Die unterschiedlichen Funktionen der beiden Gehirnhälften und ihre Rolle bei der Farbwahrnehmung

Einführung

Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, das in zwei Hälften unterteilt ist, die nicht exakt spiegelbildlich sind. Diese beiden Hemisphären sind auf unterschiedliche Funktionen spezialisiert, wobei jede Hälfte bestimmte Aufgaben effektiver ausführt als die andere. Die linke Gehirnhälfte wird oft mit logischem Denken, Sprache und analytischen Fähigkeiten in Verbindung gebracht, während die rechte Gehirnhälfte eher für bildhaftes, gefühlsbetontes und schöpferisches Denken zuständig ist. In diesem Artikel werden wir die unterschiedlichen Funktionen der beiden Gehirnhälften untersuchen und insbesondere auf ihre Rolle bei der Farbwahrnehmung eingehen.

Spezialisierung der Gehirnhälften

Obwohl unser Gehirn symmetrisch aufgebaut ist, sind die Aufgaben so auf beide Gehirnhälften verteilt, dass sie sich ergänzen. Die linke und rechte Hemisphäre sind auf unterschiedliche Funktionen spezialisiert:

Die rechte Hemisphäre ist spezialisiert auf:

  • Gefühlsmäßiges Denken
  • Konkretes Denken
  • Anfassen und Begreifen
  • Ganzheitliches Arbeiten
  • Integrieren
  • Musik, Geräusche
  • Farben, Gerüche
  • Formen, Bilder, Gestalten
  • Räumliches Nebeneinander
  • Sehen, Fühlen, Deuten und Verstehen
  • Intuition, Kreativität

Die linke Hemisphäre ist spezialisiert auf:

  • Logisches Denken
  • Abstraktes Denken
  • Bildung von Begriffen
  • Analytisches Arbeiten
  • Analysieren
  • Buchstaben, Zahlen
  • Schriftbilder
  • Einzelheiten, Fakten
  • Zeitliches Nacheinander
  • Hören, Sprechen, Schreiben und Lesen
  • Befolgung von Regeln und Anweisungen

Es ist wichtig zu betonen, dass es nicht den "linken" oder "rechten" Gehirntyp in Reinkultur gibt. Das Zusammenspiel von rechter und linker Gehirnhälfte ist für uns von großer Bedeutung. Das rechte Zentrum lässt uns erst die volle Bedeutung von Sätzen, nicht nur das Gesagte, sondern das Gemeinte verstehen.

Die Rolle der Gehirnhälften bei der Farbwahrnehmung

Die Farbwahrnehmung ist ein komplexer Prozess, an dem beide Gehirnhälften beteiligt sind. Studien haben gezeigt, dass die linke Gehirnhälfte eine entscheidende Rolle bei der kategorialen Farbwahrnehmung spielt, also der Fähigkeit, Farben in Kategorien wie "blau", "grün" oder "rot" einzuteilen. Diese Kategorisierung scheint eng mit dem Spracherwerb verbunden zu sein.

Der Einfluss der Sprache auf die Farbwahrnehmung

Forscher um den Linguisten Paul Kay von der Universität von Kalifornien in Berkeley glauben, dass der Umgang mit dem gesprochenen Wort auch die Farbwahrnehmung beeinflusst. Wenn Kinder die verschiedenen Ausdrücke für Farben lernen, führt in der linken Hemisphäre ab sofort der Wortschatz das Szepter. Die Fähigkeit dieser Hirnhälfte, Farben zu unterscheiden, wird regelrecht umgekrempelt und auf Begriffe wie "blau", "grün" oder "violett" kalibriert.

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Eine Studie mit Kleinkindern im Alter von vier bis sechs Monaten, die noch nicht sprechen können, zeigte, dass bei ihnen ein ähnlicher Effekt aufweisbar war, allerdings beschränkte er sich auf die ohnehin sprachlose rechte Hemisphäre. Auf der linken Seite war von einem Farbnamen-Effekt keine Spur. Die Ergebnisse bestätigten demnach Kays Vermutung: Der Spracherwerb überprägt nicht eine bereits angeborene linkshemisphärische Kategorisierung, sondern strukturiert stattdessen die linke Hälfte des Denkapparats komplett neu.

Einheitliche Verarbeitungsmuster beim Farbensehen

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik und der Universität Tübingen haben mithilfe bildgebender Verfahren bei Versuchspersonen gezeigt, dass ihre Gehirnaktivität beim Farbensehen ähnlich ist. Die Forscher nutzten die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT), um die Gehirnaktivität der Teilnehmenden sichtbar zu machen. Dabei zeigten die Hirnscans charakteristische Muster, die immer dann auftraten, wenn die Personen verschiedene Farben betrachteten.

Diese Aktivitätsmuster ähnelten sich bei allen Testpersonen deutlich, was darauf hinweist, dass das menschliche Gehirn Farben auf vergleichbare Weise verarbeitet. Die Forscher stellten fest, dass im visuellen Kortex für jede Farbe eine eigene räumliche Karte des Sehfelds besteht. Diese Karten unterscheiden sich zwar von Hirnareal zu Hirnareal, zeigen aber bei allen Menschen das gleiche Grundmuster. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass diese Ordnung nicht zufällig ist, sondern während der Evolution entstanden ist und bewahrt wurde.

Farbverzerrungen und individuelle Unterschiede

Die Studie zeigte auch, dass Farbverzerrungen, also Abweichungen in der Farbcodierung, bei allen Menschen ähnlich sind. Lichtintensität und Farbwert sind nämlich nicht in allen Bereichen unseres Sehens gleich. Die Forscher deuten diesen Hinweis auf grundlegend vergleichbare Organisationsprinzipien im Sehsystem des Menschen. Ob das subjektive Erleben einer Farbe wirklich identisch ist, können sie jedoch nicht sagen.

Asymmetrie des Gehirns und Vererbung

Die beiden Hirnhälften sind nicht vollständig symmetrisch. Einige Funktionen werden eher auf der linken Seite verarbeitet, andere eher auf der rechten. Ein internationales Forscherteam hat nun herausgefunden, dass die Asymmetrie des Gehirns von Mensch zu Mensch verschieden und vererbbar ist - und was uns von Affen unterscheidet.

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Funktionsaufteilung von Mensch zu Mensch verschieden

Die Lateralisation, also die Tendenz, dass Hirnregionen Funktionen eher in der linken oder rechten Hirnhälfte verarbeiten, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt. Selbst bei denjenigen, bei denen die Funktionen im Gehirn prinzipiell klassisch angeordnet sind, ist die Asymmetrie unterschiedlich stark ausgeprägt. Frühere Studien hatten gezeigt, dass sich das wiederum auf die Fähigkeiten selbst auswirken kann.

Vererbbarkeit der Hirnasymmetrie

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften und des Forschungszentrums Jülich haben gemeinsam mit einem internationalen Team von Neurowissenschaftlern untersucht, wie sich Asymmetrien entlang von so genannten funktionellen Gradienten entwickeln. Das Ergebnis: Es gibt tatsächlich feine Unterschiede darin, wie Hirnregionen unterschiedliche Funktionen auf der linken und rechten Seite des Gehirns aufreihen. Zudem zeigte sich: Die individuellen Unterschiede in dieser Anordnung sind vererbbar. Sie sind damit zum Teil genetisch bedingt.

Menschliches Gehirn asymmetrischer als das von Affen

Der Vergleich mit Makaken brachte schließlich zutage: Das Gehirn des Menschen ist asymmetrischer als das von Affen. „Vermutlich ergibt sich die Asymmetrie unseres Gehirns aus genetischen Faktoren und solchen, die sich aus persönlichen Erfahrungen ergeben“, erklärt Bin Wan, Doktorand am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und Hauptautor der Studie.

Training der Gehirnhälften

Da beide Gehirnhälften miteinander vernetzt arbeiten, ist es nicht sinnvoll, nur die linke Gehirnhälfte einzeln zu trainieren. Ein ganzheitliches Training sollte daher immer das Ziel sein. Am effektivsten dabei ist, ein wissenschaftlich belegtes Gehirntraining zu absolvieren, als zu versuchen, speziell die linke Hemisphäre zu verbessern.

Um die Fähigkeiten der linken Gehirnhälfte zu trainieren, bieten sich vor allem Übungen der Kategorie schlussfolgerndes Denken an, diese werden in der linken Hemisphäre verarbeitet. Unsere Übungen trainieren die Logik, sowie Deduktion und Induktion. Damit trainieren Sie die Hauptfähigkeit der linken Gehirnhälfte.

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Da die linke Gehirnhälfte die rechte Hand kontrolliert, können gerade Linkshänder davon profitieren, einfache Aufgaben wie das Zähneputzen mit der rechten Hand zu erledigen.

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