Behandlung von Erythema migrans: Ein umfassender Leitfaden

Die Lyme-Borreliose ist eine Multisystemerkrankung, die durch Bakterien der Art Borrelia burgdorferi verursacht wird und hauptsächlich Haut, Nervensystem und Gelenke betrifft. Sie wird durch Zeckenstiche übertragen. Das Erythema migrans ist oft die erste und auffälligste Manifestation dieser Krankheit. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Behandlung des Erythema migrans, von der Diagnose bis zu den verschiedenen Therapieoptionen.

Einführung

Die Lyme-Borreliose ist eine in der nördlichen Hemisphäre verbreitete Krankheit, die durch Zecken übertragen wird. In Europa ist sie die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit. Das Erythema migrans ist ein frühes Symptom der Lyme-Borreliose und manifestiert sich als Hautrötung an der Stichstelle. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um eine Ausbreitung der Infektion und das Auftreten von Spätfolgen zu verhindern.

Was ist Erythema migrans?

Das Erythema migrans (EM) ist die häufigste klinische Manifestation der Lyme-Borreliose. Es beginnt typischerweise 7 bis 14 Tage nach dem Zeckenstich, kann aber auch zwischen 3 und 30 Tagen auftreten. Es manifestiert sich als rote Macula oder Papel an der Stichstelle, die sich zentrifugal ausbreitet.

Klinische Erscheinung

Das Erythem ist in der Regel randbetont und nicht erhaben, mit einem Durchmesser von mindestens 5 cm. Im Zentrum des Erythems ist oft die Zeckeneinstichstelle sichtbar. Atypische Formen können jedoch auch auftreten, was die Diagnose erschweren kann. Prädilektionsstellen sind Hautfalten wie Leiste, Kniekehle und Achsel, bei Kindern auch Kopf und Nacken.

Begleitsymptome

Oft wird das Erythema migrans von grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Lymphknotenschwellungen begleitet.

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Ursachen und Risikofaktoren

Überträger der Borrelien sind in Europa Zecken des Genus Ixodes (Ixodes ricinus). Die "Zeckensaison" dauert von April bis Oktober. Risikopersonen sind Menschen, die sich beruflich oder in ihrer Freizeit oft im Garten oder in der Natur aufhalten. Ein hohes Übertragungsrisiko besteht, wenn die Zecke lange Blut gesaugt hat (> 24 Stunden) und der Zeckenstich in einer Region mit hoher Borreliose-Inzidenz erfolgte.

Diagnose von Erythema migrans

Die Diagnose basiert hauptsächlich auf der Anamnese, dem klinischen Bild und dem Nachweis eines Zeckenstichs.

Anamnese

Wichtig sind Informationen über Risikoberufe, Aufenthalte in Risikogebieten und Gartenarbeit.

Klinische Untersuchung

Das typische Erythema migrans ist oft pathognomonisch und bedarf keiner weiteren Diagnostik. Bei atypischen Befunden kann jedoch eine serologische Untersuchung erforderlich sein.

Serologische Tests

Erregerspezifische Antikörper sind erst etwa 3 bis 8 Wochen nach der Infektion zu erwarten. Bei einem klassischen klinischen Bild kann daher auf eine serologische Diagnostik verzichtet und die Antibiotikatherapie sofort eingeleitet werden. Bei atypischem klinischen Befund ist die Untersuchung von Serum auf Antikörper gegen Borrelia burgdorferi zu empfehlen, wobei das diagnostische Fenster von ca. 2-4 Wochen zu beachten ist.

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PCR-Test

Wenn die den Biss verursachende Zecke zur Verfügung steht, kann mittels PCR zu einem frühen Zeitpunkt untersucht werden, ob die Zecke Borrelien-Erreger trägt. Bei einem negativen PCR-Ergebnis ist eine Borrelienübertragung auf den Patienten wenig wahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.

Differentialdiagnosen

Es ist wichtig, das Erythema migrans von anderen Hauterkrankungen zu unterscheiden:

  • Erysipel
  • Lokale Reaktionen auf Zeckenstich bzw. Stich anderer Insekten
  • Tinea corporis
  • Arzneimittelreaktion
  • Kontaktdermatitis
  • Granuloma anulare
  • Urtikaria
  • Erythema exsudativum multiforme

Therapie des Erythema migrans

Die Therapie erfolgt mit Antibiotika und ist in der Frühphase der Erkrankung am erfolgreichsten. Ziel der Behandlung ist es, den klinischen Verlauf zu verkürzen und die Entwicklung von Komplikationen und Spätfolgen zu verhindern.

Antibiotika-Therapie

Die Therapie der ersten Wahl sind Doxycyclin (ab dem 9. Lebensjahr) oder Amoxicillin. Die Cochrane Netzwerkanalyse zur Therapie des Erythema migrans hat gezeigt, dass neben Doxycyclin und Amoxicillin auch Penicillin V oral eine gleichwertig gute Wirksamkeit hat.

Empfohlene Dosierungen:

  • Doxycyclin:
    • Erwachsene: 200 mg täglich
    • Kinder > 9 Jahre: 1 - 2 mg/kg auf zwei Einzeldosen, maximal 2x 100 mg
  • Amoxicillin:
    • Erwachsene: 3x 750 mg täglich
    • Kinder: 50 mg/kg KG auf drei Einzeldosen, maximal 3x 750 mg
  • Cefuroxim-Axetil:
    • Erwachsene: 2x 500 mg täglich
    • Kinder: 30 mg/kg KG auf zwei Einzeldosen, max. 2 mal 500 mg
  • Makrolide:
    • Bei Unverträglichkeit von ß-Laktamen und Doxycyclin

Die Therapiedauer beträgt in der Regel 10 bis 21 Tage. Es sollte so lange behandelt werden, bis das Erythem abgeklungen ist, jedoch mindestens 10 Tage (bei Doxycyclin) bzw. 14 Tage (bei Amoxicillin).

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Antibiotika in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft ist Doxycyclin kontraindiziert. Als Mittel der ersten Wahl gilt Amoxicillin in üblicher Dosierung. Bei Unverträglichkeit stehen als Alternativen oral Cefuroxim und parenteral Ceftriaxon zur Verfügung.

Jarisch-Herxheimer-Reaktion

Während der Antibiotikatherapie kann es zu einer Jarisch-Herxheimer-Reaktion kommen, einer Entzündungsreaktion auf Endotoxine der Borrelien. Dies kann zu einem Wiederaufflammen der Erytheme, schwerem Krankheitsgefühl und Fieber führen.

Therapieversagen

In seltenen Fällen kann es trotz Antibiotikatherapie zu späteren Manifestationen kommen. Bei Verdacht auf Therapieversagen oder Re-Infektion ist ein Lymphozytentransformationstest (LTT-Borrelien) bzw. erneute Untersuchung eines Liquor-/Serumpaares zu empfehlen.

Prävention

Die Vermeidung von Zeckenstichen ist die einzige Möglichkeit, eine Lyme-Borreliose sicher zu verhindern.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Zeckendurchseuchte Gebiete meiden
  • Lange, helle Kleidung tragen
  • Insektenschutzmittel (Repellentien) verwenden
  • Zecken so bald wie möglich entfernen und die Stichstelle desinfizieren
  • Stichstelle und mögliche Veränderungen an der Haut in den nächsten sechs Wochen beobachten

Spätmanifestationen der Borreliose

Falls die Borrelien nicht spontan eliminiert werden oder durch eine unzureichende bzw. nicht erfolgte antibiotische Behandlung des Erythema migrans persistieren, kann es zur Dissemination des Erregers kommen. Dies kann zu verschiedenen Spätmanifestationen führen:

Allgemeine Symptome

Grippegefühl, Müdigkeit, Myalgie, Arthralgie, Kopfschmerz, leichtes Fieber, Lymphknotenschwellung, Nackensteifigkeit, Rückenschmerzen, Appetitlosigkeit.

Hautmanifestationen

Multiple Erythemata migrantia, Borrelien-Lymphozytom (Lymphadenosis benigna cutis).

ZNS-Manifestationen

Meningitis, Hirnnervenausfälle (oft Fazialis-Parese), Meningoradikuloneuritis (Bannwarth-Syndrom), akute Enzephalomyelitis, Cerebellitis, transverse Myelitis.

Herz-Manifestationen

Perimyokarditis, AV-Block I. - III. Grades.

Gelenk-Manifestationen

Akute wandernde Arthralgien bzw. flüchtige Gelenkschwellungen ("episodische Arthritis"), oft monoartikuläre oder asymmetrisch oligoartikuläre Arthritis.

Augen-Manifestationen

Iritis, Uveitis, Chorioiditis, Episkleritis/Skleritis, orbitale Myositis, Papillitis, Retrobulbärneuritis.

Chronische Borreliose (Spätmanifestationen)

Die Symptome der chronischen Borreliose beginnen ca. 4-6 Monate bis mehrere Jahre nach der Initialinfektion.

Lyme-Arthritis

Manifestiert sich durchschnittlich mehr als 6 Monate nach Initialinfektion als chronisch-rezidivierender Verlauf, meist große Gelenke (oft Kniegelenk) mit Schwellung und Schmerzen.

Chronische Neuroborreliose

Enzephalomyelitis (neurologische Ausfälle, schleichende Verschlechterung des Zustandes), Enzephalopathie (Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Zephalgie, Tinnitus), Schlafstörungen, Depression, Reizbarkeit, chronische Müdigkeit, Normaldruck-Hydrozephalus, zerebrale Vaskulitis, Hirninfarkt, chronische Radikuloneuropathie.

Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA)

Chronisch-entzündlicher Prozess meist an sonnenexponierten akralen Hautregionen (meist Hände). Dem chronisch-entzündlichen Stadium folgt das chronisch-atrophische Stadium (pergamentartige Haut). Begleitsymptome sind Hyperästhesie, Muskelschwäche, Muskelkrämpfe, solitäre oder multiple fibröse Knötchen, regionale oder generalisierte Lymphknotenschwellungen.

Chronische Augen-Borreliose

Hornhautstroma-Trübungen, marginale Keratitiden, Episkleritis, okuläre Myositis, Optikusatrophie.

Post-Lyme-Syndrom (PLS)

Es handelt sich um ein Syndrom, das nach z. T. mehrfach antibiotisch behandelter Borreliose persistiert. Die häufigsten Symptome sind Müdigkeit, Erschöpfung, kognitive Defizite und Schlafstörungen, Neuropathien, Schmerzsyndrome.

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