Einführung
Ottfried Fischer, eine Ikone des bayerischen Humors und bekannt aus Serien wie "Der Bulle von Tölz" und "Pfarrer Braun", lebt seit vielen Jahren mit der Parkinson-Krankheit. Seine Geschichte ist ein Zeugnis von Lebensmut, Tapferkeit und der unerschütterlichen Unterstützung seiner Frau Simone. Dieser Artikel beleuchtet Fischers Leben mit Parkinson, seinen Umgang mit der Krankheit und die Rolle seiner Frau in diesem Prozess.
Die Diagnose und der öffentliche Umgang
Die ersten Symptome der Parkinson-Krankheit traten bei Ottfried Fischer bereits Ende der 1990er Jahre auf, als er etwa 45 Jahre alt war. Er bemerkte leichtes Zittern in seinen Händen und hatte manchmal Schwierigkeiten, das Schlüsselloch zu finden. Zunächst behielt er diese Beobachtungen für sich.
Im Februar 2008 erhielt Fischer dann die Gewissheit und machte seine Diagnose öffentlich. Er bewies sofort Tapferkeit und Humor, indem er bei einem Solo-Auftritt auf dem Aschermittwoch der Kabarettisten scherzte: "Keine Angst, ich mach keine Schüttelreime!" Dieser selbstironische Umgang mit seiner Krankheit wurde zu einem Markenzeichen von Fischer.
Leben mit Parkinson
Heute ist Ottfried Fischer auf einen Rollstuhl oder Krücken angewiesen und hat Mühe beim Sprechen. Trotz dieser Einschränkungen hat er seine Lebensfreude und seinen Humor nicht verloren. Anlässlich seines 71. Geburtstages im November 2024 witzelte er gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Im Großen und Ganzen habe ich eine Krankheit gewählt, die erträglich ist." Er fügte hinzu: "Schmerzen habe ich keine. Das ist ja schon mal die halbe Miete."
Fischer ist sich bewusst, dass gewisse Dinge nicht mehr möglich sind. Er wird im Magazin "Focus" mit den Worten zitiert: "Aber den Rest vom Leben möchte ich dazu verwenden, möglichst weit zu kommen." Er erhält mittlerweile professionelle Unterstützung durch einen Pfleger und Physiotherapie dreimal pro Woche.
Lesen Sie auch: Bayerischer Gebirgsschweißhund und Epilepsie
Simone Brandlmeier: Eine unerschütterliche Stütze
Die größte Hilfe ist dem Schauspieler jedoch seine Frau Simone Brandlmeier. Die beiden sind seit 20 Jahren ein Paar und seit Juli 2020 verheiratet. Simone beschreibt ihre Rolle so: "Parkinson ist inzwischen auch meine Krankheit, mein Leben geworden." Gemeinsam meistern sie die Herausforderungen, die die Krankheit mit sich bringt. "Aufgeben kommt für uns nicht infrage", betont Simone mit Nachdruck.
Sie erklärt, dass bestimmte Aktivitäten, wie das Zurücklegen von 15 Stufen in ein Restaurant oder die Reise zu einer Hochzeit in Hamburg, nicht mehr möglich sind. "Aber wir finden immer einen gemeinsamen Weg. Ich würde nie alleine irgendwohin reisen. Ich liebe ihn und bin solidarisch."
Ottfried Fischers Karriere
Ottfried Fischer wurde 1953 in Untergriesbach im Bayerischen Wald geboren, wo er auch aufwuchs. Schon früh bemerkte er seine komödiantische Ader. In den 1980er-Jahren tourte Fischer mit seinem Kabarettprogramm durch Deutschland und Österreich. Zuvor hatte er ein Jura-Studium in München abgebrochen.
Sein Durchbruch gelang ihm mit der Serie "Irgendwie und Sowieso". Einem breiteren TV-Publikum wurde er durch seine Rolle als Kriminalhauptkommissar Benno Berghammer in der Serie "Der Bulle von Tölz" bekannt, in der er von 1995 bis 2009 auf unkonventionelle Art Mordfälle in und um Bad Tölz löste. Von 2003 bis 2014 begeisterte Fischer die ARD-Zuschauer:innen in der Serie "Pfarrer Braun".
Von 1995 bis 2012 moderierte Ottfried Fischer im Bayerischen Fernsehen in 173 Folgen die Kabarettsendung "Ottis Schlachthof".
Lesen Sie auch: Schauspieler, die an Demenz erkrankt sind
Die Rolle des Jungbauern Sir Quickly in der BR Kultserie "Irgendwie und Sowieso" wurde ihm auf den Leib geschnitten.
Fischers Offenheit als Befreiung
Kabarettist Ottfried Fischer kann nach eigenen Worten mit Moderator Thomas Gottschalk mitfühlen, der seine Krebserkrankung öffentlich gemacht hat. Fischer hatte 2008 seine Parkinson-Erkrankung öffentlich gemacht und wenige Tage später bei einem Auftritt den inzwischen berühmten Satz gesagt: "Keine Angst, ich mach' keine Schüttelreime".
Bevor er sich damals entschlossen habe, mit der Krankheit an die Öffentlichkeit zu gehen, habe ihn die Angst vor einem Outing etwa zwei Drittel seiner Energie gekostet. "Da ist es schon vernünftiger, reinen Tisch zu machen." Bei seiner ersten Sendung danach habe er erst bemerkt, wie viel Zeit und Mühe er darauf verwendet hatte, die Krankheit zu vertuschen. Insofern habe er den Schritt auch nicht bereut. "Wenn man das erstmal geschafft hat, geht es einem besser. Das ist eine Befreiung."
Über Gottschalks Situation sagte Fischer: "Ich kann mir vorstellen, was in ihm vorgeht. Er muss mit dem Interesse der Öffentlichkeit klarkommen und andererseits mit dem, was in ihm selbst vorgeht."
"Lebenslinien: Ottfried Fischer und Herr Parkinson"
Die Dokumentarfilmerin Manuela Roppert begleitet den Kabarettisten durch seinen Alltag. In der Reportage "Lebenslinien: Ottfried Fischer und Herr Parkinson" zeigt sie, wie es ihm und seiner Frau gelingt, mit einer unheilbaren Krankheit zu leben.
Lesen Sie auch: Betrachtung: Schauspieler mit Huntington
Fischer erklärt, dass er die Parkinson-Erkrankung gut bewältige - und das liege auch an seiner Frau Simone. Sie gebe ihm das Gefühl, dass da schon noch etwas Lebenswertes sei. Seine Frau berichtet, für sie sei es am Anfang nicht leicht gewesen, weil sie - warum auch immer - von manchen Menschen angefeindet worden sei.
Ottfried Fischer in Passau
2017 zogen die Fischers von München in das Haus seiner Großeltern in der Passauer Altstadt, wo er schon seine Grundschulzeit verbracht hatte. Die Szenen zeigen eine Idylle. Das Kamerateam begleitet beide beim Einkauf auf dem Wochenmarkt und zeigt, dass Passanten sich freuen, sie zu sehen.
Die Dokumentarfilmerin weicht der Realität der Krankheit nicht aus, sondern fängt Licht und Schatten ein. Einem Freund habe er einmal gesagt, dass er arbeiten wolle, solange es noch gehe, betont Fischer.
Ehrungen und Auszeichnungen
Anfang November feierte Ottfried Fischer seinen 70. Geburtstag. Der Bayerische Rundfunk (BR) würdigte ihn mit einem Spezialprogramm, das mehrere Abende umfasste. So zeigte der BR die erste Episode der Krimireihe "Pfarrer Braun" und zwei Folgen der Kult-Serie "Irgendwie und Sowieso". Zudem wurde das Porträt über den bayerischen Mimen innerhalb der Reihe "Lebenslinien" gezeigt. Der Titel "Ottfried Fischer und Herr Parkinson" verriet, dass es neben seiner Karriere auch um Fischers Parkinson-Erkrankung gehen würde. Ottfried Fischer wurde außerdem mit dem Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet.
tags: #bayerischer #schauspieler #parkinson