Belladonna, auch bekannt als Tollkirsche, ist eine Pflanze, die in der Homöopathie eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Migräne spielt. Die Anwendung von Belladonna bei Migräne basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie, wonach eine Substanz, die bei gesunden Menschen bestimmte Symptome hervorruft, in verdünnter Form zur Behandlung ähnlicher Symptome bei Kranken eingesetzt werden kann.
Die Tollkirsche: Eine Pflanze mit Geschichte
Die Tollkirsche (Atropa belladonna) ist eine ausdauernde Pflanze, die zwischen 50 und 150 cm hoch wird. Sie besitzt einen walzenförmigen Wurzelstock und eiförmig zugespitzte, ganzrandige Blätter, die bis zu 15 cm lang werden können. Die glockig bis röhrige Krone der Blüten ist aussen braunviolett und innen schmutzig gelb mit purpurnen Adern.
Verbreitung und Standort
Die Tollkirsche ist in Süd- und Mitteleuropa verbreitet, nördlich bis nach England, Norddeutschland und Polen, östlich bis nach Mittelrussland und in den Westhimalaja sowie in Nordafrika. In der Schweiz ist sie in tieferen Lagen weit verbreitet. Sie wächst bevorzugt an lichten, halbschattigen Standorten in Laubwäldern, wie Waldschlägen, Waldlichtungen und Waldrändern, aber auch an Waldwegen und Forststrassen.
Historische und medizinische Bedeutung
Die Tollkirsche wird seit dem Altertum medizinisch verwendet, unter anderem als Schmerzmittel. Sie war auch als Rauschdroge für rituelle Anwendungen bekannt und Bestandteil von Hexensalben. Ärmere Leute nutzten sie als Berauschungs- und Genussmittel, während sie bei kirchlichen Tribunalen der Inquisition zur Überführung mutmasslicher Hexen verabreicht wurde. Die pupillenerweiternde Wirkung der Tollkirsche wurde von Frauen als Schönheitsmittel genutzt, was der Pflanze den Artnamen «belladonna» (schöne Frau) einbrachte.
Giftigkeit und Vergiftungserscheinungen
Die Tollkirsche ist sehr stark giftig. Die Wirkung beruht auf Alkaloiden. Bei versehentlicher Einnahme können Übelkeit und Erbrechen auftreten. Die Pupillen erweitern sich stark, was zu Lichtempfindlichkeit, Doppeltsehen und Nebligsehen bis hin zur Blindheit führen kann. Der Puls beschleunigt sich, und es treten feuerrote Flecken im Gesicht und auf dem Körper auf. Das Schlucken kann behindert sein. Auf psychischer Ebene kann es zu Unruhe, Bewegungsdrang, Zähneknirschen, Sprechen, Schreien, Lachen und Pfeifen kommen.
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Belladonna in der Homöopathie
In der Homöopathie wird Belladonna aus der schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna) gewonnen. In der homöopathischen Darreichungsform ist der Wirkstoff stark verdünnt (potenziert). Die Wirkung soll auf der Dynamisierung der wässrigen Lösung beruhen.
Anwendungsgebiete von Belladonna
Belladonna wird in der Homöopathie bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt, die den Vergiftungssymptomen der Tollkirsche ähneln. Dazu gehören:
- Entzündungen im Anfangsstadium (Schmerzen, Rötung, Schwellung, Überwärmung)
- Akute Krankheiten
- Chronische Krankheiten
- Erkältungen durch nasse Haare oder kalten Wind
- Folgen von zu viel Sonnenbestrahlung
Konkret kann Belladonna bei folgenden Krankheiten und Zuständen eingesetzt werden:
- Mandelentzündungen (Angina tonsillaris)
- Fieber
- Harnblasenentzündungen
- Brustentzündungen
- Gelenkentzündungen
- Grippale Infekte
- Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis)
- Ohrenschmerzen, Mittelohrentzündungen (Otitis media)
- Kopfschmerzen
- Krampfhafte Magen-Darm-Beschwerden
- Rückenschmerzen
- Sonnenstich
- Sonnenbrand
- Verbrennungen
- Hautinfektionen
- Zahnschmerzen
- Bluthochdruck
In einigen Fällen kann Belladonna unter ärztlicher Kontrolle zusätzlich zur schulmedizinischen Behandlung gegeben werden, z.B. bei eitriger Mandelentzündung, Blinddarmentzündung, Scharlach, Masern, Mumps, Fieberkrämpfen, Grippe, Hirnhautentzündung und Hepatitis.
Typische Symptome für die Anwendung von Belladonna
Typische Symptome und Beschwerden, die auf Belladonna als passendes homöopathisches Mittel hinweisen, sind:
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- Grosse Empfindlichkeit gegen Licht, Geräusche, Berührung, Erschütterung
- Plötzlicher und heftiger Beginn von Erkrankungen
- Schmerzen, die plötzlich kommen und gehen
- Hohes Fieber, teilweise mit Halluzinationen
- Klopfende, pulsierende Kopfschmerzen, die sich durch jede Erschütterung verschlimmern
- Heisses, rotes Gesicht
- Erweiterte Pupillen
- Trockener Mund aber kein Durst
- Sichtbar pulsierende Halsschlagader im Fieber
- Halsschmerzen besonders beim Schlucken
- Erbrechen
- Krampfartige Schmerzen
- Kalte Hände und Füsse, besonders im Fieber
- Oft auf der rechten Körperseite schlimmer
Die Beschwerden werden besser:
- Im Schatten
- In dunklen Räumen
- Beim Rückwärtsbiegen des Nackens
- Im Sitzen
Die Beschwerden werden schlimmer:
- Bei Bewegung
- Bei Sonnenhitze
- Durch Berührung und Erschütterung
- Bei Licht
- Bei Lärm
Belladonna für Babys und Kinder
Bei Kindern mit akuten Erkrankungen, bei denen Belladonna helfen soll, zeigen sich folgende Symptome:
- Stark gerötetes Gesicht
- Rote Lippen, Zahnfleisch und Zunge
- Glasige Augen und geweitete Pupillen
- Hohes Fieber
- Heisser Kopf, kalte Arme und Beine
- Trockener Mund, Zunge, Kehle und Nase
- Trotz Hitze und Trockenheit kein Durst
- Plötzlich auftretende und verschwindende Schmerzen
- Unruhe, Unkonzentriertheit und Verwirrtheit
- Halluzinationen, Albträume und Aufschreien vor Angst
Bei hohem Fieber sollte immer ein Arzt konsultiert werden.
Der Belladonna-Typ
Der Belladonna-Konstitutionstyp ist gesund, vital und robust. Im Krankheitsfall fühlt er sich bedroht, reagiert mit Fluchtverhalten und ist unruhig. Er soll Angst vor dem Tod haben und zu Wutausbrüchen neigen.
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Anwendung und Dosierung von Belladonna
Belladonna ist in den Potenzen C1 sowie D1 bis D3 verschreibungspflichtig. Es ist in Form von Globuli, Tropfen oder Tabletten erhältlich.
Für die Selbstbehandlung bei akuten Krankheiten werden meist Belladonna D6 oder D12 empfohlen, die mehrmals täglich eingenommen werden können. Bei stärkeren oder länger anhaltenden Beschwerden kann Belladonna C30 verwendet werden, jedoch weniger häufig. Höhere Potenzen wie C200 sollten nur nach Verordnung durch einen Homöopathen eingesetzt werden.
Bei der Einnahme von Belladonna kann es zu einer vorübergehenden Erstverschlimmerung der Beschwerden kommen. In diesem Fall sollte die Einnahme unterbrochen werden.
Typische Anwendungsgebiete und Dosierungsempfehlungen sind:
- Angina (ohne Eiterbildung): 3 Globuli Belladonna D6 (zweistündlich) oder D12 (maximal alle 6 Stunden)
- Bindehautentzündung (Konjunktivitis): 3 Globuli Belladonna D12 (maximal dreimal täglich) oder 5 Globuli Belladonna C30 in Wasser auflösen und die Augen damit ausspülen
- Grippaler Infekt: 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich)
- Halsschmerzen: 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich)
- Husten: 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich)
- Mittelohrentzündung (Otitis media): 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich)
- Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis): 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich)
- Fieber: 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich). Bei starken Kopfschmerzen Belladonna C30 einmalig, eventuell am nächsten Tag wiederholen
- Kopfschmerzen: Belladonna C30, maximal dreimal in 24 Stunden wiederholen
- Arthritis (Gelenkentzündung): 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich). Bei fortgeschrittenen Fällen Belladonna C30 maximal zweimal täglich
- Gicht: Belladonna C30, maximal dreimal in 24 Stunden wiederholen oder 5 Globuli Belladonna C30 in Wasser auflösen und Umschläge machen
- Sehnenscheidenentzündung: Belladonna C30, maximal drei Mal in 24 Stunden wiederholen oder 5 Globuli Belladonna C30 in Wasser auflösen und Umschläge machen
- Sonnenbrand: 5 Globuli Belladonna C30 in Wasser auflösen und Umschläge machen oder 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich)
- Sonnenstich/Hitzschlag: Belladonna C30, maximal dreimal in 24 Stunden wiederholen
- Brustentzündung (Mastitis): 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich). Bei fortgeschrittenen Fällen Belladonna C30 maximal zweimal täglich oder 5 Globuli Belladonna C30 in Wasser auflösen und Umschläge machen
- Menstruationsbeschwerden: 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich)
- Bauchkrämpfe: 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich)
- Abszess (Eitergeschwür): (nur im Frühstadium) 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich) oder 5 Globuli Belladonna C30 in Wasser auflösen und Umschläge machen
- Akne: 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich)
- Furunkel (Haarbalgentzündung): 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich) oder 5 Globuli Belladonna C30 in Wasser auflösen und Umschläge machen
- Gerstenkorn: 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich) oder 5 Globuli Belladonna C30 in Wasser auflösen und die Augen damit ausspülen
- Nagelbettentzündung: 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich) oder 5 Globuli Belladonna C30 in Wasser auflösen und ein Fingerbad machen
- Wundinfektionen: 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich) oder 5 Globuli Belladonna C30 in Wasser auflösen und Umschläge machen
- Zahnungsbeschwerden: 3 Globuli Belladonna D6 (bis zu sechsmal täglich) oder D12 (zweimal täglich). In schlimmeren Fällen Belladonna C30 einmalig
Belladonna bei Migräne
Belladonna ist ein wichtiges Heilmittel bei Migräne. Es kommt bei pochenden und bohrenden Kopfschmerzen zum Einsatz, die plötzlich auftreten und über den Augen lokalisiert sind. Alle Beschwerden treten plötzlich und periodisch auf und werden durch kalte Winde, Haare schneiden, Erschütterung, Berührung, Licht, Lärm und direkte Sonnenhitze verschlimmert.
Homöopathie bei Migräne: Weitere Aspekte
Die Homöopathie gehört zu den beliebtesten alternativen Heilverfahren. Viele Migränepatienten wünschen sich, dass die homöopathische Behandlung als Teil eines umfassenden Migräne-Therapieplans anerkannt wird. Die Heilkraft der Homöopathie - auch bei Migräne - ist jedoch nicht zweifelsfrei bewiesen. Einige Menschen erfahren Linderung ihrer Beschwerden, andere nicht.
Auswahl des richtigen Homöopathikums
Die Auswahl des richtigen Homöopathikums ist nicht einfach, da die Symptome von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind und die neurologischen Migräne-Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind. Für den Arzt oder Heilpraktiker zählt letztendlich nicht die reine «Migräne-Diagnose». Eine Therapie in Eigenregie ist nicht empfehlenswert.
Weitere homöopathische Mittel bei Migräne
Neben Belladonna gibt es noch weitere homöopathische Mittel, die bei Migräne eingesetzt werden können:
- Cimicifuga racemosa (Traubensilberkerze): Bei Migräne in den Wechseljahren, die von Schwindel und stechenden Augenschmerzen begleitet wird.
- Cyclamen europaeum (Alpenveilchen): Bei Migräneattacken mit Sehstörungen wie Doppeltsehen.
- Iris versicolor (Schwertlilie): Bei «Wochenendmigräne», wenn die Migräne während Entspannungsphasen und durch Ruhe schlimmer wird.
- Sanguinaria canadensis (kanadische Blutwurz): Bei Migräne-Schmerzen, die vor allem rechtsseitig auftreten.
- Bryonia (Zaunrübe)
- Gelsemium (wilder Jasmin)
Schüssler Salze bei Migräne
Schüssler Salze sind nach ihrem Erfinder Dr. Wilhelm Schüßler benannt. Er postulierte, dass schon geringe Mineralverluste in den Körperzellen negative Auswirkungen haben. Bei Migräne kann Schüssler Salz Nummer 7, Magnesium phosphoricum, entspannend und schmerzlindernd wirken. Zudem ist es üblich, verschiedene Schüssler Salze zu kombinieren - bei Migräne zum Beispiel die Salze Nummer 7, 8 und 11.
Schulmedizinische und alternative Ansätze bei Migräne
Migräne ist eine schwere Erkrankung, aufgrund derer viele Betroffene regelmäßig zu Schmerzmedikamenten greifen. Da dies auf Dauer aber nicht ratsam ist, suchen manche Betroffene nach Behandlungsalternativen.
Aktuelle Migränetheorien
Lange Zeit vermutete man als Ursache einer Migräne Durchblutungsstörungen des Gehirns. Jedoch weisen nicht alle Migräneformen Durchblutungsveränderungen auf. Manche Forscher vermuten, dass Nervenentzündungen die Ursache sind. Aktuelle Migränetheorien gehen von einer Übererregung der Hirnzellen aus, die dann in eine zu geringe Aktivität verfallen. Seit einigen Jahren wird die Rolle des Botenstoffs Calcitonin Gene-Related Peptid (CGPR) erforscht, der Migräne auslösen könnte.
Naturheilverfahren bei Migräne
Bestimmte Naturheilverfahren können Häufigkeit und Verlauf von Migräneattacken beeinflussen:
- Bewegungstherapie: Ausdauersport, Spaziergänge und schweißtreibende Aktivitäten können die Intensität und Häufigkeit von Migräne verringern.
- Ordnungstherapie: Mithilfe eines Kopfschmerztagebuches lassen sich auslösende Faktoren ausfindig machen.
- Osteopathie und Chirotherapie: Migräne geht nicht selten mit Blockaden der Halswirbelsäule einher.
- Akupunktur: Die Akupunktur gilt als effektives Verfahren in der Migränetherapie.
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