Der Tag der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam im Jahr 2014 bot nicht nur einen Rückblick auf 20 Jahre Fakultätsgeschichte, sondern auch die Verleihung von Preisen für herausragende Leistungen. Im Fokus stand unter anderem die Alzheimer-Forschung, ein Gebiet, in dem bedeutende Fortschritte erzielt wurden.
Ehrungen für wissenschaftliche Exzellenz
Ein Höhepunkt des Tages war die Verleihung des Jacob-Jacobi-Preises. Bettina Neumann wurde für ihren Masterabschluss in Biochemie und Molekularbiologie mit der Note 1,0 ausgezeichnet. Ihre Forschungsergebnisse wurden von Gutachtern als potenziell bedeutsam für das Verständnis der frühen Phase von Alzheimer und für die Entwicklung neuer Frühdiagnostik-Methoden hervorgehoben. Derzeit setzt Bettina Neumann ihre Arbeit als Promotionsstudentin im Bereich der Analytischen Biochemie an der Universität Potsdam fort.
Auch Dr. Christian Holz erhielt den Publikationspreis für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler 2014 für seine Dissertation „3D from 2D touch“. Seine Arbeit befasst sich mit der Rekonstruktion von 3D-Informationen aus 2D-Daten auf mobilen Geräten und hat potenzielle Anwendungen in der sicheren Authentifizierung auf Berührungsbildschirmen.
Dr. Andreas Jechow wurde mit dem Sonderpreis für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in Brandenburg und Berlin ausgezeichnet. Seine Forschung zur Entwicklung einer neuen Methode zur Verringerung der Probenbelastung in der Lichtmikroskopie, die auch bei der Diagnose von Krankheiten wie Alzheimer eingesetzt wird, wurde gewürdigt.
Alzheimer-Forschung im Fokus
Die Alzheimer-Krankheit ist eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Die Forschung konzentriert sich auf verschiedene Aspekte, von der Früherkennung und Diagnose bis hin zur Entwicklung neuer Therapien.
Lesen Sie auch: Barbara Klee-Reiters Demenz-Modell
Frühdiagnostik und Therapie
Prof. Dr. med. Frank Jessen referierte auf dem Psychiatrie und Psychotherapie Refresher München über die Frühdiagnostik und -therapie der Alzheimer-Demenz. Die frühe Erkennung der Krankheit ist entscheidend, um rechtzeitig mit therapeutischen Maßnahmen beginnen zu können.
Digitale Lösungen
Digitale Lösungen spielen eine immer größere Rolle in der Alzheimer-Forschung und -Behandlung. Apps zur Kognitionsmessung oder Bildgebungsanalysen mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) sind vielversprechende Ansätze.
Neue Therapieansätze
Prof. Dr. Timo Grimmer sprach auf einem Symposium von Lilly Deutschland GmbH über die Alzheimer-Diagnostik und die neuen Therapien. Die Entwicklung neuer Medikamente und Therapieansätze ist ein zentrales Ziel der Forschung.
Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist die transkranielle Wechselstromstimulation (tACS). Eine Studie zeigte, dass eine tägliche tACS des Precuneus die Kognition bei Alzheimer-Patienten kurzfristig verbessern kann.
Risikofaktoren und Prävention
Die Forschung identifiziert auch Risikofaktoren für die Entwicklung von Demenz und untersucht präventive Maßnahmen. Eine Studie zeigte, dass hohe körperliche Aktivität im höheren Alter das Demenzrisiko deutlich senken kann. Es wurde auch festgestellt, dass Demenzrisikofaktoren sich bei sozial benachteiligten Gruppen häufen.
Lesen Sie auch: Würdevolle Betreuung bei Demenz
Die Rolle der Mikroskopie
Moderne Lichtmikroskopie spielt eine wichtige Rolle bei der Diagnose von Krankheiten wie Alzheimer. Die Entwicklung neuer Methoden zur Verringerung der Probenbelastung, wie die von Dr. Andreas Jechow entwickelte, ist von großer Bedeutung.
Suizidalität im Alter
Ein weiteres wichtiges Thema, das im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit und anderen altersbedingten Erkrankungen diskutiert wird, ist die Suizidalität im Alter. Ältere Menschen haben im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen das höchste Suizidrisiko. Einschränkungen aufgrund körperlicher Erkrankungen, psychischer Erkrankungen und sozialer Probleme tragen dazu bei.
Prof. Dr. med. Barbara Schneider sprach auf dem Psychiatrie und Psychotherapie Refresher München über die Diagnostik und Behandlung von Suizidalität. Es ist wichtig, indirekte Hinweise wahrzunehmen und aktiv anzusprechen, da Suizidalität auch im höheren Lebensalter veränderbar ist. Suizidprävention umfasst die multimodale Behandlung der körperlichen und psychischen Erkrankung, einschließlich der (Re‑)Aktivierung von Ressourcen.
Weitere Fortschritte in der Medizin
Neben der Alzheimer-Forschung gab es im Jahr 2025 auch andere wichtige Fortschritte in der Medizin. Dazu gehören:
- Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Der Zusammenhang zwischen verbesserter Zahnhygiene und dem Schutz vor Herz-Kreislauf-Ereignissen wird immer deutlicher.
- MS-Therapie: Aktuelle Real-World-Evidenz, 11-Jahres-Daten und Resultate zur subkutanen (s.c.) Formulierung von Ocrelizumab (OCREVUS®) zeigen vielversprechende Ergebnisse.
- Narkolepsie: Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat eine überarbeitete S2k-Leitlinie zur Behandlung der Narkolepsie bei Erwachsenen und Kindern herausgegeben.
- Kopfschmerzerkrankungen: Kopfschmerzerkrankungen betreffen mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung.
- Moyamoya-Erkrankung: Die Moyamoya-Erkrankung ist eine zerebrovaskuläre Angiopathie, die sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen zu Schlaganfällen führen kann.
- CIDP: Ein aktueller Leitfaden zu Diagnose und Therapie der CIDP (chronische inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie) wurde veröffentlicht.
- Colchicin: Das Alkaloid Colchicin kann das Risiko auf Herzinfarkt und Schlaganfall senken.
- Chronische Schmerzen: Chronische Schmerzen können zu Hypertonie führen.
- Künstliche Intelligenz: Japanischen Forschenden ist es gelungen, mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) und funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) basierend auf Hirnscans den Inhalt angeschauter Videos zu rekonstruieren.
- Gehirnentwicklung: Forschende der Universität Cambridge haben 5 Phasen der Gehirnstruktur im Laufe eines Menschenlebens identifiziert.
- Muskelmasse und Bauchfett: Mehr Muskeln und weniger Bauchfett könnten die Alterung des Gehirns verlangsamen.
- Vorübergehender Sehverlust: Ein vorübergehender Sehverlust ist ein ernst zu nehmendes kardiovaskuläres Warnzeichen.
- Selbsthypnose: Selbsthypnose lindert Hitzewallungen in der Menopause.
Leben mit Alzheimer: Perspektiven und Erfahrungen
Das Leben mit Alzheimer ist eine Herausforderung für Betroffene und ihre Familien. Die Diagnose Demenz kann das Leben der Betroffenen, aber auch ihrer Familien durcheinanderwirbeln.
Lesen Sie auch: Umfassende neurologische Versorgung in Gladbeck
Die Autorin des Blogs „Alzheimer und wir“ teilt regelmäßig ihre Erfahrungen und zeigt, dass das Leben auch mit Alzheimer gut sein kann. Sie erzählt ihre Geschichte von Anfang an und gibt Einblicke in ihren Alltag.