Der menschliche Körper ist ein komplexes System, in dem Knochen, Muskeln, Nerven und andere Gewebe zusammenarbeiten, um Bewegung und Funktion zu ermöglichen. Im Bereich des Ellenbogens spielen verschiedene Strukturen eine wichtige Rolle, darunter der Ellenhaken (Olecranon ulnae), der Mittelarmnerv (Nervus medianus) und der Ellennerv (Nervus ulnaris). Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen diesen Strukturen und geht auf Erkrankungen ein, die sie betreffen können.
Anatomische Grundlagen
Um die Unterschiede zwischen Ellenhaken, Mittelarmnerv und Ellennerv zu verstehen, ist ein grundlegendes Verständnis der Anatomie des Ellenbogens erforderlich.
Ellenhaken (Olecranon ulnae): Der Ellenhaken bildet die Spitze des Ellenbogens und ist ein Teil der Elle (Ulna), einem der beiden Knochen des Unterarms. Er ist bei einem Sturz nach hinten auf den gebeugten Arm besonders gefährdet. Am Ellenhaken setzt die untere Sehne des Trizepsmuskels (dreiköpfiger Oberarmmuskel) an, der den Ellenbogen streckt.
Mittelarmnerv (Nervus medianus): Der Mittelarmnerv ist ein wichtiger Nerv, der vom Oberarm durch den Karpaltunnel im Handgelenk verläuft und die Handinnenfläche sowie Teile der Finger versorgt.
Ellennerv (Nervus ulnaris): Der Ellennerv verläuft an der Innenseite des Oberarms zum Ellbogenhöcker und von dort zu den Fingern. Anders als die meisten anderen Nerven im Körper liegt er oberflächennah und recht ungeschützt im Arm.
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Unterschiede zwischen Ellenhaken, Mittelarmnerv und Ellennerv
Die drei genannten Strukturen unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung, Funktion und Lage:
- Der Ellenhaken ist ein Knochenbestandteil des Ellenbogens, während der Mittelarmnerv und der Ellennerv Nerven sind, die durch den Ellenbogenbereich verlaufen.
- Der Ellenhaken dient als Ansatzpunkt für den Trizepsmuskel und ermöglicht die Streckung des Ellenbogens. Der Mittelarmnerv und der Ellennerv sind für die Übertragung von Nervenimpulsen verantwortlich, die die Muskeln in Hand und Unterarm steuern und die Sensibilität der Haut vermitteln.
- Der Ellenhaken bildet die Spitze des Ellenbogens, der Mittelarmnerv verläuft durch den Karpaltunnel im Handgelenk, und der Ellennerv liegt an der Innenseite des Oberarms zum Ellbogenhöcker.
Erkrankungen des Ellenhakens
Eine häufige Erkrankung des Ellenhakens ist der Ellenhakenbruch (Olekranonfraktur). Ursache ist meist ein Sturz nach hinten oder zur Seite mit direktem Aufprall auf den angewinkelten Ellenbogen. Durch den Bruch schwillt die Ellenbogenspitze an und schmerzt stark, besonders wenn Betroffene versuchen, den Arm zu strecken. Die Verletzung verlangt in der Regel eine operative Therapie.
Zur Einteilung der Ellenhakenbrüche gibt es verschiedene Klassifikationen, wie die Mayo-Klassifikation:
- Mayo Typ I: keine Verschiebung der Bruchstücke, stabiles Ellenbogengelenk.
- Mayo Typ II: Verschiebung der Bruchstücke (zum Beispiel durch den starken Zug des Trizepsmuskels), stabiles Ellenbogengelenk. Diese Form des Ellenhakenbruchs ist mit etwa 80 % die häufigste.
Die operative Versorgung des Ellenhakenbruchs bringt in über 90 % der Fälle gute bis sehr gute Ergebnisse.
Erkrankungen des Mittelarmnervs
Eine häufige Erkrankung des Mittelarmnervs ist das Karpaltunnelsyndrom. Es entsteht durch eine Einengung des Mittelarmnerven (Nervus medianus) im Karpaltunnel des Handgelenks und löst vor allem bei Frauen Handschmerzen und ein Taubheitsgefühl im Bereich von Daumen, Zeige- und Mittelfingern aus. In schweren Fällen kann es zu Lähmungserscheinungen der Hand und einem Nachlassen der Greifkraft kommen.
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Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, beim Karpaltunnelsyndrom die Einengung des Nervus medianus zu beseitigen und damit das Fortschreiten der Erkrankung und die Handschädigung zu verhindern: eine Operation, bei der das Karpalband durchtrennt wird, um den Nerv freizulegen.
Erkrankungen des Ellennervs
Eine häufige Erkrankung des Ellennervs ist das Kubitaltunnelsyndrom (Sulcus-ulnaris-Syndrom, SUS). Dabei kommt es zu einer Einengung des Ellennervs auf Höhe des Ellenbogens. Die Druckerhöhung führt zu Sensibilitätsstörungen und Bewegungseinschränkungen bis hin zu Lähmungen.
Der Ellennerv enthält sowohl sensible als auch motorische Fasern. Bei beiden Erkrankungen handelt es sich um sogenannte Engpasssyndrome, wobei das Karpaltunnelsyndrom häufiger vorkommt als das Kubitaltunnelsyndrom und daher bekannter ist. Auslöser ist in beiden Fällen die Quetschung eines Nervs an einer Engstelle.
Differenzialdiagnosen
Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Ellenbogen können auch andere Ursachen haben, wie zum Beispiel:
- Arthritis (Gelenkentzündung)
- Arthrose (chronische Gelenkerkrankung)
- Tennisarm (Epicondylitis)
- Golferellenbogen
Diagnostik
Zur Diagnose von Erkrankungen des Ellenhakens, des Mittelarmnervs und des Ellennervs werden verschiedene Methoden eingesetzt:
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- Anamnese: Die Ärzt*in lässt sich den Unfallhergang schildern und erfragt die Symptome.
- Körperliche Untersuchung: Die Ärztin untersucht den Arm vorsichtig auf Zeichen eines Bruchs, z. B. auf übersteigerte Beweglichkeit, Knochenknirschen oder Deformitäten. Beim Abtasten des Ellenbogens befindet sich der Hauptschmerzpunkt direkt über dem Ellenhaken, manchmal kann die Ärztin auch einen Bruchspalt tasten. Im Bereich des Ellenbogenhakens ist besonders der Ellennerv (Nervus ulnaris) in Gefahr. Ist er geschädigt, kommt es zu Lähmungen der Handinnenmuskeln und zu Gefühlsstörungen an der Handaußenseite. Ist der Mittelarmnerv (Nervus medianus) betroffen, droht die Lähmung von Ringfinger und kleinem Finger. Da diese dann nicht mehr ausgestreckt werden können, spricht man auch von einer "Schwurhand". Außerdem ist die Sensibilität von Daumen und Zeigefingerkuppe gestört.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen sichern die Diagnose eines Ellenhakenbruchs.
- Elektroneurografie: Bei dieser Untersuchung wird gemessen, wie schnell der Nerv einen Reiz weiterleitet. Sie hilft, eine eventuelle Nervschädigung zu erfassen.
Therapie
Die Therapie von Erkrankungen des Ellenhakens, des Mittelarmnervs und des Ellennervs richtet sich nach der jeweiligen Diagnose und dem Schweregrad der Erkrankung.
- Ellenhakenbruch: Die operative Versorgung des Ellenhakenbruchs bringt in über 90 % der Fälle gute bis sehr gute Ergebnisse. Eine konservative Behandlung setzt voraus, dass die Bruchstücke nicht verschoben sind und das Gelenk stabil ist (Mayo Typ 1). Sie wird bei älteren Menschen mit deutlich erhöhtem Operationsrisiko erwogen. Es erfolgt eine Ruhigstellung für 7-10 Tage und dann eine frühzeitige Mobilisierung.
- Karpaltunnelsyndrom: Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, beim Karpaltunnelsyndrom die Einengung des Nervus medianus zu beseitigen und damit das Fortschreiten der Erkrankung und die Handschädigung zu verhindern. Um die Symptome zu lindern, reicht in einigen Fällen eine konservative Behandlung durch physiotherapeutische Maßnahmen aus. Beim Karpaltunnelsyndrom engt das Karpalband den am Handgelenk verlaufenden Nervus medianus ein. Im Rahmen einer Operation wird das Band durchtrennt und der Nerv auf diese Weise freigelegt.
- Kubitaltunnelsyndrom: Um dauerhafte Schäden und eine Schwächung der Hand zu vermeiden, sollte diese Erkrankung zeitnah behandelt werden.
Prävention
Einige Maßnahmen können helfen, Erkrankungen des Ellenhakens, des Mittelarmnervs und des Ellennervs vorzubeugen:
- Protektion: Bei sturzträchtigen oder intensiven Kontaktsportarten ist der Ellenbogen besonders gefährdet. Hier ist es sinnvoll, Ellenbogenschützer zu tragen.
- Stolperfallen ausmerzen: Ältere Menschen sind oft besonders von Stürzen bedroht. Deshalb sollte ihre Wohnung immer auf mögliche Stolperfallen wie Teppiche oder herumliegende Kabel untersucht und diese entfernt werden.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz kann helfen, das Karpaltunnelsyndrom und das Kubitaltunnelsyndrom zu verhindern. Dazu gehören eine ergonomisch gestaltete Tastatur, ein Mauspad mit Stützpolstern und vieles mehr.
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