Beifußallergie: Zusammenhang mit Kreuzallergien, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten

Beifuß (Artemisia vulgaris) ist ein weit verbreitetes Kraut, das zur Familie der Korbblütler gehört und für seine stark allergenen Eigenschaften bekannt ist. Viele Menschen sind von einer Beifußallergie betroffen, die sich durch verschiedene Symptome äußern kann. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Beifußallergie und Kreuzallergien, die typischen Symptome, Diagnoseverfahren und verfügbare Therapieoptionen.

Einführung in die Beifußallergie

Beifuß gehört zu den stärksten allergenen Kräutern, was bedeutet, dass selbst geringe Mengen an Pollen bei sensibilisierten Personen allergische Reaktionen auslösen können. Etwa neun Prozent der Deutschen leiden an einer Beifußallergie [1]. Die Pollen des Beifußes werden durch den Wind verbreitet, was die Exposition gegenüber diesem Allergen erschwert. Die Blütezeit des Beifußes erstreckt sich von Juli bis September, kann aber bei günstigen Bedingungen bis in den November andauern.

Verbreitung und Lebensraum des Beifußes

Der Gemeine Beifuß (Artemisia vulgaris) ist in feuchten und nährstoffreichen Böden weit verbreitet. Er wächst häufig auf Äckern, in Gärten, an Wegrändern, auf Schuttplätzen, in Unkrautfluren, an Auengebüschen und an Gewässern [6]. Neben dem Gemeinen Beifuß gibt es auch den Einjährigen Beifuß (Artemisia annua) und den Strand-Beifuß (Artemisia maritima), wobei letzterer vor allem auf Salzwiesen an Europas Küsten vorkommt.

Symptome einer Beifußallergie

Die Symptome einer Beifußallergie ähneln typischen Heuschnupfenbeschwerden. Dazu gehören:

  • Husten
  • Niesen
  • Schnupfen
  • Juckende Augen
  • Gereizte Augen, die brennen und tränen können
  • Anschwellen der Bindehaut
  • Beeinträchtigung der oberen Atemwege
  • Kribbeln oder Brennen im Mundraum
  • Schwellung von Lippen, Zunge, Mundschleimhaut, Rachen oder Luftröhre (orales Allergie-Syndrom)

In seltenen Fällen können auch Atembeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden oder Herz-Kreislauf-Symptome auftreten.

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Kreuzallergien im Zusammenhang mit Beifuß

Ein wichtiger Aspekt der Beifußallergie sind die häufig auftretenden Kreuzallergien. Diese entstehen, wenn das Immunsystem auf Allergene reagiert, die ähnliche Strukturen aufweisen wie die Beifußpollen.

Kreuzallergie mit anderen Korbblütlern

Beifuß-Allergiker reagieren oft auch auf andere Korbblütler wie Ambrosia, Kamille oder Löwenzahn. Besonders häufig ist die Kreuzreaktion mit der Beifuß-Ambrosie (Traubenkraut), weshalb oft von einem Beifuß-Ambrosia-Komplex gesprochen wird.

Sellerie-Karotten-Beifuß-Gewürz-Syndrom

Eine besondere Form der Kreuzallergie ist das Sellerie-Karotten-Beifuß-Gewürz-Syndrom. Hierbei reagieren Betroffene nicht nur auf Beifußpollen, sondern auch auf bestimmte Gemüse- und Gewürzsorten wie Sellerie, Karotten, Anis, Fenchel, Koriander und Kümmel [18]. Diese Reaktionen treten auf, weil das Immunsystem die ähnlichen Strukturen in den verschiedenen Allergenen verwechselt.

Weitere Kreuzreaktionen

Menschen mit Beifußallergie können auch auf Basilikum, Oregano, Zitronenmelisse, Minze, Salbei, Rosmarin, Thymian, Anis, Kümmel und Senf allergisch reagieren [18]. Auch bestimmte Obstsorten wie Äpfel, Mangos und Kiwis können Kreuzreaktionen auslösen.

Diagnose einer Beifußallergie

Die Diagnose einer Beifußallergie umfasst in der Regel mehrere Schritte:

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  1. Anamnese: Der Arzt erfragt die genauen Beschwerden, den Zeitpunkt des Auftretens und mögliche Auslöser.
  2. Hauttest (Pricktest): Eine geringe Menge des Allergens wird mit einer feinen Nadel unter die Haut gepikst. Bei einer Allergie kommt es zu einer Rötung und Quaddelbildung an der Einstichstelle.
  3. Bluttest: Ein Bluttest kann sogenannte IgE-Antikörper bestimmen, die der Körper gegen Allergene bildet. Eine hohe Konzentration dieser Antikörper im Blut deutet auf eine Allergie hin.
  4. Komponentenbasierte Diagnostik: Hierbei wird nach IgE-Antikörpern gegen einzelne Allergene, wie Art v 1 des Beifußes, gesucht.
  5. Provokationstest: Unter ärztlicher Aufsicht wird das Allergen in steigender Dosis verabreicht, um die Reaktion des Körpers zu beobachten.

Therapie der Beifußallergie

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Beifußallergie zu behandeln und die Symptome zu lindern:

  1. Allgemeine Maßnahmen:
    • Pollenflugvorhersagen beachten und Aufenthalte im Freien während der Blütezeit des Beifußes reduzieren.
    • Fenster und Türen während der Pollenflugzeit geschlossen halten.
    • Pollenfilter in Autos und Staubsaugern verwenden.
    • Nach dem Aufenthalt im Freien duschen und die Haare waschen, um Pollen zu entfernen.
    • Kleidung regelmäßig waschen und nicht im Freien trocknen.
  2. Medikamentöse Behandlung:
    • Antihistaminika: Diese Medikamente blockieren die Wirkung von Histamin, einem Botenstoff, der bei allergischen Reaktionen freigesetzt wird. Sie sind als Tabletten, Nasensprays oder Augentropfen erhältlich.
    • Kortisonpräparate: Entzündungshemmende Kortisonpräparate können bei stärkeren Beschwerden eingesetzt werden. Sie sind ebenfalls als Tabletten, Nasensprays oder Cremes verfügbar.
    • Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten: Diese Medikamente können ebenfalls entzündungshemmend wirken und die Symptome lindern.
    • Nasenspülungen mit isotoner Salzlösung: Diese Spülungen können helfen, die Nase von Pollen und anderen Reizstoffen zu befreien.
  3. Spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung):
    • Bei der Hyposensibilisierung wird dem Patienten über einen Zeitraum von etwa drei Jahren in regelmäßigen Abständen eine geringe Dosis des Allergens verabreicht. Ziel ist es, das Immunsystem an das Allergen zu gewöhnen und die allergische Reaktion zu reduzieren oder ganz zu verhindern.
    • Die Hyposensibilisierung kann entweder durch Spritzen beim Arzt oder durch die Einnahme von Tabletten oder Tropfen zu Hause erfolgen.
  4. Ernährungsumstellung:
    • Bei Kreuzallergien kann es hilfreich sein, bestimmte Nahrungsmittel zu meiden, die ähnliche Allergene enthalten wie Beifußpollen.
    • Das Schälen von Obst und Gemüse kann ebenfalls helfen, die Allergenbelastung zu reduzieren.
    • Gekochte oder gebackene Lebensmittel werden oft besser vertragen als rohe.
  5. Alternative Therapien:
    • Studien haben gezeigt, dass Probiotika allergische Reaktionen mindern können, wenn sie vor Beginn und während der Allergiezeit eingenommen werden [13].
    • Ein Ungleichgewicht der Darmbakterien (Dysbiose) kann Lebensmittelallergien begünstigen. Die Behebung der Dysbiose kann allergische Beschwerden reduzieren [14], [16].

Vorbeugung von Allergien

Obwohl Allergien häufig vererbt werden, gibt es einige Maßnahmen, die zur Vorbeugung ergriffen werden können, insbesondere in der frühen Kindheit:

  • Eine abwechslungsreiche Ernährung während der Schwangerschaft und Stillzeit kann das Allergierisiko des Kindes verringern.
  • Regelmäßiges Lüften mit weit geöffneten Fenstern kann die Luftqualität verbessern und die Bildung von Schimmel und Hausstaubmilben reduzieren.
  • In Pflegeprodukten für Kinder sollten Duft- und Farbstoffe vermieden werden.
  • Die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Schutzimpfungen lösen keine Allergien aus.

Beifuß und Nervenschmerzen

Es gibt keine direkten wissenschaftlichen Beweise für einen direkten Zusammenhang zwischen Beifußallergie und Nervenschmerzen. Nervenschmerzen, auch Neuralgien genannt, können verschiedene Ursachen haben, wie beispielsweise Verletzungen, Infektionen oder neurologische Erkrankungen. Es ist jedoch denkbar, dass chronische Entzündungen, die durch allergische Reaktionen verursacht werden, in einigen Fällen Nervenreizungen verstärken oder beeinflussen könnten. Dies ist jedoch ein indirekter Zusammenhang, der weiterer Forschung bedarf.

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