen ist zugelassen für die Behandlung der Spastizität der Skelettmuskulatur bei:

  • Multipler Sklerose (MS)
  • Rückenmarkserkrankungen oder -verletzungen
  • Spastizität zerebralen Ursprungs (z. B. infantile Zerebralparese)
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Es wird vor allem eingesetzt, um die Spastik zu lindern. Spastik bedeutet, dass Muskeln sich unwillkürlich verspannen und steif werden, was Bewegungen erschwert und Schmerzen verursacht.

Wirkungsweise von Baclofen

Baclofen ist ein Derivat der Gamma-Aminobuttersäure (GABA) und stimuliert GABA-B-Rezeptoren im Rückenmark. Es verstärkt die präsynaptische Hemmung, wodurch die Erregungsübertragung gedämpft wird. Dies führt zu einer Reduktion der Muskelspannung und einer Linderung der Spastik.

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Dosierung und Verabreichung

Die Dosierung von Baclofen muss individuell angepasst werden, um die optimale Wirkung bei minimalen Nebenwirkungen zu erzielen. Eine einschleichende Therapie hilft, Nebenwirkungen möglichst gering zu halten.

Orale Verabreichung

  • Erwachsene: Die Behandlung beginnt in der Regel mit 15 mg Baclofen täglich, verteilt auf zwei bis vier Einzeldosen. Die Dosis wird langsam um 5 bis 15 mg gesteigert, bis die optimale Tagesdosis erreicht ist. Diese liegt meist bei 30 bis 75 mg (Tageshöchstdosis) und wird auf zwei bis vier Einzelgaben verteilt.
  • Kinder und Jugendliche: Die Behandlung beginnt mit einer sehr geringen Dosierung (ungefähr 0,3 mg/kg pro Tag), meist verteilt auf vier Einzeldosen. Die Dosierung wird vorsichtig in etwa 1-wöchigen Intervallen erhöht, bis sie den individuellen kindlichen Anforderungen genügt. Die übliche tägliche Dosierung für die Erhaltungstherapie beträgt 0,75 bis 2 mg/kg Körpergewicht. Die gesamte Tagesdosis darf für Kinder unter 8 Jahren das Maximum von 40 mg/Tag nicht überschreiten. Für Kinder über 8 Jahre beträgt die maximale Tagesdosis 60 mg/Tag.

Baclofen wird in Tablettenform eingenommen. Zu Beginn erfolgt eine niedrige Anfangsdosis von meist 3-mal täglich 5 mg, die dann schrittweise über mehrere Tage bis Wochen erhöht wird, bis die gewünschte Wirkung erreicht ist. Die übliche Tagesdosis liegt zwischen 30 und 75 mg, aufgeteilt in mehrere Einnahmen.

Intrathekale Verabreichung (ITB)

Bei schwerer Spastik, insbesondere bei spinaler Spastik, kann Baclofen mittels einer Pumpe intrathekal appliziert werden. Dabei wird das Medikament direkt in den Liquorraum (innerhalb des Rückenmarks) abgegeben.

  • Testphase: Die übliche Testdosis beträgt initial 25 oder 50 μg und wird in mind. 24-stündigen Abständen um jeweils 25 μg erhöht, solange bis eine 4- bis 8-stündige Reaktion zu beobachten ist.
  • Dosisanpassungsphase: Die initiale Gesamttagesdosis entspricht der doppelten Testdosis, die über 24 Stunden verabreicht wird. Nach den ersten 24 Stunden kann die Dosis langsam um 10-30 % pro Tag erhöht werden. Bei Patienten mit Spastizität zerebraler Genese kann die Dosis langsam um 5-15 % pro Tag erhöht werden.

Die intrathekale Behandlung mit Baclofen über ein implantiertes Verabreichungssystem ist nur durch entsprechend fachlich qualifizierte Ärzte in Zentren mit spezieller Erfahrung durchzuführen.

Vorteile der intrathekalen Baclofen-Therapie (ITB)

Im Gegensatz zur oralen Einnahme, bei der der größte Teil des Medikaments im Blutkreislauf verbleibt, gibt eine Medikamentenpumpe Baclofen direkt in die Rückenmarksflüssigkeit ab. Dadurch wird das Arzneimittel genau dort verabreicht, wo es benötigt wird, und die erforderliche Menge ist geringer.

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Weitere Vorteile der ITB-Therapie:

  • Gezielte Arzneimittelabgabe
  • Reduzierung der Auswirkungen der Spastik
  • Verringerung des Effekts von Nebenwirkungen im Vergleich zu oralem Baclofen
  • Individuelle Programmierung der Pumpe zur Anpassung an die Bedürfnisse des Patienten
  • Flexible Dosierung über den Tag verteilt

Mögliche Nebenwirkungen von Baclofen

Wie alle Medikamente kann auch Baclofen Nebenwirkungen verursachen. Diese sind meist vorübergehend und lassen bei Dosisreduktion nach.

Sehr häufige oder häufige Nebenwirkungen

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schläfrigkeit
  • Benommenheit
  • Sedation
  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Muskelschwäche

Diese Symptome können die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen erheblich beeinträchtigen. Auch die Willkürkraft kann geschwächt sein.

Gelegentliche Nebenwirkungen

  • Mundtrockenheit
  • Sehstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Zittern
  • Verwirrtheit
  • Blutdruckabfall
  • Koordinationsstörungen

Seltene Nebenwirkungen

  • Senkung der Krampfschwelle und Krampfanfälle (besonders bei Epilepsie)
  • Atemaussetzer
  • Herzklopfen, Herzrasen und -rhythmusstörungen

Besondere Vorsichtshinweise

  • Bei Patienten mit psychiatrischen oder zerebrovaskulären Erkrankungen, zum Beispiel nach Schlaganfall, oder bei älteren Menschen können unerwünschte Wirkungen heftiger verlaufen.
  • Bei intrathekaler Gabe können infusionsbedingte Nebenwirkungen auftreten.
  • Baclofen kann die Wirkung anderer dämpfender Medikamente (z. B. Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Alkohol) verstärken.
  • Die gleichzeitige Einnahme von Antihypertensiva kann den Blutdruck verstärkt senken.
  • Arzneimittel, die die Nierenfunktion erheblich beeinflussen, können die Ausscheidung von Baclofen so weit reduzieren, dass toxische Effekte auftreten.

Kontraindikationen

Baclofen ist kontraindiziert bei:

  • Epilepsie und anderen zerebralen Anfallsleiden
  • Terminaler Niereninsuffizienz
  • Magen-Darm-Geschwüren
  • Bekannten Überempfindlichkeiten gegen den Wirkstoff

Vorsicht ist geboten bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, schweren psychischen Erkrankungen oder akuten Verwirrungszuständen.

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Baclofen in Schwangerschaft und Stillzeit

Laut Embryotox gehört Baclofen in der Schwangerschaft nicht zu den Mitteln der Wahl und sollte Ausnahmesituationen vorbehalten sein. Auch in der Stillzeit ist eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.

Wichtige Hinweise zur Einnahme von Baclofen

  • Nehmen Sie Baclofen regelmäßig und nicht nach Bedarf ein.
  • Verändern Sie die Dosierung nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt.
  • Setzen Sie Baclofen nicht abrupt ab, da dies zu Entzugserscheinungen führen kann.
  • Achten Sie auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.
  • Vermeiden Sie Alkoholkonsum während der Behandlung mit Baclofen.
  • Seien Sie vorsichtig beim Bedienen von Maschinen und im Straßenverkehr, da Baclofen das Reaktionsvermögen beeinträchtigen kann.
  • Kontaktieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie anhaltend starke Müdigkeit, Schwindel, Verwirrtheit, Sehstörungen oder ungewöhnliche Muskelschwäche bemerken.

Alternativen zu Baclofen

Zur Verringerung einer Spastik stehen verschiedene Arzneistoffe/ Arzneistoffgruppen zur Verfügung. Besonders etabliert sind als orale Antispastika der GABAB-Agonist Baclofen und der α2-Agonist Tizanidin. Das Antiepileptikum Gabapentin, ein Strukturanalogon von GABA, gewinnt zunehmend an Bedeutung bei tonischer Spastik. Andere mögliche Arzneistoffe und Arzneistoffgruppen wie Dantrolen, Tolperison oder Benzodiazepine haben wegen des deutlich ungünstigeren Nutzen-Risiko-Profils weniger Bedeutung. Weiterhin kann ein Therapieversuch mit Nabiximol, einer Pflanzenextraktmischung aus Cannabis sativa mit Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol erfolgen. Bei schwerer Spastik kommen invasive Therapiemaßnahmen zum Einsatz. So kann Baclofen besonders bei der spinalen Spastik mittels einer Pumpe intrathekal (= innerhalb des Liquorraums) appliziert werden. Bei ausgeprägter lokaler Spastik kann das Botulinumtoxin Typ A intramuskulär gegeben werden.

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