Beruhigende Farben in der Demenzforschung: Die Bedeutung von Farbe und Licht für das Wohlbefinden

Die Gestaltung von Umgebungen für Menschen mit Demenz erfordert ein tiefes Verständnis ihrer besonderen Bedürfnisse. Farben und Licht spielen dabei eine entscheidende Rolle, da sie die Wahrnehmung, das Verhalten und das Wohlbefinden der Betroffenen maßgeblich beeinflussen können. Dieser Artikel beleuchtet die Forschungsergebnisse und gibt praktische Hinweise zur Gestaltung von Räumen, die den besonderen physiologischen und psychologischen Bedürfnissen von Menschen mit Demenz entgegenkommen.

Milieutherapie: Ein ganzheitlicher Ansatz

Bei der Gestaltung von Demenzstationen ist es wichtig, milieutherapeutische Ansätze zu berücksichtigen. Die Milieutherapie umfasst therapeutische Verfahren, die darauf abzielen, den Patienten durch die Umgestaltung seiner materiellen, sozialen und geistigen Umgebung positiv zu beeinflussen. Dies bedeutet, dass die Gestaltung auf die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Patienten abgestimmt sein muss. Im Bestand ist mehr Kreativität als beim Neubau gefordert, da hier schon in der Planungsphase auf bestimmte Verhaltensmuster eingegangen werden kann. Beim Neubau sollte schon in der Planungsphase ein Farb- und Materialkonzept erarbeitet werden, das in die bauliche Lösung mit einfließt. Ziel ist ein in sich stimmiges Konzept für die Umsetzung.

Die Einheit von Licht und Farbe

Licht und Farben sind untrennbar miteinander verbunden. Ohne Licht ist kein Leben möglich, und der Mensch ist auf farbiges Sehen ausgerichtet. Der Hell-Dunkel-Rhythmus bestimmt unser Leben, und die Farben unserer Umgebung berühren und formen uns. Farben beflügeln unsere Gedanken und Gefühle, wecken Erinnerungen und Träume und wirken wie ein Schlüssel zu unseren verborgenen Sehnsüchten.

Wenn Licht auf Gegenstände trifft, werden die Lichtstrahlen unterschiedlich reflektiert und absorbiert, wodurch die Dinge farbig erscheinen. Die Physik beschreibt Licht als elektromagnetische Schwingung, wobei jede Wellenlänge einer bestimmten Farbe entspricht. Wellenlängen von 700 nm (Nanometer) sehen wir als Dunkelrot, Wellenlängen von 400 nm registriert das Auge als Dunkelviolett. Dazwischen liegt das schmale Lichtband von Farben, die wir optimal wahrnehmen können.

Die Wirkung von Farben auf den Menschen

Farben sind Empfindungen, die im Auge durch die Aufnahme bestimmter Wellenlängen oder Wellenlängengemische des Lichts entstehen. Sogar Menschen mit Sehbehinderungen können Farben wahrnehmen. Das auf das Auge treffende Licht beeinflusst nicht nur die Wahrnehmung von Licht, Form und Farbe, sondern auch vielfache vegetativ gesteuerte Vorgänge im menschlichen Organismus.

Lesen Sie auch: Entspannung durch Musik

Farben sprechen nicht nur den Gesichtssinn an, sondern auch andere Sinnesorgane wie das Gehör, den Genuss, den Geruchs- und Geschmackssinn, das Temperaturempfinden und den Tastsinn. Sie wirken auch unterschiedlich auf unser Erinnerungsvermögen und sorgen für Orientierung. Nur wer sich dieser Eigenschaften bewusst ist, kann bei der Raumgestaltung für kranke und ältere Menschen angemessen reagieren und die richtigen lichttechnischen Maßnahmen bei der Planung von Einrichtungen treffen.

Sehleistungen im Alter und bei Demenz

Ältere Menschen benötigen aufgrund der natürlichen Verkleinerung ihrer Pupille eine wesentlich höhere Beleuchtungsstärke als junge Menschen. Schon ab einem Alter von 40 Jahren verringert sich der Pupillendurchmesser und die Lichtdurchlässigkeit der Augenlinse, sodass weniger Licht ins Auge fallen kann. Die Reduktion der Lichtdurchlässigkeit betrifft vor allem den blauen Spektralbereich, so dass die Farbwahrnehmung eingeschränkt ist.

Die Trübung der Linse führt zur Streuung des Lichts und damit zu einer Reduzierung der Sehschärfe und der Kontrastempfindlichkeit sowie zu einer erhöhten Blendempfindlichkeit. Die Pupille verliert außerdem an Elastizität und braucht deshalb länger, um sich an eine neue Lichtsituation anzupassen.

Bei Alzheimer-Demenz-Erkrankten besteht eine noch geringere Sensibilität beim Erkennen von Farbkontrasten. Große Defizite bestehen bei dem Wahrnehmen von Kontrasten, Farbsehen und Tiefenwahrnehmung. Bei der Gesichtsfeldeinengung ist die Ursache eine Erstarrung der Augenbewegung durch die eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule, somit unterbleiben korrigierende Kopfbewegungen.

Veränderungen bei Alzheimer-Demenz

Die Alzheimer-Erkrankung ist mit etwa 60 % die am häufigsten auftretende Form der Demenz. Demenzkranke haben eine Störung von Gedächtnisinformationen sowie kognitive Einbußen und Verhaltensdefizite. Durch den Verlust des Kurzzeitgedächtnisses können keine komplexen Handlungen erfasst werden und es fehlt die Zuordnung von Raum und Zeit. Im Verlauf der Demenz funktioniert das Langzeitgedächtnis im Allgemeinen noch sehr lange, was bei der Gestaltung Berücksichtigung finden sollte.

Lesen Sie auch: Waschung bei Demenz: So geht's

So gelangen bei Demenz-Erkrankten die Wellenlängen von gelben und roten Farben noch ins Gehirn, da sie Wellenlängen aufweisen, die auch das Langzeitgedächtnis erreichen. Daraus resultiert, dass gerade Mischfarben aus Gelb und Rot, wie Orange und ähnliche Abstufungen, als sehr angenehm empfunden werden.

Durch das altersbedingte Nachlassen der Tiefenwahrnehmung sind dagegen Farben, die sich aus blauen Wellenlängen zusammensetzten, oft nur als Grau zu erkennen. Das geschieht zum Beispiel bei einer Linsentrübung oder anderen Augenerkrankungen, die auf Grund einer fortschreitend auftretenden Demenz-Erkrankung vorliegen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass alle warmen und erdigen Farbtöne im Langzeitgedächtnis gespeichert sind und auch noch im Alter als angenehm empfunden werden. Abseits der Realität werden Emotionen über Farben angesprochen und im Langzeitgedächtnis vorhandene erlernte Muster abgerufen. Diese positiven Erfahrungen bleiben deutlich länger haften als zum Beispiel akustische Erlebnisse.

Dreidimensionales Denken ist nicht mehr möglich, was bei der Gestaltung von Piktogrammen sehr wichtig ist. Alle Metallic-Effekte lösen Blendung und Ängste aus. Zu viele Informationen sorgen für eine Reizüberflutung und für Verwirrung.

Raumgestaltung für Demenz-Erkrankte

Zur Therapieunterstützung sollten Räume für Demenz-Erkrankte warm und hell gestaltet werden, wobei Bodenbeläge in warmen, dunkleren Farbtönen zum Beispiel Trittfestigkeit symbolisieren können. Auf jeden Fall verbessern aber warme Farben das subjektive Kälteempfinden der Patienten. Sehr zu empfehlen sind auch Naturmaterialien, da sie Wärme ausstrahlen. Auch Linoleum im Holzdekor ist ein geeigneter Bodenbelag, ebenso wie andere erdfarbene Bodenbeläge.

Lesen Sie auch: Umfassender Überblick: Nervenberuhigende Zemente

Auf keinen Fall sollte ein Bodenbelag in Blau verwendet werden, weil diese Farbe mit einer Wasseroberfläche in Verbindung gebracht wird. Schwarz oder Dunkelgrau lösen Ängste vor unbekannten Tiefen und Abgründen aus. Diese Farben sollten also nur als Stopper Anwendung finden. Schwarz lasst sich zum Beispiel gut im Bodenbereich als „Weglaufsperre“ einsetzen. Der Streifen muss aber mindestens 80 cm breit sein, um ein Überschreiten zu verhindern, bei dem die Patienten stürzen könnten. Klinisches Weiß erinnert die Bewohner an Krankenhaus und kann damit verbundene Ängste auslösen.

Individuelle Gestaltung und Grundregeln

Jede Gestaltung der Räume muss aber individuell erfolgen, da viele Faktoren, wie Raumgröße, natürliche Belichtung, Lichteinfall eine große Rolle spielen. Es gibt kein Patentrezept. Dennoch sollten gewisse Grundregeln beachtet werden, um den Betroffenen das Leben in der Umgebung so harmonisch wie möglich zu gestalten.

Durch die richtige Auswahl und Gestaltung des Bodenbelags kann eine bessere Orientierung geschaffen werden. Räume, die nicht betreten werden sollen, können durch eine entsprechende Farbauswahl abgegrenzt werden. Großformatige Muster sollte man vermeiden, da sie eher für Verwirrungen sorgen. Jedes Zimmer sollte eine andere Wandfarbe bekommen, um die Orientierung zu erleichtern.

Fenster sollten auf Kippstellung fixiert werden können, da auf Grund des Weglaufdrangs auch das Fliehen aus dem Fenster nicht ausgeschlossen werden kann. Auf Spiegel sollte verzichtet werden. Da das eigene Ich nicht mehr erkannt wird, können spiegelnde Oberfächen Ängste auslösen.

Maßnahmen zur Orientierung

Die Türen der Räume für Demenz-Erkrankte sollten mit deutlich erkennbaren Symbolen gekennzeichnet werden. Hier kann sehr hilfreich sein, wenn vorher Biografiearbeit geleistet wurde. So können Türbeschilderungen mit einem zusätzlichen Lieblingsfoto gestaltet werden. Ersatzweise kann man sich behelfen mit Blumen- oder Obst-Motiven, die sich für die Orientierung besser einprägen als eine Türnummer oder der eigene Name.

Fluchttüren, die Demenzkranke nicht benutzen sollen, müssen „unsichtbar“ gemacht und entsprechend kaschiert werden. Im Flur sorgen Bilder für eine gute Orientierung, besonders wenn diese Erinnerungen wach werden lassen und Neugierde auf den Raum wecken - möglichst jedoch ohne Glasrahmen, da Glas reflektiert und blendet. Geeignete Motive kommen aus der Natur, da hier der Wiedererkennungswert für viele Patienten sehr hoch ist.

Die Farben sollten je nach Einrichtung Kontraste bilden, damit Ecken und Kanten gut erkannt werden. Auf eine gute blend- und schattenfreie Ausleuchtung ist zu achten. Gut ist ein Handlauf mit taktiler Unterstützung, der den Tastsinn aktiviert. Auch eignen sich Bilder aus verschiedenen Materialien, wie z.B. Kork, Moos, die den Tastsinn mobilisieren. Düfte von Kräutern oder Blumen unterstützen den Geruchsinn. Pflanzen im Raum sorgen für eine gute Lebensqualität und wirken nicht nur auf die Raumluft reinigend, sondern auch beruhigend (mit Ausnahme von Kakteen und Giftpflanzen).

Bei Demenzeinrichtungen im Krankenhaus sind Pflanzen im Topf nicht möglich, hier können aber Schnittblumen den Patienten den jahreszeitlichen Bezug ins Gedächtnis bringen und mit einem frischen farbigen Akzent für eine Wohlfühlatmosphäre sorgen. Im Sanitärbereich sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass sich die Sanitärobjekte von Wand und Boden abheben, also keine weiße Keramik und WC-Brille auf weißen Fliesen. So werden Stürze vermieden. Wegen des Blendeffekts sollte auf jede Form von Metallic-Ausstattung verzichtet werden.

Allgemeine Gestaltungshinweise

  • An der Tür ist ein bildliches Piktogramm sinnvoller als eine Beschriftung. Tasse und Teller steht zum Beispiel für Aufenthaltsraum.
  • Wenn Beschriftungen, dann in Groß- und Kleinschreibung, fett, farbig und kein Blocksatz, da dieser vom Auge nicht erkannt wird. Ebenso sollten keine Frakturschriften verwendet werden, sie sind bei älteren Menschen oft mit unangenehmen Erinnerungen verbunden.
  • Die Hinweise sollten in einer Höhe von 1,40 m angebracht werden, auf der sich der eingeengte Blickwinkel konzentriert.
  • Eine Uhr sollte immer arabische Ziffern aufweisen.
  • Räumlichkeiten, die von den Demenz- Erkrankten nicht betreten werden sollen, können durch Licht und Farben kaschiert werden, entweder durch ein Dimmen der Lichtquelle oder farbliche Zurückhaltung.
  • Türblatt und Türzarge von Räumen, zu denen kein Zutritt erlaubt ist, sollten sich in Material und Farbe deutlich von den anderen Türen absetzen.
  • Auch Fluchtwege sollten möglichst kaschiert werden, da bei Demenz-Erkrankten oft ein starker Weglaufdrang besteht.

Lichtgestaltung

Die Allgemeinbeleuchtung muss blendfrei und ausreichend hell sein (gemäß Richtlinie VDI-6008). Generell ist eine gute Ausleuchtung von großer Wichtigkeit, da nachgewiesen werden konnte, dass Demenz-Erkrankte bei 1000 lx signikant weniger an Depressionen leiden und zudem die Gabe von Psychopharmaka herabgesetzt werden konnte. Die Empfehlung von mindestens 500 lx auf Augenhöhe ist ein guter Anhaltswert für die meisten Räumlichkeiten.

Für die wahrgenommene Helligkeit (Leuchtdichte) ist aber nicht nur die Beleuchtungsstärke ausschlaggebend, sondern auch der Reflexionsgrad der Fläche (Helligkeit, Farbe, Struktur), auf die das Licht trifft. Auf den Tagesablauf kann sich auch farbiges Licht sehr positiv auswirken. Ein Blauanteil am Morgen steht für den Tagesbeginn, zum Abend hin wird durch einen langsam erhöhten Rotanteil die langsam beginnende Nachtruhe wahrgenommen. Auf diese Weise lässt sich für die Patienten der Tag-Nacht-Rhythmus besser bestimmen, eine mögliche Nachtaktivität wird eingeschränkt.

Fallbeispiel: Psychiatrisches Pflegeheim der Klink DR. Fontheim

Ein gelungenes Beispiel für die Umsetzung dieser Erkenntnisse ist das neu gebaute Psychiatrische Pflegeheim der Klink DR. Fontheim. Bei der Planung stand die Frage im Mittelpunkt: „Was braucht ein dementer, pflegebedürftiger Mensch?“ Das Unternehmen bietet mehr als 280 Behandlungsplätze im psychiatrischen Krankenhaus, Wohn- und Betreuungsplätze im Pflegeheim sowie der Eingliederungshilfe. Auch die Mitarbeiter sollten ein Arbeitsumfeld erhalten, das sie im Alltag von Betreuung und Pflege bestmöglich unterstützt.

„Im Psychiatrischen Pflegeheim leben Menschen unterschiedlichen Alters mit psychischen und körperlichen Erkrankungen und den dadurch hervorgerufenen Einschränkungen wie veränderte Realitätswahrnehmung oder schwere Ängste, Zwänge, Süchte oder Essstörungen. Einen besonderen Bereich haben wir Heimbewohnern gewidmet, die an Demenz erkrankt sind“, erläutert Sabine Fontheim, Mitgesellschafterin des Unternehmens und mitverantwortlich für die Konzeption des Hauses.

Die Braunschweiger Architektengruppe Schweitzer plante den Neubau für 83 dementiell erkrankte Bewohner. Das barrierefreie dreistöckige Gebäude umfasst 71 Einzelzimmer und sechs Zweibettzimmer. Zwei große Innenhöfe und auf jeder Etage großzügige Balkone bieten als geschützte Außenbereiche Ruhezonen und bringen Tageslicht ins Innere des Gebäudes.

„Unser Anspruch als Architekten ist es, dass die Konzeption des Gebäudes und die Gestaltung des Innenausbaus Hand in Hand gehen mit dem Anspruch an eine professionelle und optimierte Versorgung pflegebedürftiger Menschen mit Demenz und anderen psychischen Erkrankungen. Architektur und Innenarchitektur folgen daher dem Pflegekonzept. So konnten wir für die Bewohner ein positives Raumgefüge für ein neues Zuhause verwirklichen, das Geborgenheit, Orientierung, Sicherheit und die Freiheit zur Selbstbestimmung gibt“, erklärt Tobias Bleyer von der Architektengruppe Schweitzer.

In dem für das Psychiatrische Pflegeheim entwickelten Farb- und Materialkonzept dominieren im Innenbereich die Farben Grün und Rot. Daneben gibt es viel Weiß und helle, freundliche Holzakzente. Grüne Farbfelder und wechselnde Naturmotive aus dem Harz verleihen den um gemütliche Sitzmöglichkeiten erweiterten großzügigen, hellen Flurbereichen eine beruhigende Wirkung. Dem Grün steht das Rot gegenüber, das ebenfalls in der Natur zu finden ist und in der Demenz- und Geriatrieforschung als überdurschschnittlich gut wahrnehmbare Farbe gilt, wenn sie so wie hier kontrastreich eingesetzt wird.

Rote Türbeschläge für die Zugänge zu den Bewohnerzimmern oder rot akzentuierte Schranktüren unterstützen die Orientierung ebenso wie die überdimensional großen Zahlen auf den Türen. Auch in den gemeinsamen Koch-, Ess- und Wohnbereichen wurden Farben und Materialien bewusst eingesetzt. Farblich akzentuierte Wandbereiche, dekorative Tapeten und farbige, massive Solitärschrankmöbel aus Holz unterstützen zugleich den Wohncharakter der Einrichtung.

Jedes Bewohnerzimmer verfügt über ein eigenes Bad und ist mit einem Pflegebett der neuesten Generation ausgestattet. So wie das gesamte Umfeld mit Blick auf die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen gestaltet wurde, so sind auch die eingesetzten Beschichtungsmaterialien optimal an die Anforderungen eines Pflegeheims angepasst.

Die Rainer Bothe Malerbetrieb GmbH in Bad Harzburg erhielt den Auftrag zur Ausführung der Malerarbeiten. „Was unser Gewerk betrifft, war das ein Projekt für eine technisch individuelle Ausstattung. Uns war schnell klar, dass sich die Familie Fontheim und die Architekten sehr ausführlich mit dem Thema beschäftigt haben“, erläutert Malermeister Thilo Bothe. „Unsere Aufgabe war es, den gesamten Innenbereich so zu gestalten, dass einerseits Räumlichkeiten entstehen, die den Charakter einer Wohnung haben und den Bewohnern eine heimelige Umgebung bieten, zugleich jedoch, dass auch stets die Situation des Pflegeheims mit den Ansprüchen an Strapazier- und Reinigungsfähgigkeit Berücksichtigung findet.

Bothe wandte sich an Brillux und fand die gewohnte professionelle Unterstützung. Gemeinsam mit dem Technischen Berater wurden die passenden Beschichtungsmaterialien festgelegt. Um auf den mineralischen bzw. den Beton-Untergründen die Anmutung glatter Trockenbauwände und -decken zu erhalten, wurden sämtliche Untergründe zunächst mit dem verarbeitungsfertigen Briplast Airless-Spachtel ELF 1890 bzw. Briplast Airless-Spachtel leicht ELF 1885 gespachtelt. Mit leistungsstarken Airlessgeräten ging die Spritzspachtelung der großen Flächen schnell von der Hand. Anschließend erhielten die Wandflächen ein strapazierfähiges, dimensionsstabiles Anstrichvlies. Auf Empfehlung von Brillux kam das CreaGlas Glasvlies VG K 3000 zum Einsatz. Die Besonderheit dieses Glasvlieses ist die rückseitig aufgebrachte wasseraktivierbare Kleberschicht, die in Kombination mit dem CreaGlas Benetzungsgerät 1335 eine schnelle, einfache und rationelle Verarbeitung ermöglichte.

Für die Optik der Wände war ein leichter Glanz gewünscht, zugleich war Reinigungsfähigkeit gefordert. So fiel die Entscheidung auf die Latexfarbe ELF 992 und Topp ELF 948. „Überall dort, wo wir es mit besonders strapazierten Wandflächen zu tun hatten, die hohen Belastungen ausgesetzt sind, führten wir die Schlussbeschichtung mit der Latexfarbe ELF 992 aus“, so Rainer Bothe. Die seidenglänzende Innendispersion verfügt über die höchste Nassabriebbeständigkeit Klasse 1 und ist nicht nur besonders strapazierfähig und reinigungsfähig, sondern auch desinfektionsmittelbeständig. Über das Brillux Farbsystem standen dem Malerteam die gewünschten Farbtöne zur Verfügung. Mit Topp ELF 948 wurden im Psychiatrischen Pflegeheim in Liebenburg stumpfmatte Deckenanstriche mit einem hervorragenden Oberflächenbild erzielt.

„Neben der Beratung und Unterstützung zum Beispiel durch das Anlegen von Musterflächen ist die Lieferfähigkeit für uns ein ganz wichtiger Punkt bei Brillux. Das Material wird genau dann geliefert, wenn ich es brauche. Farb- und Gestaltungskonzepte, bewusst therapeutisch eingesetzt, können Demenzkranken die Orientierung erleichtern. Klinik DR.

Die Rolle von Farbe im Alltag mit Demenz

Farben haben einen erheblichen Einfluss auf das Wohlbefinden, insbesondere in den eigenen vier Wänden. Dies ist besonders relevant in der Pflege von Menschen mit Demenz, da Farben nicht nur stimulieren, sondern auch Erinnerungen und Assoziationen wecken und Orientierung bieten.

Im Laufe des Alterungsprozesses können sich physische Veränderungen im Auge ergeben, wie die Verengung der Pupille, was die Lichtaufnahme reduziert und dazu führen kann, dass Farben, besonders Blau, weniger intensiv wahrgenommen werden und in fortgeschrittenen Stadien sogar als Grau erscheinen. Zusätzlich kann eine Trübung der Linse zu einer Abnahme der Kontrast- und Tiefenwahrnehmung sowie zu einer erhöhten Blendempfindlichkeit führen. Dies beeinträchtigt die Fähigkeit, Farbkontraste wahrzunehmen. Daher ist es wichtig, bei der Gestaltung von Wohnräumen für Menschen mit Demenz auf helle und kräftige Farben zu setzen, um die Sichtbarkeit und Orientierung zu verbessern.

Empfehlungen für die Farbwahl

  • Rot: Angenehmes und pastelliges Rot suggeriert Wärme und Behaglichkeit. Rot als Signalfarbe ist bei Demenzpatienten als solche genutzt sehr sinnvoll und praktikabel. Weniger ist mehr.
  • Orange: Orangene Töne wirken heiter und strahlen Lebensfreude aus. Dadurch sind sie passend für Gesellschaftsräume. Auch hier lieber Pastelltöne für größere Flächen nutzen und mit kräftigen Nuancen lediglich Akzente setzen. Orange wirkt, so die Farbtheorie, zudem auch appetitanregend.
  • Grün: Grün als Farbe der Natur, macht die Umgebung für Ihre Lieben ruhig und harmonisch. Darüber hinaus stimuliert die Farbe mit einem höheren Gelbanteil, beispielsweise als Lindgrün auch sanft.
  • Blau und Violett: Blau und Violett kann in Pastelltönen ebenfalls beruhigend und entspannend wirken. Sie sollten gemeinsam und mit Bedacht herausfinden, wie Ihre Lieben auf bestimmte Farben reagieren.
  • Dunkle Farben: Vermeiden Sie bitte dunkle Farben, da diese oft Angst auslösen. Wie in unseren Tipps beschrieben, helfen dunklere Farben lediglich dabei, die Lauftendenz bei Demenzpatienten zu minimieren.

Wir empfehlen in jedem Fall die Abstimmung von Farben und tageslichtähnlicher Beleuchtung aufeinander. Damit erzielen Sie positive Effekte und setzten Ihre lieben Angehörigen keinen Reizüberflutungen aus.

Weitere unterstützende Maßnahmen

Neben der Farbgestaltung gibt es weitere Maßnahmen, die das Wohlbefinden und die Orientierung von Menschen mit Demenz verbessern können:

  • Bewegungstherapie: Wirkt körperlichen Beschwerden entgegen, zudem werden Verhalten und Körperwahrnehmung positiv beeinflusst.
  • Verhaltenstherapie: Ist ein psychotherapeutisches Verfahren für Menschen mit leichter kognitiver Störung (MCI) und Demenz im Frühstadium. Sie wird eingesetzt zur Bewältigung von Depressionen.
  • Sport: Hat nachgewiesene positive Effekte auf die Leistungsfähigkeit, Fitness und Stimmung von Erkrankten. Bewegung baut Ängste ab, mildert Aggressionen und fördert das Ein- und Durchschlafen. Am besten eignet sich tägliche moderate Bewegung (Walking, Tanzen, Gymnastik etc.), bei der Atmung und Herzfrequenz erhöht sind, aber noch ein Gespräch möglich ist.
  • Aktivitäten, die das Gehirn anregen: Wirken sich ebenfalls positiv auf den Verlauf von Demenzerkrankungen aus. Gut für die geistige Fitness sind zum Beispiel Brettspiele, Puzzles, Handarbeiten oder Basteln.
  • Soziale Kontakte: Ein gutes Miteinander und soziale Kontakte machen nicht nur zufriedener, sondern halten auch den Kopf fit.

tags: #beruhigende #farben #bei #demenz