Viele Menschen klagen bei feuchtem Wetter über Nervenschmerzen, Gelenkschmerzen oder ein allgemeines Unwohlsein. Dieses Phänomen, bekannt als Wetterfühligkeit, betrifft besonders Menschen mit Vorerkrankungen wie Arthritis oder Arthrose. Doch was steckt dahinter und was kann man dagegen tun? Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Nervenschmerzen bei feuchtem Wetter und gibt praktische Tipps, wie Sie Ihre Beschwerden lindern können.
Was ist Wetterfühligkeit?
Wetterfühligkeit beschreibt die Empfindlichkeit des Körpers gegenüber Veränderungen des Wetters, insbesondere Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Etwa die Hälfte der Deutschen reagiert empfindlich auf Wetterumschwünge. Dabei verändert sich bei einem Wetterumschwung der Luftdruck, die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur. Daran muss sich der Körper erst gewöhnen. Bei manchen Menschen geht diese Umstellung schnell, anderen setzen Wetterumschwünge stärker zu. Auf wechselhaftes Wetter reagieren sie mit körperlichen Beschwerden.
Wetterfühligkeit vs. Wetterempfindlichkeit
Es ist wichtig, zwischen Wetterfühligkeit und Wetterempfindlichkeit zu unterscheiden. Wetterfühligkeit betrifft gesunde Menschen, deren Körper sich nicht schnell an verändertes Wetter anpassen kann. Sie reagieren häufig mit Müdigkeit, Antriebslosigkeit und anderen körperlichen Symptomen. Wissenschaftler vermuten, dass die Witterungsverhältnisse sich auf das vegetative Nervensystem auswirken.
Wetterempfindlichkeit hingegen bezeichnet die Verstärkung bereits bestehender gesundheitlicher Probleme durch bestimmte Wetterlagen. Menschen mit chronischen Krankheiten wie Asthma, Rheuma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen erleben oft eine Zunahme ihrer Symptome bei bestimmten Wetterbedingungen.
Ursachen von Nervenschmerzen bei feuchtem Wetter
Feuchtes Wetter kann Nervenschmerzen und andere Beschwerden verstärken. Dafür gibt es verschiedene Gründe:
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Einfluss von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck
Drei Faktoren können Gelenkprobleme auslösen: sinkende Temperatur, steigende Luftfeuchtigkeit und fallender Luftdruck. Gemeinsam verstärken sie die Schmerzempfindlichkeit und schränken die Beweglichkeit ein.
Sinkende Temperatur: Bei niedrigen Temperaturen ziehen sich Muskeln, Sehnen und Bänder zusammen, um Wärme zu speichern. Dies kann den Bewegungsspielraum der Gelenke einschränken und die Belastung auf die Gelenkflächen erhöhen. Durch die erhöhte Muskelspannung entsteht ein zusätzlicher Druck auf die Gelenkflächen. Schmerzrezeptoren in der Gelenkumgebung nehmen den erhöhten Druck wahr und senden Schmerzsignale an das Gehirn. Typische Bereiche, die durch Temperaturveränderungen betroffen sind, sind die Knie- und Hüftgelenke sowie kleine Gelenke in den Händen. Patienten berichten häufig von einem "steifen" Gefühl in den Gelenken. Wenn einem kalt ist, dann neigt man dazu, sich zusammenzuziehen und die Muskeln anzuspannen. Das macht die Schmerzen noch schlimmer.
Steigende Luftfeuchtigkeit: Hohe Luftfeuchtigkeit verstärkt die kühlende Wirkung der Umgebungstemperatur, da Feuchtigkeit die Wärmeleitfähigkeit der Luft erhöht. Gelenke, die nicht ausreichend von Muskeln und Fettgewebe geschützt sind, kühlen schneller aus. Die Kälte in Kombination mit Feuchtigkeit verlangsamt die Durchblutung in den betroffenen Bereichen. Dies führt zu einer weiteren Versteifung der Gelenke und verschärft bereits bestehende Schmerzen. Entzündliche Prozesse können verstärkt werden, da kalte und feuchte Bedingungen die Immunantwort im Gelenkgewebe beeinflussen. Menschen mit rheumatischen Erkrankungen oder entzündlichen Gelenkbeschwerden wie Arthritis leiden bei hoher Luftfeuchtigkeit. Regnerisches Wetter kann auch die Schmerzen verschlimmern, die meisten Menschen mit Arthritis stimmen dem wohl zu.
Fallender Luftdruck: Ein sinkender Luftdruck, typisch für Wetterumschwünge, führt dazu, dass sich Gewebe im Körper leicht ausdehnen, insbesondere Gelenkkapseln und Schleimhäute. Die Gelenkkapsel dehnt sich bei sinkendem Luftdruck minimal aus, was zu Schwellungen im Gelenkbereich führen kann. Diese Schwellung übt zusätzlichen Druck auf die Schmerzrezeptoren aus, was die Schmerzwahrnehmung verstärkt. Viele Patienten mit Arthrose oder Rheuma berichten, dass sie "Wetterwechsel" in ihren Gelenken spüren können, oft Stunden bevor ein Sturm oder Regen einsetzt.
Betroffene Personengruppen
Bestimmte Personengruppen sind anfälliger für Wetterfühligkeit und damit verbundene Nervenschmerzen:
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- Ältere Menschen: Ihr Körper kann sich oft schlechter anpassen.
- Frauen in den Wechseljahren: Aufgrund von hormonellen Veränderungen. Frauen sind häufiger wetterfühlig als Männer. Das liegt daran, dass Frauen öfter mit Kreislaufproblemen oder einem niedrigen Blutdruck zu kämpfen haben.
- Menschen mit chronischen Erkrankungen: Wie Asthma, Rheuma, Arthrose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Personen mit niedrigem Blutdruck: Sie neigen eher zu Kreislaufproblemen bei Wetterwechsel.
- Menschen mit alten Verletzungen: Verheilte Knochenbrüche können wetterfühlig sein.
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Auch wenn viele Betroffene von einer Verschlimmerung ihrer Beschwerden bei bestimmten Wetterlagen berichten, ist die wissenschaftliche Lage nicht immer eindeutig. Einige Studien konnten keinen direkten Zusammenhang zwischen Wetter und Schmerzen feststellen, während andere eine Korrelation fanden. Eine europaweite Studie zeigte, dass sich verändernde Temperaturen das körperliche Gleichgewicht stören und Beschwerden wie Arthritis verschlimmern können. Mehr als zwei Drittel der Probanden erwiesen sich als wetterfühlig. Dabei dürfte das Schmerzempfinden durch Wettereinfluss besonders in südlichen Regionen Europas verbreitet sein. Die Befragten gaben an, dass sich Veränderungen der Wetterlage schon vor deren Eintreten an ihren Gelenken bemerkbar machen.
Symptome der Wetterfühligkeit
Die Symptome der Wetterfühligkeit können vielfältig sein:
- Kopfschmerzen oder Migräne
- Gelenkschmerzen
- Muskelverspannungen
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Schwindel und Benommenheit
- Kreislaufprobleme
- Schlafstörungen
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Gereizte Stimmung oder Antriebslosigkeit
- Atembeschwerden
Es gibt vier Gruppen von Beschwerden: allgemeine Befindensbeeinträchtigungen wie zum Beispiel Unruhe, Schlaflosigkeit, Nervosität und Kopfschmerzen.
Was hilft gegen Nervenschmerzen bei feuchtem Wetter?
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um die Beschwerden der Wetterfühligkeit zu lindern und Nervenschmerzen bei feuchtem Wetter entgegenzuwirken:
Allgemeine Maßnahmen
- Bewegung an der frischen Luft: Regelmäßige Bewegung stärkt den Kreislauf und härtet ab. Besonders geeignet sind Ausdauertraining wie Walken, Wandern, Joggen, Radfahren oder Spaziergänge. Schonung hat nämlich oft einen gegenteiligen Effekt und kann die Beschwerden noch intensivieren. Wissen Sie bereits, dass Ihre Gelenke wetterfühlig sind, arbeiten Sie Gelenkssteifigkeit, Schwellungen und Schmerzen mit moderater Bewegung entgegen. Geht an die frische Luft, wann immer es geht und bei jedem Wetter. Ihr trainiert durch die Bewegung im Freien nicht nur euer Immunsystem, sondern der Körper übt auch die Anpassung an wechselnde Wetterlagen.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und wenig Fleisch kann helfen, Entzündungen im Körper zu reduzieren. Auf Genussmittel wie Alkohol, Tabak und Kaffee besser verzichten. Eine entzündungshemmende Kost kann helfen, die Schmerzempfindlichkeit zu reduzieren. Dazu gehören Lebensmittel, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, wie fetter Fisch (z. B. Lachs oder Makrele), Walnüsse oder Leinöl. Auch frisches Obst und Gemüse, insbesondere solche mit hohem Gehalt an Antioxidantien, wie Beeren, Brokkoli oder Spinat, können dazu beitragen, Entzündungen im Körper zu bekämpfen. Es ist ratsam, stark verarbeitete Lebensmittel sowie Zucker und gesättigte Fette zu reduzieren, da diese Entzündungsprozesse fördern können.
- Ausreichend Schlaf: Ein regelmäßiger Schlafrhythmus und ausreichend Schlaf (mindestens sieben Stunden) können die Wetterfühligkeit lindern. Zumindest sieben Stunden sollten es sein, und das ab circa 23 Uhr: Regelmäßiger und ausreichender Schlaf kann Wetterfühligkeit lindern.
- Stress vermeiden: Stress kann die Beschwerden verstärken. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen.
- Passende Kleidung: Kleiden Sie sich so, dass Sie sich leicht kühl fühlen, aber nicht frieren. Das trainiert die Thermoregulation des Körpers.
- Kneipp-Anwendungen: Wechselduschen oder Kneippbäder können den Kreislauf stärken und die Anpassungsfähigkeit des Körpers verbessern.
- Saunagänge: Regelmäßige Saunabesuche fördern die Durchblutung und können die Muskulatur lockern.
Spezifische Maßnahmen bei Nervenschmerzen
- Wärme: Wärmeanwendungen wie Wärmepflaster, Heizkissen oder warme Bäder können die Muskeln entspannen und Schmerzen lindern. Wärme verbessert die Durchblutung und kann Schmerzen lindern. Besonders hilfreich sind Wärmepflaster, Heizkissen oder warme Bäder, die gezielt auf die betroffenen Gelenke angewendet werden können. Auch das Tragen von Thermokleidung oder Kniewärmern schützt empfindliche Gelenke vor Kälte und verhindert, dass sie auskühlen. Regelmäßige Saunagänge können ebenfalls hilfreich sein, da sie die Durchblutung fördern und die Muskulatur lockern.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol eingenommen werden. Bei Gelenkschmerzen helfen Salben mit Diclofenac, Ibuprofen oder Arnika zum Einreiben.
- Ätherische Öle: Einige ätherische Öle wie Rosmarin, Eukalyptus oder Pfefferminzöl können belebend und erfrischend wirken. Lavendel oder Melisse dagegen entspannen und sorgen für einen zusätzlich lindernden Effekt. Ein paar Tropfen ätherische Öle im Wasser wie z.B. Rosmarin, Eukalyptus oder Pfefferminzöl wirken belebend und erfrischend, Lavendel oder Melisse dagegen entspannend und sorgen für einen zusätzlich lindernden Effekt.
- Hausmittel: Melissen- oder grüner Tee, aber auch Aufgüsse, Tropfen und Dragees auf Basis von Kräutern wie Baldrian, Johanniskraut und Hopfen können die Beschwerden lindern.
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden Schmerzen oft auf Stagnationen von Qi (Energie) und Blut zurückgeführt. Feuchtigkeit, Kälte, Wind und Hitze können als externe pathogene Faktoren in den Körper eindringen und diese Stagnationen verursachen.
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- Feuchtigkeit: Führt zu Schweregefühl, Schwellungen und ziehenden Schmerzen, die sich bei feuchtem Wetter verschlimmern.
- Kälte: Verlangsamt den Energie- und Blutfluss und zieht die Gewebe zusammen.
- Wind: Betrifft vor allem obere Körperteile und ist oft mit anderen Faktoren wie Kälte oder Hitze verbunden.
- Hitze: Verursacht Brennen, Rötung und kann den Funktionskreis Herz stören, was zu Unruhe und Schlafstörungen führen kann.
Die TCM bietet verschiedene Therapieansätze zur Behandlung von Schmerzen, darunter Akupunktur, Kräutertherapie und Tuina-Massage. Ziel ist es, den Energiefluss zu harmonisieren, Stagnationen aufzulösen und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
Was Sie noch tun können
- Beobachten Sie sich selbst: Achten Sie auf wetterbedingte Veränderungen Ihres Wohlbefindens und treffen Sie vorbeugende Maßnahmen. Wissen Sie bereits, dass Ihre Gelenke wetterfühlig sind, arbeiten Sie Gelenkssteifigkeit, Schwellungen und Schmerzen mit moderater Bewegung entgegen.
- Biowetter-Vorhersagen nutzen: Der Deutsche Wetterdienst stellt tagesaktuell Wetterindizes für Wetterfühlige zur Verfügung.
- Suchen Sie professionelle Hilfe: Bei starken oder anhaltenden Beschwerden sollten Sie einen Arzt oder Therapeuten aufsuchen.