Charles Bronson, der nach seinem Erfolg mit „Ein Mann sieht rot“ (Death Wish) freie Wahl bei seinen Filmprojekten hatte, entschied sich 1975 für „Breakout“. In Deutschland sollte der Film natürlich auch den Titel „Ein Mann sieht rot“ tragen. Doch letztendlich wurde er als „Der Mann ohne Nerven“ veröffentlicht. Der Film ist eine entspannte Nummer, die ganz auf das Charisma ihres knurrigen Helden zugeschnitten ist.
Handlung
Jay Wagner, gespielt von Robert Duvall, wird durch eine Intrige seines eigenen Großvaters Harris Wagner (John Huston) der Mord an einem Mexikaner angehängt. Harris, ein korrupter Geschäftsmann, will seinen Enkel loswerden, da dieser Wind von seinen unlauteren Geschäften bekommen hat. Aufgrund von fingierten Beweisen wird Jay zu 28 Jahren Haft in einem mexikanischen Gefängnis verurteilt.
Seine Frau Ann Wagner (Jill Ireland) kann die Ungerechtigkeit nicht akzeptieren und schmiedet einen Plan, um Jay zu befreien. Nachdem erste Versuche scheitern, sucht sie professionelle Hilfe. Sie findet diese in dem Flugzeugtechniker Nick Colton (Charles Bronson), der zunächst wenig Interesse zeigt. Doch Ann überzeugt ihn mit genügend Dollars.
Auch Coltons erste Befreiungsversuche scheitern. Irgendwann beschließt Nick, loszulegen, und die Aktionen erfolgen mal mehr, mal weniger erfolgreich. Die Planung des Ausbruchs spielt dabei keine große Rolle. Sonderliche Komplexität sollte man von dem Film nicht erwarten. Möglichkeiten für komplexere Story-Entwicklungen, etwa die massive Torpedierung von Jays Schicksal durch ein Familienmitglied, ignoriert das Drehbuch geflissentlich.
Charaktere und Besetzung
- Nick Colton: Charles Bronson überzeugt als cooler und wortkarger Flugzeugtechniker, der sich von Ann Wagner für die Befreiung Jays anheuern lässt. Bronson hat sichtlich Spaß an seiner Rolle und gibt sich im Vergleich zu anderen Filmen richtiggehend gesprächig.
- Ann Wagner: Jill Ireland, Bronsons Ehefrau, spielt die verzweifelte Ehefrau, die alles tut, um ihren Mann aus dem Gefängnis zu befreien. Obwohl sie sehr hübsch anzusehen ist, wirkt ihre Darstellung etwas steif. Bronson war zeit seiner Karriere bemüht, sie in seinen Filmen unterzubringen.
- Jay Wagner: Robert Duvall spielt den unschuldig verurteilten Jay Wagner. Gegen die Bronson-Show kann er jedoch zu keiner Sekunde anstinken, auch weil das Drehbuch ihm keine Gelegenheit dazu gibt.
- Harris Wagner: John Huston verkörpert den skrupellosen Großvater, der die Intrige gegen seinen Enkel spinnt.
Inszenierung und Optik
Die Optik des Films wird von Mexiko und dem amerikanischen Grenzland in Richtung Mexiko geprägt. Sepiafarben, Staubwolken und -stürme sowie sonnengegerbte Landschaften und Menschen beherrschen die Szenerie. Gegen Ende des Films gibt es viele saubere Luftaufnahmen. Action im eigentlichen Sinne hat der Film nicht zu bieten.
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Kritik
„Der Mann ohne Nerven“ ist vollkommen auf seinen coolen Hauptdarsteller zugeschnitten. Und der hat spürbar Bock auf den Streifen und zieht den Zuschauer in die im relaxten Erzähltempo gereichte Story hinein. Diese hätte mehr Story und mehr Drive gut vertragen können, auch ein paar komplexere Story-Entwicklungen wären nicht verkehrt gewesen.
Einige Kritiker bemängeln, dass der Film die Möglichkeiten für tiefere Einblicke in die Charaktere und die Hintergründe der Intrige ungenutzt lässt. So wird beispielsweise die Rolle des Großvaters Harris Wagner nicht ausreichend beleuchtet. Auch die Beziehung zwischen Jay und Ann Wagner wird nur oberflächlich behandelt.
Der Showdown besteht fast ausschließlich aus Flugaufnahmen, bei denen Charles Bronson einen Helikopter zum Abholpunkt fliegt, dort ein paar kleine Schwierigkeiten bekommt und danach relaxt davon schwebt. Da hatte man sich von Raubein Bronson sicherlich Handfesteres erhofft.
Hintergrundinformationen
Die Story setzt im Übrigen auf einem wahren Ereignis auf.
Die deutsche Blu-ray zum Film erschien von dem Label Explosive Media / Koch Media und ist mit einer FSK 16 ungeschnitten.
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Fazit
„Der Mann ohne Nerven“ ist ein typischer Charles Bronson-Film, der vor allem durch seinen charismatischen Hauptdarsteller und die entspannte Erzählweise überzeugt. Wer einen actionreichen Thriller erwartet, wird enttäuscht sein. Wer sich aber auf einen coolen Bronson-Klassiker mit einer einfachen, aber unterhaltsamen Geschichte einlassen kann, wird gut unterhalten. Der Film ist ein Muss für alle Fans von Charles Bronson und des Genres.
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