Oma werden: Herausforderungen und Chancen für die ältere Generation

Es ist ein besonderes Gefühl, wenn die eigenen Kinder erwachsen sind und man wieder mehr Zeit für sich hat, nur um dann festzustellen, dass man zur "älteren Generation" gehört. Doch Oma oder Opa zu werden bedeutet nicht, zum alten Eisen zu gehören. Es ist vielmehr der Beginn eines neuen, aufregenden Lebensabschnitts.

Die neue Rolle als Großeltern

Großeltern zu sein, ist eine wunderbare Gelegenheit, die Entwicklung der Enkelkinder mitzuerleben. Man sieht sie lächeln, sich aufrichten, laufen - all die ersten Male, die man schon bei den eigenen Kindern erlebt hat. Doch diesmal ist man nicht mehr für alles verantwortlich, sondern kann die Rolle aus einer entspannteren Perspektive genießen.

Die jungen Eltern sind mit Engagement und Aufwand dabei, ihre Kinder zu erziehen. Großeltern können dies mit Abstand betrachten und ihre Erfahrungen einbringen. Eine zerschrammte Nase oder eine Beule auf der Stirn? Das hatten die eigenen Kinder auch, und sie sind trotzdem groß geworden. Ein Kind, das mit dreizehn Monaten noch nicht läuft? Keine Panik, das kommt noch.

Erfahrungsschatz und Gelassenheit

In Sachen Entwicklung, Erziehung und Ernährung haben Großeltern viele Glaubenslehren kommen und gehen sehen. Sie wissen, dass es oft verschiedene Wege gibt, Kinder gesund und glücklich aufwachsen zu lassen. Diese Gelassenheit und Erfahrung sind ein wertvoller Vorteil gegenüber den jungen Eltern.

Die großen Linien der Erziehung bestimmen die Eltern, aber Großeltern haben viele Nischen, in denen sie im Umgang mit den Enkeln das machen können, was ihnen als das Beste oder Angenehmste erscheint, ohne sich ständig Sorgen um die Konsequenzen machen zu müssen. Ein später Spaziergang durch die dunklen Straßen, obwohl das Kind eigentlich schon im Bett sein sollte? Eltern mögen so etwas nicht, aber Kinder lieben Großeltern, bei denen manchmal Dinge erlaubt sind, die zu Hause nicht möglich sind.

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Eine zweite Chance

Enkelkinder bieten die Chance, das, was man an der Erziehung der eigenen Kinder im Nachhinein nicht so gut fand, noch einmal neu und anders zu probieren. Viele Väter bedauern es zum Beispiel, ihren eigenen Kindern zu wenig Zeit gewidmet zu haben. Mit den Enkeln können sie dies nachholen.

Enkel zu haben hält jung. Wären Sie noch mit fünfundfünfzig auf einem Klettergerüst herumgestiegen, hätten Sie gelernt, am Computer durch Labyrinthe zu laufen oder Lemminge zu retten, wüssten Sie den Unterschied zwischen Hip-Hop- und Techno-Musik, wenn Sie keine Enkelkinder hätten? Mit Kindern umzugehen verlangt, geistig wie körperlich beweglich zu bleiben, immer wieder etwas Neues kennenzulernen, aufzunehmen, sich damit auseinanderzusetzen. Den Enkeln bei den Hausaufgaben zu helfen oder mit ihnen über den Sinn des Englischunterrichts zu debattieren, ist mindestens so gut wie ein Volkshochschulkurs zum Gedächtnistraining für Senioren.

Das veränderte Bild der Großeltern

Früher waren die Erwartungen an Großeltern klar: Großmütter waren alt, trugen Dutt und Schürze und waren für Seelentrost und Märchenerzählen zuständig. Diese Großmütter gibt es auch heute noch, aber das Bild hat sich gewandelt. Oma oder Opa zu sein, verpflichtet heute nicht mehr zu einem bestimmten Verhalten.

Viele Großeltern stürzen sich noch einmal mit voller Energie in ihren Beruf, planen Reisen oder engagieren sich in Vereinen. Sie haben nicht die Absicht, unentwegt Enkelkinder zu hüten, damit sich die jungen Leute ungezwungener bewegen können. Sie haben ihre Pflichten als Eltern erfüllt.

Die Rolle der Großeltern im Leben der Enkel

Enkel schätzen an ihren Großeltern, dass sie nicht mehr so in Eile leben, alles nicht so verbissen sehen, eher mal fünfe grade sein lassen, auch mal eine verrückte Dummheit mitmachen und sich darauf einlassen, Mama nichts davon zu erzählen. Für die Enkel sind Großeltern lebendige Zeugen einer Zeit, die sie sonst nur noch aus Büchern oder in alten Filmen kennenlernen.

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Großeltern sind für viele Kinder eine stabile Verbindung über Generationen hinweg, auch wenn sich das Familiengefüge verändert. Sie sind oft die lebendige Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart und bewahren kulturelle Traditionen.

Typen von Großeltern

Die Kümmer-Oma glaubt, dass alles gegen den Baum läuft, wenn sie die Dinge nicht selbst in die Hand nimmt. Die Fütter-Oma sorgt für ausreichende Nahrung und Leckerbissen. Die flotte Oma sieht aus wie Mamas Schwester und geht ins Fitnesscenter. Die Nasewärm-Oma ist immer gemütlich und für das Enkelkind da. Die Strick- und Stopfoma ist ständig auf der Suche nach Socken mit Löchern. Die Neugier-Oma will alles ganz genau wissen. Die Übelnehm-Oma erwartet, dass man immer an alles denkt. Die Feuerwehr-Oma beklagt sich über ihre Unentbehrlichkeit, ist aber zuverlässig zur Stelle. Die Emanzen-Oma verbündet sich mit der Schwiegertochter. Die Muster-Oma ist lieb, leise, selbstlos und rücksichtsvoll. Der Spiel-Opa rutscht mit den Enkeln auf dem Fußboden herum. Der Mecker-Opa hält die heutige Jugend für schlecht erzogen. Der Chaoten-Opa vergisst, dem Kind einen Anorak anzuziehen. Der Besserwisser-Opa liegt ständig im Streit mit dem Vater. Der Abenteuer-Opa hat viele Ideen für Unternehmungen, die aber fast immer schiefgehen. Der Finanzierungs-Opa lebt sehr sparsam. Der Reparier-Opa findet überall Dinge, die "dringend mal gemacht werden müssen".

Herausforderungen und Grenzen

Bei aller Zuneigung dürfen Sie es trotzdem laut sagen: Enkel bedeuten auch Stress. Muten Sie sich im Umgang mit den Enkeln nicht mehr zu, als Sie gern tun und verkraften können. Wenn Sie sich ständig zu Hilfsdiensten "breitschlagen" lassen, die Ihnen eigentlich zu viel sind, bricht sich das früher oder später in offenen oder verdeckten Vorwürfen Bahn, und das ist Gift für den Familienfrieden.

Erwarten Sie auch nicht, dass die jungen Leute von sich aus merken, was zu viel für Sie ist, und darauf Rücksicht nehmen. So lange Sie, wenn auch mit entsagungsvollem Unterton sagen: "Ja ja, geht nur, ich mach das schon", so lange wird das wahrscheinlich auch angenommen. Sagen Sie Kindern und Enkelkindern klar, was Sie nicht mögen oder nicht mehr können.

Kompromisse finden

Wenn Sie bei jedem zerkrümelten Keks, jedem umgeworfenen Glas ein saures Gesicht machen und eine Putzaktion starten, werden Ihre Kinder und Enkel nicht oft kommen. Wollen Sie das? Dann machen Sie es so. Wollen Sie es nicht, suchen Sie nach einem Kompromiss, mit dem alle leben können. Stellen Sie die zarten Nippes weit nach oben, dann brauchen Sie nicht ständig aufzupassen und zu schimpfen. Binden Sie den Nähkasten zu, damit sich niemand mit Schere und Stecknadeln verletzen kann.

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Es ist wenig sinnvoll, wenn Sie Ihren Kindern Vorwürfe machen, dass sie die Enkel nicht dazu anhalten, sich "anständig" zu benehmen, oder wenn Sie zähneknirschend dulden und übel nehmen. Was in Ihrer Wohnung gelten soll und was nicht, legen Sie - so freundlich und entschieden wie möglich - selbst fest.

Die besondere Rolle der Großeltern

Großeltern nehmen in vielen Familien eine ganz besondere Rolle ein. Sie sind liebevolle Bezugspersonen für ihre Enkelkinder, verlässliche Unterstützung für die Eltern und bewahren dabei wertvolle Erinnerungen, Geschichten und Traditionen.

Eltern geben jeden Tag ihr Bestes, aber Großeltern können diesen Familienalltag bereichern, indem sie mit Ruhe, Aufmerksamkeit und einer anderen Perspektive unterstützen. Kinder brauchen Menschen, bei denen sie sich sicher und verstanden fühlen - nicht nur in der frühen Kindheit, sondern ein Leben lang.

Tipps für ein harmonisches Miteinander

  • Für Eltern: Machen Sie sich bewusst, dass Unterstützung durch Großeltern ein Geschenk ist - und etwas ganz Besonderes. Kommunizieren Sie transparent mit beiden Seiten und nehmen Sie Unterschiede nicht persönlich.
  • Für Großeltern: Helfen Sie so, wie es Ihnen guttut. Sie müssen nicht alles möglich machen. Lassen Sie sich auf neue Themen ein, auch wenn sie Ihnen fremd erscheinen.
  • Für Familien: Vereinbaren Sie kleine Rituale, um die Beziehung zu pflegen, auch wenn die Entfernung groß ist.

Konflikte und unterschiedliche Erziehungsansichten

Konflikte zwischen Eltern und Großeltern sind ein häufiges Thema. Es treffen unterschiedliche Generationen aufeinander, und die Ansichten darüber, wie Kinder sich zu verhalten haben und wie mit ihnen umgegangen wird, können weit auseinandergehen.

Oftmals lieben Großeltern es, den Enkelkindern alle Wünsche zu erfüllen, was zu Konflikten über Süßigkeitenkonsum, Medienzeiten und Co. führen kann. Hier ist es wichtig, genau auf die jeweiligen Bedürfnisse zu schauen und zu erkennen, dass Kinder ziemlich gut zwischen ihren Bezugspersonen und den Regeln oder Absprachen unterscheiden können, die es dort gibt.

Auch vermeintlich gut gemeinte Ratschläge oder Erziehungsmethoden, die den eigenen Haltungen widersprechen, können Anlass für Konflikte sein. Hier ist es wichtig, zwischen Ratschlägen und Handlungen zu unterscheiden und gegebenenfalls ins Gespräch zu gehen.

Umgang mit schwierigen Großeltern

Wenn die Großeltern problematisches Verhalten zeigen, das sich sehr auf Kontrolle fokussiert oder Gefühle abwertet, ist es wichtig, Grenzen zu setzen und das Kind zu schützen. Kommunizieren Sie klar, welche Verhaltensweisen Sie nicht akzeptieren, und scheuen Sie sich nicht, die Betreuung durch die Großeltern einzuschränken oder ganz zu beenden, wenn das Wohl Ihres Kindes gefährdet ist.

Großeltern als Bereicherung

Trotz aller Herausforderungen ist die Beziehung zwischen Großeltern und Enkelkindern eine wertvolle Bereicherung für alle Beteiligten. Großeltern prägen die Entwicklung ihrer Enkel maßgeblich, bieten eine wertvolle Ergänzung zur Elternrolle, teilen Lebenserfahrung ohne Alltagsdruck und schenken besondere Geduld.

Indem Sie gemeinsam Zeit verbringen, Verständnis für die jüngere Generation zeigen und eine vertrauensvolle Kommunikation pflegen, können Sie eine starke Beziehung zu Ihren Enkelinnen und Enkeln aufbauen, die ein Leben lang hält.

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