Stechende Kopfschmerzen im Kopfbereich: Ursachen, Symptome und Behandlung

Stechende Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen betrifft. Sie können plötzlich auftreten und als blitzartig einschießende Schmerzen wahrgenommen werden. In den meisten Fällen sind sie harmlos und verschwinden von selbst. Allerdings können sie auch ein Warnsignal für eine ernstere Erkrankung sein, insbesondere wenn sie häufig auftreten, sehr stark sind oder von anderen Symptomen begleitet werden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von stechenden Kopfschmerzen im Kopfbereich.

Was sind stechende Kopfschmerzen?

Stechende Kopfschmerzen unterscheiden sich deutlich von anderen Kopfschmerzarten wie Spannungskopfschmerzen oder Migräne. Sie treten plötzlich und blitzartig auf, als würde jemand eine Nadel in den Kopf stechen. Diese intensiven Attacken dauern meist nur wenige Sekunden bis maximal zwei Minuten, können aber mehrmals täglich auftreten. Im Gegensatz zu den dumpfen Schmerzen bei Spannungskopfschmerzen oder dem pochenden Gefühl bei Migräne beschreiben Betroffene stechende Kopfschmerzen als messerscharf und elektrisierend. Der Schmerz ist meist punktuell begrenzt und kann verschiedene Stellen am Kopf betreffen - von der Stirn über die Schläfen bis hin zum Hinterkopf. Die Intensität variiert von leichtem Stechen bis hin zu extrem starken, fast unerträglichen Schmerzen. Zwischen den Attacken sind die meisten Menschen völlig beschwerdefrei, was diese Kopfschmerzerkrankung von anderen chronischen Formen unterscheidet.

Wo treten stechende Kopfschmerzen auf?

Stechende Kopfschmerzen können verschiedene Bereiche des Kopfes betreffen. Die Lokalisation gibt oft Hinweise auf die mögliche Ursache.

Stechende Kopfschmerzen an der Schläfe

Die Schläfenregion ist die häufigste Stelle für stechende Kopfschmerzen. Diese Beschwerden treten meist einseitig auf und können in Verbindung mit Clusterkopfschmerzen stehen, bei denen der Augen- oder Schläfenbereich betroffen ist. Der Auslöser liegt oft in der Reizung des Trigeminusnervs, der für die Gesichts- und Kopfempfindungen zuständig ist.

Stechende Kopfschmerzen rechts oder links

Einseitige stechende Kopfschmerzen sind charakteristisch für diese Schmerzart. Die Attacken können sowohl rechts als auch links auftreten und manchmal sogar die Seite wechseln. Diese Asymmetrie hilft Ärzten bei der Diagnose und Abgrenzung zu anderen Kopfschmerzarten.

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Stechende Kopfschmerzen am Hinterkopf

Weniger häufig, aber durchaus möglich sind stechende Kopfschmerzen am Hinterkopf. Diese können durch Verspannungen im Nackenbereich oder Probleme mit der Halswirbelsäule entstehen. Dabei spielen oft muskuläre Auslöser eine wichtige Rolle. Nackenschmerzen mit Kopfschmerzen werden medizinisch als oberes Zervikalsyndrom bezeichnet. Es betrifft vor allem Menschen, die viel Zeit am Computer verbringen. Umgekehrt können Nackenschmerzen als Folge von Kopfschmerzen auftreten.

Mögliche Ursachen für stechende Kopfschmerzen

Die Ursachen für stechende Kopfschmerzen sind vielfältig und reichen von harmlosen Auslösern bis hin zu ernsthaften Erkrankungen.

Stress und Verspannungen

Anhaltender Stress kann zu Muskelverspannungen führen, die stechende Schmerzen auslösen. Besonders Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich können sich bis in den Kopf ausbreiten. Die moderne Lebensweise mit viel Bildschirmarbeit verstärkt diese Problematik zusätzlich.

Nervenschmerzen (Neuralgien)

Gereizte Nerven im Gesicht oder Kopf können stechende Schmerzen verursachen. Die Trigeminusneuralgie ist ein bekanntes Beispiel dafür. Diese Nervenschmerzen sind zwar intensiv, aber meist gut behandelbar, wenn die richtige Diagnose gestellt wird. Der Begriff Neuralgie bezeichnet Schmerzen im Versorgungsgebiet eines Nervs. Dabei wird der Schmerz vom Nerven selbst oder vom Gehirn verursacht, ohne dass eine äußere Schädigung vorliegt. Neuralgien können prinzipiell an jedem Nerv entstehen.

Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie ist gekennzeichnet durch den akuten, triggerbaren, messerstichartigen Attackenschmerz. Liegt ein chronischer Schmerz, kontinuierlich anhaltend über Tage, Wochen oder Monate vor, liegt keine Trigeminusneuralgie vor. Hier handelt es sich um einen sogenannten „atypischen Gesichtsschmerz”, der wiederum andere Ursachen und Behandlungsoptionen hat.

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Hier sind die Symptome der Trigeminusneuralgie zusammegefasst:

  • in einer Gesichtshälfte autretende, äußerst starke, plötzliche Schmerzintervalle von Sekundenbruchteilen bis hin zu wenigen Minuten, die von schmerzfreien Intervallen unterbrochen werden
  • Betroffene beschreiben die Schmerzen häufig als Blitz oder Stromstoß
  • oft ist nur einer der drei Bereiche/Trigeminus-Äste betroffen, die Beschwerden können sich jedoch auf alle Bereich ausweiten
  • externe Reize (Trigger) können die Neuralgie auslösen (Kälte, Wind, Berührung, Kauen, Schlucken)
  • aus Schmerzvermeidung wird z.T. Ursache

Man unterscheidet die idiopathische Trigeminusneuralgie (oder klassische) von der symptomatischen Trigeminusneuralgie. Bei der idiopathischen Form findet sich keine eindeutige Ursache; sie tritt spontan auf. Bei der symptomatischen Form lässt sich eine Ursache lokalisieren, z.B. kann eine Entzündung (häufig Multiple Sklerose - MS), eine Gefäßmissbildung oder selten auch ein Tumor vorliegen.

Die Ursache einer Neuralgie liegt in der Schädigung des Nervs oder seines Kerngebietes durch:

  • Kompression („Quetschung”) durch Gefäße, Tumoren oder anderes Gewebe
  • Entzündungen zum Beispiel hervorgerufen durch Herpes zoster (Gürtelrose) oder Multiple Sklerose
  • Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus
  • Strahlung
  • Verätzungen, z.B. durch giftige Gasen
  • nach Verletzungen / Traumata
  • idiopathisch (das heißt, man findet keine fassbare Ursache)

In ähnlicher Weise können auch andere Nerven, besonders des Kopfbereiches, also die sog. Hirn-Nerven betroffen sein (Glossopharyngeus-Neuralgie, Akzessorius-Neuralgie etc.).

Occipitalis-Neuralgie

Bei der Occipitalis-Neuralgie sind die beiden Hinterhauptnerven beteiligt. Bei der Occipitalis-Neuralgie kommt es durch Irritationen oder Reizung eines der beiden Hinterhauptnerven (Occipitalnerven, Nervus occipitalis major und Nervus occiptalis minor) zu scharfen, einschießenden und stechenden Schmerzen im Bereich von Hinterhaupt (Os occipitale) und Nacken. Manchmal strahlt der Schmerz auch in Richtung Auge aus. Die Ursachen einer Occipitalis-Neuralgie sind vielfältig. So können die Nervenwurzeln, aus denen die Hinterhauptnerven hervorgehen, durch arthrotische Veränderungen an der Halswirbelsäule (Spondylarthrose) eingeengt werden. Weitere Ursachen sind Verletzungen der Nerven, Tumoren im Bereich des Nervens oder Infektionen. Manchmal wird der Nerv in seinem Verlauf auch durch benachbarte Arterien komprimiert und geschädigt.

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Wetterveränderungen

Barometrische Druckveränderungen können bei empfindlichen Menschen stechende Kopfschmerzen auslösen. Besonders Wetterwechsel oder der Aufenthalt in großen Höhen kann solche Beschwerden hervorrufen.

Eispickelkopfschmerz

Der sogenannte Eispickelkopfschmerz ist die harmloseste Form stechender Kopfschmerzen. Diese spontanen, sehr kurzen Schmerzattacken treten ohne erkennbaren Auslöser auf und benötigen keine spezielle Behandlung. Der medizinische Begriff lautet „primärer stechender Kopfschmerz”.

Zervikogener Kopfschmerz

Zervikogene Kopfschmerzen werden durch eine Störung im Bereich der oberen Halswirbelsäule hervorgerufen. Der Schmerz zieht vom Hinterkopf nach vorn.

Der Schmerz entsteht durch die Reizung einer sensiblen Nervenwurzel eines oberen Halswirbels, die den Hinterkopf und Nacken versorgt. Über Nervenverbindungen strahlt der Schmerz weiter nach vorn aus.

Die Reizung kann hervorgerufen werden durch:

  • Entwicklungsstörungen am Übergang zwischen Wirbelsäule und Schädel
  • Tumoren im Bereich des Übergangs zwischen Wirbelsäule und Schädel oder der oberen Halswirbelsäule
  • Morbus Paget des Schädels - eine Knochenerkrankung, die zu Verformungen führt und sich auf die Halswirbel auswirken kann.
  • rheumatoide Arthritis der oberen Halswirbelsäule
  • Morbus Bechterew - eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule
  • Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule (zervikale Spondylose)
  • Knochenbruch der oberen Halswirbelsäule
  • Schleudertrauma
  • eine bakterielle Infektion der oberen Wirbelkörper (Osteomyelitis)
  • Verletzungen oder degenerative Veränderungen (Verschleißerscheinungen) der Gelenke der oberen Halswirbeleine Sehnenentzündung im Halsbereich (retropharyngeale Tendinitis)
  • eine Störung der Muskelspannung im Halsbereich (Dystonie)

Kopfschmerzen durch banale „Nackenschmerzen“ werden nicht als zervikogener Kopfschmerz bezeichet.

Was hilft bei stechenden Kopfschmerzen?

Verschiedene Maßnahmen können Linderung verschaffen - sowohl akute Maßnahmen als auch vorbeugende Ansätze.

Erste Hilfe im Akutfall

Bei einer akuten Attacke können die folgenden, einfachen Maßnahmen helfen:

  • Ruhe und Entspannung in einem dunklen Raum
  • Kühlung der schmerzenden Stelle mit einem kalten Tuch
  • sanfte Massage der Schläfen oder des Nackens
  • tiefe Atemübungen zur Entspannung

Vorbeugung ist der beste Schutz

So beugen Sie stechenden Kopfschmerzen vor:

  • Regelmäßiger Schlafrhythmus: Ausreichend Schlaf und feste Zeiten stabilisieren das Nervensystem.
  • Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation reduzieren Verspannungen.
  • Ausreichend Flüssigkeit: Mindestens zwei Liter Wasser täglich beugen Dehydratation vor.
  • Kopfschmerztagebuch: Eine Dokumentation hilft dabei, persönliche Auslöser zu identifizieren.
  • Trigger vermeiden: Achten Sie darauf, wann und unter welchen Umständen die Kopfschmerzen auftreten. Dokumentieren Sie auch, welche Lebensmittel Sie zu sich nehmen. Sind die Trigger identifiziert, können sie leicht gemieden werden.

Medikamentöse Behandlung

Je nach Ursache und Schweregrad können verschiedene Medikamente helfen. Eine ärztliche Absprache ist dabei unverzichtbar, da die Wahl des Wirkstoffs von der genauen Diagnose abhängt. Selbstmedikation kann bei häufigen Kopfschmerzen sogar kontraproduktiv sein.

Therapie Neuralgie / Therapie Trigeminusneuralgie

Bei Neuralgien ergeben sich je nach Ort und Ursache der Nervenschädigung unterschiedliche Therapiemöglichkeiten. In der Regel wird man erst eine medikamentöse Behandlung mit speziellen Medikamenten versuchen (Antiepileptika, Antidepressiva).

Die klassische Trigeminusneuralgie (idiopathisch) wird medikamentös behandelt. Vorab sind diagnostisch die symptomatischen Formen auszuschließen, was meist durch ein spezielles neuroradiologisches MRT erfolgen kann. Die eingesetzten Medikamente kommen aus der Epileptologie, das heißt, sie werden ursprünglich zur Behandlung von Krampfanfällen verwendet. Dabei verringern sie die elektrische Reizbarkeit des Gehirns. Da die Neuralgie auch auf einer elektrischen Übererregbarkeit der Nerven beruht, lag es nahe, diese Medikamente auch hier - erfolgreich - einzusetzen. Beispiel-Substanzen sind Carbamazepin, Gabapentin und Prigabalin. Alternativ kann man einen Versuch mit Akupunktur oder TCM (traditioneller Chinesischer Medizin) machen.

In sehr schweren oder medikamentös resistenten Fällen bzw. im Falle eines mechanisch komprimierten (gequetschten) Nervs gibt es die Möglichkeit einer operativen Behandlung. Die früheren Methoden der Verödung der Ganglien (Nervenknoten) an der Schädelbasis werden nicht mehr angewandt, da es eine hervorragende mikroneurochirurgische Technik mit sehr hoher Erfolgsquote gibt, die sogenannte „Janetta Operation“.

Bei der Trigeminus-Neuralgie wird eine solche mikrochirurgische Dekompression in der hinteren Schädelgrube vorgenommen.

Zervikogener Kopfschmerz

Für den zervikogenen Kopfschmerz selbst gibt es bislang keine wirksame Therapie - nach Möglichkeit wird die zugrunde liegende Ursache behandelt.

Zur Schmerzlinderung können je nach Ursache Physiotherapie, manuelle Therapie, Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Bewegung und körperliche Aktivität eingesetzt werden.

Arzneimittel, die ohne eine Zulassung für zervikogenen Kopfschmerz verwendet werden (Off-Label-Therapie), sind:

  • Schmerzmittel wie Ibuprofen
  • Medikamente, die die Muskeln entspannen und dadurch Schmerzen lindern sollen (Muskelrelaxanzien).
  • bestimmte Antidepressiva
  • Krampflösende Wirkstoffe (Antikonvulsiva), die eigentlich zur Behandlung von Epilepsie dienen.

Schlägt eine probeweise Behandlung nicht an, so soll sie bald wieder abgesetzt werden, da ein Übergebrauch von Schmerzmitteln Kopfschmerzen verursachen kann.

Erwiesenermaßen unwirksam sind Botulinumtoxin und Opiate.

Eine Blockade der Signalübertragung eines gereizten Nervs, wie sie zur Diagnostik durchgeführt wird, kann Beschwerden lindern.

Wann sollten Betroffene zum Arzt?

Obwohl die meisten stechenden Kopfschmerzen harmlos sind, gibt es bestimmte Situationen, in denen eine ärztliche Untersuchung notwendig ist.

Zeitnahe Untersuchung empfohlen

In folgenden Situationen sollten Betroffene zeitnah einen Arzt aufsuchen:

  • häufiger werdende Attacken
  • zunehmende Schmerzintensität
  • starke Schmerzen, die den Alltag beeinträchtigen
  • anhaltenden Beschwerden über mehrere Wochen

Sofortige ärztliche Hilfe erforderlich

Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn die Schmerzen von Fieber, Sehstörungen, Sprachproblemen oder starker Übelkeit begleitet werden. Auch wenn die Kopfschmerzen nach einem Unfall auftreten oder völlig anders sind als gewöhnlich, ist eine Untersuchung wichtig.

Diese Warnsignale erfordern eine sofortige ärztliche Untersuchung:

  • erstmaliges Auftreten sehr intensiver oder häufiger stechender Kopfschmerzen nach dem 50. Lebensjahr
  • zusätzliche Symptome wie Fieber, Übelkeit, Sehstörungen oder Nackensteifigkeit
  • Kopfschmerzen nach einem Sturz oder Unfall
  • plötzliche, sehr starke Schmerzen („wie ein Donnerschlag”)
  • Bewusstseinsstörungen oder neurologische Ausfälle

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