Baclofen bei Parkinson: Anwendung, Wirkung und Besonderheiten

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch Bewegungsstörungen gekennzeichnet ist. Zu den Hauptsymptomen gehören Akinese (verlangsamte Bewegungsabläufe), Rigor (Muskelsteifigkeit), Tremor (Zittern) und gestörte Gang- und Standreflexe. Im Verlauf der Erkrankung können auch psychische Veränderungen wie Depressionen und Kognitionseinschränkungen auftreten. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Spastik und Rigor: Ein wichtiger Unterschied

Bei der Parkinson-Krankheit tritt häufig Rigor auf, eine Muskelsteifigkeit, die sich von der Spastik unterscheidet. Spastik ist ein erhöhter Muskeltonus, der sich verstärkt, wenn der Muskel passiv gedehnt wird. Im Gegensatz dazu ist Rigor ein kontinuierlicher Widerstand gegen passive Bewegung. Spastik hat neurologische Ursachen und kann beispielsweise nach Rückenmarksverletzungen oder bei Multipler Sklerose auftreten.

Baclofen: Ein Muskelrelaxans zur Behandlung von Spastik

Baclofen ist ein zentral wirksames Muskelrelaxans, das zur Behandlung von Spastik eingesetzt wird. Es wirkt, indem es die Übertragung von Nervenimpulsen im Rückenmark hemmt und so die Muskelspannung reduziert. Baclofen ist ein Derivat der Gamma-Aminobuttersäure (GABA) und wirkt als Agonist an GABAB-Rezeptoren im Rückenmark. Es verstärkt die präsynaptische Hemmung, was zu einer Dämpfung der Erregungsübertragung führt.

Anwendungsgebiete von Baclofen

Baclofen kann überall dort eingesetzt werden, wo eine Verkrampfung der Muskulatur aufgehoben werden soll. Der Wirkstoff ist bei Krämpfen wirksam, die durch Signale aus dem Gehirn oder aus dem Rückenmark entstehen. Solche Verkrampfungen mit erhöhtem Muskelwiderstand können beispielsweise bei multipler Sklerose, Rückenmarksverletzungen, Kinderlähmung oder anderen Lähmungserscheinungen auftreten.

Baclofen ist jedoch nicht zur Behandlung von Krämpfen bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, bei Parkinson-Krankheit oder bei durch Verletzungen hervorgerufene Erkrankungen des Gehirns geeignet.

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Baclofen bei Parkinson: Einsatz bei Schluckbeschwerden und Muskelsteifigkeit

Obwohl Baclofen nicht primär zur Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt wird, kann es in bestimmten Fällen hilfreich sein. So kann es beispielsweise bei Patienten mit Parkinson-Krankheit und Schluckbeschwerden eingesetzt werden, die durch Muskelsteifigkeit verursacht werden. In solchen Fällen kann Baclofen helfen, die Muskelspannung zu reduzieren und das Schlucken zu erleichtern.

In einem beschriebenen Patientenfall wurde Baclofen zur Behandlung von Schluckbeschwerden bei einem Parkinson-Patienten eingesetzt, allerdings in einer niedrigen Dosierung (zweimal täglich 5 mg), die möglicherweise unterdosiert war.

Dosierung und Anwendung von Baclofen

Baclofen ist in Tablettenform mit unterschiedlichen Dosierungen erhältlich (10 mg und 25 mg). Die Dosierung und Dauer der Anwendung sind abhängig von Art und Schwere der Erkrankung. Die Tabletten sollten zu den Mahlzeiten oder mit Milch eingenommen werden. Des Weiteren ist die Tagesgesamtdosis auf drei bis vier Einzelgaben zu verteilen.

Erwachsene nehmen anfangs dreimal täglich fünf Milligramm Baclofen (entspricht einer halben Zehn-Milligramm-Tablette) ein. Danach können jeden dritten Tag die Einzeldosen um jeweils fünf Milligramm gesteigert werden. Die optimale Tagesdosis liegt zwischen 30 und 75 Milligramm Baclofen. Nur in Ausnahmefällen darf die Maximaldosis von 75 Milligramm Wirkstoff pro Tag überschritten werden.

Bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegsleiden, Hirnerkrankungen oder Nieren- und Leberfunktionsstörungen sollte die Dosierung besonders langsam gesteigert werden. Ist die Niere nicht mehr voll funktionstüchtig, muss die Dosis durch den Arzt verringert werden.

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Mögliche Nebenwirkungen von Baclofen

Wie alle Medikamente kann auch Baclofen Nebenwirkungen verursachen. Sehr häufige Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit und Übelkeit, vor allem zu Beginn der Behandlung. Häufige Nebenwirkungen sind Depressionen, Verwirrtheit, Müdigkeit, Benommenheit, Gangunsicherheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen, Atemstörungen, Sehstörungen, Herzklopfen, niedriger Blutdruck, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Blasenentleerungsstörungen, Hautausschlag, Schwitzen, Muskelschwäche und Muskelschmerzen.

Seltene Nebenwirkungen sind Aufregung, Geschmacksstörungen, Bauchschmerzen und Harnverhaltung. Sehr seltene und vereinzelte Nebenwirkungen sind Überempfindlichkeitsreaktionen, akute Gehirnfunktionsstörungen, Mund-Gesichts-Zuckungen, Körpertemperaturerniedrigung und Leber-Enzym-Werterhöhung.

Das Auftreten von Nebenwirkungen ist stark dosisabhängig. Nach mehrmonatiger Behandlung kann ein plötzliches Therapie-Ende Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, Aufregung, Wahnvorstellungen, Krampfanfälle und einen Anstieg der Körpertemperatur zur Folge haben.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Baclofen kann die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln verstärken. Auch andere beruhigende oder muskelentspannende Mittel können in ihrer Wirkung verstärkt werden. Bei gleichzeitiger Einnahme von Wirkstoffen, die die Gehirnfunktion dämpfen (wie Psychopharmaka, Schlafmittel, opioide Schmerzmittel, tri- und tetrazyklische Antidepressiva), kann es zu gegenseitiger Wirkungsverstärkung kommen.

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Baclofen darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, schwersten Nierenfunktionsstörungen, Epilepsien oder anderen Anfallsleiden. Nur nach Nutzen-Risiko-Abwägung durch einen Arzt und unter seiner Kontrolle darf Baclofen eingesetzt werden bei eingeschränkter Nierenfunktion, schweren Leberfunktionsstörungen, Schäden an den gehirnversorgenden Blutgefäßen, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, Störungen der Atemfunktion, Blasenentleerungsstörungen, Verwirrtheitszuständen, Parkinson-Krankheit und schweren seelischen Erkrankungen, akuter Vergiftung mit Alkohol oder Schlafmitteln sowie Nervenschäden im Gehirn oder bestimmten Rückenmarkserkrankungen.

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Das Medikament beeinträchtigt das Reaktionsvermögen so weit, dass Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich sind. Während der Behandlung darf kein Alkohol getrunken werden, da dies unvorhersehbare Wirkungen haben kann. Die Behandlung muss mit langsam verminderter Dosierung beendet werden.

Baclofen in Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft, besonders in den ersten drei Monaten, sollte Baclofen nur nach sorgfältiger Abwägung eingenommen werden. Der Wirkstoff kann durch den Mutterkuchen (Plazenta) zum Ungeborenen gelangen. Zwar geht Baclofen in die Muttermilch über, doch sind unter normalen Umständen keine Komplikationen zu erwarten. Die Dosis sollte aber während der Stillzeit möglichst gering gehalten werden.

Wichtige Hinweise für Patienten mit Parkinson-Krankheit

  • Schluckbeschwerden: Die Parkinson-Erkrankung kann zu Schluckbeschwerden führen. In solchen Fällen können lösliche Darreichungsformen von Medikamenten helfen.
  • Medikationsanalyse: Regelmäßige Medikationsanalysen durch einen Apotheker oder Arzt können helfen, arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen und die Therapie zu optimieren.
  • Nicht-medikamentöse Therapien: Neben der medikamentösen Therapie sind physio-, psychotherapeutische Maßnahmen und Logopädie zu empfehlen, um die Beweglichkeit zu verbessern und die motorischen Körperfunktionen so lange wie möglich zu erhalten.

Alternative Behandlungen bei Parkinson

Die Parkinson-Krankheit ist bislang nicht heilbar. Die therapeutischen Maßnahmen können aber dennoch enorm dazu beitragen, die Beweglichkeit zu verbessern und die motorischen Körperfunktionen so lange wie möglich zu erhalten. Neben der medikamentösen Therapie sind physio-, psychotherapeutische Maßnahmen und Logopädie zu empfehlen. Die Pharmakotherapie hat zum Ziel, den Dopaminmangel auszugleichen und das Ungleichgewicht zwischen Dopamin und Glutamat zu reduzieren. Hierzu eignen sich drei Wirkstoffklassen: Levodopa/Decarboxylasehemmer /eventuell mit COMT-Hemmer, Dopaminagonisten, die die Wirkung von Dopamin imitieren, und MAO-Hemmer, die den Abbau von Dopamin blockieren.

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