Baldrian: Natürliche Hilfe für das zentrale Nervensystem

Der Echte Baldrian (Valeriana officinalis L.) ist eine in Europa und Teilen Asiens heimische Pflanze, die zur Familie der Baldriangewächse (Valerianaceae) gehört. Als mehrjährige Staude bevorzugt sie feuchte Waldlichtungen, Waldränder und Wiesen, wo sie eine Höhe von 50 bis 150 cm erreichen kann. Der Name Valeriana stammt vermutlich vom lateinischen Wort "valere" (kräftig sein, wertvoll sein, gesund sein) ab und deutet auf die Heilwirkung der Pflanze hin. Der deutsche Name wird mit dem Lichtgott Baldus in Verbindung gebracht.

Historische Bedeutung und Namensgebung

Im Mittelalter wurde Baldrian aufgrund seines starken Aromas zur Abwehr böser Geister eingesetzt. Beim Trocknen der Blüten entsteht ein charakteristischer Geruch, der Katzen anlocken soll. Die Wertschätzung des Baldrians ging früher weit über die eines reinen Beruhigungsmittels hinaus. Bereits im 17. Jahrhundert wurde er gegen Angst, vor allem aber zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt. Lange galt der Baldrian-Tee als DAS Mittel für die Nerven - vor allem für die des weiblichen Geschlechts. Das Baldrianfläschchen als Beruhigungsmittel im Hand-Täschchen der Damen vergangener Jahrhunderte zeugt davon. Pfarrer Kneipp schreibt: „Alle Formen von nervösen Zuständen, ob im Krampf oder Schmerz, verlangen den Baldrian!“

Der Begriff "Valeriana" ist abgeleitet von dem lateinischen Wort "valere", was so viel bedeutet wie sich kräftig und wohl fühlen. "Officinalis" im Namen deutet immer darauf hin, dass die Pflanze zu Heilzwecken eingesetzt wird. Die Unterfamilie der Baldriangewächse hat etwa 350 verschiedene Arten. Nur eine einzige Art davon, nämlich die Valeriana officinalis ist die in Europa anerkannte Heilpflanze. Einige Verwandte spielen aber auch auf anderen Kontinenten eine Rolle als Heilpflanzen, vor allem Valeriana edulis in Nord-Amerika und Valeriana jatamansi in Asien. Die deutschen Bezeichnungen Katzenkraut und Stinkbaltes deuten auf eine Eigenheit hin. Insbesondere der Wurzelstock verströmt einen eigenwilligen Geruch, den man auch von Baldriantinkturen kennt. Verantwortlich für diesen Geruch sind ätherische Öle, die vor allem in der Baldrianwurzel konzentriert sind. Während viele Menschen diesen typischen Geruch eher unangenehm finden, wirkt er auf Katzen besonders anziehend. Er hat wohl viel Ähnlichkeit mit Sexuallockstoffen.

Inhaltsstoffe und ihre Wirkung

In der Pflanzenheilkunde werden der Wurzelstock und die dünnen Wurzeln (Valerianae radix) arzneilich verarbeitet. Die Inhaltsstoffe der Baldrianwurzel sind vielseitig:

  • Ätherisches Öl (Monoterpene und Sesquiterpene)
  • Lignane
  • Alkaloide
  • Flavonoide
  • Valerensäure

Besonders die Valerensäure wirkt spasmolytisch, angstlösend und muskelentspannend. Die verschiedenen Inhaltsstoffe der Baldrianwurzel greifen an GABA-Benzodiazepinrezeptoren und Adenosinrezeptoren an und wirken beruhigend auf das zentrale Nervensystem.

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Anwendungsgebiete von Baldrian

Baldrian besänftigt gereizte Nerven und hilft bei nervös bedingten Unruhe- und Spannungszuständen sowie bei Ein- und Durchschlafstörungen. Auch nervöse Herzbeschwerden können Linderung durch Valeriana erfahren. Darüber hinaus ist Baldrian krampflösend, wirkt als Muskelrelaxans und lindert nervöse Magenbeschwerden. Besonders bei nervös bedingten Unruhezuständen und Schlafstörungen gehört Baldrian zu den beliebtesten pflanzlichen Mitteln.

  • Schlafstörungen: Baldrian kann die Schlafqualität verbessern und die Einschlafzeit verkürzen.
  • Innere Unruhe und Nervosität: Die beruhigende Wirkung kann helfen, Anspannungen zu lösen und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.
  • Nervöse Magenbeschwerden: Baldrian wirkt krampflösend und beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt.
  • Muskelverspannungen: Die muskelentspannende Wirkung kann bei Verspannungen helfen.
  • Ängstlichkeit und Reizbarkeit: Valeriana gilt als wichtiges Arzneimittel bei nervöser Übererregbarkeit, Hysterie und bei sehr ängstlichen und reizbaren Patienten, unabhängig von der Erkrankung.

Valeriana ist eine ideale Heilpflanze für überreizte, nervöse, überempfindliche Personen mit übersteigerter Gedanken-Aktivität, schlechtem Schlaf, mangelnder Bodenhaftung und unkontrolliertem Gefühlsleben. Wer seinen Emotionen hilflos ausgeliefert ist, wem die innere Ruhe fehlt, wer unter nervlicher Belastung leidet, gerät in eine Anspannung. Nervös bedingte Einschlafstörungen und Unruhe in der Nacht sowie Überempfindlichkeit und Unausgeglichenheit am Tag sind oft damit verbunden. Für solche Menschen ist Valeriana genau das Mittel der Wahl.

Darreichungsformen und Anwendung

In der Pflanzenheilkunde wird Baldrian als Tee, Tinktur oder als ätherisches Öl verwendet. Häufig ist er in pulverisierter Form oder als Trockenextrakt in Tabletten, Dragees, Kapseln oder als Fluidextrakt in Fertigarzneimittel auf dem Markt. Nicht selten findet man Baldrianextrakt in Kombinationsarzneimitteln, da er sich gut mit ähnlich wirkenden Heilpflanzen wie Hopfen, Melisse und Passionsblume kombinieren lässt. Unterdosiert kann es nach Baldrianeinnahme zu paradoxen Reaktionen kommen. Für die homöopathische Urtinktur wird die Wurzel in getrockneter Form verwendet.

Für die Bereitung eines Tees werden 2 bis 3 Gramm geschnittene Baldrianwurzeln mit ca. 150 Millilitern siedendem Wasser übergossen. Die Ziehzeit beträgt 10 bis 15 Minuten. Bei Einschlafstörungen sollte der Tee eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen getrunken werden. Baldrianwurzel kann gut mit anderen Heilpflanzen mit beruhigender Wirkung (z. B. Passionsblumenkraut, Hopfen, Melisse) kombiniert werden. Eine Schlafförderung tritt erst nach 5 bis 14 Tagen ein. Für ein abendliches Vollbad werden ca. 100 g geschnittene Baldrianwurzel oder ca. 10 Tropfen Baldrianöl verwendet.

Baldrian kann ein wertvoller Begleiter sein, wenn es darum geht, Stress abzubauen und innere Ruhe zu finden. Doch Entspannung entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme - oft ist es die Kombination verschiedener Routinen und Gewohnheiten, die Körper und Geist nachhaltig unterstützt. Wie wichtig ein ganzheitlicher Lebensstil ist, wusste bereits Sebastian Kneipp.

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Dosierung

Die Dosierung richtet sich u.a. danach, ob Baldrianwurzel noch mit anderen Wirkstoffen kombiniert wird. Bei pflanzlichen Monopräparaten gegen nervöse Anspannung werden in der Regel bis zu dreimal täglich 400 bis 600 mg des Extraktes empfohlen. Bei Schlafstörungen sollte eine Dosis von 400 bis 600 mg während des früheren Abends eingenommen werden und eine weitere Dosis dann eine halbe bis eine Stunde vor dem Schlafengehen.

Kombination mit anderen Heilkräutern

Es gibt verschiedene Monopräparate mit reinem Baldrianwurzel-Extrakt auf dem Markt. Häufig wird aber auch mit anderen beruhigenden Heilpflanzen kombiniert, um die Wirkung zu intensivieren. Zur Verfügung stehen beispielsweise: Hopfen, Melisse, Passionsblume und Johanniskraut. Es gibt in der Apotheke Fertigarzneimittel, die folgende Kombinationen mit Baldrian haben:

  • Johanniskraut, Passionsblume
  • Melisse, Passionsblume
  • Hopfen, Melisse

Hopfen ist nicht nur für Bierliebhaber interessant - seine Bitterstoffe Humulon und Lupulon regen die Produktion des Schlafhormons Melatonin an. Melatonin kann den Schlaf-Wach-Rhythmus positiv beeinflussen. Besonders in stressigen Phasen ist die Kombination von Baldrian und Hopfen eine bewährte natürliche Alternative. Melisse wiederum punktet mit ihren ätherischen Ölen, die entspannend auf das Nervensystem wirken können.

Vorteile von pflanzlichen Arzneimitteln

Baldrian mit seiner schlaffördernden Wirkung ist eine gute Einschlafhilfe und fördert auch einen erholsamen und gesunden Schlaf. Man muss aber keine Angst davor haben, dass die Einnahme solcher Arzneimittel zu verstärkter Müdigkeit am Tage führen. In der üblichen therapeutischen Dosierung sind Baldrianzubereitungen in der Regel sehr gut verträglich. Im Gegensatz zu vielen chemischen Schlafmitteln wurde bei der Einnahme von Baldrianpräparaten bisher weder eine Abhängigkeit, noch Gewöhnung oder „hang-over“-Effekte, also Müdigkeit am nachfolgenden Tag beobachtet. Natürlich ist die Wirkung von pflanzlichen Beruhigungsmitteln deutlich milder als die von chemischen Beruhigungsmitteln.

Mögliche Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Grundsätzlich ist es immer möglich, dass individuelle Überempfindlichkeiten bzw. allergische Reaktionen gegenüber pflanzlichen Wirkstoffen auftreten. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind jedoch kaum unerwünschte Wirkungen zu befürchten. Lediglich leichte Nebenwirkungen wie Übelkeit und Magenbeschwerden können u.U. auftreten. Zu Wechsel-Wirkungen mit anderen Arzneimitteln gibt es keine Hinweise. Wenn Baldrianwurzel jedoch überdosiert wird, muss man mit unerwünschten Wirkungen wie Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Brustenge, Händezittern und Schwindel rechnen, die allerdings recht bald auch wieder verschwinden. Für alle beruhigenden Wirkstoffe gilt, dass die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen eingeschränkt sein kann. Das muss aber nicht so sein. Beachten Sie aber bitte auch immer: Auch zu wenig Schlaf kann sich sehr nachteilig auf diese Fähigkeiten auswirken! Wegen des Fehlens von klinischen Studien an Schwangeren und Stillenden dürfen hochdosierte baldrianhaltige Arzneimittel (Phytotherapie) für diese Frauen nicht ausdrücklich empfohlen werden.

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Baldrian in der Homöopathie

Baldrian kommt sowohl in der Phytotherapie, also in Form pflanzlicher Arzneimittel bzw. als Tee zum Einsatz, als auch in der Homöopathie. Hier meist in Urtinktur oder niedrigen Potenzen und unter der Bezeichnung Valeriana. Die Anwendungsbereiche sind ähnlich. Valeriana gilt als ein wichtiges Arzneimittel bei nervöser Übererregbarkeit, Hysterie und bei sehr ängstlichen und reizbaren Patienten, unabhängig von der Erkrankung. Wechselnde Stimmung, generelle Überempfindlichkeit und gestörter Schlaf können wahlanzeigende Hinweise sein. Vor allen bei Schmerzen finden die Patienten keine Ruhe. Treten plötzliche Stiche in der Herzgegend auf, sollte ebenfalls an Valeriana gedacht werden. Die Patienten wirken fahrig, ihre Gedanken sind zu schnell, sie antworten oft irrelevant und springen von einem Thema zu anderen. Valeriana hilft ihnen dann die innere Ruhe wieder zu finden und besser zu schlafen. Darüber hinaus kann Valeriana die Schmerzen (z. B.

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